Menschen in der Renaissance - Charaktereigenschaften

Dieses Thema im Forum "Krisenzeiten und Renaissance (14. - 15. Jhd.)" wurde erstellt von sokrates, 20. März 2007.

  1. sokrates

    sokrates Neues Mitglied

    hallo hab da mal ne frage:
    Welche wesentlichen charaktereigenschaften eines renaissancemenschen finden sich bei Heinrich dem Seefahrer wieder?

    Ist ne Frage aus unserem Geschichtsbuch? Find die n bisschen allgemein. Was sagt ihr dazu?
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Die Frage ist imho falsch formuliert, auch wenn sie so im Geschichtsbuch steht. Du kannst sie aber so verstehen, was den Geist der Renaissance ausmachte und das dann auf Dom Henrique anwenden.
     
  3. sokrates

    sokrates Neues Mitglied

    muss man da jetzt auch über die anfänge des frühkapitalismus schreiben, also dass heinrich vor allem die entdeckungsfahrten gefördert hat, um seine materiellen Interessen (Seide Gewürze) zu erfüllen? Könnt ihr mir vielleicht ein paar Beispiele dazu schreiben
     
  4. Lukrezia Borgia

    Lukrezia Borgia Moderatorin

    Ich habe auch mal ne Frage:

    Könntest du dich nicht um die gebräuchliche Groß- und Kleinschrift bemühen? Es ist ja eine regelrechte Quälerei, deine Beiträge zu lesen.
     
  5. Nazdreg

    Nazdreg Neues Mitglied

    Nagut, fangen wir vorne an:

    Dom Henrique wird "Der Seefahrer" genannt. Daraus kann man, denke ich, schließen, dass er viel mit der Schifffahrt zu tun hatte, und demnach abenteuerlustig und auf der Suche "nach neuen Ufern" gewesen ist. Kurz gesagt: Er wollte die Grenzen der damals bekannten Welt durchbrechen oder erweitern.

    So, jetzt zum Renaissancemenschen:

    Der Begriff "Renaissance" steht ja für die Wiedergeburt der Antike. Die wiederum steht für Offenheit und Freiheit. Demnach scheint ja gegen Ende des Mittelalters in der Menschheit berechtigterweise eine Art Freiheitssehnsucht geherrscht zu haben. Das äußerte sich dann im Widerstand gegen die Kirche (die den Menschen ja damals einen Großteil ihrer Freiheit entzogen hatte), der im Dreißigjährigen Krieg seinen Höhepunkt hatte. Das äußerte sich aber auch in einer Art Entdeckerdrang mit der Afrikaumsegelung von da Gama und der "Amerikaneuentdeckung" von Kolumbus.

    Wenn man die beiden Thesen akzeptiert und zusammenführt, erhält man folgendes Ergebnis:

    Heinrich der Seefahrer muss ein abenteuerlustiger, freiheitsliebender, risikofreudiger und selbstbewusster Mann gewesen sein. Das ermöglichte es ihm, seine Seefahrten zu initiieren, die viel Gefahrenpotenzial und einen ungewissen Ausgang versprachen. Das gleiche gilt für den Renaissancemenschen, der sich durch eben diese Eigenschaften von dem Druck der Kirche befreite und sich weiter in die Welt ausbreitete.

    So, ich hoffe, ich konnte einen möglichen Gedankengang zeigen, der eine Antwort auf diese Frage ermöglichen konnte. Jedenfalls ist diese Frage mE nicht zu allgemein, weil man imvho den Geist der Renaissance nicht nur auf Dom Henrique, sondern auch auf alle Menschen, die in der Zeit lebten, übertragen kann. Es kann ja kein Zufall sein, dass Leute wie Marco Polo, Christoph Kolumbus, Vasco da Gama und Martin Luther alle in der Renaissancezeit gelebt haben. Da muss ja irgendein Ruck durch die Menschheit gegangen sein, der solche Leute hervorbrachte.
     
  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Lieber Nazdreg,

    es tut mir sehr leid, aber Dein Beitrag bekommt leider nur Phantasiepunkte, keine historischer (Er)Kenntnis.

    Zu Heinrich dem Seefahrer, und wie er zu dem Namen kam, dazu kannst Du im Thema Sie machten sich einen Namen näheres lesen. Heinrich der Seefahrer war gar kein Seefahrer.

    Das ist soweit richtig, danach wird`s aber haarig:

    Ich glaube, hier ist unser Schulgeschichtsunterricht nicht ganz unschuldig an einem Missverständnis. In der Schule wird sehr viel Gewicht auf die attische Demokratie gelegt, die eigentlich für die Antike einen absoluten Sonderfall darstellt, nicht die Regel. Da Geschichtsunterricht aber staatsbürgerkundliche Inhalte transportiert, wird die attische Demokratie eben so in den Vordergrund gerückt.

    Die Freiheitssehnsucht besonders in den mittelalterlichen Städten hatte vielfältige Gründe, die Kirche (besonders die innerstädtischen abgabenfreien Klöster) hatte da sicherlich auch einen Teil zu beigetragen. Das aber auf die Kirche zu reduzieren ist falsch.
     
  7. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Die Kirche wird von Menschen gemacht und lebt dadurch, dass sie von diesen akzeptiert und gefördert wird.
    Außerdem hatte eine breite Masse keine Kenntnis von unseren modernen Vorstellungen von Freiheit.
    Sehr richtig, betont ja eingangs der Fragende, dass diese Fahrten vor allem aus wirtschaftlichen und auch machtpolitischen Interessen unternommen wurden. Man darf die Reconquista sicherlich hierbei auch nicht unterschätzen. Auf der iberischen Halbinsel wurde eine Bedrohung für die christlichen Herrscher zurückgedrängt, dadurch wurden Kräfte frei. So würde ich nicht nur schlussfolgern, sondern das scheint erwiesen. Wenn man sich anschaut, dass die europäischen Mächte im 16.Jh. dann vermehrt Druck auf den nordafrikanischen Raum ausübten, wurde diese Entwicklung nur weiter verfolgt.

    Wenn Du, nazdreg, von Freiheit sprichst, musst Du bedenken, dass Heinrich der Seefahrer ein Prinz war und einer Monarchie entsprang, welche eben handelte wie christl. Herrscherhäuser im Spätmittelalter üblich. Heinrich war Statthalter der Algrave, der südlichsten Gegend von Portugal. Bei seiner Belesenheit und auch Wissbegierde würde ich eher ansetzen, als bei einem kaum greifbaren Freiheitswillen.
    Ich hatte mich nur mal durch das Buch von Erich Rackewitz "Fremde Pfade, ferne Gestade" von Erich Rackewitz (Leipzig 1986) ein bisschen mit der Zeit der Entdeckungen beschäftigt.
     
  8. Nazdreg

    Nazdreg Neues Mitglied

    Das behaupte ich auch nicht. Schließlich hat er ja andere für sich fahren lassen. Es ist aber doch unbestritten, dass er die spätere Afrikaumrundung damit initiiert hat. Das spricht mE für einen Entdeckergeist. Schließlich ist es auch für Heinrich ein Risiko, da eine solche Expedition ja auch die Staatskasse belastet.

    Das kann sein. Den Begriff der Demokratie, den habe ich mir in dem Zusammenhang auch verkniffen. Mit Offenheit und Freiheit, meine ich auch nicht, was wir heute unter der attischen Demokratie verstehen (die ja auch nicht ganz so frei gewesen sein dürfte, wie sie gerne gemacht wird), sondern, was zur Renaissancezeit unter "griechisch-römischer Kultur" verstanden wurde, die durch die griechischen Gelehrten in Europa eingeführt wurde. Das ist natürlich eine glorifizierende Sichtweise, die nicht unbedingt den antiken Tatsachen entspricht. Aber ein starker Zusammenhang zwischen Renaissance und vor allem der griechisch-römischen (Mythen-, Sagen- und Götter)welt lässt sich glaube ich nicht wegdiskutieren. Schließlich äußert er sich in diversen Theaterstücken von Shakespeare (Der griechische und römische Götter gerne durcheinanderwirft) oder in der Architektur.

    http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/ea/La_Rotonda.jpg

    Auch die "Wiedergeburt" der Wissenschaft lässt einen solchen Zusammenhang denke ich zu.

    Das habe ich nicht getan. Ich habe die Kirche lediglich als wichtiges Beispiel für die Freiheitseinschränkung angeführt.

    Stimmt. Der Mensch schränkt sich selber eben am meisten ein...

    Gut, Heinrich war durch seinen Status schon in der Lage, wissenschaftlich und bildungssuchend aktiv zu werden. Für den "Ottonormalbürger" ist da schon eine gewisse Freiheit (wirtschaftlich und ideologisch) nötig, um eine Wissbegierde zu entwickeln. Insofern ist der Freiheitsdrang bei Heinrich nicht so passend, da geb ich dir recht. Jedoch ist eine Expedition ins Ungewisse auch für einen Heinrich mit wirtschaftlichen Risiken verbunden, die nicht nur wirtschaftliche Interessen dahinter vermuten lassen. Das ist ja, wie wenn man heute wüsste, dass es auf dem Mars Ölvorkommen gäbe, und man eine bemannte Spaceshuttle-Flotte auf direktem Weg hinschickte, damit die Jungs vom Jupiter da nicht drangehen... Nein das ist kein ernsthafter Vergleich, aber ich denke für die Afrika-Expeditionen der Portugiesen ist schon eine gehörige Portion Risikobereitschaft nötig, die abgesehen von den Skandinaviern im Mittelalter mE noch nicht aufgetreten ist.


    Naja, zusammenfassend:

    Man hat sich zur Renaissancezeit die Welt ein bisschen genauer angeguckt (sowohl nach außen (Entdeckungen) als auch nach innen (Wissenschaft)), als es im Mittelalter möglich war (ob durch Kirche, Staat, oder wirtschaftliche Mittel bedingt, ist dabei egal). Das hat Heinrich der Seefahrer eben auch getan, indem er andere Leute veranlasst hat, den westafrikanischen Teil der Welt ;) ein bisschen genauer anzugucken.


    Wenn ich mit dieser Sichtweise objektiv falsch liege, dann belehrt mich gerne eines besseren, denn diese beiden Beiträge entstammen in der Tat größtenteils Schulgeschichts"wissen" und ein paar möglicherweise subjektiven und deshalb falschen Thesen, die sich darauf berufen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. April 2007
  9. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied



    Die Frage sollte m.M. eher darauf abzielen, welche Charaktereigenschaften eines Menschen des Frühhumanismus zu erkennen sind. Der Humanismus oder Renaissance-Humanismus stellt schließlich die Charaktereigenschaften und Geisteshaltung her, aus der sich der "Renaissancemensch" zusammensetzt, danach kann eine Frage nach pers. Charaktereigenschaften zielen.:grübel:

    Allgemein trifft auf ihn zu , was z.B. L. B. Aliberti, der berühmte Architektur-Theoretiker ( 1404-72 ) erklärt:
    "Der Mensch ist geboren, um dem Menschen nützlich zu sein. Daher nimmt der Mensch auch nur dann die seinem Wesen gemäße Stellung ein, wenn er alle sene Anstrengungen auf das Vaterland, das öffentl. Wohl, auf den Nutzen aller Bürger richtet."

    "Die Würde des Menschen offenbart sich durch schöpferische Tat"
    , so der Florentiner Humanismus des Quattrocento.
    Die Lebensdaten Heinrichs liegen noch in der Zeit einflußreicher ethischer und polit. Schriften Aristoteles und Ciceros , die der "vita activa" im Dienst der Gemeinschaft den Vorzug gegenüber der "vita contemplativa" ; dem Handeln den Vorzug geben gegenüber der "vita contemplativa " des einsamen Denkers, eine platonischen Strömung, die unter Pico d. Mirandola und M. Ficino ausgearbeitet später auf den gesamten abendl. Humanismus ausstrahlen sollte.
     
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