Hühnerzucht

Dieses Thema im Forum "Alltag im Mittelalter" wurde erstellt von Lederfuß, 15. März 2012.

  1. Lederfuß

    Lederfuß Neues Mitglied

    Hallo Leute!

    Ich suche Informationen über die Hühnerzucht- und haltung im Mittelalter. Mir wollte nämlich jemand erzählen, daß Hühner im Mittelalter eher selten vorgekommen sein sollen, kann das aber nicht glauben. Weiß da jemand etwas genaueres?

    Vielen Dank und Gruß
    Fuß :)
     
  2. pelzer

    pelzer Aktives Mitglied

    Grüezi Fuß

    Du müsstest deine Frage etwas präzisieren: Zeitlich und geografisch. Aber dennoch würde ich sagen, Hühner spielten in der Landwirtschaft eine recht grosse Rolle. Aber auch andere Vögel (Geziefer); Tauben, Enten, Gänse, usw. wurde gerne gehalten.
    Man hielt sich die Hühner wegen der Ernährung, aber auch für die Hahnenkämpfe.

    Gruss Pelzer
    .
     
  3. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Wie pelzer schon gesagt hat, es kommt vielleicht auch auf Zeit und Region an. Im Karolingerreich z. B. spielte die Hühnerzucht eine große Rolle. Das sieht man schon daran, dass in Auflistungen, welche Abgaben den Grundherrn geschuldet wurden, oft Hühner (vor allem Kapaune, also kastrierte Hähne) und/oder Eier vorkommen. Neben Hühnern waren Gänse verbreitet, zumal man an sie gleich die Abfälle von Mühlen verfüttern konnte. Kraniche und Schwäne galten als Delikatesse, Enten waren eher selten.
     
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    In England wurde die Schwanenjagd irgendwann verboten (das Verbot besteht bis heute), die Schwäne sind Eigentum des jeweiligen Regenten, also momentan der Queen. Möglicherweise gilt das aber auch nur für die Themse-Schwäne. Jedenfalls werden die Schwäne auf der Themse auch heute noch jährlich nach einem henricianisch/elisabethanisch anmutenden Ritual gezählt.

    Ist denn explizit von Hühnereiern die Rede? Wir sind heute ja daran gewöhnt und Eier anderer Vögel findet man fasst nur in Spezialitätengeschäften, aber wie sah das damals aus, was geben die Quellen an?
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. März 2012
  5. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    So genau vermag ich das nicht zu sagen, aber zumindest im Capitulare de villis werden mehrmals Hühner und Eier zusammen genannt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. März 2012
  6. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    In den Carmina Burana gibt es eine Passage in der ein gebratener Schwan seinen Schwanengesang singt: Olim lacus colueram...
    Miser, Miser modo niger es ustus fortiter!


    So manche Delikatesse ist gewöhnungsbedürftig, und ich erinnere mich an einen Pennälerstreich.
    Beim Schlittschuhlaufen in der Vorweihnachtszeit entdeckten wir einen toten Schwan, der im wahrsten Wortsinn nicht rechtzeitig den A... hochbekam, der ihm auf Grundeis gegangen sein muss, bis ihm mein Spezi Strebehilfe verschaffte und mit seiner kriminellen Energie auf die Idee kam, ihn als Weihnachtsgans zu verkaufen. Die Käuferin war stolz, denn so eine stattliche Gans hatte keiner, dumm nur, dass das Vieh nicht gar und erst recht nicht zart werden wollte, dafür aber so penetrant tranig roch, dass die ganze Straße nach Schwan stank. Mir schwante Übles, doch die Übeltäter wurden nie entdeckt und der stolze Schwan fand ein profanes Grab in der Mülltonne.

    "Miser, Miser modo niger, et ustus fortiter!
     
  7. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

  8. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Bei uns im Rheinhessischen gab es im Mittelalter den Brauch der Fassenachtshühner, d.h. zur Fassenachtszeit mußten die Bauern dem Grundherrn ein Huhn abliefern.-Hühnerhaltung war also damals durchaus von Bedeutung.
     
  9. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Und blühte bereits lange vorher. Nach der Anekdote mit dem gebratenen Schwan fällt mir noch eine ein. Und zwar vom Kaiser Honorius, der ein begeisterter Hühnerzüchter war, und der in seiner Residenz Ravenna erschrak und fürchtete seine Lieblingshenne Roma sei dahingeschieden, doch die erfreute sich zum Glück guter Gesundheit und es hatten nur die westgoten unter Alarich Rom erobert.

    Rom hatte es nicht nur mit den kapitolinischen Gänsen der Juno, die Krach schlugen, als die Gallier das Kapitol erobern wollten, sondern auch mit heiligen Hühnern, die als Omen vor der Scxhlacht gefüttert wurden, und es galt als gutes Omen, wenn die dann ordentlich schnabulierten und umgekehrt. Ein Vorfahre von Tiberius und Claudius leistete sich einen Sakrileg. Vor der Seeschlacht mit den Karthagern vor wurden pflichtgetreu die Auspizien, die vielleicht seekrank waren und keinen Appetit zeigten, worauf Claudius Pulcher die Hühner ins Wasser werfen ließ mit den Worten

    "Dannn sollen sie saufen, wenn sie nicht fressen wollen!"

    und die Seeschlacht verlor.
     
  10. Galgenpapst

    Galgenpapst Aktives Mitglied

  11. Dog Soup

    Dog Soup Neues Mitglied

    Ein Gericht namens Blancmanger, das auf Hühnerbasis ist, war angeblich in ganz Europa als Festtagsgericht weit verbreitet. Dieses Rezept hier zitiert einige Originalquellen aus dem 15. Jahrhundert als Beleg. Mehr als das Hühnchen hat mich an diesem Rezept der Reis verblüfft. Vielleicht also mit Vorsicht zu genießen, der Verweis, ich hab ihn hier auch mehr wegen der Quellen zitiert.

    Ich habe sonst noch Quellen betreffs Landwirtschaft gefunden, die für die Zeit zwischen 800 und 1000 ziemlich routiniert die Existenz von Hühnerställen in bäuerlichen Nebengebäuden voraussetzen. Es ist nicht explizit erwähnt, sondern so unter Selbstverständlichkeit abgehakt. Es scheint also doch recht verbreitet gewesen zu sein; die Wikipedia zumindest behauptet auch, Huhn sei neben Schwein das verbreitetste Fleisch des Mittelalters gewesen.
     
  12. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

  13. Saint-Simone

    Saint-Simone Aktives Mitglied

    Reis gab es anscheinend seit dem 15. Jhdt in Europa, nachdem er zuerst über Marrokko nach Spanien eingeführt wurde, und dann nach Italien kam. Das Rezept hört sich ungewöhnlich an, aber nicht ganz abwegig, auch wenn Reis damals sicher kein Alltagsgetreide war. Vielleicht eher eine Modeerscheinung auf herrschaftlichen Tafeln? :winke:
     
  14. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Im Südosten Spaniens wird Reis seit dem 9. Jahrhundert angebaut. Da das Rezept auch Mandeln enthält, die in der Küche dieser Zone auch sehr present sind, vermute ich sehr, dass es von dort kommt.

    Bei der Suche nach ähnlichen heutigen Rezepten bin ich jedoch auf ein Libanesisches gestossen: Recetas - Arroz con pollo y almendras, Receta Impresa
     
  15. Bartek

    Bartek Aktives Mitglied

    Hühnerzucht hat im Mittelalter ab XI Jhdt. eine (wörtlich) fundamentale Bedeutung gehabt. Mittelalterliche Maurer haben Zement nicht genutzt. Um einen Mauermörtel vorzubereiten haben die Fachleute Kalk mit Eiweiß gemischt. Dann haben sie ein paar Jahren gewartet, bis die Reaktion aller Zutaten fertig war. Die Mischung wurde oft in der Erde begrabt. Kalk wurde am häufigsten auch mit Rindblut und Milk gemischt. Ich weiß nicht, was für eine Wirkung Blut gehabt hat, aber Eiweiß und Milk erhalten Kasein ( = deut. „Käse“), die mit Kalk reagiert und eine sehr gute Klebstoff gibt. Heute nutzen wir allgemein die Kaseinklebern in Möbelindustrie.
    Die Burgen aus Kalk und Eiweiß sind auf ganzem Kontinent bekannt: von Scalloway Castle in Schottland bis Malbork (Miarienburg) bei uns. Die selbe Rezeptur wurde wahrscheinlich von Osmanen entdeckt.
    Diese Methode war ein Standard noch lange später. Die in 1789 gebaute Zitadelle in Graudenz wurde aus 17 Millionen Ziegeln gebaut – und alle wurden mit Mauermörtel aus Kalk und Eiweiß verbindet.

    pozdrawiam :winke:
     
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