Literatur zu Grenzen des römischen Reiches

Dieses Thema im Forum "Das Römische Reich" wurde erstellt von Vivar, 4. Januar 2021.

  1. Vivar

    Vivar Neues Mitglied

    Moin zusammen,

    hat jemand eine gute Empfehlung für (wissenschaftliche) Literatur zu den Grenzen des römischen Reiches? Ich benötige ein Werk, das sagt, welche Gebiete und Provinzen wann von Rom kontrolliert wurden und ob Rom sie nur faktisch kontrollierte oder sie praktisch beherrschte.
    In dem spezifischen Fall, den ich gerade habe, geht es um Pannonien Mitte bis Ende des 5. Jahrhunderts. (Ost)Rom teilte dort den Valamirgoten Pannonien als SIedlungsgebiet zu. Ich habe gelesen, dass dieses bereits seit einiger Zeit dem hunnischen Reich (was nun zerfallen war) angehört hatte. Würde das aber gerne genauer wissen.

    Liebe Grüße und vielen Dank im Voraus
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Dann würde ich mal Literatur unter dem Stichwort Donaulimes suchen. Grenzen sind aber in vormodernen Staaten* immer ein problematisches Thema, da eine Grenze eher ein fließender Übergang ist, als ein fest definiertes Gebilde. Klar, die Römer konnten an Rhein und Donau und mit Großbauwerken so etwas wie Grenzen definieren.

    Man sollte auch immer unterscheiden zwischen dem Anspruch auf ein gewisses Gebiet und den tatsächlichen Herrschaftsbereich. Ein Gebiet, welches man de facto eh nicht beherrscht, lässt sich leichter verteilen... Ich kenne jetzt den konkreten Fall nicht, aber wenn Ostrom Valamir sagte: Siedle mal mit deinen Gefolgsleuten in diesem Gebiet, dann muss man davon ausgehen, dass Ostrom aus dem Machtvakuum nach dem Zerfall des Hunnenreiches zumindest insoweit Kapital schlagen wollte, dass es den nervigen Valamir mit seinen Gefolgsleuten loswurde und dieser vielleicht sogar noch zufrieden über das zugewiesene Gebiet für einige Jahre treu die Grenze sicherte.


    *es gibt Historiker, die den Staatsbegriff für die Vormoderne ablehnen und solche, die das nicht tun.
     
  3. Eumolp

    Eumolp Aktives Mitglied

    Ein bisschen zu den Quellen:

    Jordanes' Getica:
    Die Hunnen hatten im ungarischen Tiefland ihr Zentrum. Die Goten unter Valamer waren wohl erst Mitte der 450er Jahre dorthin gekommen, da war das Hunnenreich schon am Ende. Nach dessen Zerfall ging eine Reihe von Kämpfen los, vor allem zwischen gotischen Stämmen und anderen, etwa den Sueben und den Skiren, diesen gelang es, den Valamer umzubringen. Danach gingen die Kämpfe weiter, und nun bezwangen die Goten die Skirer. Jetzt ergaben sich neue Kämpfe zwischen Sueben, Rest-Skiren, Rugier, Gepiden, Sarmaten etc. gegen die Goten in der Schlacht am (unbekannten) Fluss Bolia, 469: Schlacht an der Bolia – Wikipedia

    "Exzerpte" des oström. Kaisers Konstantin VII:
    Von Valamers Goten wird in Priskos' Hunnengeschichte berichtet, die sich in den "Exzerpten" erhalten haben. 459 sind diese nämlich nach Konstantinopel gezogen und haben Tribut gefordert. Hierbei handelte es sich um eine Monarchie des Valamer, die von allen anderen Mächten unabhängig war.

    Und dann ein Buch:
    Zum Schicksal der sog. Strabon-Goten, die zeitweilig im Dienst Ostroms standen (wschl. diejenigen, von denen du gehört hast), und der anderen pannonischen Goten: Mischa Meier, Geschichte der Völkerwanderung, S. 485-489.
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. Januar 2021
  4. Vivar

    Vivar Neues Mitglied

    Danke für eure Antworten. Mit der Sache bezüglich einen Anspruch haben und effektiv beherrschen hast du Recht El. Das habe ich in meinem Post eigentlich gemeint, aber die falschen Worte dafür gewählt ;)

    In Jordanes heißt es zu dem ersten foedus mit den Oströmern:
    "But the Gibiðos, by force taking over the Huns’ land for themselves, ruled as victors over the extent of all Dacia, demanding of the Roman Empire nothing more than peace and, as vigorous strongmen, an annual gift, given their friendly alliance. [...] Now when the Goths saw the Gibiðos defending for themselves the territory of the Huns and the people of the Huns occupying the Goths’ own ancient abodes, they preferred to ask for lands from the Roman Empire rather than to invade the lands of others with danger to themselves. So they received Pannonia, which stretches in a long plain, being bounded on the east by Upper Mœsia, on the south by Dalmatia, on the west by Noricum and on the north by the Danube."

    Die Frage, die mich vor allem interessiert ist, wem dieses Land effektiv gehörte, das die Goten nun im foedus zugeteilt bekamen. Aus Jordanes heraus ist es wohl naheliegendsten, dass die Goten das Land bereits besiedelten. Von römischer Verwaltung in Pannonien ist auch in keiner Quelle die Rede. Fände es daher hilfreich für die Beurteilung des foedus über die Situation in Pannonien 454 Bescheide zu wissen. Aber ich sehe auch, dass das Thema sehr speziell und dementsprechend schwierig ist. Ich werde es denke ich mal mit Literatur zum Limes probieren
     

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