Lebensweise einer kinderreichen Familie um 1900

Dieses Thema im Forum "Das Deutsche Kaiserreich" wurde erstellt von Der Poet, 21. Juli 2019.

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  1. Der Poet

    Der Poet Neues Mitglied

    Hallo und Guten Tag in die Runde,

    Ich bin auf der Suche nach einem Thema, das es vielleicht schon gibt und hier auch behandelt wurde, möglicherweise inhaltlich leicht abgewandelt. In diesem Fall bitte ich um den entsprechenden Link, damit ich mich nicht totsuchen muss.

    Meine Großmutter väterlicherseits (geb. 1913) war das Jüngste von 13 Geschwistern in einem 200-Seelen-Dorf am Rande des Harz. Der Vater war Chausseewärter, die Mutter dürfte eine einfache Hausfrau gewesen sein. Was mich interessiert: wie brachte man zu dieser Zeit als Chausseewärter eine so große Familie durch? Wie haben sie gelebt, und wovon haben sie noch gelebt? Und, auch nicht ganz unwichtig: die Eltern sind ungefähr um 1915 und 1918/19 gestorben, so dass meine Oma mit 2 1/2 Jahren Halbwaise und mit 4 1/2 Jahren Vollwaise war. Wie ging es mit meiner Oma wohl weiter, wie mit den anderen Kindern? Genealogisch habe ich acht der 13 Kinder gefunden, bis ins Geburtsjahr 1901. Da einige Lücken herrschten gehe ich davon aus, dass das Älteste so gegen 1890 bis 1893 geboren ist. Den Rest finde ich schon...

    Vielen Dank im Voraus für eure Antworten!
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich nehme an, dass deine Urgroßeltern, neben dem Gehalt deines Urgroßvaters, auch einen Gemüsegarten bewirtschaftet haben und wahrscheinlich eine Ziege im Stall hatten.

    Was genau ist eine Chausseewärter? Ist das eher ein Beamter oder eher ein Straßenkehrer?

    Wenn die ältesten Geschwister wirklich schon um die 20 waren, als deine Urgroßeltern verstarben, dann könnte deine Großmutter wie eine Schwester ihrer Neffen und Nichten aufgewachsen sein. Dazu müsstest du natürlich wissen, wo sie untergekommen ist bzw. wer das Elternhaus übernommen hat (wenn es nicht dem Land gehörte).
     
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  3. Der Poet

    Der Poet Neues Mitglied

    Also, sonderlich viel wissen wir über meine Oma nicht, weil sie nie (!) irgendetwas "von früher" erzählt hat. Unser Wissen ist nur, dass sie die Jüngste von 13 war und sehr früh Waise wurde. Dazu hatten wir nur noch Namen von vier der 15 Familienmitglieder. Ausgestattet mit dem Namen meiner Oma, ihrem Geburtsdatum und -Ort ist es mir immerhin gelungen, acht der 13 Kinder zu finden, geboren zwischen 1901 und 1913. Die Lücken zwischen den einzelnen Geburtsdaten könnten ein Indiz für Fehlgeburten oder Abgänge. Ich hoffe, dass mir die Kirchenbücher weiterhelfen können, die ich nächste Woche einsehen darf, um die übrigen fünf Kinder und die Geburts- und Sterbedaten meiner Urgroßeltern zu finden.

    Selbst hat meine Oma elf Kinder auf die Welt gebracht, von denen acht überlebt haben, drei Kinder sind tot geboren - auch da fehlen mir die Daten.

    Ob mein Uropa Beamter oder einfacher Chausseewärter war, der mit einem einachsigen Handkarren, Besen, Schaufel und Eimer die Schotterstraßen gerichtet und im Winter vom Schnee befreit hat, ist uns ebenfalls nicht bekannt. Um unsere Wissenslücke noch größer werden zu lassen: wir wissen nicht, ob das Elternhaus noch existiert und wo genau es gestanden hat. Möglicherweise war dort auch ein Gemüsegarten, um den eigenen Bedarf einigermaßen zu decken.

    Dein Gedanke, dass meine Oma bei einer Schwester oder einem Bruder aufgewachsen ist, ist nicht schlecht. Dazu müsste ich allerdings in einer Linie weiterforschen, bei der mir rechtlich die Hände gebunden sind. Denn die Ämter und Behörden, die diese Daten führen, brauchen einen Nachweis, der mich zu dieser Suche berechtigt. Solange irgendwo mein Nachname auftaucht, ist es leicht. Für alles andere brauche ich eine Vollmacht - und da weiß ich nicht, wo ich weitersuchen soll. Interessieren würd's mich natürlich schon...
     
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    30 Jahre nach dem Tod, oder - falls Tod unbekannt - 100 Jahre nach ihrer Geburt darf normalerweise - so noch vorhanden - Akteneinsicht genommen werden (wobei das Archivrecht in jedem Bundesland nominell anders ist, de facto aber sind sich die Archivrechte ziemlich ähnlich). Bessere Beratung können dir da @Melchior und @Ashigaru geben, wobei Melchior sich vor zwei Jahren letztmalig hier hat blicken lassen.

    Was mich wundert, ist, dass deine Oma nicht darüber erzählt hat, bei wem sie aufgewachsen ist. Auch ihren Kindern nicht? (Aber die müssten ja auch mittlerweile zwischen 80 und 100 sein.)
     
  5. Der Poet

    Der Poet Neues Mitglied

    Danke für die Hinweise auf weitere Forenmitglieder, ich schau mal ob ich die direkt anschreibe.

    Meine Oma hat tatsächlich nie jemandem mehr erzählt als das, was ihre Kinder wissen. Von meinen Onkels und Tanten leben nur noch drei Onkels und eine Tante, alle um die 80 rum. Zu einem Onkel hat niemand mehr Kontakt, ein anderer lebt in einem Pflegeheim, und die beiden übrigen sagen übereinstimmend, dass sie fast nichts aus der Kindheit ihrer Mutter wissen. Das deutet schon stark darauf hin, dass meine Oma ihre Kindheit vergessen will und die Erinnerung daran verdrängt hat. Das macht mich um so neugieriger, denn sie ist in meinem Genogramm schon eine wichtige Person...
     
  6. Mephisto

    Mephisto Aktives Mitglied

    Bei Fragen rund um das Thema Ahnenforschung: gerne auch PN an mich.
     
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