Ikonoklasmus 2020

Dieses Thema im Forum "Die großen Kolonialreiche" wurde erstellt von El Quijote, 12. Juni 2020.

  1. hatl

    hatl Premiummitglied

    (Hervorhebung durch mich)
    Ich wundere mich, dass Du aus dem Ereignis den Schluss zunehmender Radikalisierung ziehst.
    Warum sollte es nicht auch mal einen Guten treffen?
    Waren denn nicht auch zahlreiche Statuen von Martin Luther King vorher schon Ziel von Vandalismus?

    Und sind das denn die gleichen Leute, wie die, die einen Sklavenhändler vom Sockel holen?
     
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  2. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    Die Flagge Georgias wurde 2001 geändert, weg von der bekannten Battleflag - und 2003 gab es eine weitere Änderung der Flagge. Die jetzige Flagge Georgias hat große Ähnlichkeit mit den Stars and Bars der Südstaaten von 1861-63. Mississippi ist so weit ich weiß, der einzige US-Staat, der die bekannte Kriegsfahne der Südstaaten als Teil seiner Flagge nutzt. In 2001 scheiterte ein Plebiszit zur Änderung der Staatsflagge. Im November findet abermals eine Abstimmung über eine neue Flagge ohne Kriegsfahne statt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. Juli 2020
  3. Pausanias

    Pausanias Mitglied

    Ja. Unterschiede sind die Anzahl der Sterne (das ist mir zunächst nicht aufgefallen), das Staatswappen und das Seitenverhältnis. Sonst entspricht die Flagge der konföderierten Nationalflagge. Daher müsste man diese Flagge eigentlich auch konsequenterweise austauschen.
     
  4. Traklson

    Traklson Aktives Mitglied

    Ich habe gestern in einem Bericht erfahren: Das ist bereits die entschärfte Version der Flagge Georgias.

    Die erste Flagge von 1879 war an die Stars and Bars der Konföderierten angelehnt. Die Flagge wurde 1956 geändert und trug seitdem die konföderierte Battle Flag

    [​IMG]

    Seit 1990 gab es Bemühungen die Flage zu ändern. Das scheiterte zunächst. 2001 gelang es, ein neues Design durchzusetzen. Das enthielt dann die alte Flagge in einer kleineren Version zusammen mit der ursprünglichen Flagge von 1879.

    [​IMG]

    2003 wurde die Flagge erneut geändert. Vielleicht weil das aktuelle Design zur schlechtesten Flagge aller US-Staaten und Territorien gewählt wurde. Man wählte für die neue Flagge dann wieder die "Stars ans Bars". Das ist die aktuelle Flagge.

    Eine erneute Änderung ist also eher nicht zu erwarten. Da man sich in Georgia in all den Versuchen offenbar nicht vom Erbe der Konföderation lösen konnte, kann man nur gespannt sein, wie die neue Flagge von Mississippi dann denn aussehen wird. "In god we trust" soll darauf stehen, was an sich schon wieder fragwürdig ist, das es ja sowas wie Trennung von Kirche und Staat gibt. Da werden Nicht-Gläubige und Nicht-Christen dann ausgeschlossen. Nicht ideal.

    Auf Georgias Flagge stehen die 13 Sterne für die 13 Kolonien, von denen Georgia eine war. Die Anzahl der Sterne auf der Flagge der Konföderation variierte mit der Zahl der Mitgliedsstaaten.

    Georgia State Flag History
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. Juli 2020
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  5. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    In god we trust steht auch auf diversen amerikanischen Münzen und Geldscheinen, gehört quasi zum historischen Erbe der USA und ist nichts giorgiaspezifisches und kann durchaus Muslime und Juden miteinschließen, bei anderen Religionen und Atheisten dürfte es verständlicherweise schwieriger werden. Aber solange der $ eine der internationalen Leitwährungen ist, wird sich daran kaum etwas ändern.
     
  6. Maglor

    Maglor Aktives Mitglied

    Eigentlich geht der Streit viel tiefer.
    Längst hat sich auch die Star-and-Stripes als Symbol weißer Vorherrschaft verächtlich gemacht.
    Das bekannteste Beispiel ereignete sich während der Olympiade 1968. Die afroamerikanische Sprinter Carlos und Smith erhoben auf dem Siegertreppchen die Faust im schwarzen Handschuh, Symbol für Black Power, als die Stars-and-Stripes-Flagge gehisst und die Hymne gespielt wurde.
    Ähnlich einzuordnen ist der von Kaepernick im Jahr 2016 eingeführte Protest-Kniefall in der Football-Liga einzuordnen.

    Es geht nicht um eine Neubewertung des Bürgerkrieges, sondern in erster Linie um soziale Probleme der Gegenwart.
     
  7. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Neu ist daran nichts, der Streit um die Ursachen des Sezessionskrieges und der Mythos vom "lost cause" sind Jahrzehnte alt. Ändert aber mE nichts daran, dass (allgemein gesagt) die Bewertung der Vergangenheit eine Frage der Gegenwart ist.
     
  8. flavius-sterius

    flavius-sterius Aktives Mitglied

    Ich würde da keine Umfrage unter den Leserinnen des "Goldenen Blattes" oder ähnlicher Zeitschriften riskieren. :D
     
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  9. flavius-sterius

    flavius-sterius Aktives Mitglied

    Ich sehe das eher als Grenzverschiebung. Im Rahmen der "BLM-Bewegung" werden nun auch in Deutschland geeignete Symbole als Angriffsprojektion gebraucht. Ins Blickfeld ist nun Bismarck geraten. Dieser sei der Gründer des deutschen Kolonialreiches gewesen. Daraus resultieren dann Forderungen zur Umbenennung von Straßen und Abbau von seinen Statuen.

    https://www.hessenschau.de/panorama...rapper-haftbefehl,haftbefehl-strasse-100.html

    Über die Jahre habe ich meine Kenntnis zu Bismarck vertieft und sehe ihn heute kritisch. Jedoch ist er mir als Kolonialist nicht aufgefallen. Für den Satz: "Der Balkan ist mir nicht die gesunden Knochen eines einzigen pommerschen Grenadiers wert" hat er allemal sein Denkmal verdient. Hätte man diesen mal von den Wiener Granden gehört.

    Für mich ist es einfach ein politischer Streit. Solche Denkmäler sind politisch aufgeladen. Das politisch linke Spektrum will den Skalp haben. Jedes Kriegerdenkmal, dass aus dem Stadtbild verschwindet, ist ein Sieg über das bürgerlich/konservative Lager. Jeder Bismarck (oder erst Recht Hindenburg), der fällt, ist gefühlt ein Schritt in eine andere Republik.

    Das geschichtsvergessene Umbenennen der Berliner U-Bahn-Station MOHRENSTRASSE lässt schlimmes erahnen.

    https://www.stern.de/panorama/gesel...men-glinkastrasse-gibt-es-kritik-9328380.html

    Wann geht es in Berlin den Generälen von Preußens Gloria an den Kragen?

    Was bleibt da noch als Straßennamen? Amselweg? Äppelallee? Rheinstraße? Oder doch gleich die Mannheimer Lösung mit D4 und C3 ?



    .
     
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  10. flavius-sterius

    flavius-sterius Aktives Mitglied

    Und was machen wir mit den ganzen Büsten in den Bibliotheken und Universitäten? Hat Platon Sklaven gehabt? Und Cicero? Und wie sieht es bei Seneca aus? Mir wird Angst und Bange.
     
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  11. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    "Es wäre bereits der fünfte Name, den der U-Bahnhof in seiner 112-jährigen Geschichte trägt. Ursprünglich hießt die Station "Kaiserhof", in der DDR hieß sie zunächst Thälmannplatz, dann Otto-Grotewohl-Straße. Nach der Wiedervereinigung wurde sie in Mohrenstraße umbenannt. Die erneute Änderung des Namens in Glinkastraße könnte nicht die letzte gewesen sein." (aus deinem Sternartikel) Und schon zum fünften Mal geschichtsvergessen, also nee, diese Hauptstädter :D
     
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  12. Shinigami

    Shinigami Aktives Mitglied

    Was Bismarck betrifft natürlich war er nicht in dem Maße Kolonialbeführworter.

    Allerdings hat er was den Erwerb der deutschen Kolonien angeht, dabei eben auch mit solchen Gestalten, wie dem Menschenrechts-Experten Carl Peters zusammen gearbeitet und vor allen Dingen, auch wenn er da später keinen Einfluss mehr drauf hatte, auch an der Verschiebung des Kongo-Gebiets an Belgien mehr oder minder mitgewirkt.
    Kann man, meine ich, durchaus kritisch sehen.

    Darüber hinaus, wegen der Annexion Elsass und Lothringens, dem Kulturkampf, dem Sozialistengesetz, etc. etc. ohnehin eine streitbare Persönlichkeit.

    Was Hindenburg angeht, so wüsste ich überhaupt nicht, wofür der Mann jemals ein Denkmal verdient hätte, nachderm der sich als Reichspräsident ja alles andere als mit Ruhm bekleckert hat und auch seine militärischen Leistungen im ersten Weltkrieg gemessen an den Beiträgen seiner Mitstreiter im Osten, eher marginal gewesen ist.
     
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  13. Shinigami

    Shinigami Aktives Mitglied

    Das ist dann sicherlich ein bisschen übertriben, immerhin redet man dann über deutlich vormoderne gesellschaften, da mögen etwas andere Maßstäbe gelten.
    Obwohl, ob einige das Kollosseum noch für ein Meisterwerk der Zivilisation hielten, wenn ihnen klar wäre, wer im Detail das Ding gebaut hat und mit welchen Mitteln...........
     
  14. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Mit dem Kolumbus als Massenmörder habe ich auch so meine Probleme. Also mit der Behauptung, er sei ein Massenmörder. Nun heißt es bei SKA-P im Lied La sesera no va: "Colón, ¿qué hiciste?, ¿por qué lo descubriste?" (Kolumbus, was hast du getan, warum hast du Amerika entdeckt? (implizit: Hättest du es nicht, dann würden die jetzt nicht in den Iraq einmarschieren (das Lied ist von 2002/3)), das ist eine etwas andere Stoßrichtung, als die der heutigen Demonstanten, aber auch hierin heißt es "religión, oro y civilización, masacre a la población" (Religion, Gold, Zivilation, Massaker an der Bevölkerung) und "1492 - 500 años de masacre indígena - 1492, 500 Jahre Massaker an der Urbevölkerung". Der historische Kolumbus, verhielt sich natürlich wie ein weißer Suprematist und hat ein paar Kariben nach Spanien entführt und das vermutlich für sein gottgegebenes Recht gehalten. Dass er aber als Mörder kam, kann man ausschließen. Dafür, dass die amerikanischen Ureinwohner mit den europäischen Krankheiten, die sie in den nächsten Jahrzehnten massiv dezimieren sollten, nicht zu Recht kamen, dafür konnte Kolumbus genauso wenig, wie für die Grausamkeiten mancher Conquistadoren.
     
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  15. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    Wir hatten das in einem anderen Thread schon einmal: Aber ist es dann gerechtfertigt, jemanden nachts um 2-3 Uhr zu wecken und zu erwarten, dass auf die Frage "Wer hat Amerika entdeckt?" wie aus der Pistole geschossen die Antwort kommt: "Kolumbus"?
    Ich behaupte auch nicht, dass er als Massenmörder kam. Die Kritik am Narrativ "Kolumbus, der Entdecker Amerikas" ist aber nicht neu. Wir hatten sie zum "500. Jubiläum" und jetzt ist sie wieder da. Vielleicht sollte man für die Frage "Wer hat Amerika entdeckt?" nicht erwarten, dass man mit einem Wort oder einen Satz antwortet - sondern sich etwas mehr Zeit nimmt und neben Kolumbus auch auf die native americans eingeht und vielleicht auch noch Vinland oder bretonische Fischer erwähnt. Nachts jemanden wegen so einer Frage zu wecken, geht aber gar nicht ;)
     
  16. Traklson

    Traklson Aktives Mitglied

    Ich lese hier den Genozid-Vorwurf heraus, der ja von einigen Forschern abgelehnt wird, da die Absicht fehlte.

    Aber seine Zeit als Gouverneur wirft tatsächlich ein schlechtes Licht auf ihn. Grausamkeit war gerade der Vorwurf seiner Zeitgenossen.

    Christopher Columbus - Wikipedia
     
  17. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Wir sind uns doch einig, dass die Indianer als erstes da waren und dass Kolumbus nicht einmal der erste Europäer war, der seinen Fuß auf den amerikanischen Kontinent setzte, sondern die Wikinger bereits dort waren. Alle anderen, die angeblich vorher schon dort waren sind mehr oder meist weniger gut begründete Thesen (Ägypter, Punier, Griechen, Römer, Kelten, St. Brandan, Basken, Bretonen, Afrikaner, Berber, Muslime...). Das ändert aber nichts an Kolumbus' Glück, denn von Leistung will ich nicht reden. Er wollte ja nach Asien und wäre auf dem Weg gnadenlos zugrunde gegangen, wenn da nicht diese große Insel gelegen hätte, die beinahe von Pol zu Pol reichte.... Naja, eigentlich entdeckte er ja den Kontinent erst auf seiner vierten Reise.
     
  18. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ob dieser Vorwurf stimmt oder nicht, sei dahingestellt. Es wurde ihm aber nicht Grausamkeit gegenüber den Ureinwohnern Hispaniolas vorgeworfen, sondern gegenüber den spanischen Untertanen der aragonesischen und kastilischen Krone.
     
  19. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich möchte mal behaupten, dass ich mich in einem konservativen Milieu bewege, doch die meisten davon würden irritiert schauen, wenn du denen erzählen würdest, dass ein Verschwinden eines Bismarck oder Wilhelm (oder gar eines Hindenburg) aus dem Straßenbild ein Sieg eine imaginierten Linken über sie sei. Die würden dir sagen, dass die Uhren sich seit 1914 weitergedreht haben. Umgekehrt würde ich mir echt Sorgen um Dtlds. Zukunft machen, wenn die CDU/CSU sich plötzlich auf Bismarck oder Hindenburg als Identifikations-/Integrationsfiguren besinnen würde (na gut, da besteht ja bei der CSU keine Gefahr, sind ja Saupreiß'n), gleichwohl die z.B. an Bismarck gerichteten Vorwürfe manchmal eine gewisse Unkenntnis aufweisen.
     
  20. Pausanias

    Pausanias Mitglied

    Das bedeutet aber ja nicht, dass von Links so etwas nicht als Sieg wahrgenommen werden würde, auch wenn es auf der Gegenseite keine großen Reaktionen hervorruft.
    Zum anderen hat Bismarck (Hindenburg sicherlich nicht mehr, wobei es natürlich auch hier bei Straßenumbenennungen immer wieder zu Debatten kommt) noch eine gewisse Anhängerschaft, die vor nicht allzu langer Zeit ein neues Denkmal errichtet hat. Beschlossen mit den Stimmen von der CDU und lustigerweise Teilen der SPD.
     
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