Historische Niedrigzinsphasen

Dieses Thema im Forum "Wirtschaftsgeschichte" wurde erstellt von silesia, 26. März 2015.

  1. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Drei Jahrhunderte lang galten 3 bis 4 % als "normales" Zinsniveau (effektiver Zinssatz), immer wieder unterbrochen von höheren Sätzen zB aus externen Schocks wie Kriege etc.

    Beispiel Großbritannien seit 1700:
    Of Debt, Growth, Interest Rates and History - Bloomberg Business

    Ohne das diskutieren zu wollen, aber zum Vergleich: 5 Jahre Bund um die 0,2%, 10 Jahre um 0,35%, 30 (!) Jahre um 0,6%, 10-jährige US-Bonds um 1,8%.

    Die letzte "Niedrigzinsphase" für Großbritannien verlief 1890-1900 mit teilweise unter 2 %.

    Gibt es weitere historische Beispiele, oder sogar solche für Negativzinsen?
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. März 2015
  2. Lafayette II.

    Lafayette II. Aktives Mitglied

    Als alter Betriebswirt mit Fabile für VWL fällt mir leider keine weitere ein.
     
  3. JetLeechan

    JetLeechan Aktives Mitglied

    Wenn man die japanische Zinsentwicklung seit dem Platzen der Spekulationsblase 1990/91 in zwei Phasen einteilen möchte, eine durch die japanische Krise induzierte und eine durch die globale Krise induzierte, dann könnte man tatsächlich eine weitere Niedrigzinsphase ausmachen. Von 1990 bis etwa 2002 sanken die Zinsen dort rapide und bewegten sich im Schnitt auf einem Niveau von unter 2 Prozent. Sie blieben von Ende der 90er bis etwa 2005 auf einem Niveau von unter 1 Prozent. Erst mit der weltweiten Krise stiegen sie wieder ein wenig an, nur um seit 2008 wieder zu sinken.

    Interessant würde es vielleicht, schaute man sich die realen Zinssätze an. Da historisch immer wieder Phasen hoher Inflation auszumachen sind, dürften sich einige mehr Niedrigszinsphasne ergeben.
     
  4. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Das wird so sein.

    Ein Problem ist dabei die Messung der Inflation, und die Ableitung der Realzinssätze in der Historie. Hier am Beispiel USA-DR:
    http://www.wiwi.uni-muenster.de/wisoge/md/studium/histdatenbank/dat11.xls

    Die Volatilität der Inflationsreihen in der Darstellung hängt auch an Messfehlern sowie an der Bestimmung der Konsumentenpreise, die für die Darstellung der Inflation herangezogen wurden (nur ein Beispiel: Ernteschwankungen, mit erheblichen Auswirkungen auf den Index über Nahringsmittelpreise - das läßt die Frage entstehen, ob der Index geeignet für die Ableitung von Realzinssätzen ist).

    Immerhin kann man - würde man die Inflationsausreißer nach oben glätten bzw. ausblenden - zwischen 1880 und 1910, zunächst im Zuge der s.g. Great Depression - negative Realzinssätze identifizieren. Beispiele DR 1880, 1889/90, 1905/06, durchbrochen durch höhere Inflation in den Zwischenjahren, bei recht stabilen Anleiherenditen. Die Berücksichtigung der Kurse ist dabei ebenfalls ausgeblendet (Effektivrenditen), die schwanken aber geringfügig um 100 und sind daher zu vernachlässigen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. März 2015

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