Imperialismus

Dieses Thema im Forum "Das Deutsche Kaiserreich" wurde erstellt von Gast, 30. Mai 2006.

  1. Gast

    Gast Gast

    Ich schreibe morgen eine Geschichtsklausur und bereite mich im Moment auf diese vor.
    Könnte mir jemand sagen, inwieweit der Deutsche Imperialismus eine Ursache des 1. Weltkriegs ist?
    Ich bin für jede Antwort dankbar,
    mit freundlichem Gruß
    Jo
     
  2. Wieger

    Wieger Gesperrt

    Jeder imperialistische Staat stand in Konkurrenz zu anderen und was macht man mit Konkurrenten? Das ist nicht gerade hilfreich für eine Verbrüderung.
     
  3. Pope

    Pope Neues Mitglied

    1. Der Imperialismus verlegte den Wettkampf um die europäische Hegemonie auf die aussereuropäischen Territorien. Die Art und Weise dieser Kräftemessens ähnelte mehr einer Sportveranstaltung. Man könnte daher vermuten, ob sich dabei nicht eine gewisse Leichtfertigkeit eingeschlichen hatte. Während für den nüchternen Bismarck die Kolonien lediglich zweitrangige Tauschobjekte waren, ging es später immer mehr um die Ehre der Nation. Aus einem Spiel wurde zunehmend Ernst.

    2. Ein weiterer Aspekt, der mit dem obigen zusammenhängt: die vielen Erfolge (ob wissenschaftlich, politisch oder militärisch) in Übersee täuschten über die Tatsache hinweg, dass Deutschlands Marinestreitmacht zweitklassig war und die Militärstrategien und -organisation immer nur theoretisch funktionierten. (Die Praxis gab's ja erst 1914)

    3. Ein ganz wichtiger Aspekt, bei dem leider der Imperialismus nur nebensächlich war, ist die "verspätete Nation". Deutschland versuchte ab 1971 mit den anderen Mächten aufzuholen und steigerte sich dabei in einen Nationalismus, der leicht an Überheblichkeit grenzte. Der Vorherrschaft Deutschlands in Europa war man derart sicher, dass man dachte, sie nur noch "kurz" auf dem Schlachtfeld vorzeigen zu müssen.
     
  4. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

    ein weites Feld so knapp vor der Arbeit :nono:

    hier ist schon viel geschrieben und beraten worden über dein Thema, vielleicht liest du das mal quer, da kriegst du manch brauchbaren Hinweis :winke:

    http://www.geschichtsforum.de/showthread.php?t=6895
     
  5. Arne

    Arne Premiummitglied

    Morgen schon? Tja, das wird dann etwas knapp sich tiefer reinzuarbeiten. Hier mal eine paar Gedanken dazu von mir...

    Um die Jahrhundertwende war die Weltpolitik geprägt von einem Ringen der Großmächte um Einfluß und Geltung. Aus der Natur der Sache ist jeder Machtgewinn irgendwann zwangsläufig ein Machtverlust eines Konkurrenten. Die Rolle Deutschlands als "neuer Spieler" auf dem Globus fällt genau in dieses Schema. Da in Europa ein Ausbau der eigene Rolle für die Großmächte praktisch nur auf dem Gebiet der Wirtschaft möglich war, verlegte sich der Wettkampf um Gebietserweiterungen auf die "weißen Flecken" der Weltkarte in anderen Erdteilen, wie Pope schon richtig anführte. Auch dort kam es dann zu Konkurrenzkämpfen und Mißstimmungen, weil sich andere Großmächte auf diverse Arten in die fremden imperialen Bestrebungen "einmischten". Nach dem Prinzip: wenn ich den Fleck nicht bekomme, soll der andere ihn auch nicht bekommen...oder nur gegen Gegenleistungen an mich.

    Zweifellos sorgten diese Interessenkollisionen fernab von Europa für eine Verschärfung der Gegensätze unter den (europäischen) Großmächten, aber ein alleiniger oder auch nur sehr gewichtiger Grund ist der deutsche Imperialismus nach meiner Einschätzung nicht. Es gab viele Staaten, die imperialistische Politik betrieben (Niederlande, Portugal, Spanien, Belgien...) die mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges nichts zu tun hatten.

    Gegenüberlegung ist, wie wäre die Geschichte abgelaufen, wenn sich Deutschland konsequent jeder Kolonialpolitik enthalten hätte und auch jeden Zusammenstoß mit den Interessen anderer Großmächte in Drittländern (z.B. Bagdadbahn) vermieden hätte? Was hätte man sich langfristig alles "gefallen" lassen müssen? Wäre es innenpolitisch verkraftbar, die eigene Wirtschaftsexpansion ständig zurückzupfeifen, wenn andere Großmächte sich pikiert zeigten? Wie hätte die Reaktion auf militärische Drohungen ausfallen sollen, wenn man selbst tief gerüstet hätte? Wie kann eine vor Kraft strotzende Wirtschaft, eine ganze Nation ständig gezügelt werden - und kann so eine Macht auf Dauer unpolitisch bleiben? :grübel:

    Alles Spekulation...vielleicht hilft ein Blick auf die Bundesrepublik der späten 80er Jahre und auf das wiedervereinigte Deutschland. Dieser Staat, als eine der größten Wirtschaftsmächte der Welt, konnte sich nicht mehr den Forderungen auf Mitarbeit in z.B. der UN (Blauhelme) verschliessen. Ein reicher Kaufmann, der mit Geld Einfluß ausübt, aber seine Meinung nicht offensiv vertritt? Das funktioniert in der Realität nicht.

    Nein, ich meine die Hauptgründe für den großen Krieg lagen in der damaligen weltpolitischen Situation und vor allem der Denkweise, in der jeder den anderen erstmal als Konkurrenten ansah und man Kriege noch für regional begrenzt führbar hielt. Nach diesen Denkmustern mußte es einfach irgendwann einmal "krachen", sobald sich einerseits die Lage scheinbar zum Vorteil eines Machtblocks verschoben hatte und es dann noch einen Anlaß gab, das Pulverfaß zu zünden...
     

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