Imperialismus

Dieses Thema im Forum "Die großen Kolonialreiche" wurde erstellt von diabi, 18. Mai 2008.

  1. diabi

    diabi Neues Mitglied

    Hallo meine Lieben.
    Könnt ihr mir bitte die wichtigsten Ziele von Imperialisten (nicht nur von Deutschen) nennen?
    Ich weiß dass sie andere Länder (wie z.B Afrika) ausbeuten wollten und eigene Kultur beibringen wollten. Was waren denn ihre Begründungen?? Und wie wollten sie es erreichen???
    BITTE KEINE LINKS
    Vielen Dank
     
  2. Arne

    Arne Premiummitglied

    Keine Links? Okay, dann schau doch einfach mal hier in die Threads über Imperialismus.
     
  3. Josephine

    Josephine Neues Mitglied

    Hallo,

    Imperialismus ist das Streben nach der Weltherrschaft, so einfach ist das und das hättest Du bestimmt bei google ergoogeln können.

    Die Großmächte konkurrierten um die Herrschaft der Welt. Als Weltmacht galt das Land, das den meisten Landbesitz, möglichst weltumspannend, hatte. Dabei ging es einzig um das Machtstreben.

    Der deutsche Kaiser Wilhelm II. strebte nach einem "Platz an der Sonne", da er glaubte bei der Veteilung der Kolonien zu kurz gekommen zu sein.

    Es gab übrigens mehrere Arten von Imperialismus, so zum Beispiel

    > religiöser Imperialismus - Rußland hielt sich für die Schutzmacht der orthodoxen
    Christen auf dem Balkan und in der Türkei

    > kultureller Imperialismus - Frankreich hielt seine Sprache und Kultur für überragend
    und wollte sie in der Welt verbreiten

    > nationaler Imperialismus - Rußland sammelte alle slawischen Völker um sich

    > zivilisatorischer Imperialismus _ Großbritannien und Deutschland exportierten ihre
    politische Ordnung in die Welt
    "Am Deutschen Wesen soll die Welt genesen"

    und natürlich nicht zu vergessen:

    > Wirtschaftsimperialismus - die USA steht für den Dollarimperialismus

    Ich hoffe, diese Stichworte helfen Dir weiter....

    Und noch ein Hinweis - gerade dieses Ringen um die Weltherrschaft brachte die Mächte in Konflikt zueinander. Es gab verschiedene Vorfälle aufgrund des Imperialismus, zum Beispiel die Faschoda-Krise, Marokko-Krise und Balkan-Krise fallen mir da ganz spontan ein..........

    Gruß...
     
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  4. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Oder gehe in eine Bibliothek und suche unter dem Stichwort: Imperialismus

    Wenn du eine vernünftige Antwort haben möchtest, kannst du ja mal die Ziele auflisten, die du schon weisst und dann schauen wir weiter.

    Was weisst du denn schon über den Imperialismus?


    Edit: Scheinbar hat Josephine ein Herz für dich und hilft dir. Dich Stichworte sollten dir sicherlich weiterhelfen, beim weiterlesen.
     
  5. diabi

    diabi Neues Mitglied

    Danke euch!!Versteht mich nicht falsch wegen Links.
    Ich hab ganz viel gelesen und angequckt. Mein Problem ist aber ( und zwar leider immer), dass ich die wichtigsten Sachen nicht kurz zusammenfassen kann..Ich muss in meiner Präsentation kurz Imperialusmus defenieren ( Ziele usw) und dann ein Beispiel für umgesetzte POlitik darstellen.
    Denkt ihr das ist richtig??::

    Ursachen:
    Streben nach der Weltherrschaft
    Mangel an Ackerboden
    Politische Streitigkeiten, Abenteuerlust und Suche nach neuen Handelsplätzen

    Aufgaben und Ziele:
    Billige Rohstoffe und Arbeitskräfte
    Verbreitung von eigene Sprache und Kultur
     
  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das ist eher eine Begründung für die griechische Kolonisation in der Antike. Moderne Kolonien waren nicht so sehr als Agrarkolonien - wenn man agrarische Luxusgüter wie Schokolade, Kaffee oder Tee mal außen vor lässt - gedacht. Die wirtschaftlichen Aspekte lagen eher darin, fremde Völker auszubeuten, Bodenschätze auszubeuten oder Produkte zu bekommen, die man zuhause nicht herstellen bzw. anpflanzen konnte.
    Und natürlich als Absatzmarkt. Nehmen wir GB und Indien. Aus Indien kommt die Baumwolle, die Inder kannten auch die Seidenproduktion und wer kennt nicht die berühmte Kaschmirwolle. Es wäre also nicht nötig gewesen, Textilien nach Indien zu exportieren. Genau das machte aber GB, um die eigenen Textilarbeiter in Manchester zu beschäftigen. Der Markt wurde per Textilmonopol gesichert.
    Nicht umsont ist das Zeichen der indischen Unabhängigkeit das Spinnrad. Heute findet es sich in der Staatsflagge wieder.
     
  7. TGDarmstadt

    TGDarmstadt Neues Mitglied

    Das Interessante am Imperialismus des 19. Jahrhunderts ist zwar, dass zu Beginn Motive wie: Neues Siedlungsland gewinnen, Absatzmärkter schaffen, Rohstoffquellen erschließen im Vordergrund standen, in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts der Imperialismus aber zum Selbstläufer wurde: Fremde Länder wurden nicht mehr primär kolonialisiert, weil sie aus den oben genannten Gründen einen Wert hatten, sondern damit sie nicht von einer anderen Nation kolonialisiert wurden.
    Deutlich wird dies am deutschen Kolonialreich: Von der Kolonie Togo in Westafrika abgesehen, waren alle deutschen Kolonien ein Draufzahlgeschäft, d.h. das Deutsche Reich musste mehr Geld für Kolonialverwaltung etc. ausgeben, als aus den Kolonien zurückfloss. Auch die Idee, das Problem der Überbevölkerung in die Kolonien zu "exportieren" ging nicht auf. Es ging einzig darum, ein Kolonialreich zu besitzen, damit das Deutsche Reich als Weltmacht gelten konnte.
     
  8. deSilva

    deSilva Neues Mitglied

    Ich würde diesen Effekt deswegen auch nicht "Selbstläufer", sondern "Bumerang" nennen :) Übrigens ein Effekt, der die meisten Kolonialmächte im 20. Jh.dann zur Aufgabe der Kolonien gebracht hat: Unter den neuen Bedingungen (erweitertes Demokratieverständnis, vertiefte Auffassung von Menschenrechten, veränderte Produktionsbedingungen im Mutterland, Kosten des Militärapparats) rechnete sich die zentrale politische Verwaltung nicht mehr. Der Rest des Britischen Imperiums - das Commonwealth - war in erster Linie eine Freihandelszone...

    Im Zeitalter des Kolonialismus war nur eine Ausbeutung der EIGENEN Kolonien möglich, im Zeitalter der Globalisierung ist das Geschäft mit Allen zu machen!

    Die verschiedenen Gründe für den "Erwerb" von Kolonien sind oben ja schon genannt worden
    - Politisches Renommee
    - Siedlungsraum
    - Bodenschätze
    - Plantagenprodukte
    - Absatzmärkte
    - Militärbasen
     
  9. Josephine

    Josephine Neues Mitglied


    Hallo ursi,

    eher Langeweile und eine Tochter, die in Geschichte auch so unbedarft war........ :still:

    Aber anscheinend hat die Anregung hier etwas geholfen.:yes:

    Gruß....
     
  10. diabi

    diabi Neues Mitglied

    DANKE SCHÖN!!!! Ihr habt mir echt viel damit geholfen!!!!!!!!!!!!!!
     
  11. diabi

    diabi Neues Mitglied

    Achso ja. Stimmt es, dass die Imperialisten andern Vöker ( Afrika etc) auch eigene Kultur und Sprache beibringen wollten??
    Wenn ja, wie so denn?? Was wollten sie damit erreichen??
    Vielen Dank.
     
  12. floxx78

    floxx78 Aktives Mitglied

  13. diabi

    diabi Neues Mitglied

    Was hätte ich ohne euch gemacht??? VIELEN HERZLICHEN DANK!!
     
  14. Josephine

    Josephine Neues Mitglied


    Zum Beispiel gibt es in Kenia, ehemalige britische Kronkolonie, heute noch den Linksverkehr und den Five O'Clock-Tea, zumindest in den Hotels.

    Gruß....
     
  15. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Dabei war die indische Textilproduktion noch im 18. Jahrhundert von Weltrang. Die so beliebten Musseline und Damastprodukte für den europäischen Bedarf wurden u. a. in Indien hergestellt. Die East India Company zerschlug dann den indischen Baumwollmarkt völlig, so dass Indien zu einem reinen Rohstoffliferanten und Importeur britischer Textilprodukte wurde. Nach dem Sepoy Aufstand 1858 waren die Briten gezwungen, selbst die Administration zu übernehmen, und Queen Victoria nahm den Titel einer "Emperess of India" an, was die dürftige staatsrechtliche Legitimation der Briten überdeckten sollte, die wie schon die East India Company, an alte Herrschaftsrechte der Moguln anknüpfte. Indien erhielt dann eine straffe britische Verwaltung unter einem Vizekönig und es wurden Colleges und Universitäten nach britischem Muster errichtet. Die Briten haben durchaus viel in Indien investiert, doch insgesamt profitierte Großbritanniens Wirtschaft vom indischen Absatzmarkt.
     
  16. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Wenn man mal von Britisch- Indien oder auch vom Kongostaat als Privatkolonie des Königs von Belgien absehen, waren die meisten Kolonien im 19. Jahrhundert reine Renommierprojekte.

    Für die Briten stand bei vielen Kolonien vor allem die Sicherung des Seewegs nach Indien im Vordergrund. In Afrika hatte GB vitale Interessen in Ägypten. Dazu war Großbritannien seit 1807 führend in der Bekämpfung des Sklavenhandels. Das war das Hauptargument für Europas Einsatz in Afrika. Berichte von Mungo Parks oder David Livingstone erregten großes Aufsehen in Europa und ein französischer Kardinal rief gar zu einem Kreuzzug gegen arabische Warlords wie Tibbu Tibb, die einen Großteil von Afrika kontrollierten.

    Das zweite französische Kolonialreich entstand vor allem unter dem 2. Empire. Koloniale Projekte in Vietnam, Algerien, Senegal und Mexiko sollten Napoleon III. Renommee verschaffen und vom autoritären Stil der Militärdiktatur ablenken. Französisch Guayana war wie Australien und Sibirien eine Sträflingskolonie. Dazu hatten die Franzosen den Anspruch, die Bewohner der Kolonien zu citoyens francaises zu machen. So waren die Senegalesen früher französische Bürger, als die von Nizza.

    Renommierprojekte waren auch die deutschen Kolonien, wobei hier noch der Gesichtspunkt von Flottenstützpunkten dazukam, denn eine Flotte gehörte nach Meinung weiter Teile des wilhelminischen Bürgertums ebenso zum Rang einer Großmacht, die "Weltpolitik" um den "Platz an der Sonne" machen wollte, wie Kolonien, und Wilhelm II. konnte gar nicht verstehen, weshalb die Briten ihm seine Flotte nicht gönnen wollten.

    Außenpolitische Erfolge spielten auch als Motiv des italienischen Imperialismus eine Rolle, wobei die Italiener allerdings militärisch nicht viel Fortüne hatten und 1896 bei Adua eine verheerende Schlappe gegen den Negus von Äthiopien Menelik erlitten. Diese Scharte wollte dann später Mussolini mit seinem Abessinienfeldzug auswetzen.

    Portugal und die Niederlande besaßen seit dem 17. Jahrhundert Besitzungen in Südostasien. Das heutige Indonesien spielte durchaus eine wirtschaftlich wichtige Rolle als Absatzmarkt für niederländische Produkte und nicht zuletzt als Produzent von Gummi, den die Niederländer auf Sumatra eingeführt hatten.

    Gummi und Elfenbein waren die Gründe, die das Interesse Leopold II. von Belgien an Afrika weckten. Seit der Brite Dunlop den Gummireifen erfunden hatte, verlangte alle Welt nach Gummi. Das bescherte den Kautschukbaronen Brasiliens einen Boom, bis die Briten Gummisamen außer Landes schmuggelten. Die Gier nach Gummi entvölkerte den Kongo, denn um die Pflanzen zu ritzen und den Gummi zu sammeln waren viele Arbeitskräfte nötig. Die Eingeborenen wurden zur Zwangsarbeit verpflichtet, wer die geforderte Menge nicht liefern konnte, hatte härteste Strafen zu fürchten. Eine übliche bestand im Abhacken der Hände. In ihrer Verzweiflung überstrapazierten die Kongolesen die Fördermenge, wodurch die Bäume getötet wurden, was weitere repressalien erforderte. Tibbu Tibb, der größte Sklavenjäger Ostafrikas wurde kurzzeitig eine art Gouverneur am Oberlauf des Kongos. Er durfte nicht mehr mit Sklaven handeln, denn Arbeitskräfte wurden ja für die Ausbeutung der Gummipflanzen gebraucht, dafür durfte er in den Elfenbeinhandel einsteigen, der nicht nur Elefanten, sondern auch Menschen vernichtete. Jeder Stoßzahn ist mit Blut getränkt, so schrieb Henry Morton Stanley, der für Leopold den Kongofreistaat begründete. In seinem Buch "The Congo Free State" ist nur von den wohltaten der Zivilisation zu hören, die Leopold II. im Kongo verbreitete. Tatsächlich aber fielen den Kongogräueln ca 10 Millionen Menschen, gut die Hälfte der Bevölkerung, zum Opfer. 1908 wurde der Kongostaat nach dem Tod Leopolds II. belgische Kolonie.
     
  17. Tekker

    Tekker Gast

    Schöner Hinweis auf einen sonst wenig bekannten Mann in der Geschichte. :)

    Dem britische Hegemonialanspruch zur See begegnen hier imho nie irgendwelche kritischen Untertöne. :fs:

    Ein schönes Stichwort, lieber Scorpio! Neulich erst hatte mich der italienische Imperialismus etwas beschäftigt, schien mir aber für ein eigenes Thema zu inhaltsleer. Paßt hier wohl auch ganz gut rein.
    Italien als "verspätete Nation" beteiligte sich ja auch am "Run" auf Afrika, Libyen und Ital. Ostafrika dürften bekannt sein. Bzgl. Tunesien gab es auch gewisse Ambitionen, meine ich, bis die Franzosen das rennen dort machten. Desweiteren erinnere ich noch versprochene Kriegsbeute im Ersten Weltkrieg, wobei die Italiener ein Auge zumindestens auf Teile Deutsch-Osts geworfen hatten. Zwar gingen sie hier dann doch leer aus, aber koloniale Kompensation hat es in Form von Grenzkorrekturen wohl gegeben.
    Worauf ich eigentlich hinaus will, weiß einer von euch evtl., wie weit italienische Pläne oder Wünsche bzgl. kolonialen Besitzes gingen? :confused:
     
  18. Tekker

    Tekker Gast

    Zu italienischen Plänen und Projekten scheint ja leider Fehlanzeige zu sein...

    Zu "Tibbu Tibb" (Schreibweisen scheint es da mehrere zu geben...) habe ich allerdings auf dieser Site gerade zufällig diese Karte gefunden. :)
     
  19. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Tibbu Tib war im Grunde einer der ersten Warlords, und sein Einflussgebiet war derartig riesig, dass sich Belgier und Deutsche anfangs einfach mit ihm arrangieren mussten, weil er bereits über administrative Grundlagen verfügte. Sein Nachrichtendienst war exzellent, und Stanley schrieb, dass sein Benehmen absolut das eines Gentlemans sei, und er überall in Europa in der besten Gesellschaft präsentabel sei. Er begleitete Stanley auf seiner Durchquerung Afrikas wochenlang den Kongo stromabwärts, wofür Stanley ihm mehrere Tausend $ zahlte. Er verriet Stanley einige seiner Geschäftspraktiken. So machte er sich Stammeskonflikte zunutze, indem er die Schwächeren mit Gewehren und Askaris unterstützte. Dafür gingen die Gefangenen an ihn. Wenn dann nach einer rauschenden Siegesfeier seine Partner alle betrunken waren, machte er auch sie zu Sklaven.

    Sein großer Traum eines ostafrikanischen Privatreichs erfüllte sich allerdings nicht. Als die Europäer selbst Ostafrika aufteilten und erste Nachrichten von den Kongogräueltaten an die Öffentlichkeit drangen, war Tibbu Tib für die Europäer untragbar geworden, deren Interesse an Afrika ja angeblich rein philanthropischen Zwecken wie der Abschaffung der Sklaverei entsprang. Ein französischer Kardinal rief übrigens zur Zeit Stanleys Emin Pascha Expedition zum Kreuzzug gegen die Araber auf, die von Sansibar aus fast ganz Ost Afrika kontrollierten.

    Tibbu Tib und seine Kollegen setzten übrigens auch damals schon Kindersoldaten ein. Es war eine Art Militärsklaventum wie man es von den Mamelucken und Osmanen kannte. Bei Razzien erbeutete Kinder wurden zu Sklaven- und Elfenbeinjägern erzogen. Sie wurden auf Razzien mitgenommen, und sie sammelten erste Erfahrungen als Gewehrträger. Bei Bewährung bekamen sie Frauen aus Tibbu Tibbs Besitz als Partnerinnen.

    Überhaupt gibt es frappierende Ähnlichkeiten der Zustände zu Tibbu Tibbs Zeiten mit aktuellen Ereignissen. Ersetzt man Sklaven und Elfenbein durch Uran, Bauxit, Coltan oder Diamanten hat sich kaum etwas geändert.
     

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