Liberia und Äthiopien

Dieses Thema im Forum "Die großen Kolonialreiche" wurde erstellt von Gast, 16. September 2008.

  1. Gast

    Gast Gast

    Hallo, weiß jemand von euch warum Äthiopien und Liberia als einzige nicht von europa kolonialisiert wurden?
     
  2. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

  3. Tekker

    Tekker Gast

    Was Äthiopien betrifft, so hat es Italien mehrfach versucht, ist aber gescheitert. Schau mal unter "Italienisch Ostafrika". :)
     
  4. Pope

    Pope Neues Mitglied

    Bezgl. Äthiopien: Von militärischen Gründen mal abgesehen, war es um einiges plausibler, einigen nackten Analphabeten zur Zivilisation verhelfen zu wollen, als einem christlichen Kaiser. Und im Kampf gegen Sklaverei und zur Eindämmung der sudanesischen Islamisten war Äthiopien natürlich ein willkommener Verbündeter. Als dritten Grund kann man wohl sagen, dass es an Rohstoffen offensichtlich nicht viel zu holen gab.

    Als der Kuchen dann verteilt war, blieb den verspäteten italienischen Imperialisten nicht viel anderes übrig ... die Schlacht von Adwa ? Wikipedia, die freie Enzyklopädie war dann auch eine der blutigsten und verheerendsten Niederlagen für eine europäische Nation auf afrikanischem Boden.
     
  5. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    und da die geographischen Schwierigkeiten Äthiopien wohl auch für die Briten somit wenig interessant erscheinen ließen, blieben nur die verspäteten Kolonialisten übrig, letztlich Italien

    Britische Äthiopienexpedition von 1868 ? Wikipedia, die freie Enzyklopädie
     
  6. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Die Briten bereiteten sich bei ihrer "Strafexpedition" gegen den Negus Theodor sehr sorgfältig auf einen Feldzug im Hochland Äthiopiens vor, um eine peinliche Schlappe, wie sie die Italiener 1896 bei Adua erlitten, unbedingt zu vermeiden. So benutzten die Briten zum Ziehen der Geschütze indische Elefanten. Kipling greift dieses Motiv in einer Geschichte seiner Dschungelbücher auf. So reiste der Elefant Kala Nag in seiner Jugend mit seinem Mahout, dem älteren Toomai nach Äthiopien wo Kala Nag Theodor bei Magdala auf dem Totenbett sah.

    Als Kriegskorrespondent des New York Herald nahm übrigens der damals noch unbekannte Henry Morton Stanley am Feldzug teil. Stanley war damals der rasende Reporter von Gordon Benett, dem Besitzer des New York Herald. Benett konnte mit seinem Mann zufrieden sein. So erfuhren die Briten die Nachricht von ihrem Sieg bei Magdala nicht von General Napier, sondern vom Londoner Vertreter des New York Herald. Wie sich später herausstellte, hatte Stanley, der einige Jahre später durch seine Auffindung des verschollenen Livingstone berühmt wurde, kurzerhand den Chef des Postamtes in Suez durch eine hohe Summe bestochen, so dass er Stanleys Telegramme immer 2-3 Tage früher abschickte, als die der Konkurrenz. Stanley hat seine Erfahrungen übrigens in einem eigenen Buch Kummasi und Magdala festgehalten.
     
  7. floxx78

    floxx78 Aktives Mitglied

    Interessant! Könnte man behaupten, dass Liberia in gewisser Weise durch die USA kolonisiert wurde?

    Liberia - Wikipedia, the free encyclopedia
     
  8. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Liberia ist m.E. ein rassistisch motivierter Versuch gewesen, die (freie) farbige Bevölkerung der USA wieder los zu werden. Noch heute stellen die Nachfahren ehemaliger Sklaven die Elite des Landes, die in einem gewissen Konflikt zu den indigenen Stämmen steht. Koloniale Interessen spielten keine Rolle, man hatte im eigenen Land mit der Erschließung des Westens genug zu tun.
     
  9. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

  10. Repo

    Repo Neues Mitglied


    John f. Kennedy hat dazu etwas geschrieben, was eigentlich, Stand 1960, humanitär klang. So sehr lange lebte ja ein Teil zu der Zeit noch gar nicht in den USA.
    Es gab wohl auch keinen argen Druck zu gehen.
    Aber ein zurück ist schon nach 2-3 Jahrzehnten problematisch. Kann man ja zum Teil in der eigenen Familie sehen.
    Mal sehen ob ich den Schinken noch habe/finde.
     
  11. floxx78

    floxx78 Aktives Mitglied

    Ich provoziere mal bewusst: Könnte man da nicht eine Analogie ausmachen z. B. zur britischen Kolonie Australien, die ja auch von "gesellschaftlich Unerwünschten" begründet worden ist?
     
  12. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Oder noch provokanter, könnte man Parallelen zur Zionistenbewegung sehen?
    Die Idee kam zwar aus der Gruppe der späteren Auswanderer, die Menschen, die die Schiffe nach Liberia und Australien bestiegen, waren formal doch auch einverstanden.
    Aber im Ernst, ist Auswanderung zumindest in der Neuzeit nicht meist mit einem eher ungesicherten Status im Herkunftsland begründet?
    Lohnt vielleicht ein Auswanderungsthread oder gibt es den schon?
     
  13. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter


    Die Soziologie spricht von Push- und Pullfaktoren, einige Soziologen verwenden sich gegen eine Übersetzung, andere übersetzen mit Sog- und Schubfaktoren. Ich selbst habe mal in einer Hausarbeit den Begriff der negativen Push- und Pullfaktoren eingeführt (d.h. ich habe diesen Begriff in der Literatur nie gefunden, auch kein Äquivalent). Mit negativen Push- und Pullfaktoren meine ich Faktoren, welche die eigentlichen Push- und Pullfaktoren relativieren, neutralisieren oder aufheben.

    Wirtschaftliche Not im Heimatland und wirtschaftliche Prosperität im Zielland sind z.B. ganz wesentliche Push- (Armut) und Pullkatoren (Reichtum). Wenn ich aber mein soziales Netzwerk zuhause aufgeben muss, dann ist das ein negativer Pushfaktor, genauso, wie rassistische Übergriffe im Zielland ein negativer Pullfaktor sind. Das soziale Netzwerk neutralisiert den durch die wirtschaftliche Armut hervorgerufenen Push oder Schub, die rassistischen Übergriffe neutralisieren den durch den Reichtum im Zielland hervorgerufenen Pull oder Sog.
     
  14. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Wenn man meinen vorherigen Beitrag nimmt, kann man zumindest im Bezug auf Liberia kaum von Push- und Pullfaktoren sprechen. Es handelte sich nicht um die Heimat der ehemaligen Sklaven, die sowieso keine sozialen Netzwerke mehr in Afrika hatten, ebenso gab es keine wirtschaftlichen Gründe nach Liberia auszuwandern, auch keine Naturkatastrophen etc. Der einzige Pushfaktor kann der Rassismus in den USA gewesen sein, der einzige Pullfaktor eine schlecht durchdachte Ideologie.

    Meines Wissens wurde die Kolonie Australien nicht aus der Strafkoloie heraus begründet, sondern später. Auch wenn mancher polemische Spruch die Gründung aus der Strafkolonioe noch heute gerne kolportiert. Im Hinterkopf spukt etwas von Goldrausch. Aber ich habe mich damit nie intensiv beschäftigt.
     
  15. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Der war in West-Australien aber mW nach dem am klondike, also erst im 20. Jahrhundert


    Der Vergleich mit den Zionisten und Palästina ist aber teilweise zutreffend. Wobei, im Gegensatz und wenn ich mich richtig erinnere bei Liberia zumindest die Idee nicht von den Betroffenen kam-
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. September 2008
  16. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich hab jetzt mal "geschummelt" und Wikipedia befragt:

    History of Australia - Wikipedia, the free encyclopedia

    Über weiterklicken in History of Australia 1851 - 1900 bin ich dann noch zu folgendem Artikel gekommen:
    Australian gold rushes - Wikipedia, the free encyclopedia

    Klondike war später:
    Klondike Gold Rush - Wikipedia, the free encyclopedia
     
  17. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Da war der Pushfaktor der trotz jüdischer Emanzipation nachhaltige Rassismus bzw. Antisemitismus, die Pullfaktoren sind je nach Gruppe zu differenzieren. Während die Zionisten vor dem Holocaust meist eher links gerichtet waren und ihr Pullfaktor die Teilhabe am Experiment der Kibbuzim war, waren spätere Motive die nationale Heimstatt oder eben religiöse Gründe. Gerade die religiösen Gründe sind aber in der jüdischen Orthodoxie recht umstritten.
     
  18. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Der kalifornische Goldrausch war aber früher, als der australische. Wer Football mag, kann sich das Datum leicht merken. Die San Francisco Forty-Niners sind nach dem Jahr des kalifornischen Goldrauschs benannt. Und das Lied Oh my darling Clementine spielt ebenfalls mehrfach auf den kalifornischen Goldrausch an.
     
  19. Ja, so wie das benachbarte Sierra Leone durch Unternanen des britischen Königs kolonisiert.

    Für die Anfangsfrage lässt sich bezüglich Liberia in der englischen Wikiseite zur Geschichte Liberias folgende Antwort finden:

    History of Liberia - Wikipedia, the free encyclopedia
     

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