Lar - Endung (Onomastik)

Dieses Thema im Forum "Völkerwanderung und Germanen" wurde erstellt von sozio, 24. September 2010.

  1. sozio

    sozio Neues Mitglied

    Flossen Genossen!

    Ich stamme aus einem kleinen Dorf im Grenzgebiet zwischen Unterfranken und Mittelfranken und traditionell dominieren die Ortsnamen, die auf -heim enden.

    Eine Ausnahme bildet ein kleines Gehöft (gerade mal drei Häuser) gleich um die Ecke - es heisst Enzlar.

    Eine Endung, die mir schon immer komisch vorkam. Zuerst dachte ich, die Endung wäre -ar und da habe ich natürlich an die keltischen Gewässernamen wie Isar und Neckar denken müssten.

    Inzwischen weiß ich, dass die Endung -lar ist und urgermanisch. Die Besiedelung erfolgte wohl aus dem Gebiet zwischen Rhein und Elber heraus nach Deutschland (Wetzlar, Gosslar) aber auch in die Niederlande und sogar nach England hinüber.

    Enzlar stellt übrigens mit einiger Sicherheit die südlichste Ortschaft mit -lar Endung und damit wahrscheinlich auch die jüngste dar. Man weiss, dass die letzten Gründungen um 300 n. Chr. stattfanden.

    Kann mir jemand sagen, welcher Stamm -lar Siedlungen gegründet hat?

    P.S.: Ein Onomastik Thread wäre spannend!
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    sagt Geschichte der Stadt Wetzlar ? Wikipedia
     
  3. Aragorn

    Aragorn Neues Mitglied

    Hallo Sozio,
    woher weißt Du, das die -lar - Endung urgermanisch sein soll? Meines Wissens nach ist die Bedeutung von -lar von der sprachgeschichtlichen und onomastischen Forschung noch immer nicht eindeutig sichergestellt. Fakt ist, dass Siedlungen mit der Endung -lar oftmals auf Erhebungen befinden, die nahe an Fluss- und Bachläufen sowie anderen Feuchtgebieten liegen.
    Ich meine mal irgendwo im Netz gelesen zu haben, dass -lar keltisch sei und "umzäunter Hof" bedeute, das Präfix dann den Besitzer oder eine geografische Lokalisierung bezeichnen könnte. Konnte bisher aber nicht überprüfen, ob diese Theorie stimmt oder nicht

    Gibts für die Datierung irgend eine gesicherte, womöglich archäologische Quelle?

    Schwierig! Geografische Bezeichnungen für Orte müssen sich nicht zwingend von Stamm zu Stamm unterscheiden, sondern hängen sie eher von Sprachgruppen ab. Du kannst für diese Zeitstellung also nicht sagen d, dass der Ortsnamen auf -lar endet, also von Hermunduren oder Markomannen gegründet sein muss. Spezifische Ortsnamen, die vermehrt bei bestimmten Stämmen vorkommen, findest Du meines Wissens nach erst am Ausgang der Spätantike bzw. am Beginn des Frühmittelalters: -ingen mit Schwerpunkt bei den Alamannen, -leben bei den Thüringern, -heim und -hausen bei den Franken. Wobei heute selbst diese Theorie in Zweifel gezogen wird. Bei -lar - Orten muss man wohl eher nach keltischer oder germanischer respektive vorindoeuropäischer Herkunft des Namens fragen.

    Gruß
     
  4. Mercy

    Mercy unvergessen

  5. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Eine "altfränkische" Silbe soll auf einen "keltischen Ursprung" verweisen? Was für ein Quatsch. Da wird Wissenschaftliches und Pseudowissenschaftliches zusammengerührt.

    Die Deutung "Gerüst'/'Gestell' geht zurück auf Heinrich Dittmaier, Die (h)lar-Namen. Sichtung und Deutung, Köln/Graz 1963.
    Diese Deutung ist nicht unumstritten geblieben; Jürgen Udolph (Namenkundliche Studien zum Germaneproblem, Berlin/New York 1994) plädiert für *lar- statt *hlar- und für eine Grundbedeutung "Wald, lichter Wald, mit Bäumen bestandene Wiese".
    In Manfred Niemeyer, Deutsches Ortsnamenbuch, Berlin 2012 finde ich beide Deutungen.

    Keltische Deutungen sind jedenfalls außen vor:
    "Unstrittig gehören die (h)lar-Namen zu den ältesten germanischen Siedlungsbezeichnungen." (Udolph)
     
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  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das ist witzig, gerade vor einigen Tagen war ich in diesem Thread, weil ich einen Artikel zu -lar-Enden gefunden (aber dummerweise nicht gelesen) habe.
    Damals vor acht Jahren habe ich nur Wikipedia zitiert, der heute aber noch dieselben drei Sätze vertritt.
     
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  7. LEG XVII

    LEG XVII Aktives Mitglied

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  8. van Kessel

    van Kessel Mitglied

    Wäre nicht zu fragen, welche(r) Flur überhaupt gemeint ist? In Feld, Wald und Flur, oder der Flur, welcher zur Treppe (o.ä.) führt?
    So wären dann die Orte Remagen, Dormagen usw. ursprünglich keltische Siedlungen gewesen (kelt./schottisch = magen/magh = Feld, Acker).
     
  9. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Der Flur und die Flur haben beide denselben etymologischen Hintergrund; Ausgangsbedeutung ist "ebene Fläche".

    Zu Remagen und Dormagen sind die antiken Namenformen Rigomagus und Durnomagus belegt, als Bedeutungen lassen sich 'Königsfeld' und 'Faustfeld'* erschließen. Ein relativ häufiger Ortsname war Noviomagus ('Neufeld'), dieser hat sich im heutigen Nijmegen erhalten.



    * Im Deutschen Ortsnamenbuch wird eine Bedeutung 'Kiesfeld' angenommen; altbritisch/bretonisch dorn sei außer 'Faust' auch als 'faustgroßer Kieselstein' zu übersetzen sein.
     
    Zuletzt bearbeitet: 21. Dezember 2018
  10. van Kessel

    van Kessel Mitglied

    na, das gefällt einem Laien, wenn er mal was richtig erklärt bekommt. Interessant, das mit Nijmegen, war mir neu.:)
     
  11. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Und in Neumagen, mit dem als Neumagener Weinschiff bekannten Grabstein eines Weinhändlers. (Womit sich der Kreis zu Re- und Dormagen schließt.)
     
  12. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Ohne Neu- bleibt Magina/Megina/Mayen.

    Wäre -mais bei Meran ähnlich zu sehen?
     
  13. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Eventuell. An alten Namenformen sind sowohl Maiense wie auch Magense belegt. Sowohl i wie auch g könnten aber auch Schreibweisen für ein intervokalisches j sein. Dann hätten wir es nicht mit einem *mag-Namen zu tun.
     
  14. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Da gab es viele Städte mit diesem Namen. Neben Nimwegen und Neumagen ist hier noch Noyon in der Picardie, Geburtsort des Reformators Jean Calvin, zu nennen. Bei den anderen Städten namens Noviomagus hat sich der Name allerdings geändert, so dass er nicht mehr zu erkennen ist, z. B. Speyer und Chichester.

    Noviomagus – Wikipedia
     

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