Kelten in Vorarlberg & die Große Göttin

Dieses Thema im Forum "Die Kelten" wurde erstellt von Owlet, 11. April 2006.

  1. Owlet

    Owlet Neues Mitglied

    Mein Name ist Vera Kühnel und ich studiere an der FH Vorarlberg in Dornbirn im 8. Semester InterMedia.

    Ich arbeite zur Zeit an meiner Diplomarbeit mit dem Arbeitstitel "Athene - Isis - Hekate. Die Große Göttin in jeder Frau."

    Bei meiner Diplomarbeit recherchiere ich, wie die Große Göttin früher dargestellt wurde, wie sie heute wahrgenommen wird und wie Frauen diesen Glauben und die drei Aspekte der Großen Göttin (Jungfrau, Mutter, Alte) praktisch in ihrem Leben umsetzen.
    Die Diplomarbeit ist örtlich eingegrenzt auf Vorarlberg. Den Zeitpunkt "früher" habe inzwischen als "Besiedelung Vorarlbergs durch die Kelten" festgesetzt.

    Für die zeitliche Eingrenzung auf die Kelten bräuchte ich nun Hilfe. Weiß jemand genaueres über die Kelten in Vorarlberg und ob es Funde bezüglich der Großen Göttin gegeben hat?

    Über eine rasche Rückmeldung hier oder per Mail [MOD: Mail-Adresse entfernt] würde ich mich sehr freuen. Danke schon im Voraus.

    Vera
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 11. April 2006
  2. Schini

    Schini Neues Mitglied

    Hallo Vera!

    Ich habe deine Mail-Adresse entfernt, damit sich nicht von Crawlern zu Spam-Zwecken gelesen werden kann.

    Literatur zur Geschichte auf österreichischem Boden sucht man am besten hier: http://www.uni-klu.ac.at/oehb/oehb_query/

    Hast du dich schon mit dem Vorarlberger Landesmuseum in Kontakt gesetzt? Ist ja nicht weit weg von Dornbirn... Grundsätzlich müßte es Funde zur Urnenfelderkultur und zur römischen Zeit geben, zu denen du wohl dort, oder am Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Wien Auskünfte einholen kannst.

    Dein Thema hört sich sehr ambitioniert an, vor allem, da du einiges an historischen Methoden nacharbeiten mußt, um einen stichhaltigen Vergleich durchführen zu können. Denn die eigentlich interessante Frage ist, wie viel von der Großen Mutter unsere eigene romantische Vorstellung ist. Die Figur der christilichen Jungfrau Maria ist mE auch nicht zu vernachlässigen. Ich kann dir nur raten, dir HistorikerInnen oder Ur- und FrühgeschichtlerInnen als Beistand zu suchen.
     
  3. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Hallo Vera,
    ich sehe ehrlich gesagt, Schwierigkeiten bei deinem Thema. Ich zweifle, ob die kulturgeschichtlich interessante Aufgabenstellung sich in den engen regionalen Rahmen pressen lässt.
    Die Kelten mögen in einem Zeitraum von 500 v. - 15 v. Chr. in Voralberg gelebt haben. Aufgrund des völligen Fehlens schriftlicher Quellen ist die Religion von Kelten dieser Region und Zeitstellung nur sehr schwer zu erschließen. Im Grunde hat man im ganzen deutschsprachigen Raum erst wenige eindeutig als Kultstätten ausgewiesene keltische Fundstätten gefunden. In der Literatur wird vor allem immer wieder auf prägnante Kunstgegenstände verwiesen, die mit der keltischen Religion in Zusammenhang gebracht werden, z.B. den Gundestrupkessel. Persönlich weiß ich nicht, ob in Vorarlberg solche Funde gemacht werden. Allerdings ergibt sich auch bei derartigen Bildnissen, Statuen etc. häufig das Problem, dass mangels Inschriften nur selten klar hervorgeht, ob es sich um keltische Götter handelt, und um welche.
    Viele Namen sind uns erst aus der Römerzeit überliefert, denn in der sogenannten gallo-römischen Kultur hat sich vieles aus der keltischen Religion erhalten. Erst jetzt sind Spuren davon auch archäologisch besser greifbar, in Form von Tempeln mit unverwechselbarem Grundriss und Inschriftenstein. Andererseits ist das aber auch nicht mehr die unverfälschte Religion, die keltischen Götter unterlagen der "interpretatio romana" und erhielten römische Beinamen (z.B. "Diana Abnoba").
    Deine schwierige Aufgabenstellung lässt sich im Grunde nur erfüllen, wenn genügend interpretierbare religiöse Kunstgegenstände vor allem (aber nicht nur) der Kelten- und Römerzeit aus Vorarlberg vorliegen. Häufig geben auch Volkssagen Auskunft über frühere religiöse Vorstellungen, allerdings muss man damit sehr vorsichtig sein, denn nur schwer lässt sich aus diesen Geschichten auf tatsächliche Zustände schließen.
    Und noch ein pessimistischer Hinweis: nach dem heutigen Forschungsstand war die keltische Religion nicht besonders matriarchal geprägt, obwohl es gleichwohl wichtige Göttinnen gab. Eine Ausnahme mag der sog. "Matronenkult" gewesen sein, der allerdings erst in römischer Zeit fassbar wird und regional stark auf das Rheinland beschränkt ist. Ohnehin muss er möglicherweise eher mit germanischen Stämmen assoziiiert werden.
    Zur keltischen Religion mal ein zwei Buchtipps:

    Sehr ausführlich behandelt wird sie in
    Birkhan, Helmut: Die Kelten.

    Über einige interessante Ausgrabungen im Hinblick auf den Kultus klärt
    "Heiligtümer und Opferkulte der Kelten",
    erschienen im Konrad Theiss-Verlag.

    Klingt vielleicht jetzt alles erstmal ernüchternd, aber ich möchte bei einer so ambitionierten Arbeit auf die Probleme hinweisen, damit es nicht ins völlig Spekulative geht.
     
  4. hyokkose

    hyokkose Gast

  5. Mercy

    Mercy unvergessen

    Danke lieber Kollege, danach hatte ich vergeblich gesucht.
     
  6. hyokkose

    hyokkose Gast

    Wohl eine ganze Menge - und weit mehr, als sämtliche Bodenfunde hergeben. Zu diesem Thema haben einige Frauen am Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Freiburg geforscht und ihre (ziemlich ernüchternden) Ergebnisse in folgendem Buch veröffentlicht:

    Brigitte Röder, Juliane Hummel und Brigitta Kunz, Göttinnendämmerung - Das Matriarchat aus archäologischer Sicht, München 1996, ISBN 3-426-26887-6
     
  7. Owlet

    Owlet Neues Mitglied

    Danke schonmal für eure Antworte, sie haben mir schon weiter geholfen!
    Über weitere Antworten würde ich mich freuen.
    Meine eigenen Recherche-Ergebnisse werd ich dann hier reinschreiben.
     

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