Legitimation den Herrscher im frühen Mittelalter

Dieses Thema im Forum "Die Franken" wurde erstellt von amalama, 10. September 2011.

  1. amalama

    amalama Neues Mitglied

    Guten Tag,

    ich sitze derzeit an meiner Hausarbeit mit dem Thema "Herrschaftslegitimation im frühen Mittelalter". d.h. Königsheil, Gottesgnadentum, Salbung...

    Ich würde mich hier nicht an das Board wenden wenn ich mir keine Gedanken gemacht hätte aber mir fällt es sehr schwer ein Hausarbeitsthema zu diesem Thema zu finden, welches KEINE Nacherzählung ist sondern "analysiert".

    Ich freue mich sehr über Tips und vielen Dank im vorraus! :)

    Liebe Grüße
     
  2. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Mmh, Herrscher des frühen Mittelalters interessieren mich nicht besonders, daher würde ich eine Nacherzählung ihrer Lebensläufe und Schlachterfolge auch langweilig finden.
    Daher bietet sich bei dem Thema eine Analyse doch geradezu an.
    Worin unterschied sich denn die Legitimation von der der aktuellen Regierungen?
     
  3. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    Bei den Römern, Ost wie West, war die Legimitation schlicht die Stärke und Treue der angeführten Legionen.

    Die anderen Herrschaften sind Burgunder, Langobarden, Baiern und Franken.

    Und auf den Papst oder dessen Anerkennung setzte nur das fränkische Herrscherhaus.
    Eigentlich nur die Karolinger, der Rest vertraute mehr den Waffen der eigenen Gefolgschaft. Gottesgnadentum oder ähnliches ist eher Absolutismus.
     
  4. Lukrezia Borgia

    Lukrezia Borgia Moderatorin

    Als Einführung würde ich mir aus der Unibib. "Spielregen der Politik im Mittelalter" von Gerd Althoff holen. Wenn Du das gelesen hast, sprudelst Du wahrscheinlich ohnehin über vor Ideen. :winke:
     
  5. amalama

    amalama Neues Mitglied

    @rena8: Vielen Dank. Ich war schon zusehr im 7.-11. Jhd. Demokratie: Legitimation durch das Volk; Frankenreich: Legitimation durch die Salbung des Papstes zum Herrscher Gottes Gnaden. Liegt der Vergleich nicht zu weit auseinander?
    @wilfried: Es geht um das Frankenreich. Ein Vergleich der Merowingischen und Karolingischen Legitimation wäre interessant.
    @Lukrezia Borgia: Leider ist das Buch in allen naheliegenden Bibliotheken vergriffen, aber vielen Dank für den Tip :)
     
  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Analysiere doch mal den Herrscherwechsel vom Merowinger zum Karolingerhaus und dann den Übrergang zu den Ottonen, insbesondere von Konrad zu Heinrich.
     
  7. Lukrezia Borgia

    Lukrezia Borgia Moderatorin

    Und wenn Du Dich mit dem Themenkomplex "Legitimation durch Historiographie" beschäftigst und als Untertitel machst: "Die Res gestae Saxonicae und ihre Bedeutung für das ottonische Herrscherhaus"?

    Auch da wirst Du aber um Althoff nicht herum kommen, sein Standardwerk zu den Ottonen ist von 2005. Das könnte man sich notfalls auch selbst anschaffen, es ist in der Kohlhammer-Taschenbuchreihe erschienen.
     
  8. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    Also , frühes Mittelalter sind Merowinger und Karolinger.
    Und so ~ Chlodwig würde ich als "Warlord" bezeichnen. Da hatte "das Volk" nix zu melden.
    Und die Karolinger als Hausmeier der Merowinger waren erst deren oberste Vertreter und haben dann die Herrschaft schlicht usurpiert.
    Anschließend gab ´s ein Deckmäntelchen vom Papst als oberster Kirchenführer.

    Die Salbung durch den Papst ist die Anerkennung durch die Kirche als "Schwert der Kirche" , hat mit "Herrscher durch Gottes Gnade" nix zu tun.

    Königsheil bedeutet ja nur "Herrscherglück", und das wird bei Nachkommen eines erfolgreichen eben eher vermutet, als bei nem Emporkömmling. Deswegen die Sanktionierung des Machtübergangs Merowinger/Karolinger durch den Papst.

    Es sollte eben niemand daran zweifeln, das er ohne seinen Herrn genauso erfolgreich agieren könne.
     
  9. Lukrezia Borgia

    Lukrezia Borgia Moderatorin

    Erst mal: :S:eek:


    Das Frühmittelalter umfasst auch die Ottonen. Laut gängiger Forschumgsmeinung endet es im 11. Jahrhundert. Mit dem Tod des letzten Ottonen, mit dem morgendländischen Schisma, mit dem ersten Kreuzzug, das kannst Du dann machen wie ein Dackdecker.


    Und später hatte dann das Volk was zu melden, oder wie? Wollte das Volk überhaupt was zu melden haben?


    .


    Sind wir hier am Stammtisch, oder was? Ich empfehle, Dich in die Komplexität (ja, die gab es auch damals schon) frühmittelalterlichen Strukturen einzuarbeiten, dann braucht man nicht mit solch plakativen Aussagen arbeiten.


    In den Augen der Karolinger schon, vielleicht in Wilfrieds Geschichtsstunde nicht.


    Königsheil ? Wikipedia
    Wenn Du dann noch Zeit hast einige lohnende Arbeiten der frühen Annalisten wie von Bloch, die sich ausgiebig mit dem Königsheil beschäftigen, obschon sie in der Gegenwart durchaus kontrovers diskutiert werden.



    Und das hätte ich jetzt gerne näher ausgeführt. Danke!
     
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  10. hjwien

    hjwien Aktives Mitglied

    Durch die starke Vereinfachung wird das aber falsch. Die Treue der legionen ist eine faktische Machtgrundlage, aber nicht die Legitimation, in der übrigens das Wort lex drinsteckt. Und die ist auch durch die Jahrhunderte der Kaiserzeit erstmal an die Anerkennung durch den Senat gebunden.
     
  11. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    Erstmal möchte ich mich für die all zu grobe Darstellung entschuldigen.
    Dann war mir nicht bewußt, das das Frühmittelalter bis über das Jahr 1000 angedauert haben sollte, ich kenne nur die Einteilung
    Ende der Völkerwanderung/Antike (~Schlacht auf den Katalaunischen Feldern)-> Teilung des Frankenreichs in Ost/Westfränkisch = Frühmittelalter
    Ottonen /Salier/Staufer = Hochmittelalter
    danach bis zur Entdeckung Amerikas = Spätmittelalter

    Wenn jetzt die Mediavistik die Einteilung "geändert" hat, sry.

    Da die Salbung durch einen Kirchenvertreter erst nach der "Wahl" zum König durch einen "Reichstag" erfolgte, kann ja die Königsherrschaft nicht von "Gottes Gnaden" sein.

    Immer noch stark vereinfacht:
    Allenfalls ist das "Erbrecht " Legimitation des Königtums einzelner, ansonsten eben die Wahl durch die "Anhänger" des "alten" Königs. (der eben die Zusammensetzung des Reichstags durch Einsetzungen etc bestimmt hat). Demokratie würde ich das nicht nennen. Einen Gottesbezug würde ich bis zu den Staufern jedenfalls soo nicht sehen.
     
  12. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    Wenn ich mich richtig entsinne, so fanden im ganz frühen Mittelalter bzw. der Spätantike zwei Ereignisse gerade bzgl. Legitimationsfragen großes Interesse: einmal das Senioratsprinzip bei den Vandalen (die Herrschaft ging nach Geiserichs Tod an seinen ältesten Sohn über, keine Teilung des vandal. Hoheitsgebiets), zum anderen die kritische Thronfolge im italischen Ostgotenreich nach Theoderichs Tod.

    Bzgl. der ostgotischen Verhältnisse ist interessant, dass nach Amalarich, Amalaswintha und Theodahad - allesamt Angehörige der Herrschersippe der Amaler - die durch Wahl erfolgte Thronerhebung von Witigis (der zuvor ein adeliger "General" der Ostgoten war) aus byzantinischer Sicht als Usurpation bzw. Tyrannei bezeichnet wurde. Ostrom erkannte also Witigis wie auch nach ihm Totila und Teja nicht als legitime Herrscher an.

    Die Zugehörigkeit zu einer anerkannten herrschenden Sippe (Amaler, Merowinger, Karolinger usw.) war auf jeden Fall eine Art Legitimation. Erstaunlicherweise galt dies auch für Nachkommen, welche die Herrscher mit Nebenfrauen zeugten - interessant sind die genealogischen Listen von Alexander Demandt zur familiären Versippung des "Militäradels" in Spätantike und frühem Mittelalter.

    Interessant ist auch die Königswahl des langobardischen Authari nach einem zehnjährigen königslosen Interregnum, welcher sich nach der Königswahl den Beinamen Flavius zulegte, um sich zusätzlich zu legitimieren.
     
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  13. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    ich muss noch anfügen, dass auch der ostgotische Theoderich sich Flavius Teodoricus Rex titulierte. Und ebenso für seine Legitimation nicht unerheblich war, dass er "Waffensohn" des Kaisers Zeno war (so eine Art Adoption/Ansippung formaler Art, falls ich das richtig erinnere)

    Chlodwig, der grimmige Merowinger, erhielt einen Konsulstitel - interessant, dass von mehreren merowingischen Königen überliefert ist, dass sie nach kaiserlichem Vorbild Spiele (Tierhatzen) ausrichteten und bei gelegentlichen pompösen Einzügen in Städte wie die röm. Kasier Geldmünzen ins Volk werfen ließen (Gregor von Tours)

    Verwandtschaft zu einer herrschenden Sippe (wohl auch mit mythischem Königsheil), Ansippung an kaiserliche Familien bzw. die herrschende oströmische Familie (Flavius), quasi "kaiserliche" Verhaltensweisen, dazu die Verwaltung des "Königsschatzes", manchmal auch das Tragen des Pupurmantels bzw. einer Imitation desselben --- die etablierten Warlords des frühen Mittelalters gaben sich allerlei Mühe in Sachen Legitimation bzw. Legitimationsanspruch.
     
  14. Stilicho

    Stilicho Aktives Mitglied

    Naja, das ist doch eher damalige Tagespolitik. Zu allen Zeiten musste man Kriegszüge irgendwie rechtfertigen.
     
  15. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Das sehe ich ganz ähnlich. Ein weiterer Aspekt der Legitimation war es noch, den besonderen Rang, bzw. eine Art Auserwähltheit der königlichen Sippe hervorzuheben. Die Merowinger bedienten sich dazu der so genannten "Troja-Legende", welche die Herkunft der Familie auf trojanische Flüchtlinge zurückführt. Ich denke, dass damit auch eine historische Gleichrangigkeit zu den Römern hergestellt werden sollte, die ja die Abkunft der Kaiser mythisch auf Aeneas zurückführte.
     
  16. hjwien

    hjwien Aktives Mitglied

    Das ist spannend, daß man sich dieses Aspektes offenbar noch bewußt war und zeigt, wieviel von antiker Propaganda (in Form von Schriften, aber auch Kunstdenkmälern) noch verstanden wurde. Denn der Bezug auf Aeneas und damit Venus betrifft eigentlich nur die julischen Kaiser.
     
  17. Joinville

    Joinville Aktives Mitglied

    Nein. Der Stadtgründer Romulus war der Sohn der Rhea Silvia, einer Königstochter von Alba Longa. Dessen Königshaus soll direkt von dem trojanischen Flüchtling Aeneas abstammen. So der "trojanische Gründungsmythos" von Rom.

    EDIT:
    Dem mittelalterlichen Verständnis nach waren alle Römer faktisch Trojaner.

    Aber Aeneas und mit ihm die julische Linie waren in der fränkischen Gründungsmythologie nicht unbedingt notwendig. Rigord bsw. hatte in seinem Tatenbericht zu König Philipp II. Augustus(!) einen Stammbaum zu den Vorfahren der Merovinger aufgestellt, in dem Aeneas übergangen wurde.
    Mit Priamos dem König von Troja als Stammvater ging es über Hektor weiter mit dessen Sohn Francio, auf den ein weiterer Priamos König von Austria folgte, dessen Sohn Marcomirus war, auf den mit Faramundos der erste König von Gallien folgte, dessen Sohn Clodius schließlich der Vater von Merovech war. Letzterer war wiederum der Vater von Childerich, dem Vater von Chlodwig.

    Rigord, Gesta Philippi Augusti, ed. von Léopold Delisle im Recueil des Historiens des Gaules et de la France Band 17, S. 16-17
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. September 2011
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  18. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Es ist diffiziler, denke ich. Die Herkunftsgeschichte der Franken erzählt ja auch, dass jene trojanischen Flüchtlinge, die als Vorfahren der Merowinger galten, auf die Nordseite des Schwarzen Meers flohen, und dann in der Folgezeit ausdrücklich keine Bewohner des Römischen Reichs waren. Die trojanische Herkunft aber, soll meines Erachtens, zeigen, dass eben die mythischen Vorfahren der Franken aus gleichem Blut waren wie die mythischen Vorfahren der Römer.
     
  19. Lukrezia Borgia

    Lukrezia Borgia Moderatorin

    Mich würde mal interessieren, bei welchen Historiographen sich erstmals die Herleitung von Aeneas findet. Weiß das jemand aus dem Effeff?
     
  20. hjwien

    hjwien Aktives Mitglied

    Doch. Die Familie der Julier führte sich direkt auf (propagandistisch natürlich) Romulus, Aeneas und damit Venus zurück. Nicht jeder Kaiser berief sich automatisch auf Aeneas.
     

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