Marx'sche (marxistische?) Interpretation eines Goethe-Zitates (Faust)

Dieses Thema im Forum "Die Industrielle Revolution" wurde erstellt von sarah_20, 8. Mai 2010.

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  1. sarah_20

    sarah_20 Neues Mitglied

    Halli Hallo !!!

    Also, ich wollte mal was wissen,und die Frage lautet so:

    Goethe im ,,Faust'' - Ihr die Fürsten seid nicht in der Lage,zu bergen (bearbeiten) die Schätze,die die Natur uns liefert.

    Was will Goethe zum Audruck bringen?
    Wie würde das Karl Marx in und mit seinen Worten interpretieren?

    Ich glaub das hat mich Bourgeoise und Proletariat sachen zu tun,oder??

    Danke schon im Voraus!!!
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Bist du sicher, dass dieser Satz im Faust oder sonstwo bei Goethe zu finden ist? Im Faust (I & II) habe ich ihn jedenfalls nicht gefunden und auch Google spuckt nichts verwertbares aus.

    Das ist der Grund, warum ich versuche, dem Satz auf die Spur zu kommen; so aus dem Zusammenhang gerissen wäre der Satz so zu verstehen: Den Fürsten fehlt aufgrund von Standesdünkeln die Bereitschaft unternehmerischen Geist zu entwickeln, also zu wirtschaften anstatt wie bisher in feudalen Strukturen sich auf die Arbeitskraft der Untertanen zu verlassen. Seit dem späten Mittelalter verarmten immer mehr Adelige, und die wichtigen Adeligen hatten im Prinzip immer Schulden bei Städten, Kaufhäusern und Bürgern, denn diese wirtschafteten und verleihen ihr erwirtschaftetes Geld an den Hohen Adel, der damit diverse kostspielige Unternehmungen finanzieren musste, allerdings Unternehmungen, die i.d.R. keinen Gewinn erbrachten, weil sie nicht zu wirtschaftlichem Nutzen gedacht waren.
    Da waren Kriege (die sich evtl. durch Beute decken konnten), Prestigeprojekte (Bauten), Hofhaltung...

    Das musst du Karl Marx fragen.

    Eher nicht. Zu Goethes Zeiten hatte sich noch nicht wirklich ein Proletariat herausgebildet. Klar, es gab Menschen, die außer ihre Arbeitskraft nichts besaßen, aber diese waren meist noch in feudale Strukturen eingebunden, die sich erst langsam auflösten und als Massenphänomen eher noch nicht greifbar. Den Bürger (Bourgeois bedeutet zunächst nichts anderes, wird dann aber mit einer sozialen Differenzierung des Bürgertums seit Marx eher als besonders reicher Bürger verstanden) gab es, aber das war praktisch jeder Stadtbewohner.
     
  3. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Ich sehe wie ElQ auch eher den Bezug auf feudale Strukturen:
    Friedrich Engels - Die Mark

    "Im 14. und 15. Jahrhundert waren die Städte rasch emporgekommen und reich geworden. Ihr Kunstgewerbe und Luxus blühte namentlich in Süddeutschland und am Rhein. Die Üppigkeit der städtischen Patrizier ließ den grobgenährten, grobgekleideten, plumpmöblierten Landjunker nicht ruhig schlafen. Aber woher die schönen Sachen erhalten? Das Wegelagern wurde immer gefährlicher und erfolgloser. Zum Kaufen aber gehörte Geld. Und das konnte nur der Bauer schaffen. Daher erneuerter Druck auf die Bauern, gesteigerte Zinsen und Fronden, erneuerter, stets beschleunigter Eifer, die freien Bauern zu Hörigen, die Hörigen zu Leibeignen herabzudrücken und das gemeine Markland in Herrenland umzuwandeln. Dazu halfen den Landesherren und Adligen die römischen Juristen, die mit ihrer |327| Anwendung römischer Rechtssätze auf deutsche, meist unverstandne Verhältnisse eine grenzenlose Verwirrung anzurichten, aber doch so anzurichten verstanden, daß der Herr stets dadurch gewann und der Bauer stets verlor. Die geistlichen Herren halfen sich einfacher: Sie fälschten Urkunden, worin die Rechte der Bauern verkürzt und ihre Pflichten gesteigert wurden. Gegen diese Räubereien von Landesherren, Adel und Pfaffen erhoben sich seit Ende des 15. Jahrhunderts die Bauern in häufigen Einzelaufständen, bis 1525 der große Bauernkrieg "

    etc.
     
  4. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied

    Wo soll denn das Zitat stehen? Von Goethe ist das sicher nicht.
     
  5. KantHolz

    KantHolz Gast

    Woher gehst du davon aus, dass es eine solche Interpretation überhaupt gibt, oder meinst du die Interpretation, die konkret in der DDR dafür gegeben wurden? Die Germanistik der DDR dichtete den alten Goethe ja gerne mal zum Sozialisten um. Soviel zu Dichtung und Wahrheit...

    @Fürsten und Schätze:
    In Faust II als Mephisto Hofnar am Kaisershof war, retteten sich die Fürsten ja damit, indem sie die Rechte an der Bärgung von Schätzen, die im Boden verborgen gewesen sein sollen, verkauften, etwas das Laut Mephisto seit alters her ein Recht des Kaisers war. DA fielen sicher auch solche Aussagen. Goethe hat sich schon kritisch zur Finanz- und Wirtschafterei geäussert!
     
  6. sarah_20

    sarah_20 Neues Mitglied

    Hey,
    ich habe ja auch die ganze Zeit in Büchern rechechiert und hab kaum was gefunden auf diese Fragen!!
    Also,dieses Zitat ist vom Faust,nur es wurde bearbeitet.
    DAs mit Feudal und so,da habt ihr recht,stimmt. Das hatte ich mir auch gedacht,aber da bleibt die Frage wie das Goethe interpretieren würde??? Ich find einfach keine quellen mehr. -.-
    Aber trotzdem euch viielen dDank leutz!!!
     
  7. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

    Um welchen Abschnitt des Faust es geht und wie er interpretiert werden kann, lässt sich daraus entnehmen:
    http://db.swr.de/upload/manuskriptdienst/wissen/wi122001441.rtf
     
  8. sarah_20

    sarah_20 Neues Mitglied

    Danke!!!!

    Eigentlich hättens wir ja shon...aber dieser MArx..wie würde er das interpretieren?? reicht es nur,wenn man sagt,das mit feudal und so?!
     
  9. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Marx würde die historische Notwenigkeit sehen, bzw. hat die historische Notwendigkeit gesehen, dass das Bürgertum gegen den Adel revoltiert; die Abschaffung der Adelsherrschaft war die Voraussetzung für den technischen und sozialen Fortschritt, dass ein Proletariat entstünde, welches dann seinerseits wieder die Notwendigkeit fühlen würde, das Bürgertum zu entmachten und so schließlich zur klassenlosen Gesellschaft zu kommen.
     
  10. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

    Zusätzlich zu E.Q.
    Ein zentraler Begriff des Marxismus ist die Lohnarbeit. Wertschöpfung und Mehrwert gibt es nur über Arbeit. Der Kaiser will sich wie der Kapitalist ohne eigene Arbeit am von den Arbeitenden geschaffenen Mehrwert bereichern. Der Gebrauchswert der produzierten Güter wird durch den Tauschwert des Geldes ersetzt. Ohne Produktion realer Werte ist das Geld aber wertloses Papier .Reich wird der Kaiser als Vertreter der herrschenden Klasse nicht, wie er meint, (allein) dadurch, dass er Papiergeld (“Wertpapiere”) in Umlauf bringt, sondern nur, indem er sich das Produkt bzw. den Mehrwert der Arbeit der Arbeitenden “aneignet
    Lohnarbeit ? Wikipedia
    Mehrwert (Marxismus) ? Wikipedia
     
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