Maneaters! menschenfressende Raubtiere

Dieses Thema im Forum "Kultur- und Philosophiegeschichte" wurde erstellt von El Quijote, 18. Dezember 2019.

  1. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich habe es heute geschafft diesen Thread zu löschen, daher die Rekonstruktion aus dem Google Cache.

    #1 Scorpio, 15.12.2010
    Seit Jahrtausenden beherrscht der Mensch die Natur, gestaltet sie nach seiner Façon. Er hat etliche Arten ausgerottet oder an den Rand der Ausrottung gebracht. Er hat Nahrungskonkurrenten und Beutegreifer dezimiert, ihre Habitate verändert und ihren Lebensraum beschnitten.

    Doch immer wieder gab es und gibt es immer wieder Fälle, die beweisen, dass der Mensch nicht unbedingt das Ende der Nahrungskette ist, und es verdankt das kollektive Gedächtnis der Menschheit, es verdankt der Fundus an Geschichten, Mythen, Sagen und Legenden seine Existenz dieser vom Menschen verdrängten Ahnung.

    Sicher sind am Stich von Moskitos mehr Menschen gestorben, als jemals von Großkatzen, Haien, Bären etc. getötet wurden, ebenso wie weit mehr von Pferden zertrampelt, als von Wölfen zerfleischt wurden.

    Doch hat der Gedanke, verspeist zu werden, etwas weit Beunruhigenderes an sich, als bloß getötet zu werden. Von einem Stier aufgespießt oder einem Elefanten totgetrampelt zu werden, ist schrecklich, doch die Vorstellung als Bären- oder Tigerkot zu enden, ist unerträglich.

    Herakles und Samson und selbst noch Old Shatterhand balgten sich mit (asiatischen) Löwen herum, die Homer in unzähligen Gleichnissen verewigt hat und die noch zu Xerxes Zeiten in Makedonien heimisch waren. Bei St. Georg dürfte es sich um ein Nilkrokodil gehandelt haben. Tatsächlich ist die Zahl der "Menschenfresser" im Tierreich ausgesprochen gering und beschränkt sich auf einige Großkatzen, Hyänen, Fische, einige Bärenarten und Canide. Dazu fähig wäre dazu der Komodowaren, das nil- Leisten- und Muggerkrokodil. aus Europa und Indien sind einige Berichte überliefert von menschenfressenden Wölfen, darunter meist Kinder und Frauen. bei den Bären sind Fälle von Braun- Eisbären und asiatischen Schwarzbären, sowie vom indischen Lippenbär überliefert.

    Legendär wurden die Tigerin von Champawatt und der Leopard von Rudraprayak, der seine Opfer entlang einer Pilgerroute riss, biss er Anfang der 20er Jahre von Jim Corbett erlegt wurde.

    Beim Bau der Eisenbahnlinie nach Nairobi, verköstigten sich die "Menschenfresser von Tsavo" an den Bahnarbeitern, es handelte sich um zwei mähnenlose Männchen, genannt "The Ghost and the Darkness".

    Viel gemunkelt wurde über die Bestie vom Gevaudon, doch eindeutig geklärt, was es für ein Raubtier, ein Wolf, ein Wolfhybride) war, wer dahintersteckte wurde bis heute nicht.

    Real waren allerdins die Wölfe vom Perigord, ein kleines Rudel von 4 menschenfressenden Wölfen, die 1766 ihr Unwesen trieben oder der Wolf von Soisson, der 1765 erlegt wurde und einige Dutzend Menschen, meist Kinder und Jugendliche getötet und teilweise verzehrt hatten.

    Es sind die Zahlen von maneater, gemessen an der Gesamtpopulation exterem gering. Der Jäger und Naturschützer Jim Corbett äußerte sich zur Frage, was machte einen Tiger/ Leopard zum maneater.

    In den meisten Fällen waren es alte Verletzungen durch Stachelschweinstacheln oder Schußverletzungen. Es ist/ war auch selten so, dass ein Tier, dass den menschen als Beute erkannt hatte, nur noch an dieser beute interssiert war. Eine Ausnahme schien die Tigerin von Champawartt zu sein, die über 400 menschen verspeist hatte. Diese war durch einen Vorderladerschuss verkrüppelt worden. Oft durch einen Zufall entdeckte das Raubtier den menschen als Beute. bei Leoparden machte Corbett die Bestattungsgewohnheiten in indien verantwortlich. Oft fehlte es an Brennholz, den Leichnahm vollständig zu verbrennen, und die Leoparden gewöhnten sich daran. Diese wurden oft mehr gefürchtet, als Tiger, da sie meist nachts angriffen und dabei auch in die Dörfer kamen, während Tiger Menschen beim Holzsammeln und beim Wasserholen attackierten.

    Ein Sonderfall stellen heute noch die Tiger in den Sunderbans, dem Gangesdelta dar, wo es außergewöhnlich viele Maneater gab/gibt, die nicht durch Verletzungen behindert sind. Viele Honigsammler tragen daher Masken mit Gesichtszügen auf dem Hinterkopf, die Tiger vom angriff abschrecken sollen. Viele Experten vermuten dass die große Zahl an Überschwemmungstoten und unzureichend verbrannten Leichen die vom Ganges angeschwemmt werden, dafür verantwortlich sind, dass die Tiger Gefallen an dieser Kost finden jedenfalls die Furcht vor Menschen verlieren.

    Das war übrigens auch der Fall beim Wolf von Gysinge in Schweden. Dort trieb 1820-21 ein menschenfressender, einzelner Wolf sein Unwesen, der jede Furcht vorm Menschen verloren schien und Kindern nachstellte. Ihm fielen 15 Kinder und Jugendliche zwischen 3 und 15 Jahren zum Opfer, das älteste Opfer war ein junges Mädchen Frau von 19. Es stellte sich heraus, im Dorf Gysinge seinen Unterschlupf nahm, und dass er bereits 1817 als Welpe in menschliche Gefangenschaft geraten und einige Jahre unter Menschen gelebt hatte, bis er flüchtete oder ausgesetzt wurde. Als einzelner Wolf ohne Rudelanschluss konnte er nicht ausreichend Beute jagen, und durch den Kontakt mit Menschen hatte das Tier die Scheu vor ihnen verloren und den Menschen als Beute entdeckt.

    Der Wissenschaftsjournalist David Quammen bedauert in seinem "Monster of God (Das Lächeln des Tigers) den Verlust der großen "Gipfelräuber" wie er sie nennt, nicht nur für das Ökosystem, sondern auch für das kollektive Gedächtnis der Menschheit, wenn es sibirische Tiger, Braun- und Eisbären-, asiatische Löwen, bengalische Tiger und Leoparden nur noch in Zoos und einigen kleinen Reservaten gibt.
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    #2 balticbirdy, 16.12.2010
    Alle landlebenden Gipfelraubtiere (Ausnahme Eisbär) unterliegen seit etlichen Jahrtausenden einem Selektionsdruck in Richtung Scheuheit vor dem Menschen. Fast immer lässt sich bei "cattle- und man-eatern" eine Erklärung finden, die darauf hinausläuft, dass wildlebende Huftiere als Nahrung nicht zur Verfügung standen. Sei es wegen einer behindernden Verletzung des Raubtieres oder weil der Mensch in seine Lebensräume vordrang und die Beutetiere selbst reduzierte.
    Auch wenn "Pannen" nie auszuschließen sind, es gibt Beispiele dass Großraubtiere und Mensch koexistieren können, ganz ohne Zoos und abgezäunte Reservate.
    - In Teilen Indiens und Afrikas leben Leoparden in den Peripheriebereichen von Metropolen und kaum jemand merkt es. Hauptbeute sind die Massen herrenloser Pariahunde.
    - In Deutschland gibt es jetzt wieder mehrere (z.Z. 8) sich reproduzierende Wolfsrudel. Ein Schäfer, der seine Herde ohne Hunde und Elektrozaun nachts draussen lässt, ist selbst schuld.

    Die letzte "Wolfsplage" in Mitteleuropa war auch menschengemacht. Im strengen Winter 1812/13 gelangten viele Wölfe im Gefolge von Napoleons geschlagener "Grande Armee" nach Ostdeutschland, wo sie eigentlich schon ausgerottet waren. Die unzähligen auf dem Rückzug hinterlassenen Pferdekadaver (und menschlichen Leichen) waren geradezu eine Einladung.

    R. Sommer (1999): Der Wolf in MVP - Vorkommen und Geschichte -Der Pfeilstorch 4
     
  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    #3+4 Scorpio, 16.12.2010
    Wie gesagt, die Probleme mit "Maneaters" sind in den meisten Fällen "manmade". Dabei sollte man auch keinesfalls vergessen, wie selten sie sind. Ein Beutegreifer, egal ob Fisch, Reptil oder Säugetier muss schon recht fit sein, um Beute zu schlagen. Bei vielen allein jagenden Predatoren sind nur etwa 25% aller Jagden erfolgreich. Wird das Wild knapp, verkleinert sich das Habitat wird der Druck umso größer. Ein Tiger, Panther; Löwe, der nicht mehr so richtig kann, wird in den allermeisten Fällen nicht zum Maneater, sondern geht ein.

    Oft ist es dann ein unglücklicher Zufall, der zu verheerenden Folgen führen kann: Es bückt sich jemand nach einer Wurzel oder um Wasser zu schöpfen. Corbett berichtete von einem Holzfäller, der sich an einem gestürzten Baum zu schaffen machte, unter dem dummerweise eine Tigerin ruhte. Aus dem "Mankiller" aus Versehen wurde ein gefürchteter Maneater, der sein Verhalten und seine Jagdtechniken auf die Beute Mensch spezialisierte, wenngleich die Tigerin auch andere Beute geschlagen haben muss, denn bei den Abständen der Risse von Menschen, hätte das Tier verhungern müssen, hätte es nicht auch natürliche Beute wie Wildschweine, Sambar- und Axishirsche erbeuten können.


    Einige Gründe, die Predatoren zu Maneatern machen können, wurden ja schon genannt. Meist waren Verletzungen, Mangel an natürlicher Beute, Habitatschwund die Ursachen, und ein dummer Zufall wurde dann zum Anlass, dass diese Ursachen furchtbare Wirkung zeigten.

    Ich habe gelesen, dass die meisten Maneater kein festes Territorium besetzen oder besetzen können und ihren Standort häufig wechseln. Hat ein solches Tier Chancen sich zu paaren und gibt es Informationen darüber, dass Nachkommen von Maneaters auf die gleiche Art verfallen, sich zu verköstigen? Können Großkatzen, Hunde, Bären oder Hyänen überhaupt geschmackliche Nuancen zwischen Sambarhirsch, Wildschein und Mensch wahrnehmen? Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Raubtier nur durch den Genuss von Menschenfleisch auf den Geschmack kommt, wenn es dieses Fleisch nicht eindeutig als "Zweibeiner" identifiziert.

    Ich vermute, dass ein Beutegreifer erst durch mehrfache Gelegenheit erlernt, aha, dass sind tote Zweibeiner, die kann man also fressen, davon liegen ja jede Menge herum.... gesegnete Mahlzeit! Reicht das aber schon aus, um ein Raubtier die Furcht vorm Menschen zu verlieren, oder muss ein Maneater dann erst noch weitere Erfahrungen sammeln? Muss erst Interesse für die Beute Mensch entwickeln? So etwa nach dem Motto: aha, die kann man also fressen, es gibt viele davon, vielleicht kann man sie auch jagen und töten?

    Es gibt Beispiele dafür, dass sich Raubtiere auf eine bestimmte Beute spezialisieren, bzw gewisse Jagdtechniken dafür entwickeln. Vor der Küste Patagoniens haben sich manche Orcawale auf die Jagd nach jungen Seelöwen spezialisiert. In manchen Gegenden Afrikas nehmen Kaffernbüffel einen hohen Stellenwert als Beute für Löwen ein, die dafür eigene Jagdtechniken kultiviert haben.

    Was ist mit Jungtieren eines Maneaters, der sich in seiner Jagdtechnik auf die Beute Mensch eingestellt hat, daneben aber noch Sambars, Axishirsche, Nilgaiantilopen oder Wildschweine erbeuten kann? Werden solche Tiere das gleiche Verhalten übernehmen?
     
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    #5 Balticbirdy, 16.12.2010
    Grundsätzlich müssen junge Beutegreifer ihre Jagdtechniken von der Mutter erlernen. So kommt es zu solchen tradierten Spezialisierungen wie bei den patagonischen Orcas.

    Im Falle von beutespezialisierten "Maneaters" (Die man von "Gelegenheitstötungen" unterscheiden sollte.) ist es nicht anders, nur konnte sich dieses Verhalten aus naheliegenden Gründen nie zur generationenübergreifenden Tradition ausbilden.
    In der Tigermonographie von Mazak (Neue Brehm Bücherei) wird ein Fall beschrieben, wo die fast erwachsenen Jungen einer Maneaterin diese Praxis mitmachten, Originalquelle ist auch hier vermutlich Jim Corbett. Leider habe ich das Buch gerade nicht neben mir zu liegen, dort finden sich auch mehrere makabere Tatortfotos.
     
  5. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    #6 Scorpio, 16.12.2010
    Da würde ich gerne noch mal einhaken und mich vom Experten schlau machen lassen. Es sind auf die Evolution bezogen 200- 500 Jahre ein Wimpernschlag, doch fiel mir auf, dass Fälle in denen Wölfe Menschen angriffen oder gar ihnen nachstellten, in Europa weitaus häufiger waren, als in Nordamerika. Könnte es tatsächlich sein, dass die stärkere Bejagung in Nordamerika dafür verantwortlich war, wo das Jagdrecht nicht so feudal war und fast jeder Schusswaffen besitzt?
     
  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    #7 Wilfried, 16.12.2010
    Na, eher an der Siedlungsdichte der Menschen. Den armen Viechern blieb in Europa ja nix anderes über , als Menschen anzufallen. Abhauen, wohin? Die meisten "Wolfsattacken" sind , nüchtern betrachtet, Unfälle durch menschliche Überheblichkeit. Die Angriffsdistanz bei Bedrohung ist beim Wolf wohl deutlich höher als beim Hund. Liest man die Geschichten, waren es einzelne Wölfe oder / und Tiere, die das Opfer vertreiben wollte.

    Von Unfällen aus Rumänien, Spanien und Italien geht seltsamerweise nix durch die Medien.
    Und ich habe mal in einem Film mehrere Wölfe in nachts in einer rumänischen Vorstadt gesehen.
     
  7. El Quijote

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    #8 Balticbirdy, 16.12.2010
    Wenn es "Unfälle" mit Menschen gäbe, so könntest du dich drauf verlassen, davon auch zu lesen. Bei (nachweislichen !) Schafrissen zahlt die Behörde Ersatz und gut ist es. Bei dem Film geht es um Wölfe und Bären, die nachts in Brasov (Kronstadt) eindringen.

    Das glaube ich nicht. Ob die ganzen mittelalterlichen Schauergeschichten aus Europa so stimmen, bezweifle ich auch. Dass es in Amerika kaum Einzelvorkommnisse gab, liegt eher daran, dass die Tollwut dort früher gar nicht vorkam.

    Tauchte mal im 18. Jahrhundert ein Wanderwolf in Pommern oder Sachsen auf, war sofort die Hölle los. Bauern mussten mitten in der Ernte die Sense fallen lassen und als Treiber dienen. Außerdem wurden Prämien gezahlt, die man sich auch ohne Feuerwaffe verdienen konnte. 1817 betrugen die in Hinterpommern für eine alte Wölfin 12 Reichstaler, einen Wolf 10 Reichstaler, einen Nestwolf 4 Reichstaler und einen neugeborenen Wolf 1 Reichstaler. Es wurde im Gegensatz zu früher hier sehr genau abgestuft, weil es pfiffige Bäuerlein gab, die die tragende Fähe bewusst bis zum Wurf schonten (Quelle: R. Sommer, siehe Beitrag 2). Außerdem wurden Wolfsteile aus Osteuropa geschmuggelt und hierzulande zur Auszahlung den Behörden vorgelegt. Amtliche Belohnungen gab es auch für Adler, Fischotter und anderes "schädliches Raubgethier".

    OT: Wer kann sagen, welches Kaufkraftäquivalent diese Prämien hatten?
     
  8. El Quijote

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    #9 Brissotin, 16.12.2010
    Für einen Durstigen: Für nen Taler kannst Du ewig lang saufen. Ich hatte mal für das 18.Jh. ausgerechnet wie lange ich für einen Taler saufen kann (Bier). Ein halbes Maß lag bei 2 Pfennigen. Mehrere hundert Bier konnte ich auf jeden Fall dafür kaufen. Also wenn das nichts ist... Prost!
     
  9. El Quijote

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    #10 Balticbirdy, 16.12.2010
    Danke @Brisso. Heute geht ein Abschuss in die Brieftasche.
    Geldstrafe für Wolfsschütze Wendland

    Da die meisten Jungwölfe (Dieses Jahr in Deutschland 28) spurlos verschwinden, sobald sie zu wandern anfangen, gilt unter konservativen Jägern offenbar SSS (Schiessen, Schaufeln, Schweigen).
     
  10. El Quijote

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    #11 Brissotin, 16.12.2010
    Ist leider (oder zum Glück) hier OT, aber das klingt mir nicht gerade nach einer waidmännischen Auffassung, auch wenn ich sie leider für denkbar halten muss.

    Die Wölfe waren also wenn dann nur noch im Nordosten von Dtl. im frühen 19.Jh. anzutreffen. Sehr interessant.
    Gab es Wanderungen auch von Westen her? Man kennt ja spätestens seit "Pakt der Wölfe" die Geschichte aus Frankreich um den Wolf, der Menschen anfiel und dessen Jagd auf ihn historisch verbürgt ist. (Es gab auch mal eine gute Dokumentation zu der Thematik.) Aber ich will das Thema nicht zu sehr daran hängen, weil wir dazu, glaube ich, schonmal einen Thread hatten, der auch nicht viel (mangels Quellen unsererseits) einbrachte.
     
  11. El Quijote

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    #12 Balticbirdy, 16.12.2010

    Zum Thema Wolf im Westen.
    Die letzten Wölfe unserer Heimat

    Danach haben sie sich in den linksrheinischen Waldgebieten länger gehalten als auf dem platten Land im Nordosten.
     
  12. El Quijote

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    #13 Scorpio, 16.12.2010
    Das waren durchaus stattliche Prämien, 10- 15 rthl entsprach in etwa der Summe, die als Handgeld für einen rekruten ausgegeben wurde, je nach dessen Alter, Geschicklichkeit und verhandlungstalent des Rekruten und je nach Bedarf auf dem Soldatenmarkt.

    Für einen Schutzbrief über ein Jahr musste Abraham Gutkind aus dem Ort Frielendorf im Jahre 1797 12 rthl und 16 Albus an den Landgrafen von Hessen- Kassel zahlen. Der Bargeldumlauf auf dem flachen Land war gering und ein gewisser Johann Siebert lieh von dem Schutzjuden Leib Wallach 1 Rthl und 16 Albus, die er gegen 6% Zinsen im Verlauf von 12 Jahren zurückzahlte. Leib Wallach ließ sich die Zuzugsgenehmigung für einen Verwandten, der bei ihm als Knecht diente 200 hessische Gulden kosten.
    Es handelte sich bei diesen Abschussprämien durchaus um Summen, die dem Monatslohn eines Arbeiters oder Tagelöhners entsprach.

    Soweit ich weiß, waren Wölfe auch niemals ein privilegiertes Hochwild, dessen Erlegung wie bei Bären dem Adel vorbehalten war. Wölfe galten sozusagen als "vogelfrei" und durften selbst von Scharfrichtern erlegt werden.

    Der Fall des Wolfs von Gysinge führte dazu, dass Wölfe in Schweden noch erbarmungsloser gejagt und im Verlauf des 19. Jahrhunderts dort auch ausgerottet wurden.
     
  13. El Quijote

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    #14 Maglor, 16.12.2010

    Vielleicht noch ein Kuriosum aus dem Paläolitikum.
    Das Kind von Taung, ein Australiopithecus, wurde Opfer eines Greifvogels.
    Greifvögel spielen im Mythos Menschenfresser teilweise auch ihre Rolle. (Auch wenn Australipithecus noch kein Mensch ist.)
     
  14. El Quijote

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    #15 Balticbirdy, 16.12.2010
    So weit in die Vergangenheit muss man gar nicht gehen. Was ist wohl passiert, wenn ein auf sehr große Laufvögel spezialisierter Greifvogel plötzlich dem gerade gelandeten Homo sapiens begegnete?
    http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,649112,00.html
     
  15. El Quijote

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    #16 ZaphodB., 16.12.2010
    Na ja, das erbeuten von Kindern sagte man auch dem alpinen Lämmergeier nach.

    Da wir aber ein Geschichtsforum sind, sollte sich hier eigentlich die Frage stellen, ob und welche historischen Auswirkungen die Existenz von "maneatern" im Einzelfall hatte.
    Ich sehe bisher allerdings keine.
     
  16. El Quijote

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    #17 Balticbirdy, 16.12.2010
    Ziemlich engstirnig, gell. Das sehe ich anders, erinnert sei an die historischen Prämienzahlungen für erlegte Wölfe und den Zusammenhang des Phänomens "Raubtierplage" mit Kriegs- und Notzeiten.
     
  17. El Quijote

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    #18 Repo, 16.12.2010

    Nochmals zum Wolf.

    1831 wurde auf der Schwäbischen Alb zwischen Neufra und Gammertingen "der letzte Wolf Hohenzollerns" nach längerer vergeblicher Jagd erlegt. "Negativ aufgefallen" war der Wolf, da er immer wieder in Schafpferche einbrach
    Das Viech wurde präpariert und hinter einer Art Schaufenster im forsthaus im hohenzollerischen Park in Krauchenwies ausgestellt.
    150 Jahre lang haben Generationen von Kindern schaudernd dem Wolf in die Glasaugen geguckt.
    inzwischen steht er, neu "aufbereitet", im Sigmaringer Schloss.

    Soweit nichts besonderes.

    Die Geschichte hat aber einen Nachklapp. Mit dem wir überhaupt wieder bei der Gefährlichkeit des Wolfs sind.
    Dieser Wolf war nämlich gar nicht der letzte. Er hat eine Wölfin als Witwe hinterlassen, die, wie es manchmal so ist, deutlich schlauer war. Hat die Zähne von Schafen und anderem dem Menschen nützlichen Tieren gelassen, und hat auf die Art und Weise noch etliche Jahre in der Gegend gelebt.
    Bis sie schließlich einem Jäger vor die Flinte lief.
    Da man um "den letzten Wolf" ein jenseits Gedöns veranstaltet hatte, mit Gedenkstein, Wolfs-Fest usw. usf. hat man die Wölfin, den Allerletzten schnellstens in der Abdeckerei "entsorgt."

    so still und heimlich, dass die wahre Geschichte vom "letzten Wolf Hohenzollerns" heute kaum einer kennt.
     
  18. El Quijote

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    #19 Silesia, 16.12.2010

    Krokodile sind hier bislang wohl nicht genannt, liegt wohl am europäischen Fokus.

    Zu nennen wäre einmal das Nilkrokodil. Den Maneater "Gustave" findet man im Internet, aber das ist wohl bei der früher weiten Verbreitung nur eine Episode in dem Kontakt von Mensch und Krokodil in Afrika.
    Gustave the Killer Crocodile - National Geographic Adventure Magazine

    Es gibt weiterhin zu Salzwasser-Krokodilen (von Indien bis Australien) auch eine Episode aus dem Zweiten Weltkrieg, die nach Berichten eine sehr hohe Opferzahl forderte:
    Massacre by Crocodiles on Ramree Island - Wild world - Nature, conservation and wildlife holidays
    Battle of Ramree Island - Wikipedia, the free encyclopedia
     
  19. El Quijote

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    #20 Balticbirdy, 16.12.2010
    Auf dem Alexanderzug fielen am Indus einige unvorsichtige Makedonen Krokodilen (ganz sicher Sumpfkrokodil ? Wikipedia ) zum Opfer. Daraus resultierte der Schluss, man sei am Nil und könne nach Hause kommen, indem man einfach abwärts fährt.
     
  20. El Quijote

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    #21 Galeotto, 16.12.2010
    Bei Krokodilen dürfte das ein völlig normales Verhalten sein. Wenn sie eine entsprechende Größe haben, fällt der Mensch in ihr ganz normales Beuteschema. Sie scheinen nicht die bei Säugetieren übliche Scheu vor dem Menschen zu haben. Wenns im Wasser platscht ist Essenszeit, egal wie das Wesen aussieht welches hineingefallen ist. Bei Alligatoren und Kaimanen verhält es sich etwas anders, da kommt es entschieden seltener vor ,dass sie sich einen Zweibeiner schnappen. Sie sind an kleinere Beutetiere gewöhnt.
     

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