Ist Deutschlands Blick auf Osteuropa "kolonial"? (Zitat Timothy Synder)

Dieses Thema im Forum "Fragen & Antworten" wurde erstellt von -muck-, 10. Juni 2022.

  1. hatl

    hatl Premiummitglied

    Es gab ebenso wie für den Westen, bereits in den ersten Monaten des Krieges eine Kriegszieldiskussion für den Osten.
    (Fischer Fritz - Griff nach der Weltmacht, Kapitel 3 ..Die Kriegsziele der Regierung im Osten)
    Kongresspolen (der russische Teil Polens) soll vom Zarenreich losgelöst werden und als Pufferstaat unter deutschem Einfluss bestehen. Dabei sei dieses Polen "bis zu südlichsten Punkt des Rigaer Meerbusens zu verlängern" um die Funktion als Pufferstaat zu verbessern und den Polen einen Zugang zu Ostsee zu ermöglichen. Ebenso werden begrenzte Annexionen und ein Bevölkerungsaustausch (Vertreibung von Polen und Juden) im Grenzstreifen zu Polen diskutiert.
    Das sind Kriegszieldiskussionen die nach Ausbruch des Krieges geführt werden und die sich nach Lage des Krieges immer wieder verändern werden, also kein festes Programm darstellen.
     
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  2. Shinigami

    Shinigami Aktives Mitglied

    Jedenfalls die Absicht zur Schaffung eines in wirtschaftlicher Abhängigkeit von Deutschland stehenden Polen, im Rahmen der deutsch dominierten "Mitteleuropa"-Konzeption, geht ja durchaus auch aus dem Septemberprogramm von 1914 hervor, war also mithin durchaus feste Programmatik der Regierung, auch wenn es seinerzeit nicht im Wortlaut veröffentlich wurde.
     
  3. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Schau einfach mal in die "Enzyklopädie Erster Weltkrieg" unter dem Stichwort Kriegsziele nach.

    Das Septemberprogramm wurde bald Makulatur, zumal sich die Schwierigkeiten eines Zollbündnisses mit Österreich-Ungarn als außerordentlich schwierig herausstellten. Die Planungen für territoriale Erwerbungen in Westen und Osten wurden aber fortgeführt.
     
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