Jiddisch - eine mittelhochdeutsche Sprache (?)

Dieses Thema im Forum "Judentum | Israel | Naher Osten" wurde erstellt von Leopold Bloom, 13. Juli 2004.

  1. Leopold Bloom

    Leopold Bloom Neues Mitglied

    Fortführung aus folgendem Thread: http://geschichtsforum.de/showthread.php?p=21053#post21053




    Aussagen:












    Und jetzt ab....
     
  2. Schini

    Schini Neues Mitglied

  3. askan

    askan Neues Mitglied

    Als ich neulich in Berlin war, habe ich witziges Buch zum Thema gesehen.

    Es heisst: Jiddisch im Berliner Jargon oder Hebräische Sprachelemente im deutschen Wortschatz.

    Wer sich dafür interessiert was: Schickse, doof, abnibbeln, malochen, Kaff, Bammel oder Ische nun wirklich heisst, dem wird es dort auf witzige Weise erklärt.

    Der Autor heisst: Andreas Nachama
     
  4. Schini

    Schini Neues Mitglied

    Wo du das gerade ansprichst: hierzulande hat man auch noch immer eine Masn und wünscht sich Hals und Beinbruch. ;)
     
  5. askan

    askan Neues Mitglied

    Also, Hals- und beinbruch bzw. hazlocho we berocho ( guten Rutsch) steht auch drin. ;)
     
  6. Mme Taussaud

    Mme Taussaud Neues Mitglied

    habt ihr schon mal jemanden fließend jiddisch sprechen hören?:rolleyes:
     
  7. Lukrezia Borgia

    Lukrezia Borgia Moderatorin


    Warum nicht die Sprache mit Musik unterlegen?

    Hörproben von Bente Kahan in jiddisch gibt es hier:

    http://www.plaene-records.de/kahan.htm
     
  8. askan

    askan Neues Mitglied

    Ja, ich als das letzte mal in Berlin war. In Schöneberg gibts ein russisches Szenekaffee, dort war eine Grossfamilie frühstücken, mit den Kellnern sprachen sie russisch, aber untereinander ein jiddisch so wie ich es nur beim Film Anatevka gehört habe.
     
  9. Mme Taussaud

    Mme Taussaud Neues Mitglied

    Mein Opa spricht Jiddisch. Ich selber kann kein jiddish aber manches kann man auch als
    Deutsch-sprecher verstehen.
     
  10. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Ich kenne bisher nur geschriebenes jiddisch in jüdischen Witzen. Verstehen kann ich es, In einem Gespräch (dessen Redetempo vom Sprecher und nicht vom Zuhörer abhängt) würde mir das wahrscheinlich nicht gelingen.
     
  11. Mme Taussaud

    Mme Taussaud Neues Mitglied

    Ja man muss sich das schon eine Weile anhören bis mans versteht
     
  12. Rüdiger

    Rüdiger Mitglied

    Der holländische Pianist van der Pas erzählt in Gregor Piatigorskis Autobiografie "Mein Cello und ich" von seiner ersten Begegnung mit dem Cellisten Emanuel Feuermann:
    "Er sprach holländisch, aber ein sehr merkwürdiges Holländisch. Es dauerte eine Weile, bis ich merkte, daß es Jiddisch war."
     
  13. Rüdiger

    Rüdiger Mitglied

    Noch vor vierzig Jahren hat ja Kishon geschrieben, daß die meistgesprochene Sprache in Israel jiddisch sei und hebräisch die einzige Muttersprache, die die Mütter von ihren Kindern lernen. Mittlerweile wird das schon deutlich anders aussehen.
    Ich denke, das Jiddische wird schon noch eine Weile bestehen bleiben, gerade in orthodoxen Kreisen, allerdings erfährt davon der "Normalsterbliche" nicht soviel.
    Vor dem zweiten Weltkrieg dagegen gab es wohl, v.a. im deutsch-polnischen Grenzbereich, interkonfessionelle Schulen, in denen sogar nichtjüdische Mitschüler des Jiddischen mächtig waren, was gar nicht einmal ein Zeichen übermäßiger religiöser Toleranz sein mußte; man hörte es halt tagtäglich. Irgendwo habe ich sogar einmal eine jiddische Verballhornung von Schillers "Glocke" gelesen, und ich meine, auch die sei von nichtjüdischen Studenten verfaßt worden.
    Heute scheint diese Sprache ja auch in weniger strenggläubigen oder einfach nur interessierten Kreisen eine gewisse Renaissance zu erfahren, allerdings weiß ich nichts Näheres darüber.

    Ich weiß, für das Folgende gibt's ein anderes Forum, aber weil's hier so gut paßt:

    In einem koscheren Restaurant in New York, das hauptsächlich von Neueinwanderern aus dem Osten frequentiert wird, serviert ein Chinese, der perfekt jiddisch spricht. Einmal kommt ein neuer Gast und wundert sich. Er winkt den Wirt heran und fragt: "Sagen Sie, wie ist es möglich, daß ein Chinese so gut Jiddisch kann?"
    "Still!" flüster der Wirt erschrocken. "Nicht so laut! Der Chinese arbeitet bei mir schon seit einem vollen Jahr gratis gegen Kost und Logis, weil er glaubt, daß er dabei Englisch lernt!"
     
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  14. jakow

    jakow Neues Mitglied

    Es ist richtig, dass Jiddische als Tochter des Deutschen anzusehen, da es hieraus entstanden ist. Daran ändert sich auch nichts, wenn durch den jüdischen Hintergrund hebräische Wörter Einklang gefunden haben. Auch wenn wir heute Deutsch reden, bringen wir oft hebräische Wörter ein, welche im Deutschen einfach keine Entsprechung haben.

    Erst später durch die Wanderungen bzw. Vertreibungen kamen dann auch noch Wörter aus anderen Sprachen hinzu und im Ostjiddischen ist der Anteil aus romanischen und slawischen Sprachen auch recht hoch.

    Hierbei sollte man aber nicht vergessen, dass auch deutsche Juden Jiddisch sprachen, welches diesem Einfluss nicht ausgesetzt war und welche dann mit ihrem Westjiddisch erst später nach Osten abwanderten. Dadurch gibt es auch heute noch unterschiedliches Jiddisch.

    Und Jiddisch ist nicht so ausgestorben, wie manchen meinen. Es ist heute nur üblich, dass sekuläre Juden eben die Landessprache verwenden, was in früheren Zeiten anders war und damit die ganze jiddische Kultur hat entstehen lassen, welche heute in dieser Form nicht mehr gelebt wird. Jiddisch taucht heute fast ausschließlich nur noch im orthodoxen bis ultraorthodoxen Bereich auf. Hier ist es dann aber noch sehr lebendig und erst letzte Woche habe ich es hier gehört wie auch gesprochen. Zuhause sprechen wir zur Zeit eigentlich kein Jiddisch bzw. nur selten.

    A guten schabbes.
     
  15. Arie-Ben-Kanaan

    Arie-Ben-Kanaan Neues Mitglied

    Ja meine Grandma väterliherseits, sie konnte nichts anderes als Jiddisch. Sie hat zwar in Amerika nach dem Krieg Englisch gelernt das hat sie aber auch mit einem starken jiddischen Akzent gesprochen. Auch meine andere Grandma sprach noch Jiddisch und das hat sie mit mir auch gesprochen ales ich klein war so das mir das Jiddische sehr vertaut ist.
     
  16. Martas

    Martas Aktives Mitglied

    Ich war einst auf einem Abend Jüdischer Kultur. Sehr interessant. Abend mit Musik und Tanz. Leider gings zu schnell rum. Die gesungen Lieder waren entweder jiddisch oder hebräisch. Und ich hab sogar was verstanden:red:
     
  17. saxo

    saxo Gesperrt

    Wird jiddisch denn langfristig überleben? Wird es in Schulen gelehrt, werden Bücher in jiddisch geschrieben, gibt es Radiostationen und Fernsehsendungen in jiddisch? Oder wird das in Zukunft eher was für Kultur- oder Heimatvereine, wie z. B. die der Schlesier oder Ostpreußen, also eine Sprache ohne Land?
     
  18. askan

    askan Neues Mitglied

    Also ich habe in Berlin schon Familien getroffen die untereinander noch jiddisch sprechen. Es sind Juden aus Russland.
     
  19. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    In Israel wird mittelfristig aussterben. Da sich die Gründer für hebräisch entschlossen (was sehr günstig für die orientalen Juden war), konnten die Osteuropäischen Migranten sich nicht durchsetzen. der Holocaust hat bekanntlich die jüdischen Gemeinden OSteuropas zerstört und die wenigen dortgebliebenen werden imho die Sprache kaum aufrechterhaltne können. In New york wir jiddisch mWn noch gepflegt. Es gibt jiddische Autoren, vermutlich auch Theater und eventuell Musik. Schulen bezweifle ich schon sehr. es wird sich vielleicht ähnlich entwickeln wie viele Dialekte, ein paar Leute versuchen noch etwas damit zu machen (z.b. Asterixbände;) ), aber die Anzahl der aktiven Sprecher wird sehr bald sehr stark zurückgehen.
    Ich bin mir aber sicher, dass man jiddisch völlig berechtigt Sprache ohne Land nennen kann.
     
  20. hyokkose

    hyokkose Gast

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