Luigi Cadorna - Der Feldherr

Dieses Thema im Forum "Der Erste Weltkrieg" wurde erstellt von Arnaud28, 22. September 2022.

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  1. Arnaud28

    Arnaud28 Aktives Mitglied

    Im Oktober erscheint m.W. das erste deutschsprachige Buch über Luigi Cadorna.
    Autor ist Marco Mondini. Ähnlich wie Foch oder Conrad war auch er ein Kind seiner Zeit.
    So hatte er auch Werke im Vorfeld veröffentlicht, die sich mit den neuen Gegebenheiten der Kriegskunst auseinandersetzten und durchaus innovativ waren. Nach der Niederlage von Caporetto war er nicht mehr zu halten und wurde entlassen. Ich erinnere mich, dass Conrad ihn in seinen Memoiren als wenig innovativ angesehen hat, da sich die Angriffe und ihre Taktik immer sehr ähnelten.
    Ich werde mir das Buch besorgen.

    Der Feldherr

    Cadorna hat sicherlich auch durch seine Disziplinarmaßnahmen heutzutage ein negatives Bild.
    Aber, vor kurzem wurde Micele Favero verurteilt, da er Cadorna als Mörder in Posts auf Facebook bezeichnet hatte. Den Prozess hatte ein entfernter Verwandter von Cadorna angestrengt und gewonnen.
    Favero muss jetzt 10.000,--€ an den Neffen von Cadorna zahlen und seine Posts löschen.

    Padova, diede dell’assassino a Cadorna: deve risarcire il nipote

    Wer sich hierzu interessiert, dem sei auch der Film "Bataillon der Verlorenen" zu empfehlen. Der Anti-Kriegsfilm von 1970 greift die Thematik auf.
    Bataillon der Verlorenen – Wikipedia
     
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  2. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Das Buch ist für den 24.Oktober angekündigt. Werde ich mir auch kaufen.
     
  3. Arnaud28

    Arnaud28 Aktives Mitglied

    Es gibt ja verschiedene Gerüchte um Cadorna.
    Ein Gerücht besagt, dass er Bestrafungen aus der Zeit der Römer eingeführt haben soll.
    So soll er bei Misserfolgen immer den jeweils Zehnten einer Abteilung hingerichtet haben, um die Gefolgschaft der Truppe zu sichern. Der Begriff für diese Vorgehensweise ist Dezimation.
    Dezimation – Wikipedia
     
  4. Arnaud28

    Arnaud28 Aktives Mitglied

  5. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Es gibt eine Reihe von Militärs des 1. Weltkriegs, die durch Sturheit und Inkompetenz den Tod zahlreicher Menschen zu verschulden oder mit zu verschulden hatten. Douglass Haig, Robert Nivelle , Erich von Falkenhayn und andere wurden heftig kritisiert für Fehlentscheidungen. Luigi Cadorna war das beste Beispiel dafür, dass in einem hierarchisierten Apparat jeder die höchste Stufe seiner Inkompetenz erreicht.

    Luigi Cadorna reiht sich ein in eine Reihe von Militärs, die gedanklich und ideologisch noch fest in der Welt der Kabinettskriege und der Kriegführung des 19. Jahrhunderts verwurzelt waren, und bis zuletzt nicht kapieren konnten, dass die Stahlgewitter des Weltkriegs diese Kriegführung längst zu einem Anachronismus gemacht hatten.

    Worin sich Cadorna von anderen inkompetenten, beratungsresistenten Kommandeuren unterschied, das waren die Terrorbefehle gegen die eigenen Truppen. Kaum jemand hat unter den Kommandeuren des 1. Weltkriegs so wenig Mitgefühl gezeigt, wie Luigi Cadorna. Es kam im Frühjahr 1917 zu Meutereien in der französischen Armee. Bei der Niederschlagung wurden beteiligte Truppen teilweise dezimiert, es wurden nach dem Zufallsprinzip "Sündenböcke" ausgewählt, und es kam zu einer Reihe von Todesurteilen. Davon wurde in der französischen Armee aber nur ein Bruchteil der Strafen tatsächlich vollstreckt.

    Philippe Petain hörte sich aber auch Beschwerden der Truppe an, er ließ Misstände beseitigen, es wurde der Sold erhöht, es wurden Urlaubsgesuche gewährt. Davon war in der italienischen Armee keine Rede.

    Die Italiener waren auf chemische Kampfmittel wie das neuartige Blaukreuz (Clark) nicht vorbereitet. Der Zusammenbruch der Front geschah u. a. auch deshalb, weil Cadorna es versäumt hatte, Reserven im rückwärtigen Raum bereit zu stellen. Die Verluste der Italiener betrugen ein Mehrfaches, der österreichischen Verluste.

    Die Dezimation war schon in der Antike sehr selten praktiziert worden. Dergleichen im 20. Jahrhundert wieder zu reanimieren, war barbarisch.
    Cadorna weigerte sich, die Verantwortung für eigene Fehler zu übernehmen, statt dessen verwies er die Verantwortung an die Soldaten zurück. In der Antike gab es wenige Schreibtischtäter.

    Manche Militärs, denen es an Fortune fehltte, stützten sich bei mangelnder Fortune ins Schwert. Samurai wählten den Seppuko, für Führungskräfte, denen etwas schiefging, lag bei den Osmanen die seidene Schnur bereit.

    Wohlgemerkt die seidene Schnur, der Seppuko das war für Führungskräfte, die versagten.

    Die eigenen Soldaten umzubringen, wenn sie keine Heldentaten 1. Klasse zeigen, ist schlechter Stil: Wenn Cadorna sich einen guten Plan hätte ausdenken können, wäre das nicht nötig gewesen.
     
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  6. Dion

    Dion Aktives Mitglied

    Und diese immensen Verluste wurden später angeführt, Gebietsansprüche (Trentino, Südtirol, Triest) zu begründen: So viele Italiener durften nicht umsonst gestorben sein.
     
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  7. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Und in Südtirol gab und gibt es keine Bevölkerungsmehrheit, die italienisch spricht. Die Mehrheit spricht deutsch.
     
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  8. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Lass es uns wissen, ob es etwas taugt!
     
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  9. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

  10. Arnaud28

    Arnaud28 Aktives Mitglied

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