Hexen-Angst

Dieses Thema im Forum "Hexenverfolgung (1450-1750)" wurde erstellt von Platonia, 23. April 2020.

  1. Platonia

    Platonia Neues Mitglied

    Hallo, gerade schreibe ich -trotz Semesterbeginn-an einer Hausarbeit, die sich auf eine kirchengeschichtliches Seminar bezieht, in dem es zentral um frühneuzeitliche Angst im"Abendland" ging-Angst vor Hunger,Glaubensabweichungen, Gewalt, Krieg, Gott, Juden.....
    Ursprünglich war mein(vorgegebenes) Referatsthema(im Seminar) "Angst vor religiöser Devianz:Hexen und Flucher=>Stillung der Angst?Verfolgung von Gotteslästerung".
    Deshalb wollte ich meine These für die HA daran anlehnen:"Die strafrechtliche Verfolgung von Hexerei minderte kurzfristig die Angst der Verfolger"Der Fokus liegt also auf Strafrecht und Angst.
    Als Grundlage habe ich ein Traktat von Peter Binsfeld-"Tractat von Bekanntnuß...1590"- einem Weihbischof aus Trier.Inhaltlich fordert er eine verschärfte Vorgehensweise bei der Bestrafung der Hexen, Zauberer, wie z.B.Zulassung von Kinderbesagungen und Prozess bei bereits einer Besagung.

    Jetzt hadere ich mit meiner These, denn es fällt mir schwer, Angst über den Traktat methodisch zu belegen.
    Eigentlich brauche ich 5 Argumente,die ich erörtere und deren Schlussfolgerungen dann in meiner Konklusion zusammengefasst werden.
    Als Prämissen zur Angst:
    1.Angst ist unbestimmt und objektlos und kann in Furcht transformiert werden, wenn sie ein Objekt gefunden hat.
    2.Angstbewältigung verwandelt eine passive Hilflosigkeit in eine aktive Handlungsmöglichkeit
    3.Übetragung der Angst auf eine verursachende Personengruppe=abwehrendes Handeln
    Argumentation:Bedrohte Ordnung
    -Teufelsfurcht
    -Angst vor Versuchung durch den Teufel
    -Angst vor dem göttlichen Zorn
    -Angst vor Verdammnis
    -Angst vor der Endzeit

    Meine Frage:Ist das logisch und verständlich?Oder völlig daneben?

    Peter Binsfeld – Wikipedia
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Deine Fragestellung ist imho keine historische, sondern eher eine psychologische und diese psychologische Fragestellung dürfte zur Pseudepsychologie verkommen, was du jetzt bitte nicht als Geringschätzung missverstehst.
     
  3. Platonia

    Platonia Neues Mitglied

    Generell stimme ich dir zu.Nur:ich bin ratlos, was die Herangehensweise an das Thema Angst und Hexen angeht und LEIDER muss ich Angst integrieren.
    Die Thesen zur Angst habe ich von Heinz Dieter Kittsteiners Aufsatz: Die Angst in der Geschichte und die Re-Personalisierung des Feindes"und er war Grundlage unserer Auseinandersetzung mit Angst in besagtem Seminar.
    Hab Dank für deine ehrliche Antwort.
    Hast du eine weiterführende Idee?
     
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Du arbeitest mit dem Binsfeld-Traktat als Quelle? Pro- oder Hauptseminar? In einer PSs-Hausarbeit könntest du z.B. überprüfen, ob die Thesen Kittsteiners durch Binsfeld bestätigt werden oder eben nicht (Achtung! Du kannst mit Binsfeld Kittsteiner wahrscheinlich eher nicht widerlegen, daher Vorsicht mit der Wortwahl.) Somit hättest du a) Quellenarbeit integriert und b) würdest du dich im wissenschaftlichen Diskurs „einbringen“ (wenn es auch außer deinem Dozenten wahrscheinlich niemand wirklich lesen wird, v.a. nicht Kittsteiner).
     
    Platonia und Traklson gefällt das.
  5. Platonia

    Platonia Neues Mitglied

    Binsfeld ist meine Quellengrundlage-und die Arbeit ist für ein HS.
    Deine Idee gefällt mir -DANKE!In der Tat-Kittsteiner weilt nicht mehr unter den Lebenden und letztlich dienen Hausarbeiten der eigenständigen Auseinandersetzung/Vertiefung mit einem Thema.
    Jetzt werde ich das Ganze durchdenken.
     
  6. Platonia

    Platonia Neues Mitglied

    Jetzt drängt die Zeit, denn die digitale Lehrform fordert noch mehr Eigenstudium, als bisher.
    Ich fürchte, es reicht meiner Dozentin nicht aus, wenn ich Kittsteiners Thesen mit Binsfeld belege-das wäre die Schlussfolgerung-wie du richtig erkannt hast.
    Da es ja eine kirchengeschichtliches Seminar war, wäre eine andere mögliche These: Die Ehrfurcht vor Gott wurde durch Hexenangst verdrängt.

    Das übergeordnete Thema wäre dann:Hexenangst als bedrohte göttliche Ordnung

    Binsfeld könnte ich nach wie vor nutzen, da man bei ihm vergeblich nach göttlicher Barmherzigkeit, Gnade, Liebe etc. sucht. D.h.er ist ein gutes Beispiel für die These.
    Allerdings habe ich noch ein Problem mit der "permissio dei", der Zustimmung Gottes in Bezug auf Satans Macht. Gott ist prima causa und Satan die zweite wirkende Macht?Oh je, hoffentlich verfahre ich mich damit nicht...
    Was denkst du?
    Ich komme mir so dumm vor und will die Arbeit endlich fertigstellen und loslassen, um mich dem Neuen zu widmen.
     
  7. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Nicht belegen, sondern überprüfen, auf den Prüfstand stellen.

    Mit welcher Methodik wolltest du diese These überprüfen? (Mir scheint sie etwas aus den Fingern gesogen und nicht wirklich tragend.)
     
  8. Platonia

    Platonia Neues Mitglied

    Die Idee zu dieser These beruht auf meiner Frage, ob dem Teufel möglicherweise zu viel Macht zugebilligt wurde. Diesen Eindruck bekam ich, als ich verschiedene Primärquellen las. Einerseits gibt es jede Menge Erbauliches, andererseits, besonders bei den dämonologischen Traktaten, steht überwiegend die Macht des Teufels im Fokus.Selbst bei Kritikern der Verfolgung wie Weyer, Meyfarth oder Spee.
    Die Herangehensweise wäre kirchengeschichtlich und teilweise theologisch.
     
  9. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das ist nur dann eine historische Fragestellung, wenn du überprüfst, ob das aus zeitgenössischer Sicht häretisch war. Ansonsten ist das, zumindest so, wie ich dein Formulierung verstehe, ziemlich subjektiv. Oder ich verstehe dich gerade einfach falsch.
     
  10. Platonia

    Platonia Neues Mitglied

    Ich bin unklar-deshalb missverständlich. Ich versuche mal, den dahinterstehenden Gedankengang zu erklären:
    Es ist insofern eine historische Fragestellung, als dass die Verfolger von Hexen dem Teufels eine größere Wirksamkeit zubilligten, als der Allmacht Gottes. Aus dem Blick gerät, dass der Teufel als Werkzeug Gottes und somit ein Prüfstein für den Glauben sein sollte. Er agiert also eigentlich im Auftrag Gottes zum Nutzen des Menschen(Selbsterkenntnis)
    Die Verfolger richten ihren Blick nach außen, statt nach innen=>dualistisches Denken in der Form =>von einem Gott kommt Gutes, von einem anderen Gott Böses=Abgötterei und auch häretisch.
    Gerd Schwerhoff schreibt in "Rationalität im Wahn",S.58 folgendes dazu:"wie sehr im Denken des Malleus die Allmacht Gottes zurücktritt(....)meist erscheint Satan nicht als subalterner Bote, sondern als zielstrebiger, potentiell erfolgreicher Vertreter eigenständiger Interessen."
    Und da Binsfeld sich in seinen Ausführungen auch am Malleus orientiert, bin ich auf die These gekommen.
    https://www.degruyter.com/view/journals/saeculum/37/1/article-p45.xml

    Was meinst du mit subjektiv?
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. April 2020
  11. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Deine Ausführungen („dem Teufel zu viel Macht zugebilligt wurde“) lasen sich für mich so, als wolltest du eigene Glaubensvorstellungen, die eben subjektiv sind, in den Mittelpunkt rücken, als sei der Teufel eine Größe, mit dem wir Historiker zu rechnen hätten. Da du das so nicht meintest, ist das jetzt obsolet.
     
  12. Platonia

    Platonia Neues Mitglied

    ....ich bin froh, dass du mir eine so klare Rückmeldung gibst, denn wenn DU mich schon nicht verstehst, wie dann die Dozentin?!
     
  13. Platonia

    Platonia Neues Mitglied

    Ich glaube nicht an den Teufel, sondern an den Menschen und jeder trägt Gutes und nicht-Gutes in sich.
     

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