Maya Wohngebiete

Dieses Thema im Forum "Lateinamerika | Altamerikanische Kulturen" wurde erstellt von Enmerkar, 6. Juni 2011.

  1. Enmerkar

    Enmerkar Neues Mitglied

    Ich lese gerade ein Buch über die Maya (Berthold Riese), und muss sagen ich finde sie ziemlich witzig. Allerdings hab ich eine Frage zu dem Land-Adel, den es ja gegeben haben soll. Wie darf man sich die Wohnsiedlungen vorstellen, wenn jemand am Land wohnte? Ich mein jetzt nicht wie die Häuser ausgesehen haben, sondern die Verbindungen. Die Maya-Städte waren ja riesig, wie sah das "Landleben" der Adeligen Maya aus, lebten die mitten im Regenwald versteckt, oder wie sah das aus? Ich stell mir das ganz schön abgeschieden vor, wenn die Städte das Zentrum waren, und rundherum nur Regenwald in denen Häuser versteckt waren. Haben die Routen durch den Regenwald gebaut was sie als "Land" ansahen - vergleichbar mit unserem Land Heute ? ?!
     
  2. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Der ganze heutige "Urwald" um die Mayastädte ist sogenannter Sekundärwald. Heisst in der Praxis, die Gegend war früher sehr dicht besiedelt, Hausfundamente findet man dort überall.
     
  3. Enmerkar

    Enmerkar Neues Mitglied

    Hast du vielleicht ein Bild, einer Landschaft wie das damals in etwa ausgesehen hat? (Natürlich ohne Häuser). Es mag wohl auch an meiner mangelnden Erfahrung mit der Mittel/Süd Amerikanischen Natur liegen, dass ich mir das nur schwer vorstellen kann..
     
  4. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Nein ein Luftbild von 1000 n. Chr. kann ich nicht liefern. Jedenfalls haben die Mayas (Schätzungen gehen bis 15 Mio.) ihren Lebensraum gründlich ruiniert.
     
  5. Dackelhasser

    Dackelhasser Mitglied

  6. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Da hast du dr ja eine interessante Frage ausgesucht!
    Ich bin immer davon ausgegangen, daß zu den Tempellandschaften immer auch eine nahe angeschlossene lebende Bevörlkerung gab, die nicht administrative und priesterliche Aufgaben übernehmen konnten. Schon alleine wegen der ständigen Bauvorhaben wie etwa anahnd der rekonsturierten Tempelüberbauungen ersichtlich werden kann. Auch die Bauernschaften können zunächst nicht allzuweit fort gewohnt haben, da sie ja gewiß sonst zu weit hätten reisen müssen für die vielen Rituale, denen man wohl beizuwohnen hatte; die Prister der Maya waren schließlich die Repräsentanten der fruchtbaren Naturgottheiten. Im Plan von Tikal etwa ist ein Markt angegeben, wo gewiß die lokal produzierten Gefäße z. B. feil geboten wurden.
    Freilich ist zu bedenken, daß es archäologisch gewiß einfacher war, überhaupt die Tempelanlagen zu entdecken, die bekanntlich irgendwann verlassen wurden, als weit außerhalb davon irgendwelche Dorfsiedlungen. Auch die mag es gegeben haben.
    Wie dem auch, eine ziemlich bedeutende Stadt soll es in Guatemala gegeben haben, das als Modell dienen hätte können (würde sich die Fundstätte nicht in Guatemala-Stadt befinden): Kaminalyuyu, ein Ort aus epil-olmekischer Zeit, der später unter den Einfluß des "mexikanischen" Teotihuacan geriet. Ich weiß nicht, ob ich irgendwo brachbare Informationen finden werde, z. B. geschätzte Bevölkerungszahlen. Auf jeden Fall wird es seinen Grund haben, daß plötzlich neue Kultzentren an ganz anderen Orten entstanden. Ich meine, daß man zwischen dem prä- und postklassikum eine eindeutige sukzessive Westwanderung festgestellt hatte, was durchaus mit Technik der Brandrodung zu tun haben könnte, wie Balticbirdy andeutet. (Vielleicht auch verlinkte Fernseh-Beitrag, aber mir dauert das Laden gerade zu lange!)
     
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  7. Klaus

    Klaus Neues Mitglied

    Vor Allem doch wegen der Ernährung !

    Das ist eine interessante Parallele zu Europäischen Städten : Eine Stadt kann sich nicht aus sich selbst heraus ernähren. Sie braucht ein landwirtschaftliches Umland, aus dem die Nahrung in die Städte geliefert wird.
    Dies setzt voraus
    (a) entweder guter Lohn für die landwirtschaftlichen Produkte. Dazu braucht man ein funktionierendes Wirtschaftssystem. Nach dem Untergang des weströmischen Reiches lebten in der Millionenstadt Rom nur noch 20.000 Menschen. Mehr hätten es wohl auch nicht sein können, denn warum sollte ein Bauer Lebensmittel in die Stadt liefern, wenn er dafür kein Geld erhält ?
    oder
    (b) Zwang. Das setzt eine Umkehr der eigentlichen Machtverhältnisse voraus. Obwohl die Städte real von den Bauern abhängig waren, haben sie einfach die Bauern zu Untertanen ernannt, die gezwungen wurden, ihnen Lebensmittel zu liefern. Probate Mittel dazu sind Waffen und/oder Religionen.

    Statthalter der Maya-Gottkönige auf dem Land müssen also sicher nützlich gewesen sein.
     
  8. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Man weiß es anhand der gefundenen Hausfundamente. Die Gegend war sehr sehr dicht besiedelt und bebaut. Der Urwald, der heute dort wuchert, ist sekundär.
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. Juni 2011
  9. Dackelhasser

    Dackelhasser Mitglied

    Ups, noch jemand ohne DSL?
    Dann eine kurze Zusammenfassung, ein dt. Archäologe namens Grube erforscht in Mexico Maya-Ruinen und erkennt ab dem 9. und 10. Jhdt. einen deutlichen Niedergang bzw. ein Verkümmern der Zentralgewalt und ein Aufkommen mehrerer dezentraler Fürsten, die er eher als Warlords bezeichnet, inclusive Sittenverfall und hemmungsloser Gewalt. Grund für diesen Zerfall ist der Kampf um Nahrung.

    Eine Archäobotanikerin untersucht in der gleichen Gegend das Sediment der Seen und stellt für den fraglichen Zeitraum einen deutlichen Rückgang des Polleneintrags fest. Es fehlen vor allem Pollen von Mais und von Bäumen. Sie zieht daraus die Schlußfolgerung, dass es im fraglichen Zeitraum deutlich weniger Nahrung gab, und das der Wald einer kümmerlichen Sekundärvegetation wich. Als Grund vermutet sie eine intensivere Dürre.

    Schließlich verheißt die Aussicht für die Zukunft wenig Gutes, weil der Kampf um Resourcen vermutlich immer brutaler ausgefochten wird, so die düstere Prognose des eingangs erwähnten Archäologen.
     
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  10. Enmerkar

    Enmerkar Neues Mitglied

    @Muspilli
    Wie ist es gemeint, wenn es oft heisst, dass die Mexikaner die Maya beeinflussten wie z.b. Teotihuacan? Ich war mir nie sicher, was der Autor damit im Buch meinte. Meinte er damit, Völker die in Mexiko lebten wie z.b. die Azteken ? Wenn ja, wieso nennt man die Völker nicht beim Namen, oder ist der Mexikanische Einfluss nur in der Kunst sichtbar geworden so dass man selten wusste welche mexikanischen Völker überhaupt mit den Maya interagierten?

    @Dackelhasser
    Laut meinen informationen war das schon nach einer Zeit, als die Maya ihre Blütezeit erlebten, kurz bevor die Spanier kamen.. Ich bin mir jetzt nicht sicher, aber ich glaube die kulturelle Blütezeit erlebten sie unter dem Herrscher Jaguar-Vogel oder Jaguar-Penis !

    Um nochmal aufs Thema zurückzukommen. Dann darf man sich, das Land der Maya zur damaligen Zeit eher als riesige Baumlose Flächen darstellen, sogar abseits der großen Städte (es geht nochmal betont um den Land-adel) ?!

    Noch eine Frage: Gibt es eine zuverlässige Auflistung, der Völker und Herrscherdynastien Mesoamerikas, schön übersichtlich, chronologisch aufgeführt? Ich habe dazu nichts gefunden, und als Anfänger auf dem gebiet versteht man erstmal Bahnhof wenn es heisst Olmeken, Tolteken, Mixteken, Totonaken, Mazateken, Tepaneken usw usw. Mir fehlt einfach der Faden dazu, in welche Epoche mit welcher Bedeutung ich diese Namen stecken kann. Bei Mesopotamien erscheint mir das viel einfacher, wenn auch nicht weniger abwechslunsgreich.

    Und die letzte Frage: Was muss man denn Studieren um sich mit der Archäologie der Maya zu befassen? An unserer Uni gibts das nicht, hier gibt es nichtmal Ethologie.
     
  11. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Das wohl nicht, immerhin haben die Tierarten des Regenwaldes (Jaguar) irgendwie bis heute überlebt. Aber das Umfeld der grossen Städte war komplett kultiviert oder besser ruiniert, da wuchs nur noch eine Zeitlang Mais.
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. Juni 2011
  12. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

  13. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Als Öko-Vorbilder taugen die Mayas jedenfalls nicht.
     
  14. Enmerkar

    Enmerkar Neues Mitglied

    Als Menschenfreunde jedoch auch nicht. Trozdem sind sie irgendwie faszinierend. Die Kunst schon alleine..
     
  15. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Zunächst zu der Frage, ob der Autor des von dir gelesenen Buches die Azteken nur nicht beim Namen nennt. Würde er das tun, wäre er anachronistisch (vgl. z. B. http://www.geschichtsforum.de/f15/olmeken-maya-azteken-steinzeitliche-kulturen-7536/index2.html). Die Azteken tauchte in Mexiko - das durchaus ihren Volksnamen trägt - erst im späten postklassischen Zeitalter auf, während Theotihuacan eine klassische Metropole war. Diese "antike" Stadt kommt zwar in der aztekischen Mythologie vor. Ob die alte Tempelstadt - sie war mit Abstand wohl die größte Stadt auf dem Kontinent - aber überhaupt so hieß, als sie noch in Funktion war, dürfte nicht der Fall sein; ich bin mir zwar zugegebener Maßen auch nicht ganz sicher, aber die These einer bedeutenden Forscherin hatte sich nicht durchsetzen können, daß dort schon damals nahuatle gesprochen wurde (wobei sie im übrigen auch an eine ganze Religion (die Verehrung Quetzalcoatles) denkt, die sich seinerzeit großflächig angenommen worden sein sollte. Ich meine, der Einfluß wird hauptsächlich stilistisch begründet, ähnlich wie in Europa die Gotik oder so. Sich tatsächlich staatlichen Einfluß vorzustellen, ist schwierig, dafür zu argumentieren sogar unmöglich, weil relevanten Dokumente leider nicht überliefert wurden. Daher ist bei Riese zum Beispiel viel von Dynastiegeschichte die Rede, da die Forschung hierbei gute Fortschritte gemacht hat.

    Eine vergleichende chronologische Tabelle habe ich einmal hier gepostet:
    http://www.geschichtsforum.de/383147-post2.html
    Die wäre freilich nachzuarbeiten, angesichts des Alters des Buches (vor jetzt schon mehr als 50 Jahren publiziert.)
    Wichtig ist zu wissen, daß die alten Olmeken die sogenannte Mutterkultur Mesoamerikas sind, deren Kultur für die Golfküste gut bezeugt ist und der man u. a. die Anfänge des Maya-Schriftsystems und der entsprechenden Zeitrechnung zuschreiben darf. Man hält es für wahrscheinlich, daß sie eine andere Sprache sprachen als die Maya, da die Huaxteken, die später an der Golfküste eine höhere Kultur entwickelten, allerdings nordlich vom olmekischen Mutterland, eine den Maya sehr verwandte Sprache hatten.
    Die Kultur der Tolteken hingegen liegt in der Anfangszeit der Postklassikums. Deren Herrschaftsort lag auch nördlich von Teotihuacan z. B. Vielleicht hilft dir das ein bißchen weiter.
     
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  16. Enmerkar

    Enmerkar Neues Mitglied

    Da fällt mir gleich noch eine Frage ein: Ich hab Skulpturen der Olmeken gesehen, wo sie sich eher ost-asiatisch darstellen. Sprich sehr flache und breite Nase, betonte Lippen, fast wie Thailänder.

    Die Maya hatten doch vorallemeher pregnante nach vorstehende Nasen, wie ist es möglich, dass sich eine Ethnie, äusserlich derart weiterentwickelt hat? Stammen die Maya von den Olmeken überhaupt ab?
     
  17. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Denkst du ernsthaft man könne die Zugehörigkeit zu einer Etnie anhand von äußerlichen Merkmalen feststellen?
     
  18. Enmerkar

    Enmerkar Neues Mitglied

    Bei so alten (isolierten?) Kulturen schien mir das plausibel!? Aber vielleicht tritt auch einfach der Einfluss der nordamerikanischen Natives stärker in den Vordergrund, da ja offenbar Ethnische abstammungen vorhanden sind. Ich bin zwar nicht gut in pre-historik, aber sind die Menschen nicht über die Beringstraße gekommen um Amerika zu besiedeln? Also von Norden nach Süden, könnte ich mir insofern erklären.
     
  19. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Wie der Rest der Menschheit hatten die Mayas die Nase mitten im Gesicht.
     
  20. Klaus

    Klaus Neues Mitglied

    ... haben aber ihre Stirn künstlich abgeflacht, indem sie den Babys ein Brett vor den Kopf geschnallt haben.
     

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