Märzrevolution - gemäßigt oder radikal?

Dieses Thema im Forum "Das Deutsche Kaiserreich" wurde erstellt von fagelo, 3. September 2006.

  1. fagelo

    fagelo Neues Mitglied

    hallo,ich habe mich hier neu angemeldet, da ich mich über die märzrvolution 1848/1849 informieren möchte.
    größtenteils habe ich alles verstanden,allerdings weiß ich nicht, ob die revolution eine radikale oder gemäßigte war? :grübel:
    kann mir hier jmd. evtl helfen (links etc)?!?

    Lg
     
  2. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied

    Ich weiß nun nicht, was du unter "radikal" verstehst. Es war eine Revolution, die einerseits für mehr demokratische Rechte, wie Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit usw. und für einen einheitlichen Nationalstaat eintrat, andererseits war die überwiegende Mehrheit der Revolutionäre auch für die Beibehaltung der Monarchie, d. h. es war keine Revolution zur Errichtung einer
    Republik ( von der 2-wöchigen Existenz einer Repulik in Konstanz einmal abgesehen ). :fs:
    Weiterhin muß erwähnt werden, daß diese Revolution zwar unter Anwendung von Waffengewalt verlief, jedoch ging diese Gewalt stets vom Staat aus, nachdem die Revolutionäre auf friedliche Weise ihre Forderungen vortragen wollten.
    Somit würde ich die Revolutionäre als "gemäßigt" einstufen.
    Links hierzu kann ich nicht anbieten, da ich mich hauptsächlich aus Büchern informiere. ;)
     
  3. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Mit "gemäßigt" hat Barbarossa den Verlauf imho treffend bezeichnet, aber die Ziele sind in meinen Augen sehr radikal, sie forderte zum einen völlig neues(Bürgerrechte) und Dinge die nur bedingt durch die herrschende Klasse gestützt wurden, sondern ihre Anhängerschaft im Bürgertum hatten (Nationalstaat). Dabei muss natürlich zwischen den einzelnen Strömungen differenziert werden. Schließlich gab es auch radikaldemokratische.
     
  4. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied

    Da muß ich dir teilweise widersprechen, Themistokles.
    Auch bei den Zielen waren zum allergrößten Teil die "gemäßigten Kräfte" tonangebend ( Ausnahmen, wie die von mir Genannte, bestätigen die Regel ).
    Es wurden fast ausschließlich mehr Bürgerrechte gefordert, allerdings unter Beibehaltung der bestehenden Staatsform und auch die Abdankung der regierenden Herrschaften wurde nicht ausdrücklich verlangt - also meiner Meinung nach gemäßigt.
    Daß diese Herrschaften mit den Forderungen nicht klar kamen und sofort zu den Waffen griffen, war nicht die Schuld der Revolutionäre.
     
  5. Papa_Leo

    Papa_Leo Aktives Mitglied

    Die Revolution war beides - das war auch einer der Gründe für das Scheitern, sie spaltete sich.

    Es gab einen zahlenmäßig wohl viel stärkeren gemäßigten Teil, der durch Verhandlungen und Kompromisse mit den Fürsten etwas ändern wollte und Gewalt als Mittel nicht befürwortete. Dieser Zweig führte dann zur Paulskirche. Bei den Zielen würde ich Themistokles insofern Recht geben, als ein einiges Deutschland doch ein recht radikales Ziel darstellt ... genau das war übrigens der "offizielle" Grund des preußischen Königs, die angebotene Kaiserkrone abzulehnen. Er sagte, dass er sie nicht annehmen könne, weil es dann zu Kriegen unter den dt. Staaten käme, die eine Herrschaft Preußens nicht anerkennen würden. Auf einen solchen Bruderkrieg können keine nationale Einheit entstehen. ... Der berühmte Ausspruch mit der "Krone von Dreck und Letten" findet sich soweit ich weiß in der Privatkorrespondenz des Kaisers.

    Parallel dazu, z.T. während die Paulskirche tagte gab es aber durchaus bewaffnete Aufstände (Hecker und seine Ausrufung der Republik, Gustav Struve u.a.).

    Somit würde ich schon differenzieren und nicht über die ganze Revolution, die auch in verschiedenen dt. Staaten durchaus verschieden verlief, ein Urteil abgeben wollen.
     
  6. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied

    Ich muß jedoch noch etwas hinzufügen, da die Revolution in fast ganz Europa stattfand. In Frankreich, wo sie zuerst ausbrach und bereits im Februar 1848 stattfand wurde sehr wohl der König Louis Philipp abgesetzt und die Republik (2. Republik) ausgerufen. Hier lief sie also wesentlich radikaler ab. :fs:
    Überhaupt scheinen Revolutionen und Kravalle eine Art Steckenpferd der Franzosen zu sein. :D
     
  7. Joinville

    Joinville Aktives Mitglied

    Mich hat schon immer interessiert wie sich die Revolutionäre das neue Kaisertum vorgestellt haben. Wollten sie eine Erbmonarchie oder favorisierten sie eine Wahlmonarchie nach Vorbild des "alten Reiches"?
    Führten die Habsburgerkaiser Österreichs im deutschen Bund nicht den Vorsitz unter den Bundesfürsten?
     
  8. Papa_Leo

    Papa_Leo Aktives Mitglied

    Die offizielle Verfassung der Paulskirchenversammlung sah eine kleindeutsche Nation vor (also OHNE Österreich - das wäre schon das erste Problem gewesen: hätte sich Österreich so einfach rausdrängen lassen?).
    Dem preußischen König Friedrich Wilhem wurde die Kaiserkrone von der Versammlung angeboten, es wäre eine Erbmonarchie geworden.
     
  9. AndreasKlammer

    AndreasKlammer Gesperrt

    Nun zu Anfang wurde eine groß-deutsche Lösung favorisiert, darum wählte man auch Erzh. Johann v. Österreich zum Reichsverweser.
    Aber man konnte sich nicht über die Umsetzung einigen.
    Denn Großdeutsch hätte für Österreich die "Wahl zwischen einer Nation zu der man seit 1000 Jahren gehörte und Jahrhunderten eigener Arbeit bedeutet".
    Darum wurde es am Schluss die kleindeutsche Lösung und Grillparzer spottete über den Erzherzog "Nach Wagram kamst du zu spät, nach kommst du zu früh".

    p.s Österreich hätte sich nicht verdrängen lassen, hat mann ja 1866 gesehen.
     
  10. fagelo

    fagelo Neues Mitglied

    vielen dank für die freundliche unterstützung,hat mir sehr geholfen
     

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