Ist es möglich Informationen von einem Archäologen über dessen Ausgrabungen zu bekomm

Dieses Thema im Forum "Archäologie" wurde erstellt von Alexander4:), 23. Dezember 2008.

  1. Alexander4:)

    Alexander4:) Neues Mitglied

    Hallo allerseits.

    Ich wollte fragen, ob es möglich ist auf verschiedene Fünde oder Ergebnisse einer Ausgrabung möglichst im Internet zu bekommen.

    Ich schiele hier besonders auf das Thema Assassinen, denn in dem TerraX Film wurde gesagt, dass derzeit die Burg Alamut "untersucht" wird und danach auch noch andere Burgen.

    Kommt man irgendwie an Material, was die da gefunden haben ran??

    Gruß Alexander
     
  2. DerGeist

    DerGeist Neues Mitglied

    Im Internet wirst du sehr wahrscheinlich durch googlen nur Oberflächlich Informationen erhalten.
    Ich würde dir empfehlen nach einem guten Buch/Aufsatz zu suchen.
    Z.b. mit Dyabola.index-frameset

    Wenn du weißt wer die Ausgrabung leitet bzw. wer für die wissenschaftliche Arbeit zuständig ist, dann schreib dieser Person doch einfach eine Mail mit deinem Anliegen.
    Die neusten Ergebnisse wirst du so wahrscheinlich nicht erhalten, wohl aber den Verweis auf die Publikation der Ergebnisse.
     
  3. Serapis

    Serapis Neues Mitglied

    Alexander, warum sollten Archäologen dir irgendwelche Infos geben, die sie genau so gut Gewinn bringend an TerraX oder einer Zeitschrift verkaufen könnten? Für "hot News" wirst du dich wohl gedulden müssen, bis sie anderweitig publiziert sind. Oder dich selber an einer Grabung finanziell beteiligen, falls du das nötige Kleingeld übrig hast und das Risiko nicht scheust...
     
  4. pelzer

    pelzer Aktives Mitglied

    ...In dem Zusammenhang ist interessant, dass die Grabungen oft vom Steuerzahler berappt werden. Die Resultate dann aber privatisiert werden... :still:

    Gruss Pelzer

    .
     
  5. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Kein Wissenschaftler wird seine Ergebnisse vor der Publikation detailliert ausposaunen, das wäre akademischer Selbstmord. Selbst auf Tagungen unter Kollegen hält man sich gern zurück - Ideenklau und Trittbrettfahrer gibt es immer. Die "Vorabpressemeldungen" sollen doch nur Appetit mit Blick auf Forschungsgelder machen. Es wird Jahre dauern, bis wir mehr wissen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. Dezember 2008
  6. Serapis

    Serapis Neues Mitglied

    Und wenn wir schon am rummosern sind. Ein Begriff den ich nicht mehr hören kann ist "Sensationsfund". Das geht auch in Richtung Forschungsgelder heischen. Meist für irgend einen popligen Mist der nur gähnen erzeugt. Typischerweise irgend eine Nekropole, die für eine Region (bislang) einzigartig sein mag, aber "global" absolut nichts Neues ist und keine wesentlichen neuen Erkenntnisse bringt.

    Sorry, ich musste es mal los werden! :motz:
     
  7. Alexander4:)

    Alexander4:) Neues Mitglied

    Also:

    Die Ausgrabung wurde schon vor 2003 begonnen.

    Außerdem sind die Archäologen aus Teheran.

    Also ist die Kommunikation schwierig.
    Aber da der Beginn der Ausgrabung schon sooo lang her ist, dachte ich, dass es schon erste Ergebnisse abrufbar sind.

    Gruß Alexander
     
  8. Galgenpapst

    Galgenpapst Aktives Mitglied

    An @Alexander4) et al:

    Ich bin seit 25 Jahren als universitär ausgebildeter Archäologe tätig und gelte durchaus im Fach und natürlich auch privat als hilfsbereit: das wirst du auch im GF sehen können. Bei Grabungen "verbrauchen" ich und meine Kollegen oftmals Steuergelder; das ist - meiner Meinung nach - auch eine Verpflichtung. Ziel einer archäologischen Bodenuntersuchung sollte im Idealfall immer die abschließende und zügig vorgelegte Publikation der Ergebnisse sein. Aus diesem Grunde geben wir nur ungern Details im Vorfeld preis: an Laien, an Heimatforscher, an die Presse, an potentielle Raubgräber, ... Denn: oftmals erhält man als Dank unsinnige oder mißbräuchliche Resonanz usw. und das ist immer mit Ärger verbunden.

    Ich für mich gehe so vor: Wenn ich konkret angesprochen werde, versuche ich im Gespräch zu ergründen, was die Beweggründe des Fragestellers sind; danach richtet sich die Tiefe der von mir erteilten Informationen. Ich binde immer die lokale Presse ein; die so zur Sache informierten Bürger schützen dann auch indirekt meine Grabungsstelle. Ich biete später - neben der oder den fachspezifischen Veröffentlichungen - den lokalen Geschichtsorganen immer eine Miszelle an; das ist keine zusätzliche Arbeit: der Fachtext wirk gekürzt!

    In den 1990er Jahren habe ich auf Rügen eine Siedlung ("Marlow I") aus der frühen Eisenzeit ausgegraben; mein Vertrag beinhaltete nur die Ausgrabung und einen abschließenden Grabungsbericht für das Archiv des zuständigen Landesdenkmalamtes. In meiner Freizeit nach diesem Job (Dank an all´ die netten Rüganer, die ich dort kennenlernen durfte, und mein dortiges Mitarbeiterteam!) habe ich auf der Grundlage dieses Berichtes - meine gerade geborene Tochter Rike in den Armen - meinem o. g. Verpflichtungsanspruch einhändig am Laptop Genüge getan und eine Publikation getippt. Mit nur fünf rechten Fingern; die Publikation ist viele Seiten lang!

    Ich finde: Der Steuerzahler hat mich (indirekt) bezahlt und ihm stehen auch die Ergebnisse "meiner" Siedlung Marlow zu! Nur so wird Archäologie für alle verständlich und akzeptabel!

    LG GP
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 25. Dezember 2008
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  9. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Um hier nur eines klarzustellen: Die wenigsten Grabungen zahlt der Steuerzahler. Erst dann, wenn Archäologen nachweisen können, dass eine bestimmte Grabung ein entsprechendes öffentliches Interesse befriedigen würde und dabei auf interessierte Politiker stoßen, wird eine Grabung vom Steuerzahler (mit)finanziert. Die meisten Grabungen in Deutschland sind aber notwendige Grabungen, die aufgrund einer zukünftigen Störung des Bodendenkmals überhaupt erst begonnen werden. Hier greift dann das Verursacherprinzip, d.h. der Bauherr zahlt auch die Grabung. Wenn natürlich der Bauerherr Kommune, Land/Freistaat oder Bund ist, klar, dann zahlen batürlich wieder die Steuerzahler. Nur ist die Grabung in aller Regel noch der geringste Posten auf der Endabrechnung des Bauherren.

    Zu Alamut: Ich hätte ja schon mal vorgeschlagen die entsprechenden Publikationen in der internationalen Fachliteratur zu suchen oder in den Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Teheran, nur ist der Fragesteller mit seinen 17 Jahren wahrscheinlich nicht unbedingt derjenige, der am einfachsten an diese Literatur kommt.
    Trotzdem hier der Rat, einfach mal in ein archäologisches Institut an einer Uni gehen (falls in der Nähe) und dort die Zeitschriften durchsuchen. Wobei Du Dich vom Begriff der "Zeitschrift" wie Du ihn kennst, trennen solltest.
     
  10. aquilifer

    aquilifer Aktives Mitglied

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  11. Major Tom

    Major Tom Neues Mitglied

    Ich finde die Eingangsfrage sehr interessant und bis jetzt unzureichend beantwortet. Mir ist es neulich erst im Gespräch mit einem Förster passiert, das große Gebiete seines Forstes und eine dazugehörige Burganlage intensiv vom Landesamt für Denkmalpflege untersucht wurde, aber Ausgrabungsberichte oder zumindest oberflächliche Ergebnisse der Grabung der Öffentlichkeit nicht mitgeteilt werden. Die Ergebnisse der Burguntersuchung habe ich dann nach langer Recherche in Form eines Buches beim Händler käuflich erweben können, für sage und schreibe 50€! (Der Autor ist der Ausgrabungsleiter)

    Also wer sich für mehrere wissenschaftliche/archäologische Projekte und deren Ergebnis interessiert (u.a. auch als Lehrmaterial für den Geschichtsunterricht), muss eine dicke Geldbörse besitzen. Warum sind diese Informationen beim Landesamt für Denkmalpflege nicht einzusehen, bzw. das sie kopierbar sind?

    Wenn nicht gerade Ausgrabungen in den Schlagzeilen erscheinen (s. Römerlager bei Porta Westfalica, oder römisches Schlachtfeld bei Göttingen), erfährt die Öffentlichkeit so gut wie gar nichts an Informationen. Ich habe selbst einige Tage bei einer Ausgrabung mitgeholfen, habe aber darüber nur ein kurzes Ergebnis in Form von wenigen Zeilen in einer archäologischen Fachzeitschrift erfahren (die nicht einmal beim gut sortierten Händler in Hannover käuflich zu erwerben ist!).
    Um das Interesse in der Öffentlichkeit für den Erhalt von Bodendenkmälern zu sensibilisieren, wäre es m.E. ratsam auch Öffentlichkeitsarbeit zu leisten und entsprechende Grabungsergebnisse auf unbürokratischen und preisweiteren Wege zugänglich zu machen.
     
  12. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    ZB. in (Uni)Bibliotheken?
     
  13. Alexander4:)

    Alexander4:) Neues Mitglied

    @Themi
    wie soll ich da hin kommen? mit dem fahrrad?
    Ich wohn leider net in einer Uni stadt.
    Und unsere Bibliothek ist mehr als mager.

    @major tom
    Vielen dank!Toller Beitrag!
    Ich hab selber mal Praktikum bei der Denkmalpflege gemacht und ich habe noch guten Kontakt!
    Vielleicht könnte ich über ihn mehr erfahren, aber ich denke, dass sich sein Aufgabengebiet net bis Iran oder gar Syrien erstreckt ;)

    Gruß Alexander
     
  14. Sheik

    Sheik Neues Mitglied

    Also mit Archäologischen Befunden und Untersuchungen ist das halt so eine Sache. Zum einem dauert die Aufarbeitung von Ausgrabungen unter Umständen recht lange, je nachdem wie wichtig der Ausgräber das Projekt betrachtet oder wieviel Zeit ihm zur Verfügung steht. Dazu kann es durchaus möglich sein, dass die Ausgrabung selbst garkeine wissenschaftlichen Neuerungen ergibt oder aber das Fundmaterial einfach zu gering war um es zu bearbeiten.

    Um die Sache noch zu komplizieren ist eine Publikation nicht immer leicht: man muss eine Zeitschrift finden die den Artikel abdruckt oder sollte es ein größeres Projekt/Werk sein, einen Verlag für die Monographie. Gerade der Druck eines Buchs kann durchaus teuer werden, daher auch die horrend hohen Preise (wobei 50 euro ja noch an der unteren Grenze liegt).
    Aber meistens geben Archäologen gerne Auskunft über ihre Projekte bzw. den Stand der Arbeit. Also wenn du etwas wissen willst, sollte der Kontaktaufnahme mit dem leitenden Ausgräber über das Landesdenkmalamt durchaus möglich sein.
     
  15. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das ist das Gesetz des Marktes: Niedrige Auflage = hohe Druckkosten, hohe Auflage = Druckkosten werden auf mehr Leser verteilt.
     
  16. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Zum Beispiel oder mit der Bahn.
    Auf jeden Fall sind Unibibliotheken auf jeden Fall reichlicher gesätz als Landesämter für Denkmalpflege, oder? Wie es mit denen aussieht, die auch archälogische Abteilungen haben, weiß ich leider nicht. Auf jeden Fall gibt es Möglichkeiten sich die Literatur anzusehen/kopieren/besorgen ohne sich das Buch kaufen zu müssen.
     
  17. Turandokht

    Turandokht Aktives Mitglied

    Fernleihe ist auch eine Möglichkeit.
     
  18. pelzer

    pelzer Aktives Mitglied

    Grüezi

    Machen wir uns doch nichts vor, vieles wird gar nie veröffentlicht und schlummert in den Schubladen der Ämter vor sich hin. Das betrifft natürlich nicht die aufsehenerregenden Grabungen, aber all die kleinen unbedeutenden Notgrabungen und ähnliche, wo keine interessante Befunde gemacht werden...

    Gruss Pelzer


    .
     
  19. Brahmenauer

    Brahmenauer Mitglied

    Ich habe Kenntnis von einem Verlag, welcher speziell archäologische Fachliteratur für Ostdeutschland vertreibt: www.beier-beran.de
    Vielleicht gibt es etwas vergleichbares auch für andere Regionen. Dort haben die Landesämter für Denkmalschutz u. Archäologie ihre Plattform für Veröffentlichungen. Ich selbst habe dort schon gezielt gesucht und wurde fündig.
     

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