Inwiefern profitierte Großbritannien vom Dreieckshandel

Dieses Thema im Forum "Wirtschaftsgeschichte" wurde erstellt von treppenwitz, 20. September 2008.

  1. treppenwitz

    treppenwitz Neues Mitglied

    Nachdem ich gelesen habe welche Maßnahmen Großbritannien ergriffen hat um den Handel der amerikanischen Kolonien mehr und mehr zu leiten (1651 Navigation Act; 1699 Kolonien dürfen keine Wolle exportieren etc.)habe ich mich gefragt:

    Inwiefern profitierte Großbritannien vom transatlantischen Dreieckshandel? (Triangular trade - Wikipedia, the free encyclopedia)

    Also stehen die Massnahmen im Zusammenhang damit. Ermöglichten erst diese die Aufrechterhaltung des Dreieckhandels?
     
  2. treppenwitz

    treppenwitz Neues Mitglied

    Wirtschaftliche Aspekte des Sklavenhandels

    Hallo,

    ich beschäftige mich gerade mit dem Dreiecks-Sklavenhandel (Atlantischer Sklavenhandel ? Wikipedia) und da haben sich doch bei mir einige Fragen ergeben.

    Also:

    1. Wer profitierte von dem atlantischen Sklavenhandel? Die Sklavenbesitzer ist klar und auch die Reeder, aber wer noch?
    2- Die Bestimmungen der Briten (Navigationsakte ? Wikipedia) sollten doch dafür sorgen, dass der Dreieckshandel Bestand hatte. Inwiefern profitierten diese also davon?
    3. Gibt es irgendwelche Quellen, die anhand von Zahlen belegen wieviel Gewinn ein Sklavenhändler machte?

    Vielen Dank für Hilfe jeder Art!
     
  3. JetLeechan

    JetLeechan Aktives Mitglied

    1. Die Sklavenjäger in Afrika.
    2. Die Plantagenwirtschaft in den Kolonien konnte von den Schwarzen betrieben werden, die kosteten kein Geld wie die Vetragsarbeiter die vorher diese Arbeiten machten.
    Daher konnten die Briten billig Rohstoffe für ihre eigene Industrie gewinnen, vor allem Baumwolle und Zucker.
    Für diese Erzeugnisse hatte man dann in Afrika einen Absatzmarkt und konnte dort wieder Sklaven kaufen. Billig Einkaufen -> Teuer Verkaufen = Profit.
    3. Schon, aber man wird kaum ein scharfes Bild zeichnen können. Aber wir wissen das es sich gelohnt hat, denn sonst wäre das Ganze sehr schnell im Sande verlaufen.
     
  4. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    3 Regionen werden mit "Mangelware bedient":

    Reduziert man das Dreiecksgeschäft auf das Ergebnis in Großbritannien, kommen dort landwirtschaftliche Erzeugnisse an (Zucker, Rum, Baumwolle). Das funktioniert, weil industrielle Erzeugnisse und Überschußproduktion etc. nach Afrika, gepreßte billige Arbeitskraft nach Amerika transportiert wird. Also ein Reihengeschäft.

    2 mal Handelsspanne beim Tauschen -> Reeder, Händler profitieren. Abgaben fließen an den Staat.
     
  5. treppenwitz

    treppenwitz Neues Mitglied

    Das heißt die Reeder und Kaufleute haben Druck gemacht damit diese Gesetze erlassen werden?

    Und das die Kolonien keine Wolle exportieren durften, sollte wahrscheinlich die englische industrie zuhause schützen, richtig?
     
  6. JetLeechan

    JetLeechan Aktives Mitglied

    Mussten sie nicht, der Staat profitierte ja durch Abgaben, abgesehen davon meine ich das auch der ein oder andere Abgeordnete selbst Geschäfte in Übersee gemacht hat.
     
  7. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Das ist wohl zu vermuten.

    Baumwolle wurde nach Großbritannien eingeführt, zwecks Verarbeitung als Rohstoff.
     
  8. Gil-galad

    Gil-galad Aktives Mitglied

    Damit hast du dann eigentlich auch die dritte Gewinnspanne, nämlich aus dem Mehrwert, der aus der industriellen Produktion entsteht.

    Der Aufschwung der Briten zur wichtigsten Kolonialmacht fußt hauptsächlich auf dem Dreieckshandel (wie anfällig dieses System war zeigte Gandhis Boykott der britischen Textilindustrie). Die Gewinnspannen waren ja insgesamt riesig, der Ankauf bzw. das Entführen von Sklaven kostete fast nichts, brachte aber schon satte Gewinne. Die Rohstoffproduktion mit Sklaven wiederum ist, wie bereits schon erwähnt sehr günstig und am Ende werden nach der industriellen Verarbeitung im Mutterland teuere Endprodukte weiterverkauft.

    Für die Briten brachte das zwei wesentliche Vorteile:
    1. Die Textilindustrie blühte auf in England und brachte damit die Industrialisierung in Schwung.
    2. Durch die Kolonien bestand ein wesentlich erweiterter Absatzmarkt für die Fertigprodukte aus dem Mutterland. Das Prinzip ist, man kauft billige Rohstoffe und verkauft teure Fertigprodukte und nimmt die Spanne dazwischen fast als reinen Gewinn mit (abzgl. Löhne und Transport).

    Diese Entwicklung kann man heute noch in manchen Bereichen beobachten, so ist die BRD einer der größten Produzenten von Kakao-Produkten weltweit, obwohl hier bekanntlich keine Kakaobohnen wachsen, ähnliches gilt für Rohöl. Auch wenn nicht in jedem Fall dann die teureren Endprodukte zurück in das Land verkauft werden aus dem die Rohstoffe bezogen wurden, so verbleibt doch der Mehrwert im Inland.
     
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  9. treppenwitz

    treppenwitz Neues Mitglied

    Daraus ergeben sich für mich zwei weitere Fragen:
    1. Wurden bei jeder Route Steuern fällig? (Also beim Import von Rohstoffen nach Britanien, beim Verkauf von gefertigten Produkten und beim Kauf von Sklaven in Afrika?
    2. Haben die Briten den MErkantilismus damit vor Louis XIV eingeführt? Denn die Einfuhr von Rohstoffen und deren VErarbeitung ist ja eigentlich ein Merkantilismus
    , oder? Zumindest eine Vorstufe denke ich.
     
  10. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

  11. treppenwitz

    treppenwitz Neues Mitglied

    Toller Link,danke!

    Bei so einem ausgiebigen Handel werden dann wolhl einiges an Steuern rumgekommen sein. Insofern profitierte wohl vor allem die englische Steuerakte von den NAvigation Acts.Richtig?

    Gibt es denn eiegntlich sonst irgendwelche halbwegs verläßliche Zahlen was die kosten der einzelnen Güter angeht?

    Also was kostete Baumwolle beispielsweise in Amerika und in England?
    Wieviel kostete ein Sklave im Verhältnis zu den gefertigten Waren.

    Gibt es da was?

    Danke schon mal!:yes:
     
  12. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    zu (2) um 1800 wurde an jedem Sklaven zwischen 22 und 43 Pfund verdient, also Erträge ./. Kosten.

    zu (1) Rohbaumwolle dürfte teuer gewesen sein. 1774 wurde das Verbot reiner Baumwollartikel aufgehoben, nachdem sich der Preis verdoppelt hatte (das war dann wohl nicht mehr erforderlich). Importwert 1769 rund 3,9 Mio. Pfund (also Gegenwert ca. 80.-100.000 Sklaven p.a.), Absatz 1780 rund 4 Mio. Pfund.
    Die Besitzer der westindischen Plantagen galten als die reichsten der Reichsten, rangierten vor den englischen "Nabobs" in Indien.


    Angaben nach Treue.
     
  13. treppenwitz

    treppenwitz Neues Mitglied

    Treue? Wer ist das? Ein Historiker?

    Hmh...

    Kannst mir das mal jemand an einem Beispiel durchrechnen?

    Also wenn ich einen Sklaven in Afrika kaufe, für wieviel Geld konnte ich den in Amerika verkaufen? Wieviel Profit habe ich gemacht?

    Und was ist mit den Gewinnmargen von Baumwolle (in England)
    und handgefertigten Waren (in Afrika)..?

    Jemand irgendeine - wenn vieleicht auch nur grobe - Idee?
     
  14. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Wilhelm Treue ? Wikipedia
     
  15. treppenwitz

    treppenwitz Neues Mitglied

    Ooops, ich hoffe den muss man nicht kennen.

    Die Steuern kamen doch vor allem dem englischen Staat entgegen oder?
     
  16. Dog Soup

    Dog Soup Neues Mitglied

    Wundert mich ja, dass das Stichwort "Liverpool" noch nicht gefallen ist, denn die Stadt hat sehr stark vom Sklavenhandel profitiert und ist davon geradezu als Stadt geformt worden. Hat auch ein Museum zum Sklavenhandel mit einer ganz informativen Website.
     
  17. Saint-Simone

    Saint-Simone Aktives Mitglied

    Und Bristol, welches ähnlich vom Sklavenhandel profitiert hat, und wo man noch heute die Villen sehen kann, die mit dem Erlös des Menschenhandels gebaut wurden.

    ETA: Der Link ist leider nur in englischer Sprache erhältlich.
     
  18. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Es stellt sich die Frage, zu welchem Zeitpunkt ein Sklave soundsoviel kostete. Die Gewinnspanne war jedenfalls so hoch, dass auch bei 50% und noch höherer Mortalitätsrate der Ware Mensch das Geschäft noch ein Vielfaches abwarf.

    Die Sklaverei war ein Schlüsselthema zum Verständnis der amerikanischen Geschichte. Den Gründungsvätern war der Widerspruch zwischen der Unabhängigkeitserklärung und der Institution der Sklaverei durchaus bewusst. Ende des 18. jahrhunderts waren die Böden in Virginia und Maryland durch Tabakmonokulturen erschöpft und manche Gründungsväter, die wie Jefferson und Washington selbst Sklavenhalter waren, mochten hoffen, dass die Sklaverei von selbst überwunden werde, doch zwei Ereignisse waren es, die dazu führten, dass die Sklaverei enorm expandierte und die Sklaven wertvoller als das gesamte Bruttosozialprodukt der USA wurden: Die Erfindung der Cotton Gin und der Louisiana Purchase von 1803, durch den die Staaten des Tiefen Südens Missisippi, Alabama und Louisiana Bundesstaaten der USA wurden. Jefferson sprach von einem Empire of Liberty, tatsächlich entwickelte sich ein Imperium der Sklaverei.

    Durch die Erfindung der Cotton Gin, einer Baumwollentkernungsmaschine konnte die Produktivität eines Sklaven um das 5o Fache gesteigert werden. Baumwolle, die zuvor, in feinerer Verarbeitung als Musselin ein Luxusartikel war, wurde zu einem Masssenartikel, der freilich enormen Reichtum einiger weniger zur Folge hatte. King Cotton war wertvoller, als das bruttosozialprodukt aller Staaten zusammmengenommen, und die Pflanzeraristokratie investierte in noch mehr Land und Sklaven. Aber auch Nordstaatler profitierten an der Sklaverei, Banken und Versicherungsgesellschaften boten Policen für Sklaven an und auch die Spinnereien in Neuengland waren auf Baumwolle angewiesen

    Um 1760-70 wurde für einen jungen kräftigen Mann 150 Pfund bezahlt.Nachdem die Briten die Sklaverei verboten, entwickelte sich ein inneramerikanischer Sklavenhandel, dem nach dem Fugitive Slave Act auch freie Schwarze zum Opfer fallen konnten. Dieser Handel schuf eine eigene Sprache der Dehumanisierung. da war die Rede von "Strong, young Bucks (Böcken) und "breeding wenches" (weiber zur Zucht) und fancy girls die Rede.

    Der Preis für einen Sklaven/ eine Sklavin war von Alter, Geschlecht, Gesundheit, Kraft und Qualifikationen abhängig.
    Kinder ab 10 Jahren kosteten zwischen 1840-1850 ca 300 $, Prime Field Hands und "Big Bucks" waren für ca. 700-1000 Dollar in New Orleans zu haben, während für Spezialisten auch weitaus größere Summen gefordert- und bezahlt wurden.
    Sklaven, denen der Master den Freikauf gestatteten, mussten zwischen 1000- 1500 $ bezahlen.

    Es wurden übrigens auch in Washington öffentlich Sklaven ge- und verkauft, mitten in der Hauptstadt einer Republik, die nach ihrem eigenen Selbstverständnis ein freies Land waren. Abolitionisten waren bis in die 1850er Jahre auch im Norden eher als Querulanten betrachtet. Es waren die Exzesse als Folgen des Fugitive Slave Acts von 1850, und nicht zuletzte der Erfolg von Uncle Toms Cabin, die die Meinung zu Ungunsten der Sklaverei in den Nordstaaten kippen ließ, denn die waren plötzlich kein sicherer Hafen mehr, und es geschah vielen freien Schwarzen und ehemaligen Sklaven, dass sie von Sklavenjägern entführt wurden, ohne dass sie auch nur Gelegenheit zur Verteidigung hatten.
     
  19. Dog Soup

    Dog Soup Neues Mitglied

    Man sollte vielleicht mal kurz differenzieren zwischen dem System der Sklaverei in den USA, das Scorpio im letzten Beitrag sehr informiert und anschaulich eingeführt hat, und dem internationalen Sklavenhandel, der für GB wichtiger ist. Diese Unterscheidung scheint auf den ersten Blick etwas akademisch, aber sie ist wichtig.

    Das System der Sklaverei in den USA hat vor allem innenpolitische Bedeutung. Scorpio hat diesen Unterschied bereits angedeutet, indem er berichtet hat, wie Sklaven dezidiert zur "Zucht" angepriesen wurden. Das ist der Weg eines sklavereibasierten Systems, das sich zunehmend von der Abhängigkeit vom Handel löst. Die gesellschaftliche Einbindung der Sklaverei war die Basis ökonomischer Entwicklung vor allem im Süden, und das ging mit einer nicht zu unterschätzenden politischen Macht einher. Man sollte bedenken, dass eine große Mehrheit der ersten Präsidenten Südstaatler war. Das ist kein Zufall.

    Im Gegensatz dazu ist der Sklavenhandel von seiner Natur her multinational und involviert jede Menge Staaten und Regionen, am extremsten natürlich Afrika. Das Involvieren von so vielen internationalen Akteuren bedeutet auch, dass der Sklavenhandel sich in diesem Kontext nicht so stark institutionell eingraben kann.

    Deswegen kommt die Abolitionsbewegung auch zuerst im Kontext des Sklavenhandels ins Rollen, und kommt - wie manche argumentieren - gar nie so richtig im amerikanischen System der Sklaverei an, wo zumindest einige zentrale Strukturen sogar bis heute bestehen geblieben sind. Man denke zum Beispiel daran, dass die ersten großen Abolitionsbestrebungen aus GB kamen (Thomas Clarkson, der Gründer der Abolitionsbewegung, war ein Brite und nicht allein) und sich gezielt gegen die Praktiken des Handels wandten. Clarkson z.B. wurde zum Gründer der Bewegung, indem er die Logistik von Sklavenschiffen dokumentierte. Man denke in diesem Zusammenhang an berühmte Bilder, die von der Bewegung in Umlauf gebracht wurden (siehe unten).

    Rechtlich ist das übrigens ein schwer interessantes Feld. Ich empfehle als Lesestoff vor allem Robert Cover's Buch "Justice Accused." Das beschäftigt sich vor allem mit der schizophrenen rechtlichen Situation von amerikanischen Richtern, die eine Pro-Sklaverei-Meinung im Inland und eine Anti-Sklaverei-Haltung im internationalen Raum vereinbaren müssen.

    Interessant und angenehm lesbar ist auch ein Klassiker, W.E.B. du Bois' "The suppression of the African slave-trade to the United States of America 1638 - 1870". Ansonsten ist noch beliebt Roger Anstey's "The Atlantic slave trade and British abolition 1760-1810".
     

    Anhänge:

  20. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Von dem spanischen Schriftsteller Pio Baroja ( Pío Baroja ? Wikipedia ) gibt es zwei Bücher, "Las aventuras de Shanti Andía" und "Pilotos de Altura", die über das Thema des Sklavenhandels im 19. Jahrhundert handeln, nach dem Verbot durch die Briten und der Aufgabe des "Asiento de Negros," das den Briten praktisch ein Monopol des Sklavenhandels im 18. Jahrhundert gegeben hatte.

    Danach haben hauptsächlich wieder spanische, portugiesische und französische Schiffe und Kapitäne diesen Handel betrieben.

    Es sind zwar "nur" Romane, aber sie geben ein sehr gutes Bild darüber ab. Teile der Geschichte die bestimmte Figuren betreffen sind etwas phantasievoll, der Rahmen ist aber fast als Dokumentation dargestellt und man kann davon ausgehen dass sich Baroja nach alten Aufzeichnungen und Erzählungen richtete. Der Ich-Erzähler ist ein baskischer Kapitän der sich dem Sklavenhandel widmen will, um endlich auf einen grünen Ast zu kommen. Es folgt ein Katz-und-Maus-Spiel mit der britischen Marine wobei der Hauptdarsteller vom Pech verfolgt wird und eines nach dem anderen Mal erwischt wird.
     

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