Hitler-Comic an Schulen -- Gut oder Schlecht?

Dieses Thema im Forum "Geschichtsmedien und Literatur" wurde erstellt von Jagdflieger, 9. Februar 2008.

  1. beetle

    beetle Aktives Mitglied

    obwohl Chaplin ja gesagt haben soll, wenn er das komplette Ausmaß des Hitler Wahns (sowohl dem von Hitler, als auch der "jubelnden Massen") gekannt hätte, hätte er diesen Film nicht so gespielt
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ironie der Geschichte. 1938 hatte der Film in den USA keinen Erfolg, Chaplin wurde sogar angefeindet; 1945/46 dagegen füllte der Film die Kinosäle (und -kassen).
     
  3. Querdenker

    Querdenker Gast

    Wichtiger wie das lesen, wird wohl das verstehen sein :D
     
  4. geschichtsfreek

    geschichtsfreek Gesperrt

    Meiner Meinung nach ist es wichtig den Schülern ab einem bestimmten Alter und Klassenstufe die Zeit des Nationalsozialismus zu unterrichten. Nur so können sie begreifen, das man diese dunkle Zeit der Deutschen Geschichte ernst nehmen muss. Ich finde den Einblick über Comics zu geben ist meiner Meinung nach der etwas ungünstige Weg, da über Comics vieles verharmlost wird.
     
  5. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Nun sind für den Unterricht aber nicht Comics allgemein vorgesehen, sondern ein konkreter und bloß weil das Comic vor allem als seichte Kinderliteratur bekannt ist, lässt das Genre vieles zu und versperrt sich nicht automatisch ernsten Themen.

    Was mir gerade dazu einfällt. Der Nationalsozialismus wurde auch bei "Alfred J. Kwak" aufgegriffen, als die Krähe Kra eine Partei gründet und mit ihr die Macht übernimmt. Hierbei endet das System zwar nicht durch einen Krieg und Kra beseitig keine Republik, sondern eine konstituionelle Monarchie, aber nichtsdestotrotz wurden viele zentrale Elemente des Faschismus kindgerecht (also verständlich) aufbereitet. Die Darstellung Kras orientiert sich dabei auch an Napoleon (Kleidung), was aber nur den Eindruck des machtbewussten/besessenen Herrschers verstärkt.
    Die Entwicklung der Ereignisse ist daher relativ unabhängig von der Geschichte, aber das Problem Diktatur wird ohne Frage deutlich und eine detailgenaue Wiedergabe des 3. Reiches wird auch gar nicht angestrebt (so gibt es keine weiteren Personenspiegelungen außer Kra - Hitler oder Verwendung historischer Namen).
    Hat noch jemand die Folgen gesehen?

    Wenn nicht, trotz Interesses: YouTube - Alfred J. Kwak - S01E22 - 1/3 (German) die dazugehörigen Episoden sind ebenfalls dort hochgeladen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 29. Februar 2008
  6. Kriegerin

    Kriegerin Neues Mitglied

    Hallo!

    Da bin ich auch deiner Meinung, Geschichtsfreek.
    Ich finde es überhaupt komisch, über die NS-Zeit Comics zu produzieren, weil meiner Meinung nach die Ernsthaftigkeit und Grausamkeit der damaligen Zeit falsch vermittelt wird.
    Es kommt natürlich darauf an, wie die Comics gestaltet sind und wie sehr die Autoren ins Detail gehen. Wenn man sich hier zB. eine Situation vorstellt, als die SS die Juden in die Gaskammer gesteckt haben und ihnen davor eingeredet haben, sie würden jetzt geduscht werden, finde ich eine Comicdarstellung darüber geschmacklos.

    Wer kam überhaupt auf dieser Idee?? Können unsere jungen Jugendlichen keine historischen Bücher mehr lesen, weil diese zu schwer sind oder können die Lehrer die NS-Zeit nicht so gut unterrichten, so das es für die Schüler interessant klingt und sie alles verstehen!?

    Dieses Zitat ist aus einem Artikel, den ich im Internet gefunden habe
    und beschreibt eine Szene aus einem Comic über Adolf Hitler von Walter Moers:
    (Hitler als Comic)
    Dabei handelt es sich jetzt nicht um die "schulischen Bücher", aber auch um eine Comic-Verfassung von Adolf Hitler.

    Im Grunde finde ich Satire ganz gut, denn meistens machen sich Satiriker über die Politiker oder die NS-Zeit lustig und wollen uns damit vermitteln, dass wir nicht alles immer so todernst nehmen sollen und auch darüber lachen sollen. Aber ich finde, man muss unterscheiden können zwischen historischem Lernen und Spaß.
     
  7. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Ich kann das nicht immer. Ich hab nämlich beim historischen Lernen Spaß.

    Comic ist ein Genre und kann vielfältig eingesetzt werden. Vergleicht nur mal 300 mit Asterix. Beides Comics, aber völlig unterschiedliche Zielsetzungen, die sich im Inhalt und Zeichenstil niederschlagen.
    Man sollte Comics (genau wie Filme, Theaterstücke, Bücher und Mahlzeiten) zuerst danach beurteilen, ob sie das selbstgesteckte Ziel verwirklichen. NAtürlich ist Moers nicht zu gebrauchen um etwas über die Geschichte des 3. Reiches zu lernen. Aber das ist auch gar nicht die dahinter stehende Absicht.
    Ich rege mich auch nicht auf, wenn mich mein Frühstück nicht aufwärmt. Dafür esse ich Suppe.

    Jemand der Lehrern ein Mittel geben wollte um über die NS-Zeit gut zu unterrichten? Mit dem Comic kannst Du zum Beispiel zum Lesen hinführen oder man liest ihn zusätzlich. Ich leihe mir von meinem Vater auch gerne mal die Mosaikhefte aus und lese sie neben historischen Aufsätzen oder Dürrenmattstücken.
    Mit einem Kumpel hab ich mal aus Romeo und Julia einen Comic von einer A4-Seite gemacht. Du glaubst gar nicht wie intensiv man sich mit dem Stück auseinandersetzen muss um es sosehr zu verdichten.

    Der Holocaustcomic bietet eine wunderbare Möglichkeit, damit sich Schüler mit den Opfern identifizieren können. Das schafft ein noch so anschaulich geschriebener Sachtext nur schwer. Außerdem zeigt das Fach Geschichte damit, dass es lebendig ist, was ein unschätzbarer Vorteil ist, da somit das Fach imho deutlich attraktiver wird.

    gez. ein Geschichtsstudent und Gelegenheitscomiczeichner, der Fach und Genre ernstgenommen wissen möchte.
     
  8. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Ich kann mich an Kritiken von Holocaust Überlebenden, als Schindler´S Liste in die Kinos kam. Da hieß es, dass die Szenen in Plaszow oder Auschwitz keinen auch nur einigermaßen realistischen Hintergrund von dem geben könnten, was tatsächlich geschehen sei und dass der Film die wahren Gräuel verharmlose. Ähnliche Kritiken wurden schon bei der ausstrahlung der serie Holocaust laut. Dagegen wandten andere Kritiker ein, dass überhaupt nur das Medium des Fernseh- oder Spielfilms eine breite Öffentlichkeit interessieren und vor allem Jugendliche ansprechen könne.

    Comics sind eigentlich seit es sie gibt, immer auch auf ein Erwachsenenpublikum zugeschnitten gewesen und sind längst als ein Massenmedium etabliert, weshalb ich die Idee eigentlich recht gut finde. Vor allem ist eben auch entscheidend, wie es didaktisch rübergebracht wird, denn das erfordert Phantasie.
     
  9. Kriegerin

    Kriegerin Neues Mitglied

    Comics sind auch eine Art Literatur zu Interpretieren und für Kinder auch gar keine schlechte Idee, finde ich sogar gut.
    Doch die Hitler-Comics betreffen Schüler im Alter zwischen 13 und 16 Jahren und nicht Schüler zwischen 8 und 13 Jahren.
    Menschen zwischen 13 und 16 Jahren verstehen schon anspruchsvolle historische und literarische Themen, wie sie in einem Lehrbuch stehen.
    Nebenbei werden sie über das Thema auch noch vom Lehrer unterrichtet und dabei kommt es hauptsächlich drauf an, wie gut dieser das vermitteln kann. Die Lehrbücher dienen dann nur als Nachschlagewerk falls etwas vergessen wurde.

    Das Ziel des Lehrers ist es ja, Schüler (ab der 8. Schulstufe) langsam mit Themen zu beschäftigen, die politische und ethische Urachen behandeln um sie so auf das erwachsen werden vorzubereiten. Viele Erwachsene beschäftigen sich mit Politik und Wirtschaft, und die NS-Zeit besteht großteils daraus und aus noch weit mehr.

    Was ich damit ausdrücken möchte ist, dass Jugendliche ab 14 Jahren meiner Meinung nach aus Lehrbüchern lernen sollten. Wenn sie erwachsen werden, können sie auch nicht einem Buch ausweichen, das ihnen zu schwer ist und sich eine vereinfachte (bildhafte) Version davon nehmen.
     
  10. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Richtig, Moers geht nämlich weiter: Auch sechzig Jahre nach dem Nationalsozialismus und vierzig Jahre Unterricht über den Nationalsozialismus in Fächern wie Geschichte, Religion, Ethik, Philosophie, Deutsch... gibt es immer noch Menschen, vor allem junge Männer, aber auch Frauen, die sich von nationalsozialistischem Gedankengut angezogen fühlen. Und das lässt sich nicht (allein) damit erklären, dass sie schlecht informiert wären. Im Ggt., manche sind erstaunlich gut informiert. Mit Information/Wissen, gesundem Menschenverstand und Moral lässt sich hier also nicht ansetzen. Und hier setzt Moers an: "Darf man sich über Nazis lustig machen? - Nein, man muss!"
    Ob Moers das immer so gelungen ist, sei mal dahingestellt.

    Richtig. Geschichte soll aus Lehrbüchern gelehrt werden. Prinzipiell kann aber auch ein Comic als Lehrbuch konzipiert sein. Ein Bsp. dafür wäre z.B. der Comic Hitler von Friedemann Bedürftig und Dieter Kalenbach, der allerdings nicht wie der hier besprochene Comic den Hergé-Stil nachahmt, sondern beinahe ins Photographische übergeht.
    Ich will diesen Comic nicht über Gebühr loben, da ich ihn nicht hundertprozentig gelungen meine, aber ganz allgemein didaktisch gesprochen macht so ein Comic durchaus Sinn: Die Bildsprache erlaubt es den Rezipienten auch sinnlich zu lernen, was er beim reinen lesen vermutlich nicht macht. Aber während der Bedürftig/Kalenbach-Comic eher für den Geschichtsunterricht zugeschnitten ist, wäre der hier besprochene Comic wohl eher etwas für den Deutschunterricht, weil hier in Die Suche und Die Entdeckung Geschichte über fiktive Personen vermittelt wird. Das ist legitim, gehört aber eben in den Literatur- und nicht in den Geschichtsunterricht.
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. März 2008
  11. Balduin

    Balduin Gesperrt

    Grundsätzlich ist meine Meinung über so einen Comic gespalten. Für viele Schüler, die Geschichtsbücher grundsätzlich langweilig finden, schafft es eine Möglichkeit die Geschichte des 3. Reiches zu erfahren. Dass Geschichtsbücher in dem Sinne für sie langeweile bedeuten, enzieht sich aber wiederum meinem Verständnis, wenn ich nur von mir aus gehe, fand/finde ich authentische Quellenangaben sehr interessant, dies kann ein Comic nunmal nicht vermitteln. Allgemein bin ich der Auffassung, dass vielmehr Medien im Geschichtsunterricht eingesetzt werden sollten, beispielsweise Filme. Es gibt unter vielem Schrott, der erschienen ist, doch auch richtig gute Filme, wie zum Beispiel Schindlers Liste, Sophie Scholl, Die Flucht... um nur einige zu nennen. Natürlich umreißen viele Filme nur einen kurzen Abschnitt, aber für mich ist Authenzität doch mit das Wichtigste - Und wie El Quijote schon sagte, viele sind aufgeklärt über die Taten der Nazis, schließen sich ihnen aber doch an, eine bessere Aufklärung würde helfen, aber dann muss man schon Psychologen einsetzen, denn diese Menschen leben einem falschen Ideal nach.

    Also ich persönlich finde einen Comic gut an dt. Schulen, aber um einen besseren Lern/Wissenserfolg zu erreichen, dürfen authentische Quellen und zeitgenössische (gute) Filme nicht fehlen. Es muss auch nicht immer die "trockene" Reportage sein, bei dem Schüler fast einschlafen, sondern richtig aufregende und tiefgründige Filme, wie zB Sophie Scholl
     
  12. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Entschuldige, aber da fühle ich mich missverstanden: gerade deshalb weil ein Teil der Neonazis sehr gut mit den Fakten vertraut ist, hilft Faktenvermittlung alleine eben nicht. Der Comic (ebenso wie der Spielfilm) kann Empathie mit den Opfern auslösen, was dem Schulgeschichtsbuch meist nicht gelingt, es sei denn, es stützt sich auf starke Quellentexte.
     
  13. Balduin

    Balduin Gesperrt

    Da hast du sicher Recht, doch bisweilen muss man sich dann auch fragen, inwieweit Neonazis hier Mitleid empfinden. Für mich hat eine Reportage über die Tötung in KZs etwas sehr bedrückendes, aber Neonazis leugnen den Holocaust, lassen nichts an sich ran. Ich wollte auch nicht ausdrücken, dass für Neonazis/Sympathisanten Aufklärung eh nichts nütze, nur muss man bei ihnen verstärkt ansetzen. Ich denke die beste Möglichkeit wäre, wenn Neonazis sich persönlich mal einen Bericht eines Zeitzeugen (auch jüdischer Abstammung) anhören würden, vielleicht würden ihnen dann die Augen geöffnet werden. Aber man kann nicht in die Menschen reinschauen, und oft hat so ein Rassenhass tiefer sitzende Ereignisse als Auslöser, die nur mit professioneller Hilfe bekämpft werden können.
     
  14. Neugierde

    Neugierde Gast

    Ich finde die Comics klasse. So kann man den Kindern noch schneller und früher eine Meinung eintrichtern. Zumal die Geschichte auch auf eine wahre Begebenheit basiert.

    Das war natürlich alles Ironie. Ich finde es genau aus diesen Gründen nicht schön. Soll jeder selber seine Erfahrungen machen. Dazu braucht man keine ausgedachten Geschichten.

    Und es den Kindern auch noch in so einem frühen alter beizubringen ... Naja.

    MfG.
     
  15. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Welche Meinung wird denn nach deiner Ansicht nach eingetrichtert?


    Aha, eine ausgedachte Geschichte :grübel: Die Geschichte in den Comics mag ausgedacht sein. Die Geschichte hinter dem Comic ist aber historische Tatsache.


    Ich finde die Zielgruppe (13. bis 15. Jährige) nicht zu jung um zu erfahren was im Holocaust geschehen ist.
     
  16. Arne Alexander

    Arne Alexander Neues Mitglied

    Hab ich's doch geahnt! Hier wird wieder mal Propaganda für dieses üble rassistische katzenfeindliche Machwerk betrieben!

    KATZEN SIND KEINE NAZIS ! AUCH NIEMALS WELCHE GEWESEN!

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    Im Ernst: Die Maus-Comics sind wirklich gut.
    (Aber fast genauso ernst: Katzen sind doch keine Herdentiere, warum also hat Spiegelman gerade Katzen für die Nazi-Rolle ausgesucht? Ich jedenfalls mag Katzen - und sie können sich hier ja nun leider nicht selbst verteidigen ...)


    Solange niemand die Behandlung der NS-Zeit in der Schule auf Comics beschränken will, sehe ich da kein Problem, abgesehen davon, daß mir schon Comics begegnet sind, die sogar mir zu komprimiert und komplex waren, die zu lesen ich anstrengender fand als die allermeisten Bücher. Comics sind eben nur eine Mediengattung...
     
  17. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Mit Mäusen nimmt Spiegelmann imho Bezug zur Propaganda der Juden als Ratten auf. Bloß sind Mäuse niedlich und wehrlos, womit die Ideologie karikiert wird.
    Hat man erstmal Juden als Mäuse, dann sind Katzen als Deutsche nicht weiter verwunderlich.
     
  18. Legat

    Legat Aktives Mitglied

  19. Mummius Picius

    Mummius Picius Premiummitglied

    Ein Thema für die Goldwaage, den meisten von uns Europäern sind die Feinheiten der japanischen Manga-Kultur oft gar nicht zu erschliessen.
     
  20. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Naja, ich finds schon sehr grenzwertig... "Mein K(r)ampf" als Literaturklassiker deklarieren und ihn auch noch ohne große Zusatzinformationen als Unterrichtsmaterial bezeichnen, ist schon erschreckend. Was ich in dem verlinkten Artikel allerdings weniger nachvollziehen kann, ist die ausschweifende Kritik zur bildlichen Darstellung Hitlers als sympathisch und attraktiv. Als hässlicher Unsympath hätte er es wohl kaum soweit gebracht.
     

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