königliche Hofküche im Mittelalter

Dieses Thema im Forum "Alltag im Mittelalter" wurde erstellt von megatrend, 3. Februar 2010.

  1. megatrend

    megatrend Aktives Mitglied

    Hallo Leutz,

    Ich muss da für ein Theaterstück (Volksschwank) eine mittelalterliche Speisekarte zusammenstellen. Es handelt sich um eine Speisekarte der Oberschicht, dass der einfache Bürger sehr einfach ass, ist klar.

    Nun habe ich ein paar Zutaten gesammelt (provisorische Liste), vielleicht gibt es von Euch interessante Ergänzungen. Insbesondere interessant wären Sachen, die vom heutigen Standpunkt aus lustig/exotisch sind.

    provisorische Liste:

    Mandelmilch
    Neunkräutersuppe
    Veilchenmus
    Grünkorn
    Bucheckern
    Sauerampfer
    Hirsebrätling
    Holunderblütenmus
    Erbsenküchlein
    Wachtelbrühe
    Pimpernellen Salat
    Weiss Rapunzel Salat
    Kräuterbier
    Leinsamen
    Bucheckern

    die Threads
    http://www.geschichtsforum.de/f51/wurde-im-mittelalter-gegessen-702/
    http://www.geschichtsforum.de/f51/ritteressen-19157/
    sind mir bereits bekannt (inklusive Unterlinks)

    Ein Buch zu kaufen liegt wohl zeitlich nicht drin, da das Ganze am Sonntag 7. Februar 2010 bereit sein muss.

    Danke für Eure Mithilfe!
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. Februar 2010
  2. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Da fehlt mir noch ein Schwan.
    Sowas haben die damals gegessen.
     
  3. KvdL

    KvdL Neues Mitglied

    Aus der Landgüterverordnung Karl des Großen; "Capitulare de villis et curtis imperialibus"
    Im Kapitel 70 dieser Verordnung werden 73 Nutzpflanzen und 16 Obstbaumarten aufgezählt, die in den kaiserlichen Gärten angebaut werden sollten, die auf drei grobe Verwendungszwecke verteilt sind, nämlich als Nahrungs-, Heil- und Nutzpflanzen:

    Weiße Lilie (lilium)
    Rosen (rosas)
    Bockshornklee (fenigrecum)
    Frauenminze (costum)
    Salbei (salviam)
    Raute (rutam)
    Eberraute (abrotanum)
    Gurken (cucumeres)
    Melonen (pepones)
    Flaschenkürbisse (cucurbitas)
    Saubohnen (fasiolum)
    Kreuzkümmel (ciminum)
    Rosmarin (rosmarinum)
    Kümmel (careium)
    Kichererbse (cicerum italicum)
    Meerzwiebel (squillam)
    Schwertlilie (gladiolum)
    Drachenwurz (dragantea)
    Anis (anesum)
    Koloquinten (coloquentidas)
    Cichorie (solsequium)
    Knorpelmöhre (ameum)
    Laserkraut (silum)
    Salat (iactucas)
    Schwarzkümmel (git)
    Rauke (eruca alba)
    Brunnenkresse (nasturtium)
    Pestwurz, Klette (parduna)
    Poleiminze (peludium)
    Schwarzes Gemüse (olisatum)
    Petersilie (petresilinum)
    Sellerie (apium)
    Liebstöckel (ieuisticum)
    Sadebaum (savinam)
    Dill (anetum)
    Fenchel (fenicolum)
    Endivien (intubas)
    Diptam (diptamnum)
    Senf (sinape)
    Bohnenkraut (satureiam)
    Krauseminze (sisimbrium)
    Wasserminze (mentam)
    Waldminze (mentastrum)
    Rainfarn (tanazitam)
    Katzenminze (neptam)
    Mutterkraut (febrefugiam)
    Mohn (papaver)
    Mangold (betas)
    Haselwurz (vulgigina)
    Eibisch (mismalvas)
    Malve (malvas)
    Möhren (carvitas)
    Pastinak (pastinacas)
    Gartenmelde (adripias)
    Amarant (blidas)
    Kohlrabi (ravacaulos)
    Kohl (caulos)
    Bärlauch (uniones)
    Schnittlauch (britlas)
    Porree, Lauch (porros)
    Rettich (radices)
    Schalotten (ascalonicas)
    Zwiebeln (cepas)
    Knoblauch (allia)
    Krapp (warentiam)
    Weberkarden (cardones)
    Große Bohnen (fabas majores)
    Felderbse (pisos Mauriscos)
    Koriander (coriandrum)
    Kerbel (cerfolium)
    Springkraut (iacteridas)
    Muskattellersalbei (scareiam)
    Und der Gärtner soll auf seinem Hause haben: ("Et ille hortulanus habeat super domum suam"):
    Hauswurz (jovis barbam)

    Der Anbau folgender Obstbäume wurde angeordnet:
    Apfelbaum
    Birnbaum
    Pflaumenbaum
    Speierling
    Mispelbaum
    Edelkastanie
    Pfirsich
    Quitte
    Haselnußstrauch
    Mandelbaum
    Maulbeerbaum
    Lorbeerbaum
    Pinie
    Feige
    Nußbaum
    Kirschbaum

    Ob´s Dir weiterhilft, weiß ich nicht, aber ich bin´s losgeworden.:rofl:
     
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  4. megatrend

    megatrend Aktives Mitglied


    Zuerst mal: danke.

    Nehmen wir das Beispiel Haselnussstrauch: Nüsse werden heute noch in der Küche verwendet. Wenn schon, dann bräuchte ich eine Nussspeise, die heute nicht mehr verwendet wird, ich nenne jetzt mal hypothetisch Wildschweinkeule mit Haselnusssauce.

    Ich werde jetzt mit den etwas extravaganten Zutaten mittelalterliche Rezepte suchen müssen. Aber vielleicht fällt ja noch jemandem anderes etwas ein.
     
  5. Caro1

    Caro1 Neues Mitglied

  6. Sascha66

    Sascha66 Neues Mitglied

    Es gab da mal ein PC-Spiel "Patrizier I + II". Wenn man dort in den Ratskeller ging, gab es immer einen Aushang der Speisen in "mittelalterlicher" Formulierung. Im dazugehörigen Forum wollten dann auch immer mal welche wissen, ob es die Rezepte gab und wo man die nachlesen/-kochen kann. Da wurden dann auch Quellen genannt.
    Ist zwar jetzt keine Hofküche, aber mancher hanseatische Pfeffersack wird auch nicht schlechter als ein Fürst gelebt haben.
     
  7. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Schau mal in das zugegebenermaßen populärwissenschaftliche Buch Ritter, Mönch und Bauersleut von Dieter Breuers. Das Kapitel über das Essen an Fürstenhöfen dürfte dich ungefähr zehn Minuten kosten und es sind einige Extravaganzen darin aufgeführt.
     
  8. miri 84

    miri 84 Neues Mitglied

    Halli Hallo!

    Hab in einem meiner Bücher was gefunden. Vielleicht hilfts weiter:

    Anlässlich der Hochzeit eines englischen Prinzen mit einer Frau aus dem italienischen Adelsgeschlecht im Jahre 1368 wurde ein BAnkett aus 30 Gängen veranstaltet, bei dem sich Fleisch und Fisch abwechselten. Man bewirtete die Gäste mit heute seltsam anmutenden Speisekombinationen wie:

    Spanferkel mit Krabben, Hase mit Hecht, Kalb mit Forelle, Ente mit Karpfen, Pasteten vom Rind und vom Aal, verschiedene Fleischsorten in Aspik.

    Zu den Beilagen zählten:
    Gebratenes Ziegenfleisch, Wildbret, eingelegte Ochsenzunge, Bohnen, Quarkspeisen, Käse und Obst. Die Käse und Fischgerichte waren alle mit einer Mischung aus Eigelb, Safran und Mehrl überzogen.

    (Der englische Prinz starb wenig später. Vermutlich an einer Lebensmittelvergifung... zum Nachkochen also nicht empfehlenswert!)


    Bei festlichen Gelegenheiten gab es an Fürstenhöfen manchmal über hundert Speisen, die in drei bis vier Gängen aufgetragen wurden.
    An den Tafeln italienischer Fürsten werden viele Konfitüren aufgetragen.
    An französischen Höfen viel Gebackenes-Werck
    In England und im Norden viel Fleisch
    In Deutschland alles durcheinander.


    Aus einem anderen Buch:

    Ein reicher Bürger aus dem 15Jhd. erfreute seine Gäste wie folgt:
    Das achtgängige Menü wurde mit gezuckerten Erdbeeren eröffnet. Darauf folgten junge Hühner Hühner, gedämpftes Hammelfleisch, gesottenes Schaffleisch, gebratene Hühner, gebratene Hammelkeule, Gans und zum Abschluss Käse und Kirschen.


    :winke:
     
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