Jagd im Juni, 15. Jahrhundert

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Mittelalter" wurde erstellt von Teresa C., 8. Juni 2015.

  1. Teresa C.

    Teresa C. Aktives Mitglied

    Ich habe wieder einmal eine Frage in Bezug auf den Roman, an dem ich zu schreiben begonnen habe.

    Ich kenne mich leider mit der Jagd nicht wirklich aus. Für die Geschichte, die ich erzählen will, ist sie auch nicht von tragender Bedeutung.

    Allerdings möchte ich vermeiden, dass mir bei folgendem Detail einer Einzelszene ein Schnitzer passiert. Es geht um folgende Situation. Jemand aus dem Hochadel ist bei einem anderen Adeligen auf Besuch und wird vom Gastgeber gefragt, ob morgen mit auf die Jagd kommen will.

    Mein Problem - die Szene findet im Monat Juni statt, und Jagden finden doch nach dem, was ich gehört habe, im Herbst statt. Ist es glaubwürdig, dass ein Fürst im Juni auf Jagd ist und wenn ja, welche Arten von Jagd waren in diesem Monat möglich?
     
  2. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    Durchaus möglich.
    Ich zitiere:
    „In einer Beschwerde von vier thüringischen Gemeinden aus dem Jahr 1674 heißt es:
    „Öfters gehen zwanzig bis dreißig Stück Wild auf einmal in die Felder und hilft kein Scheuchen und Wehren. Des Tages haben wir unsere blutsauere Feldarbeit, des Nachts wegen des Wildbrets mit Wachen auch keine Ruhe...“

    Der Pfarrer, der diese Eingabe verfaßt hat, fügt hinzu, die Ernte von seinen Deputatgrundstückken sei vom Wilde gänzlich verwüstet, er habe nicht das Brot zum Leben.

    Auf diese Beschwerde hin erhält die Jägerei den Befehl, zur Verringerung des Wildbestandes eine Jagd abzuhalten. Das geschieht auch, doch danach machen die Bauern abermals eine Eingabe: „Vor vierzehn Tagen ist gejagt worden, es sind aber nur elf Stück (Hirsche) gefangen. Mehr als die Hälfte und fünfzig Stück Wild aber sind freiwillig wieder hinausgelassen worden ...“

    Daraufhin befiehlt Herzog Ernst – genannt „der Fromme“ – im September 1674, noch eine Jagd zu hallten...“
    Quelle: „Jagd im Zwielicht“, H. Wotte, erschienen im Verlag „Neues Leben“ 1983.

    Vielleicht findest Du auch noch etwas brauchbares im "Waidmann", war um 1875 die meistgelesene deutsche Jagdzeitschrift.
     
    Zuletzt bearbeitet: 8. Juni 2015
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  3. Rovere

    Rovere Premiummitglied

    Also laut Wiener Jagdgesetz - Jagd war immer Landessache, was Schonzeiten betrifft gibts geringe regionale Unterschiede - sind zu dieser Zeit nicht führende Rehgeissen (also ohne Junge), Schwarzwild und Niederwild im Juni nicht geschont. Genau Aufstellung findest Du hier - so mal als erster Anhaltspunkt:
    L920-100 - Schonzeiten der jagdbaren Tiere

    Also eine Sauhatz sollte schon drin sein!
     
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  4. Mashenka

    Mashenka Aktives Mitglied

    Vielleicht ließe sich eine Art ›Notsituation‹ konstruieren, bei der ein wildes Getier andere Tierbestände dezimiert. Es muss sich dabei nicht um das klassische Wolf vs. Schafe handeln. Das Ziel darf ja auch nicht zu gefährlich sein bei nur wenigen Jägern; also mehr eine Gelegenheitsjagd, wobei man die Situation als Ausrede nutzt, um jagen zu gehen. Der Mann könnte z.B. einen Fasanenwärter kennen oder beschäftigen, der über den schwindenden Bestand klagt, z.B. durch streunende Hunde (ok, vielleicht etwas problematisch bei Lesern mit Herz für Hunde), also lieber einen Luchs (dabei beziehst Du Dich elegant auf die Ausrottung der Luchse). Bei Adligen wäre auch eine kleinere Parforcejagd ganz schick.

    Zum Luchs: waldwissen.net

    Zu den Fasanen paar Fachbegriffe in dieser Dissertation.
     
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  5. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    So weit ich weiß, galten Wölfe bis zu ihrer Ausrottung als Schädlinge, für die es keine Schonzeit gab.
     
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  6. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Es gab mal ne Ausstellung "Hofjagd" im DHM. Dazu erschien auch ein Ausstellungskatalog. Vielleicht fände sich da was interessantes. Ansonsten ist das 15.Jh. ja ein extrem gut erschlossenes Gebiet - wahrscheinlich auch, weil es da massig gute Reenactmentgruppen gibt. Man bei letzteren angefragt? Die meisten Darsteller, die ich kenne, haben immer massig Literatur daheim rumstehen.
     
  7. Teresa C.

    Teresa C. Aktives Mitglied

    Was sind eigentlich Reenactmentgruppen?
     
  8. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied

    Bøswillig kønnte man sagen, ganzjæhrige Karnevalisten.:still:
    Nein, es sind Gruppen, die z.B. bestimmte Regimenter (oft so historisch genau wie møglich) darstellen. Da stimmt idealerweise alles bis zum letzten Uniformknopf.
    Es muss aber auch nicht zwangslæufig Militærisches dargestellt werden, das ganze gibt's auch in Zivil - man kleidet sich entsprechend einer bestimmten Epoche o.æ..

    Gruss, muheijo
     
  9. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Naja, Gruppierungen, die halt zumeist konkrete historische Ereignisse darstellen. Oftmals agieren sie aber auch in Museen (eigentlich mittlerweile weltweit üblich) im Rahmen von Veranstaltungen.
    Einige "Gruppen" sind entweder selber ein Verein oder gehören einem Dachverband an. Früher war z.B. die ENS (European Napoleonic Society) ein Zusammenschluss von wahrscheinlich tausenden Darstellern verschiedener Gruppen, welche militärische Einheiten der napoleonischen Zeit dargestellt haben.
    Zumindest mir scheint es so, dass aber die Zeit der Vereinsmeierei mehr und mehr vorbei ist. Gerade im zivilen Sektor gibt es unzählige Einzeldarsteller, die dann halt zu Veranstaltungen eingeladen werden, welche im Fall von Museumsveranstaltungen nur persönlich einladen.
     
  10. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

  11. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied

    Sehr schøn ist der Husar mit Handy am Ohr, letztes Bild! :D

    Manche von denen bewundere ich aber wirklich:
    Bei Leipzig 2013 war ein "franz. General" dabei, der von Haltung und Auftreten nicht authentischer hætte sein kønnen.
    Ich habe ihn (allein) fotografiert, aber ich weiss gar nicht, ob ich ihn dann hier einstellen darf...

    Gruss, muheijo
     
  12. steffen04

    steffen04 Gesperrt

    Das ist ein Offizier einer amerikanischen Light Infantery Einheit aus den French and Canadian Wars 1755 - 1760, also kurz vor dem Unabhaengigkeitskrieg.

    Der Darsteller kommt aus einem der rauheren Viertel Detroits und nimmt die Sache sehr ernst. Nach eigener Aussage geht er mit den Klamotten auch mal zum Jagen.

    Der war schon ein bischen zum fuerchten..
     

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