Katharer-Häresie *** Verfolgungshintergründe vielseitig ?!

Dieses Thema im Forum "Die Inquisition" wurde erstellt von Timemachine63, 18. Januar 2023.

  1. Timemachine63

    Timemachine63 Neues Mitglied

    Papst Innozenz III und Alexander III führen eine gezielte Aktion im 12. Jahrhundert meines Wissens gegen die Katharer durch, weil die Landesfürsten das Treiben zunächst duldeten.

    Es ist jedoch schwer verständlich weshalb ein Bettlerorden wie dieser so stark in den Fokus des Vatikans geriet. Der fehlende Gehorsam gegen den Papst ist wohl ausschlaggebend gewesen.


    Weshalb hier nicht wenigstens der Aufruf vorausging sich zu besinnen und der Kirche einen Treue-Eid zu schwören ist für mich unklar. Eine Abkehr von der bisherigen Missionsmethodik war sicherlich jedoch unwahrscheinlich.


    b) Weshalb hat den der Franziskaner-Orden (ebenfalls als Bettlerorden gegründet) gegen den Verfolgungsdruck nicht beim Papst protestiert. Im Prinzip handelt es sich doch hier um einen Bruderorden im Geiste ? – Haben die Franziskaner die Katharer vielleicht als Konkurrenten angesehen ?
     
  2. Stradivari

    Stradivari Neues Mitglied

    Die ersten Synodenbeschlüsse gegen die Katharer sind aus dem späten 12. Jh., aber die "gezielte Aktion", die Du vermutlich meinst, ist eher aus dem frühen 13. Jh. Der "Albignenserkreuzzug" dauerte von 1209 bis 1229, aber die Katharer waren danach noch lange nicht besiegt. In Verona wurden noch 1278 katharische Vollmitglieder - perfecti - hingerichtet.

    Die Verbindung zu den Bettelorden ist sicher gegeben, was die Abkehr von materiellen Gütern angeht. Franziskus und Dominikus blieben aber nicht nur im Gehorsam gegenüber dem Papst, sondern auch in der Lehre katholisch. Die Katharer entwickelten dagegen eine ganz andere Theologie, lehnten die Schriften des Alten Testaments ab und folgten einer dualistischen Weltsicht, nach der ein böser Götze die Welt geschaffen hatte.

    Die Ablehnung des Papstes dürfte also eher nicht das Hauptmotiv gewesen sein.
     
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  3. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Die Franziskaner liefen anfangs tatsächlich Gefahr, als Ketzer gebrandmarkt zu werden (neue religiöse Bewegungen mit alternativem Lebensstil waren der Kirchenobrigkeit grundsätzlich suspekt), kratzten aber noch rechtzeitig die Kurve, indem sich Franziskus gezielt um die päpstliche Anerkennung bemühte (und sie schließlich auch erhielt). Damit demonstrierte er seine Verbundenheit mit der "offiziellen" Kirche und seine Anerkennung des Papstes sowie seine Unterordnung unter den Papst. Außerdem vertraten die Franziskaner zwar das Armutsideal, blieben theologisch aber brav katholisch.

    Die Katharer (die kein "Orden" waren) gingen in jeder Hinsicht ganz andere Wege.
     
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  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Vor allem waren diese beiden Orden auch die Träger der Inquisition.
     
  5. Shinigami

    Shinigami Aktives Mitglied

    Wie genau kommst du dazu die Katharer als "Bettlerorden" zu klassifizieren?
    Das würde unterstellen, dass es sich um eine rein aus geistlichen bestehende Vereinigung gehandelt hätte, de facto waren die Katharer nach meinem Verständnis aber deutlich stärker am Modell der Weltgeistlichkeit, als irgendeiner Ordensgeistlichkeit ausgerichtet.

    Was hätte die katholische Kirche von einem Treueid gehabt?
    De facto entwickelten sich die Katharer zu einer Art Gegenentwurf zur katholischen Kirche und die Differenzen beliefen sich nicht auf ein reines Treueverhältnis, sondern deutliche Unterschiede in Lehre Liturgie, etc.

    Ich glaube dass sich die Franziskaner gegen die Zuschreibung, dass es sich im Geiste um Brüder der Katharer gehandelt habe mächtig gewehrt hätten.
    Das wirklich Einzige was diese beiden Bewegungen miteinander gemein hatten, war eine gewisse Affinität zur Geringschätzung materiellen Besitzes.
    Aber das alleine machte sie nicht zu natürlichen Verbündeten.
     
  6. Stradivari

    Stradivari Neues Mitglied

    Das stimmt natürlich. Allerdings kam das erst nach der offiziellen Anerkennung durch den Heiligen Stuhl, war also vermutlich nicht der Hauptgrund dafür. Vielleicht dachte Innozenz III. bei der Anerkennung der Franziskaner sogar schon in diese Richtung, vielleicht wollte er auch nur die kirchentreue Ausformung der Armutsbewegung fördern. Das war 1210, da hatte der Albignenserkreuzzug also schon begonnen. Es war allerdings auch nicht ungewöhnlich, neue Orden zu bestätigen, besonders wenn ihre Lebensweise als sehr asketisch und gottgefällig galt.
     

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