Johannes Komnenos-Stammvater des Hauses Osman?

Dieses Thema im Forum "Das Osmanische Reich" wurde erstellt von ALKIBIADES, 14. Juni 2005.

  1. ALKIBIADES

    ALKIBIADES Neues Mitglied

    Bei der Lektüre des Buches "Die Geschichte der Kreuzzüge" von Steven Runciman,bin ich auf eine interessante Stelle gestoßen. Runciman erwähnt in seinem Buch,dass zur Zeit der Kriege des Kaisers von Byzanz Johannes Komnenos (1118-1143) gegen die Danischmanidischen Türken (1130-1135) es zu einer Fahnenflucht eines Neffen des Kaisers kam.Die kaiserlichen Streitkräfte belagerten gerade die Danischmaniden Festung Niksar (Neocäsareia),als sich der Neffe des Kaisers, Johannes (der Name des Neffen) ,Sohn seines Bruders Isaak,auf die Seite des Feinds schlug,zum Islam übertrat und die Tochter des Danischmaniden Sultans Masud heiratete.Laut Runciman leiten die Ottomanischen Sultane ihre Abkunft von ihm her.Kaiser Johannes war angeblich sehr betroffen über die Fahnenflucht seines Lieblingsneffen.
    Diese Geschichte hör ich zum ersten Mal.Hat jemand von euch diesbezüglich mal ne andere Quelle?
    (Bei Runcimans "Geschichte der Kreuzzüge" steht dies auf s.523.)
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. Juni 2005
  2. Andronikos

    Andronikos Neues Mitglied

    Zumindest die Sache mit der Abkunft der Osmanen von ihm klingt mir sehr legendenhaft. Zwischen ihm und Osman liegen immerhin 170 Jahre praktisch undokumentierter Geschichte.
     
  3. ALKIBIADES

    ALKIBIADES Neues Mitglied

    Bin ganz deiner Meinung.Falls jedoch die ottomanischen Sultane wirklich ihre Herkunft von ihm leiten,dann kann es nur bedeuten,dass die Danischmaniden an sich mit den Osmanen vielleicht verwandt waren.Immerhin gingen die Danischamaniden in den Seldschuken auf,und als diese sich auflösten bildeten sich kleine Emirate,eines davon von Osman.Wer weiß??
     
  4. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Heiratsverbindungen zwischen dem byzantinischen Kaiserhaus und dem Haus Osman hat es durchaus gegeben. So heiratete z.B. Theodora, Tochter von Johannes VI. Kantakuzenos, im Jahr 1346 den Sultan Orhan.

    Das von Runciman zitierte Ereignis liegt freilich länger zurück und bezieht sich auf die Heirat eines byzantinischen Kaisersprösslings mit der Tochter eines Danischmeniden-Sultans. Die Osmanen haben zwischen 1389 und 1398 die meisten anatolischen Fürstentümer - meist Emirate und Sultanate - unterworfen und gewiss auch verwandtschaftliche Verbindungen zu den Danischmeniden unterhalten. Somit griffen sie auf das zitierte Ereignis zurück und sahen sich in der Nachfolge auch der Danischmeniden.

    Ob das Ereignis nun Legende ist oder nicht, es zeigt doch ganz deutlich, die Osmanen taten das gleiche wie auch andere Herrscherhäuser: Sie versuchten den Eroberungen byzantinischer Gebiete den Schein der Rechtmäßigkeit zu verleihen, indem sie diese uralte Heiratsverbindung ins Feld führten, und daraus Ansprüche ableiteten. - Alle Schlesischen Kriege Friedrichs des Großen und auch der Pfälzische Erbfolgekrieg basierten auf dem demselben Muster, auch wenn derartige Ansprüche noch so weit hergeholt waren.

    Wie sich die Zeiten doch gleichen !!!
     

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