Lager zwischen Oberaden und Anreppen?

Die Materialwahl für Hochbauten in der Eisenzeit ist meines Erachtens primär durch die lokalen und regionalen Gegebenheiten bestimmt. Was hat man als Material verwendet:

  1. Holz
  2. Naturstein
  3. Ziegel (gebrannt und ungebrannt)
  4. Opus caementicium
  5. eine Kombination von verschiedenen Materialien wie Holz, Naturstein und Erde
Eine Frage ist dann, ob alle von 1 bis 4 genannten Materialien verfügbar sind. Wer in der Wüste Gebäude errichten will, ist in der Wahl der Materialien eingeschränkt.

Ebenso verlangen manche Materialien handwerkliche Fähigkeiten, deren Fehlen das Material dann ausschließt.

Man möchte doch nicht in einem Holzturm sitzen, fünf oder zehn Eilmarschstunden vom nächsten größeren Lager entfernt, wenn aus den Wäldern oberhalb ein wütender Mob von im einen Fall Rätern, im anderen Cheruskern, quillt.

Mit diesem Argument müsste eigentlich der obergermanische Limes schon bei seiner Errichtung in Stein ausgebaut gewesen sein. Das war aber nicht der Fall. Man war unter den Flaviern und dann unter Trajan sowie Hadrian wohl der Meinung, Holztürme genügen. Daher muss man begründen, warum dann anachronistisch schon unter den späten Juliern Steintürme nördich der Alpen auftauchen.
 
Die wenig zuvor errichteten Walenseetürme wurden offenbar nur kurzzeitig während des Alpenfeldzugs genutzt, und den sehr wahrscheinlichen Sinn hatte ich oben schon beschrieben: die Türme dienten wohl der Nachrichtenverbindung zwischen Tiberius im Westen (Schweizer Mittelland, Zürichsee) und Drusus im Osten (Rätien, Alpenrheintal), sowie der Sicherung dieses Nadelöhrs zwischen Zürich und Chur bzw. Bregenz. Diese Türme mussten es einer relativ kleinen Besatzung im Fall eines Angriffs ermöglichen, so lange auszuhalten, bis Verstärkung eintreffen konnte. Das wiederum war nur mit massiven Steintürmen möglich.
Nein. Als die Türme fertig waren war der Alpenfeldzug schon entschieden.
  • Die Hauptaufgabe war die örtliche Kontrolle, und im Fall der am Walenseeufer gelegenen Burg Strahlegg auch möglicherweise die einer Schiffslände: Sicherung auch der Nachschubwege zwischen Rheintal, Walensee und Zürisee.
  • Nachrichtenübermittlung war ganz sicher ihre Aufgabe, aber die im weiteren Verlauf erforderlichen Signal- und Beobachtungstürme werden aus Holz gebaut worden sein.
  • Ein möglicher Standort für einen steinernen Turm könnte allerdings auf der Insel Ufenau ¹ in der Mitte des Zürisees bestanden haben: Nicht nachgewiesen, aber dort sinnvoll.
Es sind dort keine römischen Steinbauten bekannt. Und wie schon erwähnt würde man solche auch eher etwas östlich von Anreppen erwarten, wo es auf den Marschrouten gen Osten über Mittelgebirge ging. Dort hätten sie den gleichen Zweck erfüllen können wie jene am Walensee: den Passübergang zu sichern und eine Signalverbindung von Rhein/Lippe zur Weser, Werra oder Elbe zu unterhalten.
Die tatsächlichen oder vermuteten Signaltürme bis hin zur Werra waren allesamt aus Holz.

Man möchte doch nicht in einem Holzturm sitzen, fünf oder zehn Eilmarschstunden vom nächsten größeren Lager entfernt, wenn aus den Wäldern oberhalb ein wütender Mob von im einen Fall Rätern, im anderen Cheruskern, quillt.
Es war kein Wunschkonzert. Und die Römer haben zu der Zeit an der Lippe ihre Ressourcen adäquat eingesetzt: Sie konnten Kalk brennen, sie haben es auch getan, aber dort nicht für Kastelle und lapidare aber Lapidus-freie Wachttürme.

Baumaterial stand sowohl im Eggegebirge als auch im Weser-Leine-Bergland reichlich zur Verfügung. Nahe dem höchsten Berg der Egge, auf dessen Gipfel heute der Eggeturm steht, wurde später Sandstein für unter anderem für den Kölner Dom abgebaut.
Das Vorhandensein von Steinen führt nicht zwangsläufig zum Bau eines Doms, eines Kastells oder eines Wachtturms aus Stein.

¹Ufenau – Wikipedia
 
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Mit diesem Argument müsste eigentlich der obergermanische Limes schon bei seiner Errichtung in Stein ausgebaut gewesen sein.

Der Obergermanische Limes wurde nicht während eines Feldzugs angelegt, sondern danach (Chattenkrieg).

Eine Frage ist dann, ob alle von 1 bis 4 genannten Materialien verfügbar sind. Wer in der Wüste Gebäude errichten will, ist in der Wahl der Materialien eingeschränkt.

Holz, Naturstein und Kalk waren sowohl am Walensee auch im Eggegebirge sowie Weser-Leine-Bergland verfügbar. Wozu Ziegel brennen, wenn man kriegsgefangene Sklaven hatte, die stabileren örtlichen Naturstein zurichten konnten?

Nein. Als die Türme fertig waren war der Alpenfeldzug schon entschieden.

Für das fette Nein wäre aber schon eine Quelle angebracht. (Von so einer supergenauen Datierung ist mir nichts bekannt.)

Die Hauptaufgabe war die örtliche Kontrolle, und im Fall der am Walenseeufer gelegenen Burg Strahlegg auch möglicherweise die einer Schiffslände: Sicherung auch der Nachschubwege zwischen Rheintal, Walensee und Zürisee.

Aber sobald Rätien nach dem Alpenfeldzug unter Kontrolle gebracht war, verlief hier nurmehr noch die innerrömische Grenze zwischen Gallien bzw. Obergermanien und Rätien, und die Türme wurden obsolet.

Das Vorhandensein von Steinen führt nicht zwangsläufig zum Bau eines Doms, eines Kastells oder eines Wachtturms aus Stein.

Aber hilfreich ist es immerhin.
 
Können wir aus dem bisherig Geschriebenen folgern, daß es ab Haltern bis Anreppen(zeitlich besser einzuordnen) nur Marschlager gab?
 
So lange diese vermuteten oder wahrscheinlichen Marschlager nicht nachgewiesen werden können, hat die Folgerung, es habe sie gegeben, kein sehr tragfähiges Fundament. Die Marschlager ab Haltern bis Anreppen bleiben vorerst Vermutung.
 
Nein. Hedemünden z.B.war kein Marschlager, Paderborn auch nicht.

Oder meinst Du: zwischen Haltern und Anreppen? Nachgewiesen ist nichts, plausibel sind zumindest Versorgungsstationen für den Transport, sei es auf dem Wasserweg oder auf den begleitenden Militärwegen.
 
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