Maoismus in der Mongolei

Dieses Thema im Forum "Indien | Ferner Osten" wurde erstellt von YoungArkas, 12. Januar 2013.

  1. YoungArkas

    YoungArkas Neues Mitglied

    Kennt jemand Quellen zum Maoismus in der Mongolei, vor allem in der Zeit direkt nach dem Chinesisch-Sowjetischen Bruch in den 60ern? Ich beschäftige mich aktuell mit der Geschichte des Kommunismus in Drittweltländern während des KK und finde nichts über den Einfluss, den China nach dem Bruch des Bündnisses mit der UdSSR auf die Mongolei ausgeübt hat, wenn ein solcher Einfluss überhaupt bestand.
     
  2. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    @YoungArkas

    Da hast Du Dir aber ein sehr kompliziertes Thema vorgenommen. Aber reizvoll. Tschoibalsan war Stalinist durch und durch, da wirst Du nichts finden.

    Ist aber auch vor Deinem UZ.

    Nur so als ferner Rat, schau Dir die Parteitagsbeschlüsse der MRVP an, insbesondere in Bezug auf die besondere Situation von agrarisch geprägten Ländern beim direkten Übergang zum Sozialismus, vllt. lassen sich da Pralellen zum "Großen Sprung" finden. Den dabei hatten es die Ideologen schwer, die marxistische Theorie mit der realen Machtsituation in Übereinstimmung zu bringen, "Überspringen einer Gesellschafftsordnung", nämlich der kapitalistischen.

    Da ich des mongolischen nicht mächtig bin, kann ich auch keine Quellen benennen.

    Aber das Problem des "Überspringens" der kapitalistischen Gesellschaftsformation war ein zentrales Problem der sozialistischen Ideologie, auch des Maoismus, im Hinblick auf auf vorindustriell geprägte Gesellschaften und somit der sog. "Dritten Welt".

    Vllt. eine Anregung.

    M. :winke:
     
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  3. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    Also, ich könnte Dir da nur mit ein paar Auszügen aus der Rede von Jumshagin Zedenbal, 1. Sekretär des ZK der Mongolischen Revolutionären Volkspartei, helfen.
    Diese Rede hatte er zur Internationalen Beratung der Kommunistischen- und Arbeiterparteien im Moskau (5.6 – 17.06.1969) gehalten.

    Da führte er u.a. aus:

    „Als ein Nachbarstaat Chinas spürt die Mongolisch Volksrepublik unmittelbar die Auswirkungen der antisozialistischen Politik der Gruppe um Mao Tse-tung und ist den feindlichen Angriffen in den unterschiedlichsten Richtungen ausgesetzt. Die Pekinger Führer versuchen, unserem Lande ihre antimarxistische Linie aufzuzwingen, und üben einen daher seit einigen Jahren einen unmittelbaren politischen, wirtschaftlichen und ideologischen Druck auf uns aus.
    Die starke Einschränkung der Wirtschaftsbeziehungen seitens der chinesischen Stellen sowie jeder Art von Zusammenarbeit mit der Mongolischen Volksrepublik fügte und fügt der Volkswirtschaft unseres Landes großen Schaden zu.
    Die Mao-Gruppe betreibt eine zügellose antimongolische Kampagne.
    Große Mengen an subversiver Literatur werden in die Mongolei eingeschleust, Tag und Nacht werden von Lügen und Verleumdungen strotzende Sendungen ausgestrahlt. Ständig ruft Peking unser Volk dazu auf, sich gegen die Revolutionäre Volkspartei zu wenden, die Volksregierung zu stürzen und die bestehende Gesellschaftsordnung zu liquidieren.“

    Damit soll’s für erste erst einmal genug sein.
    Falls Du es wünschst, setze ich gern diese Rede fort.
     
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  4. YoungArkas

    YoungArkas Neues Mitglied

    Sowas passiert, wenn man als Politikwissenschaftler unter den Zeithistorikern wildert. Tschoibalsan ist mir tatsächlich etwas früh unterwegs, aber ich geh auch nicht davon aus, dass ich auf einmal eine Lobeshymne eines mongolischen Funktionärs der MAXN finde, der den Maoismus in höchsten Tönen lobt.


    Solche Quellen suche ich grade. Denn letztlich war das die ideologische Herausforderung in allen Drittweltländern, den Kommunismus ohne Kapitalismus zu verkaufen. Die Lage der Mongolei zwischen zwei nicht-befreundeten sozialistischen Staaten mit unterschiedlichen ansätzen macht grade die Mongolei zu einem interessanten Untersuchungungsgegenstand, da grade dort der Maoismus in sozialistischen Augen die bessere Lösung gewesen wäre, man aber an die Sowjetunion gebunden war.


    Selbst wenn du mongolische Quellen hättest, würde mich das auch vor die Probleme stellen, dass mein mongolisch nicht mal ansatzweise vorhanden ist.

    "Nur" ist gut. Das ist schon einmal eine Menge. Ich habe beim googlen dann auch gemerkt, dass es sogar zwei Bände über ihn aus dem Dietz-Verlag gibt. Das hilft mir in jedem Fall weiter.

    Da werde ich mal in chinesischen Quellen nachschauen, wie die Wirtschaftsbeziehungen vorher aussahen, wenn ich was darüber finde.

    Da werde ich in jedem Fall an der chinesischen Seite ansetzten und mal sehen, ob diese Anschuldigungen der Wahrheit entsprechen, bzw. in wie weit das realistische Versuche waren. Natürlich muss man die Rede relativieren und bedenken, dass er vor pro-sowjetischen Politikern und der Führung der UdSSR selber sprach und wohl auch auf wirtschaftliche Hilfe hoffte. Trotzdem ist das für meine Sache eine wertvolle Quelle.
     
  5. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    @YoungArkas

    Ich habe mir überlegt, wo ich anfangen würde, Parteitagsbeschlüsse der MRVP und event. auch Einschätzungen hierzu, aus orthodox marxistischer Sicht, zu bekommen.

    Mein Weg würde mich zu dem Archiv des Institutes für Marxismus-Leninismus des ZK der SED führen. Die Website ist suboptimal für eine online Recherche aufgebaut, aber manchmal reicht da auch ein Anruf um fündig zu werden.

    Institut für Marxismus-Leninismus (Hochschulen der DDR) ? Wikipedia

    Ansonsten auch hier:

    Bundesarchiv - Deutsche Demokratische Republik (1949-1990)

    http://www.bundesarchiv.de/imperia/md/content/abteilungen/abtddr/findmitteluebersicht_ddr.pdf


    Dort bei dem Bestand "Parteien und Massenorganisationen", da insbesondere ZK der SED, Abteilung bzw. Sekretariat "Beziehungen zu verbündeten kommunistischen bzw. ml Parteien". Dort u.a. auch die Berichte der jeweiligen SED Delegation zu den Parteitagen der MRVP inkl. der internen Einschätzungen.

    Vorteil, Du überwindest die Sprachbarriere, weil das liegt alles auf deutsch vor.

    Eventuell könntest Du da auch Unterlagen zur KPC finden.

    Ein weiterer Weg, einfach hier anrufen und nach auf deutsch bzw. englisch erschienenen Editionen zu Deinem Thema fragen, die sind meistens sehr hilfreich.

    Botschaft der Mongolei


    M.
     
  6. YoungArkas

    YoungArkas Neues Mitglied

    Danke, ich habe noch eine Quelle ausgegraben: "Socialist Revolutions in Asia: The Social History of Mongolia in the 20th Century". Sobald ich das besorgt habe, werde ich ordentlich anfangen können. Danke für eure Hilfe!
     

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