Lateinische Handschrift aus dem 14 Jh. übersetzen

Dieses Thema im Forum "Historische Hilfswissenschaften mit Genealogie" wurde erstellt von Rar, 16. März 2022.

  1. Rar

    Rar Neues Mitglied

    Guten Tag,

    ich bin neu hier und ein großer Fan von alten Handschriften. Ich bin auf ein Manuskript aus dem 14 Jahrhundert (1359) gestoßen. Die Sprache ist in Latein oder in einer Latein-verwandten Sprache geschrieben. Herkunft ist mir nicht bekannt.
    Leider bin ich ziemlich schnell mit meinem Latein am Ende. Bei einigen Wörtern bin ich mir nicht sicher, da diese anders geschrieben oder stark verkürzt sind.

    Ich würde mich sehr freuen wenn mir jemand beim transliterieren helfen würde!
     

    Anhänge:

    • 1.jpg
      1.jpg
      Dateigröße:
      371,5 KB
      Aufrufe:
      53
  2. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Es ist Latein. Aber ich kann gerade nicht wirklich helfen.Ich kann nur auf einem Auge sehen und mich nicht richtig konzentrieren. Aber manchmal hilft es ja schon, mehr Buchstaben zu erkennen und die Art der Abkürzungen zu sehen. Und es werden sicher noch andere schreiben. Also nur mal, ganz ohne Rücksicht auf groß und klein und so, was ich auf die Schnelle lesen kann:

    Letzte 3 Worte, vorletzte Zeile: Lad [?] Datum anno Domini (Lad [Ortsname, s.u.], gegeben im Jahr des Herrn)
    letzte Zeile: [Jahresangabe ...]Quinquagesimo nono, in crastino conceptionis beatae mariae virginis (1359, am Morgen von Mariä Empfängnis [8.12.]) [...].
    Wieder Vorletzte Zeile: Testes Henricus [...] et petrus de n[?]s (Zeugen) (Der Nachname steht auch in der dritten Zeile.)
    Ende erste Zeile: domui et curae situs in vico (Haus und Hof gelegen im Dorf)
    2. Zeile: de bousbeke et bona (von Bousbecque und die Güter)
    3. Zeile: fraternitatis sancti Judori in Lad [?] (Bruderschaft des heiligen Judas in Lad)

    Lad ist entweder in Ungarn (Deutsch-Lott und Ungarisch-Lott, Lott ist deutsch, Lad ungarisch) oder vielleicht eher eine Schreibweise für Leiden, da Bousbecque/Bosbeke bei Lille liegt und die 'Fahne' am d eine Kürzung sein kann.
    Falls Orts- oder Personennamen bekannt sind, würde es sehr helfen. Die sind meist am schwierigsten zu lesen.
     
    Rar und Ugh Valencia gefällt das.
  3. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Da war ich zu schnell in der Nähe von Bousbecque liegt Lannoy / Lanno / Lannoya.
     
  4. Rar

    Rar Neues Mitglied

    Super, vielen Dank Riothamus! Damit hast Du mir ein ganzes Stück weitergeholfen. Ich werde die entsprechenden Wörter im Foto ergänzen. Kann man seine Beiträge eigentlich auch editieren? Ich finde keine Bearbeitungsfunktion, oder bin ich nur zu blöde diese zu finden?

    Lieben Gruß
     
  5. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Hm, seltsam, sonst stürzen sich immer gleiicch mehrere auf alte Schriften. So abschreckend kann das Latein ja auch nicht sein. Nun, die allergische Reaktion meines Auges lässt langsam nach. Ich gehe also ein zweites mal durch und schreibe auf, was ich ohne größere Probleme sehe. Das ist dann aber nur systematischer und nicht so gründlich wie ich es normal machen würde. Im Grunde würde ich aber so auch sonst an eine solche Schrift in einer anderen Sprache als Deutsch herangehen. Selbst wenn eine Fremdsprache flüssig gesprochen wird, ist es meist besser systematisch heranzugehen. Also nach einem ersten Anschauen erst ein paar Schlüsseldaten wie Zeit, Ort und Namen herauszufinden versuchen, was schon mal ein paar Eckpunkte setzt und ein paar Phrasen lesen, um erste Besonderheiten der Schrift zu erkennen. Denn in eine solche Schrift, muss man sich, wenn man das nicht regelmäßig macht, immer neu einlesen, was bei einer Fremdsprache noch schwieriger ist. Eine erste Erkenntnis für dies spezielle Exemplar ist, dass nicht alle Buchstaben vollständig ausgeschrieben sind und viel, teils auch ungewöhnlich gekürzt wird. Daher bin ich mirnicht sicher, ob es Lad[Kürzung?] oder Lan[Kürzung] heißt. Die Sprache ist Latein, aber einzelne Flämische, Französische und Niederdeutsche Worte sind nicht auszuschließen, da Bousbeke erwähnt wird und die Mittelniederdeutsche Schriftsprache lingau franca der Kaufleute war.
    Und danach würde ich in einem ersten Durchgang aufschreiben, was ohne zuviel Mühe zu lesen ist, was noch nicht viel sein muss und recht sicher noch falsche Lesungen enthält. Ich kürze die Zeilen mal mit z, Kürzungen mit + und nicht gelesene Wörter, so ich sie schon markiere, mit x ab, damit es schneller geht. | ist Zeilenende, VN Vorname, NN Nachname. Lesbare Buchstaben gruppiere ich passend um die Namen. Es darf auch noch nicht stören, wenn das Latein nicht passt. Leider wurde das nicht immer unfallfrei gehandhabt und es gab viele, teils auch regionale Besonderheiten. Das wird später berücksichtigt, wenn es nicht trivial ist.

    z1: ... cum debita x , domu+i?+ et cura+e situs in vico d+ic+to |
    z2: [Ortsname] x bona Joh+ann+is do+minis de bousbeke* et bona wVN1 de NN1 x x et NN3? ord+ jud+ |
    z3: x et x x Et wVN1 de NN2haus x et ad opus fraternitatis (eR sind ligiert vorhanden) sancti Judori in Lad |
    z4: modo debito x et x x et x D+omi+ni fundi [...] |
    z5: [...] et sine successorib+us [...]
    z6: sub NN3?+ d+omino fundi prius inde? debito x debito x Et x sub viginti solidis x x |
    z7: sub monete*³ [...]
    z8: x Joh+anni+s baptiste x in futurum Et si quid x x in [...]
    z9: hoc [...] ad opus s+anct+e fraternitatis x|
    z10: debito possit x Testes Henricus Kersmak+er*² et petrus de NN2haus x Lad [?] Datu+m a+n+no D+omi+ni|
    z11: [Jahresangabe ...]Quinquagesimo nono, in crastino conceptionis beatae mariae virginis x |

    So, für heute will mein Auge nicht mehr, ich muss abbrechen.

    * Die Herren von Bousbecque waren um Lille und auch in Bousbecque selber begütert. Der berühmteste des Namens war aber ein unehelicher Sohn, dem auch zu verdanken ist, dass der Ort mir und übrigens auch dem Forum bekannt ist: Ogier Ghislain de Busbecq – Wikipedia
    *² Den Namen gibt es, zumindest in den Niederlanden, noch heute.
    *³ Das ist dir in Zeile 6 gerutscht.
     
    El Quijote, dekumatland und Sepiola gefällt das.
  6. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Bearbeitungen sind nur eine Stunde lang möglich.

    Die Beschriftung des Originals irritiert, weil man sich davon frei machen muss, um Fehler bisheriger Lesungen zu entdecken. Daher mag besser sein, das alte nicht zu ersetzen.

    Gern geschehen. Wie gesagt, gibt es hier sonst eher eine Drängelei, wer schneller ist und manchmal schon fast ein Hauen und Stechen um die richtige Lesung.
     
  7. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Ergänzungen von mir:

    z1: ... Supportant cum debita effestucatione , domum et curtem situm in vico dicto |
    z2: [Ortsname*] x bona Joh+ann+is do+minis de bousbeke* et bona wVN1 de [Ortsname**] x x et NN3? ord+ jud+ |
    z3: x et x x Et wVN1 de NN2haus x et ad opus fraternitatis (eR sind ligiert vorhanden) sancti Judoci*** in Lad |


    * eventuell: Papenstrate
    ** eventuell: Staffen
    *** kann eigentlich nur Judoci zu lesen sein = Jodokus-Bruderschaft.
     
    El Quijote und Riothamus gefällt das.
  8. Rar

    Rar Neues Mitglied

    Tag,
    da habt ihr mir ja mächtig unter die Arme gegriffen!

    Ich bin schon überrascht, das mir überhaupt einer antwortet. Das freut mich sehr, dass es doch noch Leute gibt die sich damit beschäftigen. Für mich hat sich das zu einem großen Hobby entwickelt. Habe leider in letzter Zeit zu wenig Zeit gehabt mich intensiver zu beschäftigen. Daher mache ich sowas gerne in meinen Pausen. Aber es kommen auch wieder Tage, wo ich mehr Zeit dazu habe.

    Schwierig finde ich, wie in diesem Fall, die Unterscheidung von "c" und "t". Hier sieht häufig ein "t" aus wie ein "c". Ähnliches kenne ich von anderen Manuskripten mit t, c, e, r und i. Vorallem wenn diese oben miteinander verbunden sind wie bei ec, cc, ce, ee, er, cr, te, tr, ci, ti usw...
     

Diese Seite empfehlen