Megalithen in Oberfranken/Landkreis Hof?

Dieses Thema im Forum "Die Kelten" wurde erstellt von Die_Schweigende, 8. Dezember 2007.

  1. Die_Schweigende

    Die_Schweigende Neues Mitglied

    Sollte ich in diesem Unterforum falsch sein, so steinigt mich bitte und streut Megalithen auf mein Haupt ;)

    Schon seit ich denken kann, weiß ich um eine archäologische Fundstätte, nur wenige Kilometer Fußmarsch von meinem Elternhaus entfernt. Es handelt sich hierbei um eine Ansammlung aufgerichteter Steine nahe des oberfränkischen Dorfes Langenbach (Marktgemeinde Bad Steben/Landkreis Hof), im Volksmund bekannt als die "12 Apostel". Mir wurde immer berichtet, es würde ich um eine keltische Kultanlage handeln. Leider ist die Stätte bisher weder erforscht, noch publiziert, sodass verlässliche Informationen leider ausbleiben.

    Im Internet habe ich diesen Artikeln zum Thema gefunden: Falsche Apostel Frankenwald | Tourismus : Städte + Gemeinden : Bad Steben : Sehenswertes : Falsche Apostel | Frankenwald | Region Frankenwald | Magazin | Tourismus | Gastronomie | Branchen | Handwerk | Handel | Kronach | Bad Steben |

    Leider habe ich nur sehr wenig Ahnung vom Thema und kann diese Informationen damit leider auch nicht überprüfen. Jedoch habe ich einmal nach Megalithen gegoogelt (man verzeihe mir ;) ), und dabei herausgefunden, dass es sich dabei um unbehauene, von Menschenhand aufgerichtete Steine handelt.

    Könnte es sich bei den 12 Aposteln wirklich um jungsteinzeitliche oder keltische Zeugnisse handeln? Gibt es irgendeine Publikation (bzw. weiß jemand etwas) über die frühe Siedlungsgeschichte des Frankenwaldes?

    Das Thema beschäftigt mich schon, seit ich denken kann. Nun habe ich endlich dieses Forum gefunden und kann nachfragen :)

    LG
    Die_Schweigende
     
    Zuletzt bearbeitet: 8. Dezember 2007
  2. DerGeist

    DerGeist Neues Mitglied

    Salve oder so
    Megalithen haben mit den Kelten nichts zu tun, sie sind älter nämlich wie du richtig vermutet hast gehören sind in das Neolithikum.

    Literatur:
    Schwarz Klaus: Frühmittelalterlicher Landesausbau im östlichen Franken zwischen Steigerwald,Frankenwald und Oberpfälzer Wald. Monographien des RGZM, Band 5, Mainz 1984
    Zur Vegetations- und Siedlungsgeschichte des Frankenwaldes. In: Flora 167, 1978, 81-102.

    Schau doch mal in der Nähe an einer Uni vorbei, sofern sie ein Vor- und Frühgeschichtliches (Archäologisches Seminar) hatt.
     
  3. Die_Schweigende

    Die_Schweigende Neues Mitglied

    Danke für die tolle Antwort. An unserer Uni gibt es ein Seminar für Ur- und Frühgeschichte, ich werde dort am Montag mal vorbeischauen und mich nach dem Buch erkundigen - ansonsten gibt es ja immer noch Fernleihe :)

    LG und nochmals Danke für Deine Hilfe,
    Die_Schweigende
     
  4. DerGeist

    DerGeist Neues Mitglied

    Du kannst ja mal schauen es gibt eine Reihe:
    Archäologische Denkmäler in Deutschland. Dort sind Fundorte zu finden eventuell ist auch was für diese Region vorhanden.
    Ansonsten einfach mal die Profs. fragen :)
     
  5. Haerangil

    Haerangil Aktives Mitglied

    von Grossteinsetzungen hab´ich so gut wie keine Ahnung...

    aber kommt die Zahl 12 bei solchen Formationen öfter vor oder sind das eher Einzelfälle?


    Würde mich mal interessieren...
     
  6. Die_Schweigende

    Die_Schweigende Neues Mitglied

    Offenbar ja. In der Bretagne (Le Menec) stehen Megalithen offenbar in 12 Reihen hintereinander. Auch im nahe gelegenen Kemario sind 982 Menhire in 10-12 Reihen angeordnet.

    (Quelle)

    Wikipedia hat zum Duodezimalsystem (also dem Zwölfer-System) Folgendes zu sagen:

    Ich habe leider keine Ahnung, was davon für die potentiell aus dem Neolithikum stammenden Errichter der "12 Apostel" von Langenbach schon von Bedeutung gewesen sein könnte. Evtl. handelt es sich tatsächlich um eine Zahl, die aus Naturbeobchatungen resultierte und die tatsächlich mit Tages- oder gar Jahreszeiten zu tun hatte. Ich kenne mich hier allerdings viel zu wenig aus um sagen zu können, ob und von welcher Art von Kalender man damals ausging.

    Bei Wikipedia habe ich allerdings das hier gefunden: Steinzeitkalender - Wikipedia

    Auszug:
    Ob man hier auf die Zahl 12 kommt, kann ich ebenfalls nicht beantworten. Ich würde eher auf "nein" tippen, aber evtl. kann auch hier jemand anderes mehr sagen.

    Die von mir bereits verlinkte Seite zu den 12 Aposteln scheint jedoch genau das zu implizieren:

    [FONT=Verdana, Arial, Helvetica, sans-serif][SIZE=-1][FONT=Verdana, Arial, Helvetica, sans-serif]
    [/FONT][/SIZE][/FONT](Quelle)

    Was die "12 Apostel" angeht, möchte ich ganz gerne noch auf die Besiedlungsgeschichte des Staffelberges hinweisen. Das Gelände war wohl nachweislich schon vor Errichtung der keltischen Siedlung Menosgada um 1000 v.Chr besiedelt. Auf einer zugegebenermaßen wenig wissenschaftlich anmutenden Seite habe ich das hier gefunden:

    (Quelle)

    Nun liegt der Staffelberg nicht allzu weit vom Standort der 12 Apostel entfernt, und hier ist wohl einwandfrei eine Besiedlung in der Jungsteinzeit belegt; diese ging später wohl in eine keltische Stadtanlage über.

    Die frühen Siedler auf dem Staffelberg könnten evtl. mit der Gruppe identisch sein, die auch die Megalithen in Langenbach errichtete - zumindest sehe ich diese Möglichkeit, wenn man diese Aussage hier betrachtet:

    [FONT=Verdana, Arial, Helvetica, sans-serif][SIZE=-1][FONT=Verdana, Arial, Helvetica, sans-serif]
    (Quelle)

    LG
    Die_Schweigende
    [/FONT][/SIZE][/FONT]
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. Dezember 2007
  7. DerGeist

    DerGeist Neues Mitglied

    Das mit den Grabenwerken (Gosseck) als astronomisches Kalendarium im weitesten Sinne scheint im Moment zumindesten von einigen Wissenschaftlern angenommen zu werden.
    Bei der Megalithbauten würde ich ein wenig mehr differenzieren es gibt ja sowohl die Steinsetzungen, als auch Gräber und zu guter letzt auch noch einzeln stehende Stein.
    Hier wäre ein fundierte wissenschaftliche Quelle wünschenswert in Wiki steht leider immer noch viel Spekulatives.
     
  8. Bergmännchen

    Bergmännchen Neues Mitglied

    Hallo an Alle,
    die Steinreihe der "Zwölf Apostel" bei Langenbach ist vom Münchener Amt für Denkmalschutz als mittelalterliche Steinreihe eingestuft worden! (über eine Fehleinschätzung kann man hier trefflich streiten) Letztes Jahr besuchte ich mit einem Archäologen der Universität Bamberg diese mysteriöse Steinreihe und noch weitere "Anlagen" dieser Art im Frankenwald. Kaum 500 m von den Apostelsteinen entfernt, steht etwas versteckt noch eine kleiner Steinreihe. Der Archäologe meinte, daß das alles hier sehr alt sei und das es solche Artefakte im Frankenwald gar nicht geben dürfte, da frühsteinzeitliche Siedlung bislang nur in klimatisch wärmeren Gegenden gefunden wurden. Er betrachtet die "Zwölf Apostel" als ein Highlight im Frankenwald und meint, dass hier einmal wissenschaftliche Ausgrabungen durchgeführt werden sollten, um endlich einmal gesicherte Kenntnisse zu erhalten, denn bislang ist alles nur Spekulation und die nützen niemand. Literatur über diese Steinreihe gibt es nicht- nur Zeitungsberichte etc. Wer mehr über den Standort der anderen Steinreihe wissen will kann sich gerne mit mir in Verbindung setzen.

    es grüßt das
    Bergmännchen
     
  9. Haerangil

    Haerangil Aktives Mitglied

    was weiss man denn darüber ob und warum es solche Steinsetzungen
    auch im Mittelalter gab?

    Wundert mich nämlich...
     
  10. DerGeist

    DerGeist Neues Mitglied

    Ohne Ausgrabung und Prospektion keine Datierung möglich:weinen:
     
  11. Haerangil

    Haerangil Aktives Mitglied

    ja aber generell:

    gab es Grosssteinsetzungen im Mittelalter?
     
  12. DerGeist

    DerGeist Neues Mitglied

    Soweit ich weis gab es keine Großsteinsetzungen im Mittelalter.
    Wofür auch ?
     
  13. pelzer

    pelzer Aktives Mitglied

    Doch - als Flurgrenzen.
    Im Kanton Zürich sind mehrere solche Grenzmauern bekannt: siehe hier

    Gruss Pelzer
     
  14. DerGeist

    DerGeist Neues Mitglied

    Vorgeschichtliche Relikte insbesondere Wallstrukturen aber auch Steinsetzungen wurden sehr gerne als Flur bzw. Grundstücksgrenzen genutzt.
    Ich persöhnlich kenne den Fall aus einer Ausgrabung eine Hallstattzeitlichen befestigten Höhensiedlung, wo sich einige Wallstrukturen als vermutl. Abgrenzung der Flächen der Waldbauern heraustellten und nach Aussage der jeweiligen Pächter schon z.t. seit dem 18 Jh. so bekannt sind.
    Meiner Meinung nach kann nur eine wissenschaftliche Ausgrabung zweifelsfrei zur Klärung des Problemes beitragen.

    Die Quelle auf die du dich beziehst ist wirklich gut.
    Aber beim Lesen der Angaben zur Steinsetzung ist keinesfalls die Rede von einem gesicherten Mittelalterlichem Baudatum.
    Es wird davon gesprochen das einige Steinsetzung auch als Grenzen, etc. im Mittelalter dienten.
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. Februar 2008
  15. pelzer

    pelzer Aktives Mitglied

    Grüezi

    Sieh mal hier. Ich habe den Text jetzt nur schnell überflogen, aber ich glaub den meinte ich.


    Gruss Pelzer
     
  16. Bergmännchen

    Bergmännchen Neues Mitglied

    Besiedelung Frankenwald um 800 v. Christus

    Hier ein Beispiel, dass der Frankenwald schon zur Urnenfelderzeit bekannt war - und dieses ist sogar seit langem erforscht!!:yes:


    Die Heunischenburg bei Kronach-Gehülz

    Ach ja, Steinsetzungen fanden auch noch im Mittelalter statt.
    (z.B Handels- und Zollgrenzen)

    Gruß Bergmännchen
     
  17. DerGeist

    DerGeist Neues Mitglied

    @ pelzer
    Jup absolut richtig da stehts drinne
    @ Bergmännchen
    Hab ich auch nicht bestritten sondern darauf hingewiesen, das man entwender schon vorhandene, zumeist vorgeschichtliche Relikte nutze oder sie verlagerte. Möglich ist natürlich immer auch eine Neuerichtung mit selbst gebrochenen Material
     
  18. Bergmännchen

    Bergmännchen Neues Mitglied

    Hallo,

    habe auf Wunsch von Urvo mal ein paar Bilder von den zwölf Apostel
    hier eingestellt - und gleich kapiert wie das geht!!:yes:

    Gruß

    Bermännchen
     

    Anhänge:

  19. Bergmännchen

    Bergmännchen Neues Mitglied

    @pelzer
    ich finde die Steinreihe hat sehr viel Ähnlichkeit mit der "Megalith-Steinreihe" von Riferswill. Allerdings habe ich noch ein Luftbild der Apostel, auf der man sehen kann, dass sich diese Steinreihe noch unterirdisch fortsetzt.

    @DERGeist
    völlig richtig warum sich die Mühe machen und nochmals wo Felsblöcke herausbrechen, wenn es schon welche gibt. So geschehen auch hier bei uns. So hat man z.B. nach dem 2. Weltkrieg von den sogenannten Keltengräbern die Deckplatten abgenommen und damit die Scheunenzufahrten befestigt!! für die Bauern waren diese riesigen Steine auf ihren Feldern und Wiesen nur hinderlich - und deswegen suchte man nach "besseren Nutzungsmöglichkeiten" Überliefert sind 7 - 8 dieser Gräber. (vermutlich handelte es sich hier um Dolmengräber) Heute stehen nur noch 2 und diese hat man versucht "zusammenzuschieben". So nach und nach legte man dann noch Lesesteine hinzu und jetzt sieht aus wie ein riesen großer Steinhaufen.

    Grüße von

    Bergmännchen
     

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