Mai 1967: Israel, Syrien und Ägypten

Dieses Thema im Forum "Judentum | Israel | Naher Osten" wurde erstellt von silesia, 10. Januar 2012.

  1. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Am 13.5.1967 soll der ägyptische Präsident Nasser aus sowjetischen Quellen davon unterrichtet worden sein, dass Israel Truppen an seiner Nordgrenze, möglicherweise für einen israelischen Vorstoß nach Syrien hinein, konzentriert habe.

    Am 14.5.1967 soll Nasser daraufhin die Verlegung von ägyptischen Truppen in den Sinai angeordnet haben. Ägypten war zu dieser Zeit parallel im Bürgerkrieg im Yemen verstrickt, in dem rd. 70.000 Mann der ägyptischen Armee involviert waren. Grenz- und Luftzwischenfälle waren 1963/67 häufig, der letzte größere Luftzwischenfall (mit 130 Jets auf israelischer Seite, 6 abgeschossene MIGs auf syrischer Seite, davon 2 direkt über Damaskus) an der syrischen Grenze lag erst knapp einen Monat zurück (7.4.1967).

    Dem nachfolgend, nämlich am 21.4.1967, wurde der israelische Botschafter in Moskau einbestellt, und vor "Konsequenzen" gewarnt. Das zeigt, dass die sowjetischen Informationen sehr detailliert gewesen sein müssen, da auch in diesem Gespräch die Truppenkonzentrationen und die Gefahr eines israelischen Vorstosses nach Syrien erwähnt worden sind. Trotz des Moskauer Einflusses auf das pro-sowjetische syrische Regime gingen währenddessen die syrischen Grenz-Provokationen weiter, während sich der Einmarsch der ägyptischen Armee auf der Sinai-Halbinsel vollzog.

    Frage: ist über diese sowjetischen Interventionen im Vorfeld des 6-Tage-Krieges mehr bekannt?
     
  2. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Ich habe ein altes Buch von A.J. Barker zum 6-Tage Krieg, dass aber nicht mehr dem aktuellen Stand entsprechen dürfte.

    Dort wird die Warnung der Sowjets an Nasser erwähnt, jedoch mit der Aussage, dass es gar nicht den Tatsachen entsprach. Der Sowjetische Botschafter soll eingeladen worden sein, sich die Gegend persönlich anzusehen, wozu er sich jedoch anscheinend weigerte.
     
  3. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Danke für den Hinweis.

    Die Warnung an Nasser - die dann zum Sinai-Einmarsch führte, der wiederum die Krise eskalierte - entsprach offenbar doch den Tatsachen.

    Welcher sowjetische Botschafter ist gemeint? Der in Kairo kann nicht gemeint sein. Sollte eine Besichtigung der israelischen Nordgrenze angeboten werden?

    Der oben von mir angesprochene Botschafter ist der israelische in Moskau, der über die sowjetische Warnung auch an Israel berichtete.
     
  4. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Laut dem Buch der Sowjetische Botschafter in Israel.
     
  5. Cannonball

    Cannonball Neues Mitglied

    Der erste kriegerische Akt war die Sperrung der Straße von Tiran durch Ägypten.

    Desweiteren wurden die Israelis immer wieder von den Golanhöhen von Syrern under fire genommen. Die Hetze des Ägyptischen Staatschef und letztendlich die Truppenkonzentration an Israels Grenzen sollte zur Eskalation führen.
     
  6. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Egypt's blockade of the Straits to Israeli ships and ships bound for Israel in 1956 and again in 1967 was a catalyst to the Suez Crisis in 1956 and the Six-Day War in 1967.[1] Despite this, according to Major General Indar Jit Rikhye, military adviser to the United Nations Secretary General, the accusation of a blockade was "questionable," pointing out that an Israeli-flagged ship had not passed through the straits in two years, and that "The U.A.R. [Egyptian] navy had searched a couple of ships after the establishment of the blockade and thereafter relaxed its implementation."[2]

    Straits of Tiran - Wikipedia, the free encyclopedia

    Ein Kriegsakt sieht etwas anders aus.
     
  7. Cannonball

    Cannonball Neues Mitglied

    Deshalb schrub ich ja auch kriegerischer Akt. Die Sperrung einer internationalen Wasserstraße, um einem evtl. Feind Schaden zuzufügen ist ein kriegerischer Akt, nach internationalem Recht.
    Die Sperrung der Straße von Tiran verstieß gegen die Konvention über Hoheitsrechte auf See und in den angrenzenden Zonen. Ein klassischer Casus Belli. Ebenso hat sich die Türkei eines kriegerischen Aktes schuldig gemacht, als sie in Kenntnis eines beabsichtigten Blockadebruchs diesen nicht verhindert hat.
     
  8. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Du widersprichst dich. Der "Kriegerische Akt" wäre in deiner Logik die Blockade die von den türkischen Schiffen gebrochen werden sollte. Die Gewalt bei der Durchsetzung sowieso. Das fällt aber bereits unter Tagespolitik und verstößt gegen die Forenregeln.
     
  9. Cannonball

    Cannonball Neues Mitglied

    Nein, sogar die UN mußte zähneknirschend feststellen, dass die Blockade des Gazastreifens rechtmäßig ist. Was vorher Seekriegsrechtler zweifelsfrei festgestellt haben, wurde von den Vereinten Nationen zähneknirschend zugegeben. Die Hamas befindet sich mit Israel in einem bewaffneten Konflikt auf den das Kriegsrecht in weiten Teilen anzuwenden ist.

    Gaza BLockade legal....
     
  10. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Hinweis der Moderation

    Bitte haltet euch an die Forenregeln. Die besagen:

    Wir werden alle Beiträge die in die Tagespolitik hineingehen ohne Kommentar löschen.
     
  11. Cannonball

    Cannonball Neues Mitglied

    Weiter.......

    Die Sperrung der Straße war ein Kriegsgrund. Die Drohungen durch die Ägypter ein weiterer, sowie die Angriffe aus Syrien. Temporär ansteigend von 1965 angefangen bis letztendlich hin zu Israels pre-emptive Strike.
     
  12. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    ...weiter wohin?

    Hier kannst du dich einmal in die Komplexität des Themas einlesen, bevor solche Plattheiten aus irgendwelchen Blogs und Politikforen produziert werden:

    Ann Ellen Danseyar: Legal Status of the Gulf of Aqaba and the Strait of Tiran, BCICLR 1982, S. 127-174
    http://lawdigitalcommons.bc.edu/cgi...a1gBA#search="strait aqaba international law"

    Dass hier die herrschende Meinung zu dem komplexen Problem wiedergegeben wird, kannst du Dir durch google leicht bestätigen lassen.

    Danach war 1956 wie 1967 selbst die Qualifizierung als Wasserstraße strittig, und abhängig von der mehrheitlichen Staatenpraxis bzgl. der 3 oder 12-Meilen-Zone, daneben von weiteren hoch umstrittenen Definitionsfragen auf UN-Ebene.

    Schlußsatz (selbst bei Rechtslage nach dem späteren ägyptisch-israelischen Friedensvertrag):

    "A binding legal agreement between all four litteral states is necessary for a satisfactory resolution of the Gulf's status. Until that timne, the rights and the duties of the nations bordering the Gulf will be governed by differing regimes, and the status of the Gulf in particular will be defined by political, rather than legal, considerations."

    Bevor also hier mit irgendwelche "Rechtslagen", Kriegsgründen, "kriegerischen Akten", Passagerechten, "Internationalen-Wasserstraßen"-Deklarationen betreffend "the open sea" um sich geworfen wird, wäre es angebracht, den Meinungsstand 1956 wie 1967 zur Völkerrechtslage zutreffend und in seiner ganzen Komplexität zu beschreiben. Bdaian liegt damit mit dem Hinweis auf "questionable" ganz richtig.

    Klar ist dabei gar nichts, es sei denn, man übt sich in selektiver Wahrnehmung.:pfeif:
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. März 2012
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  13. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Folgendes Material wurde mir von TomCooper zur Verfügung gestellt:

    "There is still considerable debate between academics regarding Soviet involvement and responsibility for the outbreak of hostilities in the Middle East on 5 June 1967.

    Some scholars argue that Moscow instigated the war in order to increase Arab dependence on Soviet aid, even though it had no desire to bring about the destruction of Israel. Others contend that the Soviet leadership was divided over the issue of Middle East policy as a result of a power struggle between members of the top political leadership in Moscow, with the ‘adventurous’ group – led by the Secretary of the Soviet Communist Party (CPSU) Leonid Brezhnev – being prepared to go to war and instigating a conspiracy to precipitate an armed conflict, while the other was sceptical about the Arabs being prepared for a war and therefore advocated a cautious policy.

    A third variant contends that Moscow had no desire to encourage a war against Israel and only attempted to avert the danger of a potential Israeli attack on Syria. According to this variant, President Gamal Abd el-Nasser misinterpreted these intentions and blocked the Gulf of Aqaba without Moscow’s knowledge.

    New archival evidence, based on Brezhnev’s secret report at a plenary session of the Central Committee of the CPSU on 20 June 1967 was obtained from the Polish archives as a part of a recent research project on the Cold War in the Middle East undertaken by the Chaim Herzog Center for Middle East Studies and Diplomacy at Ben-Gurion University of the Negev, in Israel, in cooperation with the Cold War International History Project (CWIHP) of the Woodrow Wilson International Center for Scholars.

    Armed conflict but also that the June 1967 War was the result of grave miscalculations by the top leaders of the Central Committee of the CPSU concerning their ability to control the Arabs. It confirms that there was no Soviet conspiracy to destroy Israel but that Moscow suspected that Israel was planning an act of aggression against Syria. Determined to rescue the government in Damascus, the Soviets informed Egypt about the (supposed) Israeli mobilisation, hoping to manipulate Nasser into assisting Syria through concentrating Egyptian armed forces on the border with Israel. While relatively apologetic in tone, the document in question does not shed light on the controversial information regarding the supposed concentration of Israeli troops on the Syrian border, as conveyed to the Egyptians by the Soviet government in mid-May 1967. Interestingly, it does not even link that action with the outbreak of hostilities.

    Furthermore, the same document shows that Moscow mistakenly estimated that Israel was militarily weak and could not cope with a war on two fronts, and therefore Moscow consented to the ejection of United Nations (UN) peacekeeping forces from Sinai. However, from that point onwards, Moscow lost control of the crisis. The Soviets were taken aback by Nasser’s blockade of the Gulf of Aqaba without having first consulted them, and then by Israel launching a swift attack that resulted in a victory within only six days. Even so, Moscow was not inclined to take any military action against Israel. It was only when the occupation of Damascus by the Israeli Defence Forces (IDF) seemed imminent that the Kremlin sharply increased pressure upon Israel and even resorted to military threats. These threats in turn forced the US President Lyndon B. Johnson to intervene and persuade the Israeli government to stop the fighting.

    For details on this document, see Uri Bar-Noi, The Soviet Union and the Six-Day War: Revelations From the Polish Archives, Cold War International History Project at the Woodrow Wilson International Center for Scholars, e-Dossier No. 8, based on ‘On Soviet Policy Following the Israeli Aggression in the Middle East’, by Comrade L. I. Brezhnev to the Plenum of the Central Committee of the CPSU, 20 June 1967, Archiwum Akt Nowych. (Polish document describing the speech given by Brezhnev to the Plenum of the Central Committee of the CPSU on the actions undertaken by the Soviet leadership before and during the 1967 Arab-Israeli War.)

    Nachzulesen auch in Cooper/Nicole/Salti: Arab MiGs, Volume 2 + 3.
     

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