Hattische Sprache

Dieses Thema im Forum "Frühzeit des Menschen" wurde erstellt von Witege, 28. Februar 2006.

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  1. Witege

    Witege Aktives Mitglied

    Wie sehen dann deiner Meinung nach die Beweise für eine Einwanderung der Kurgan-Leute in Anatolien aus? Die ersten Schriften beweisen, dass es sowohl Indoeuropäer als auch Hattier gab. Das war dann aber auch alles was bekannt ist.
    Nur weil es die Lehrmeinung ist, muß sie doch nicht stimmen.
     
  2. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    "Beweise" für oder gegen diese oder jene Theorie gibt es überhaupt nicht. Bis heute werden Herkunft und Wanderungen indoeuropäisch sprechender Völker in der Forschung durchaus kontrovers diskutiert und es gibt lediglich Theorien oder gar nur Spekulationen. Das muss man ehrlicherweise voranstellen, wenn man diese Thematik diskutiert.

    So wird die Anatolientheorie mehrheitlich von der Forschung abgelehnt und das deckt sich auch mit meiner Meinung. Im Raum Kleinasien/Vorderasien waren entweder semitische Sprachen verbreitet oder aber altkleinasiatische, d.h. nichtindogermanische Idiome, die keiner bekannten Sprache zuzuordnen sind. Die Entstehung indoeuropäischer Sprachen wird hingegen erst dem 3. Jahrtausend zugeordnet und im vorderasiatischen Raum haben Hethiter aus den zitierten Gründen wohl nicht ursprünglich gesessen.

    Ich favorisiere daher eine Einwanderung der Hethtiter in den zentralanatolischen Raum, wo sie auf eine protoanatolische Vorbevölkerung stießen, zu denen ich die Hattier zähle. Ob diese Einwanderung nun von Südrussland her entlang der östlichen Schwarzmeerküste erfolgte, oder vielleicht sogar von Westen her über den Bosporus, lässt nicht entscheiden. Für den östlichen Weg spricht, dass man bis Maikop hinunter Grabhügel bzw. "Kurgane" findet (Maikopkultur), für den Zugang von Westen der problemlosere Weg.

    Wenn ich die ursprünglichen Sitze der Hethiter zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer postuliere, lässt sich leicht vorstellen, wie die entsprechen Wanderungen geografisch verlaufen sind.

    Für den Weg von Westen her könnte man z.B. vermuten, dass sich im Raum des Balkan die einwandernden Indoeuropäer etwa um 2200 v. Chr. in Protogriechen und Protohethiter aufspalteten. Während die einen in Griechenland blieben und dort nach Vermischung mit der eingesessenen Bevölkerung zum griechischen Volk wurden, zog der andere indoeuropäische Zweig – nämlich die Protohethiter – über den Bosporus, wo nach Verbindung mit den Hattiern das Volk der Hethiter entstand.

    Das sind, wohlbemerkt, lediglich hypothetische Szenarien, aber angesichts schlagender Beweise lässt das Thema nur so diskutieren.
     
  3. hyokkose

    hyokkose Gast

    Und wenn man nichts weiß, an das, was man glaubt?
     
  4. hyokkose

    hyokkose Gast

    Welche Idiome außer dem Hattischen wären dies?

    Welche nachweisbare Verbindung besteht zwischen den Kurganen und den Hethitern?

    Eines so späte Trennung zwischen Proto-Griechen und Proto-Anatoliern ist kaum denkbar. Die wenige Jahrhunderte später belegten Sprachen Hethitisch und Mykenisch liegen so weit auseinander, daß von einer wesentlich längere Trennung auszugehen ist.
     
  5. tamas

    tamas Gast

  6. heinz

    heinz Neues Mitglied

    Lieber Witege,
    Beweise gibt es, wie schon Dieter schrieb für keine der vielen Theorien. Warum sollen die Hethiter nicht am Rande des Schwarzen Meers nach Süden gewandert sein?:confused: Dass sie da waren und eine indogermanische Sprache gesprochen haben kann man ja schließlich aus ihren Schriftbildern entnehmen. :grübel:
     
  7. hyokkose

    hyokkose Gast

    Weil es außerhalb von Anatolien und außerhalb des Großhethitischen Reiches nie Hethiter gegeben hat.
     
  8. tamas

    tamas Gast

    ..oder es wurden bis jetzt keine gefunden,bzw.identifiziert. "Gab es nie" kannst du einfach nicht belegen.
     
  9. hyokkose

    hyokkose Gast

    Richtig.
    Möglicherweise besiedelten die Hethiter auch Tahiti. Daß es dort keine Hethiter gab, läßt sich schließlich auch nicht belegen.
     
  10. tamas

    tamas Gast

    "Gab es nie in der Nachbarschaft", oder "gab es nie auf Tahiti"- ist doch hoffentlich nicht gleichzustellen,oder ?
     
  11. hyokkose

    hyokkose Gast

    Richtig, denn über die Nachbarn gibt es eine Menge archäologischer Belege, und man weiß ungefähr, wer dort gewohnt hat.

    Im Fall Tahiti ist mir für die Zeit der Hethiter nichts dergleichen bekannt.
     
  12. tamas

    tamas Gast

    Na ja, das ist mir zu pauschal..
    Aber viel wichtiger ist, das die Hethiter sich selber nicht als Einheimische, sondern als zuwanderer verstanden. Hattisch ist wie es aussieht ein vorfahre/verwandte des Abchasischen. Nesa oder Kanes, von wo die Hetthiter sich nannten lag im südosten, und gehörte nicht zu den wichtigsten städten des (spät.) Reiches.
    Deshalb nehmen manche an , die seien von osten gekommen.
    Laut den Hethitischen Legenden stieg die Sonne bei den Wanderungen aber immer aus dem Meer .Das würde eine Wanderung entlang des Schwarzen Meeres (westliche Richtung) , bei den meeresengen vorbei bedeuten.
     
  13. hyokkose

    hyokkose Gast

    In Hattusa natürlich.

    Die Heimat der Hethiter war in Nesa, südöstlich davon.



    Sagt wer?



    Was für Wanderungen bitte? Könntest Du diese Legende einmal zitieren?
     
  14. lemming099

    lemming099 Neues Mitglied

    Hattisch wurde nicht in ganz Anatolien gesprochen, sondern in Zentralanatolien.

    Immerhin wurde Hattisch lange bei den Hethitern als Ritualsprache verwendet.
    Nach der Sprachwissenschaft ist Hattisch mit keiner anderen Sprache verwandt. Wie du schon schriebst.
    Die hethitischen Quellen unterscheiden strikt zwischen Hethitisch und Hattisch. Die Hethiter bezeichneten die Hattische Sprache als „hattili“, während sie ihre eigene Sprache als „nesili“ bezeichneten.
     
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  15. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Das stimmt natürlich. Dennoch wäre es interessant zu wissen, wie weit das Hattische in die anatolische Vorgeschichte hinabreicht oder ob es gar ein Fortsetzer der Sprache ist, die die Leute von Catal Hüyük sprachen. Anders herum: Zählen die Hattier zur autochthonen Bevölkerung Kleinasiens und somit zu den Ureinwohnern?

    Das zeigt den hohen Stellenwert der Hattier bei den Hethitern, was auch durch die Übernahme zahlreicher hattischer Kulturtraditionen bestätigt wird. Vielfach wird angenommen, dass die frühen indogermanischen Hethiter als noch ziemlich archaische Burschen beim Militär hattischer Fürsten in Lohn und Brot standen, bis sie schließlich um 1800 v. Chr. in deren Stadtstaaten bzw. kleinen Fürstentümern selbst das machtpolitische Ruder übernahmen.

    Hattisch gilt als isolierte Sprache, was es möglicherweise 1000-2000 Jahre zuvor nicht gewesen ist, wenn man es als Sprache der anatolischen Urbevölkerung betrachtet - zumindest als eine der seit dem späten Neolithikum in Anatolien verbreiteten Sprachen. Vermutlich hat die rasche Ausbreitung des Hethitischen zusammen mit dem Luwischen und Palaischen den vor-indogermanischen altanatolischen Sprachen den Garaus gemacht.
     
  16. lemming099

    lemming099 Neues Mitglied

    Man weiß, dass die Hattier bereits im 3. Jt. v. Chr. in Zentralanatolien gelebt haben. Ob sie nun autochthon waren oder irgendwann nach Zentralanatolien migriert sind, ist wohl unklar. Welche Sprache in der neolithischen Siedlung Çatalhöyük, deren Siedlungsgeschichte bis in das 7. Jt. v. Chr. zurückreicht, gesprochen wurde, weiß man sicherlich nicht.
     
  17. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Nein, natürlich weiß man das nicht und ich habe es auch nur als Hypothese oder Spekulation erwähnt. :grübel:

    Allerdings kann man beobachten, dass isolierte Sprachen meist ein hohes Alter aufweisen und in ihren Regionen zu den frühesten Idiomen zählen. Das gilt für das Baskische ebenso wie für das Sumerische oder Hurritische mit seinem Fortsetzer, dem Urartäischen. Und vielleicht gilt das ja auch für das Hattische, das leider wegen der unzureichenden schriftlichen Überlieferung - einzelne Einsprengsel in hethitischen Texten - nur unzureichend erforscht ist.
     
  18. lemming099

    lemming099 Neues Mitglied


    Die Hypothese, dass die Urheimat der indoeuropäischen Sprachfamilie in Anatolien zu suchen ist, wird zwar von der Indogermanistik nicht grundsätzlich abgelehnt, hat aber nie eine mit der Kurgan-Hypothese vergleichbare Akzeptanz erreicht. Es gibt zu viele gewichtige Argumente gegen die Anatolien-Hypothese. Zum Beispiel gibt es keine archäologischen Spuren, die auf indoeuropäische Siedlungen für das 8. und 7. Jahrtausend v. Chr. hindeuten. Auch ist die Wissenschaft sich darüber einig, dass Çatalhöyük nicht von einer indoeuropäischen Bevölkerung besiedelt wurde. Es gibt nicht die geringsten Beweise dafür, dass die ursprünglichen Träger des Indoeuropäischen aus Anatolien stammen.
     
  19. lemming099

    lemming099 Neues Mitglied



    Beim Hurritischen und Urartäischen geht die Linguistik mittlerweile davon aus, dass es sich bei beiden Sprachen um kaukasische gehandelt hat. Ob das nun bewiesen ist, weiß ich aber nicht genau.
     
  20. lemming099

    lemming099 Neues Mitglied

    Die Sprache, die von der Herrenschicht des Staates Mitanni gesprochen wurde, war ein Zweig des Indo-arischen und war am ehesten mit dem Vedischen verwandt.
     

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