Karl Marx Pub Crawl

Dieses Thema im Forum "Persönlichkeiten in der Neuzeit" wurde erstellt von El Quijote, 12. Juli 2020.

  1. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Bei Ilija Trojanow (Gebrauchsanweisung fürs Reisen) lese ich:

    Karl Marx versuchte sich übrigens einmal an dem Brauch [des pub crawls], um den saufenden Puls des Proletariats zu fühlen. Das ging nicht gut für ihn aus, er agitierte wohl zu streng und wurde von wütenden Arbeitern durch die nächtlichenn Straßen von Tottenham gejagt.
    Google ich nun [Karl Marx Tottenham] erscheint als erster Treffer eine Tourismusseite über London, welche einen Pub Crawl auf der Tottenham Court Road auf den Spuren von Karl Marx vorschlägt. Von den 18 Pubs seinerzeit seien noch sechs übrig (was wohl nur numerisch gemeint ist, nicht auf ungebrochene Tradition hindeutend*) und es wird dannn behauptet, Marx hätte mit Locals gestritten und sei dann Gaslampen zerstörend die Straße hinuntergerannt. Da das ganze hiernach in den späten 1850ern passiert sein soll, muss Marx roundabout 40 gewesen sein, im Text wird er als "young Marx" bezeichnet.

    Was ist an der Geschichte dran?



    *The challenge would have been somewhat more intoxicating in Marx’s day, when something like 18 pubs lined the street. Today there are just six, but we can still have a beery old time following in his footsteps.
     
  2. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    Die Geschichte basiert auf Wilhelm Liebknechts Biografie: "Karl Marx zum Gedächtnis" (1896). Liebknecht war zusammen mit Marx in England und beschreibt sie als gemeinsame Anekdote. Das mit den Gaslampen nennt er eine Erinnerung an einen "Studentenstreich", die von Edgar Bauer begonnen und auf die Liebknecht und Marx dann eingestiegen sind. Ähnliches muss Liebknecht wohl vorher schon mal in Marburg gemacht haben.
    Ich habe im Netz nur die englische Übersetzung gefunden. Die Geschichte findet sich unter der Überschrift (Strg+F)
    "Patriotism and its consequences".
     
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  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Da sind die Alten Herren wohl in Erinnerung an ihre Burschenschafts- oder Corps-Zeit einen Saufen gewesen.
     
  4. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    Die Geschichte glaube ich.

    Wenn man auf die Web-Seite „Anekdoten/Marx is back“ geht, liest man da so einiges.

    So auch: „Marx und die Uni Bonn“.

    „Hinsichtlich seines Verhaltens ist zu bemerken, daß er wegen nächtlichen ruhestörenden Lärmens und Trunkenheit eintägige Carcerstrafe [Studentengefängnis] sich zugezogen hat“.

    Amüsant ist wohl auch der Brief von Moses Heß (Frühsozialist und Vordenker der Zionisten) an sein Freund Berthold Auerbach (1812 – 1882).

    Da heißt es unter anderen:

    „... er (gemeint ist Karl Marx) verbindet mit dem tiefsten philosophischen Ernst den schneidensten Witz; denke dir Rousseau, Voltaire, Holbach, Lessing, Heine und Hegel in einer Person vereinigt, ich sage vereinigt, nicht zusammengeschmissen...“.
    Ich nehme an der Gute hat da bei Herrn Heß die 11. These über Ludwig Feuerbach vorgetragen und erläutert.

    Ich nehme an der Gute hat da bei Herrn Heß die 11. These über Ludwig Feuerbach vorgetragen und erläutert.
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. Juli 2020
  5. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Dass Studenten im 19. Jhdt. Karzer bekamen wegen nächtlicher Ruhestörung aufgrund von Trunkenheit, ist jetzt nicht so selten und bemerkenswert. Ilija Trojanow lässt Marx politisch agitieren, der dann von den Arbeitern durchs Viertel gejagt wird. Auf der Touri-Website hört sich die Geschichte ganz anders an. Dort hat er sich gestritten. Von einer Verfolgung oder einem politischen Streit ist dort nicht die Rede. Und bei Liebknecht dann ist es dannn weniger ein politischer als ein patriotischer Streit, wobei Bauer, Liebknecht und Marx sich der drohenden Prügelei entzogen und dann später auf der Straße randaliert haben und deswegen von Polizisten verfolgt wurden. Man erzählt aber betrunkenen Engländern auch nicht, dass sie zu doof sind zu erkennen, in welcher Misere sie leben und dass Deutschland die besseren Musiker habe (selbst, wenn das im 19. Jhdt. gestimmt haben mag).
     
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