Medizingeschichte London 1870

Dieses Thema im Forum "Fragen & Antworten" wurde erstellt von Petra_44, 29. November 2015.

  1. Petra_44

    Petra_44 Neues Mitglied

    Hallo,

    ich arbeite gerade an einer Science-Fiction-Geschichte mit Zeitreise. Leider hat nun einer meiner Protagonisten etwas Pech und verliert eine Hand. Nun wird er behandelt, und zwar in London, 1870.

    Der Arzt legt einen Druckverband an, säubert den Arm, gibt ihm dann einen Messlöffel voll Laudanum (Opium) und schickt ihn weiter. Ist das plausibel? Der Zeitreisende ist in Begleitung. ... Könnte er überhaupt noch selbst gehen nach einer Dosis Laudanum, oder müsste er getragen werden?

    Die beiden sollen nun ein Schiff nach Schweden nehmen, und zwar jetzt gleich. (In Wirklichkeit fahren sie natürlich nicht nach Schweden, sondern nach Hause, wo auch das mit der Hand wieder in Ordnung kommt - aber sie müssen dazu in der Kabines des Schiffes ihre Zeitmaschine in Ruhe programmieren).

    Wo finde ich denn einen Fahrplan für ein solches Schiff? Wie lange wäre es unterwegs? Zwei Tage? Und würde der Arzt die beiden einfach gehen lassen? Es ist ja doch eine schwerwiegende Verletzung.

    Schöne Grüße

    Petra
     
    Zuletzt bearbeitet: 29. November 2015
  2. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Lass ihm doch vom Arzt lieber eine Morphinspritze geben. Das war um diese Zeit das Wundermittel, made in Germany.

    30-60 mg Morphin ist eine satte Dosis für jemanden, der es nicht gewohnt ist. Als Maßeinheit werden/wurden im anglophonen Kulturkreis statt Milligramm Gran engl grain verabreicht. 1 Gran= ca 60 mg.
     
  3. Petra_44

    Petra_44 Neues Mitglied

    Aua, eine Spritze - der arme Kerl :-( Ich habe Fotos von diesen Spritzen gesehen.

    Kann er dann noch laufen? Oder wie würde der Arzt das überhaupt machen? Würde er einen Krankenwagen für den Patienten rufen, nachdem er ihn behandelt hat? ... Ich meine, das mit dem Schiff muss jetzt nicht unbedingt sein. Es würde auch gehen, wenn er in ein Krankenhaus kommt. Seine Mitreisende braucht nur irgendwo 30 Minuten Ruhe, denn so lange dauert es, die Zeitmaschine zu programmieren. Deshalb geht er überhaupt im 19. Jahrhundert zum Arzt.

    Wie sieht es mit Heroin aus? Wenn es sein muss, ändere ich das Jahr auf 1880, aber wäre schon ein netter Schock für den Protagonisten und Leser, wenn er da vom Arzt Heroin (Spritze?) verpasst bekommt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 29. November 2015
  4. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Meinst Du eine Amputationsverletzung ist schmerzfrei? Scherzkeks.
    Heroin ist ein Markenzeichen der Bayer AG gewesen und erst ab 1896. Bei den Tante Wiki-Artikeln findest Du mehr zu den Thema, incl. auch den Anfängen und Namen der Bayer AG.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Heroin
    https://de.wikipedia.org/wiki/Bayer_AG
    Du solltest wissen das "The Pool" also der Londoner Hafen sehr voll war zur damaligen Zeit und es auch mit Ruderbooten zum Teil schwierig war zu einem Fahrzeug zu kommen. Und wie ein Teilamputierter, der unter BTM steht eine Strickleiter hoch kommt? :confused:
    Die Schiffe lagen nicht nur am fest am Ufer und lagen zum Teil im Päckchen, also neben einander und man musste dann von einem Schiff auf ein anderes klettern.
    Zumal East-London, also der Bereich östlich der Towerbridge ein sehr übel beleumundete Gegend war, Stichwort "Jack the Ripper".

    Apvar
     
  5. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Heroin (Diacetylmorphin) ist etwa 7-10 mal stärker, als Morphin. Wenn ich recht informiert bin, wurde es zwischen 1870-1880 von einem britischen Arzt entdeckt, in großem Stil war es aber erst um die Jahrhundertwende verfügbar. Die Bayer&Co (Elberfelder Anilin und Farbenwerke) kauften 1896 das Patent. Es war der Verkaufsschlager (gemeinsam mit Aspirin), und es sollte garantiert nicht abhängig machen wie Morphin und wurde von Bayer sehr aggressiv beworben. Die Bayerwerke verschickten Gratisproben an Ärzte, und es wurde auch als Substitutionsmittel für Morphinisten empfohlen. Ähnliche Versuche unternahm ein Wiener Neurologe mit einem anderen Wundermittel made in Germany- Kokain. Siegmund Freud experimentierte einige Zeit damit, verschrieb es Patienten/Patientinnen und empfahl es einem Freund, einem gewissen von Fleichl-Marxow. Dieser war Morphinist und wurde Erfinder des "Cocktails" oder speed balls Koks/Morphin, Koks/ Schore. Heroin sollte gegen so ziemlich alles helfen von Melancholie, Reizhusten und Durchfall bis Nymphomanie.

    Diacetylmorphin-Präparate wurden meist oral genommen. Es dauerte daher relativ lange, bis man entdeckte, dass es noch ein höheres Abhängigkeitspotenzial, als Morphin besaß. Es war Bestandteil vieler Hustensäfte und empfohlen als Hustenmittel für Kinder. Heroin wirkt schneller auf das Gehirn und reizt weniger das Brechzentrum. Menschen, die Morphin nicht gewohnt sind, wird oft schlecht von Morphin. Es dauert einige Zeit, bis sich Übelkeit legt.

    GB gehörte zu den wenigen Staaten, die sich nicht von den USA ihre Drogenpolitik diktieren ließen. Diacetylmorphin wurde daher schon in den 1990er Jahren als Schmerzmittel in der Palliativmedizin eingesetzt, lange bevor die Schweiz und die Niederlande Dia-Morphin wieder zum verkehrsfähigen Betäubungsmittel machten.

    Ob man nach einer Spritze Heroin noch laufen kann? Kommt drauf an auf 1. Dosis, 2. Gewohnheit und 3. Individualität.

    Mancher braucht eine Spritze, um überhaupt laufen zu können, andere sind davon breit wie eine Flunder.
     
  6. Petra_44

    Petra_44 Neues Mitglied

    Ach je, was habe ich da nur angefangen. ... Also ich denke mal drüber nach, ob ihm der Arzt jetzt Morphium oder Heroin verpasst. Aber das mit dem Schiff ist nicht gut. Konnte man da nur über eine Strickleiter an Bord gehen? Was war mit alten Leuten, oder kleinen Kindern, oder wenn jemand nicht laufen konnte?

    Vielleicht könnte die Mitreisende ja auf dem Weg zum Hafen die Zeitmaschine programmieren. Dass sie mit dem 28. Jahrhundert telefoniert, fällt in dem Gewühl am Hafen vielleicht gar nicht auf, und wenn die beiden verschwinden, könnten die Umstehenden das für ein weiteres tragisches Unglück halten? Nee, irgendwie ist das noch nicht gut. Wenn sie aus der Kabine in ihrem Schiff verschwinden würden, ersatzweise aus einem Hotelzimmer oder Krankenhaus, wäre das schon besser.

    Musste man eigentlich zum Buchen einer gemeinsamen Kabine irgendwie die Verwandtschaft nachweisen? Die beiden haben jetzt gesagt, dass sie Geschwister sind, was natürlich nicht stimmt, denn sie kommt aus dem 28. Jahrhundert und ihn hat sie von einer früheren Zeitreise mitgebracht.

    Hm, gar nicht so einfach mit diesen Zeitreisen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 29. November 2015
  7. Heine

    Heine Aktives Mitglied

    Frag mal den Doctor. Der verschwand immer in so einer schönen Notrufzelle ...

    109px-Earls_Court_Police_Box.jpg

    https://de.wikipedia.org/wiki/Doctor_Who
     
  8. Petra_44

    Petra_44 Neues Mitglied

    Nein, nein. Das wird ja eine andere Geschichte, keine Kopie. Gut, im Alten Rom - wo der Zeitreisende seine Hand verloren hat - haben die Soldaten geglaubt, sie sei eine Hexe. Da die beiden dann verschwunden sind, hat sie das einfach in ihrer Meinung bestätigt. Aber in England - hm?
     
  9. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Mind the Gap :D:D:D

    Wie währe es mit der Londoner U-Bahn, mittels eines zusätzlichen Waggons. Die U-Bahn wurde schon 1863 eröffnet.

    Apvar
     
  10. Petra_44

    Petra_44 Neues Mitglied

    Ein zusätzlicher Waggon? Wie bei Man in Black II oder? ;-)

    Nein, ich glaube ich packe die beiden jetzt erst einmal ins Hotel. Sie müssen nämlich Steve loswerden, der hat sie zum Arzt gebracht und ihnen angeboten, dass der Pechvogel so lange bei ihm wohnen darf, bis er wieder gesund ist. Aber darauf ist der natürlich nicht erpicht, der möchte zurück ins 28. Jahrhundert, wo er jetzt lebt, damit ihm aus Stammzellen eine neue Hand gezüchtet werden kann.

    Wenn ich sie ins Hotel verfrachte, kann die Mitreisende in Ruhe die Zeitmaschine programmieren und dann sind sie halt verschwunden. Bezahlen können sie das Zimmer ja vorher - die Zeitreisende hat Gold dabei.

    Oder irgendwie so. Das mit dem Hafen ist wohl nicht so das Wahre.
     
  11. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Wie sah es damals mit einer Meldepflicht für Hotelgäste aus? Ohne Papiere könnte das schon komisch ausgehen.

    Apvar
     
  12. Neddy

    Neddy Aktives Mitglied

    Gebrechliche Leutchen (und Damen) wurden in der Segelschifferei mittels eines Bootsmannsstuhls an Bord gebracht. Im Prinzip eine Schaukel wie vom Spielplatz, die - zu meiner Zeit - an einer Rahnock angeschlagen wurde. Heißt nur - im Sinne von Apvars Rushhour im Innenhafen - dass zumindest ein Teil der Bordwand in Rahnähe so zugänglich sein musste, dass das Verkehrsboot dort festmachen konnte. Zu Deiner Zeit hatten die meisten Schiffe eigentlich schon Bootsdavits. Wenn diese nicht gerade durch ein Boot belegt waren, konnte auch hier ein Bootsmannsstuhl angeschlagen werden. Grundsätzlich - und gegen ein angemessenes Trinkgeld - konnte, gerade für einen ohnmächtigen bzw. beduselten Passagier, sicherlich auch das ganze Boot in seinem Davit als Lastenaufzug genutzt werden. Zu schlechter Letzt würde Hein Seemann gegen Gabe einer Buddel Sprit auch erfinderisch werden. So konnte man den inerten Patienten z. B. mit Sicherheit auch damals schon wie in eine Zwangsjacke in eine Hängematte packen und ihn in dieser an Bord hieven. Hein Seemänner von dunnemals dürften bannig viel Erfahrung damit gehabt haben, Personen in den unterschiedlichsten Verfallszuständen von deren Koordinationsfähigkeit an, von und über Bord zu bugsieren.:D
     
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  13. Petra_44

    Petra_44 Neues Mitglied

    Oje. Mein armer Zeitreisender. Was mache ich denn jetzt mit ihm? Das mit der Hängematte würde ihm seine Kollegin jedenfalls nicht antun, vor allem da die beiden ja gar nicht wirklich nach Schweden möchten, sondern nur mal eine ruhige Stunde brauchen.

    Ach, ich weiß was: Das Schiff nach Schweden geht erst am nächsten Tag. Deshalb müssen sie die Nacht bei dem netten Gentleman verbringen, der sie zum Arzt gebracht hat. Am nächsten Tag möchten sie das Schiff nehmen - und sind dann komischerweise schon ohne Abschied weg, nur einen netten Brief haben sie da gelassen.

    Nur, wo finde ich denn den Fahrplan für diese Schiffe?
     

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