MIgration der Hugenotten in Preußen - inwiefern profitierten die 3 beteiligten Parteien

Dieses Thema im Forum "Zeitalter der Glaubensspaltung (1517 - 1648)" wurde erstellt von Maximilian111, 19. November 2020.

  1. Maximilian111

    Maximilian111 Neues Mitglied

    Die Migration der Hugenotten in Preußen,

    inwiefern war dies vorteilhaft (oder nachteilhaft) für folgende 3 Gruppen:

    Ludwig XIV.

    Hugenotten

    Kurfürst Friedrich Wilhelm I.
     
  2. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    Was hast Du denn schon an Material zusammen?
     
  3. Tannhaeuser

    Tannhaeuser Aktives Mitglied

    Ludwig war sie los, die Hugenotten hatten ihre Ruhe und der Große Kurfürst hatte neue Steuerzahler
     
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  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    ...die zudem Knoffhoff mitbrachten.
     
  5. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

    wollte er aber gar nicht,
    weil:
     
  6. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Ich würd hier, zumindest für die kurzfristige Betrachtung, eher auf die allgemeine Anregung des Wirtschaftslebens und "Knoffhoff", wie ElQ es nennt, abstellen, da die Hugenotten mWn anfangs recht weitreichende Steuerbefreiungen oder -vergünstigungen genossen. Was wiederum auch einen Vorteil für diese darstellte.
     
  7. Divico

    Divico Aktives Mitglied

    Die erzwungene Migration der Hugenotten, nicht nur nach Brandenburg, sondern auch etwa in die Niederlande und in die Schweiz, erwies sich im Nachhinein für Frankreich als sehr nachteilig und ermöglichte wohl erst den Aufstieg Großbritanniens zur dominierenden Weltmacht.

    Für die Aufnahmeländer ist es hingegen ein großer Gewinn gewesen, da man dank des oben schon erwähnten "Knoffhoffs" der Migranten technologisch Anschluss halten konnte.
     
  8. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Vor einigen Monaten lief im TV eine interessante Dokumentation zur Emigration der französischen Protestanten:

    Flucht im Namen Gottes - Die Hugenotten

    Ich habe auf die Schnelle sie nicht in Mediatheken oder größeren Videoportalen gefunden.

    In dem Zusammenhang sollte man sich auch kurz mit den folgenden Edikten beschäftigen:

    Edikt von Nantes – Wikipedia von 1598, durch den der Protestantismus (eigentlich Calvinismus) zumindest toleriert wurde.

    Dieses Edikt wurde durch das Edikt von Fontainebleau – Wikipedia von 1685 aufgehoben. Damit wurde der Katholizismus allein zur Staatsreligion und alle anderen Kulte wurden verboten. Im Gegensatz z. B. zum Augsburger Religionsfrieden im Heiligen Römischen Reich gab es aber nicht das Recht auf Emigration.

    Die Calvinisten, die nicht zum Katholizismus konvertieren wollten, mußten das Land heimlich und illegal verlassen. In der französischen Wikipedia finde sich die geschätzte Angabe, wonach 25 % der französischen Protestanten (200.000) das Land verlassen haben. ("Au total, selon Jean-Paul Pittion, il est probable qu’entre 1680 et 1700, quelque 25 % des protestants français, soit 200 000 huguenots (comme on les appela au Refuge), s’enfuirent du royaume »7. " Édit de Fontainebleau (1685) — Wikipédia )

    Dann noch das Edikt von Potsdam – Wikipedia , durch das Brandenburg zu einem der Zufluchtsländer für die Hugenotten wurde.

    Den Grund hat El Q schon genannt:
    sagen wir mal: savoir-faire :) (mais aussi savoir-vivre)
     
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  9. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Da habe ich bei Protestanten eher meine Zweifel. John Knox etwa hieß nicht umsonst mit Spitznamen „Kill Joy“. Gut, der war Calvinist oder, wie man im anglophonen Bereich sagt, Presbyterianer, aber die protestantischen Strömungen waren, wenn man vom katholischen Zölibat für Priester und Ordensleute mal absieht, lustfeindlicher als der Katholizismus. Heute hat sich das egalisiert, sofern die Menschen sich überhaupt noch einer Religion/Konfession zugehörig fühlen.
     
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  10. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Die Hugenotten sind aber auch Calvinisten. Aber mit "savoir vivre" meinte ich auch eine Reihe von neuen Gewerben, die eher auf Luxus ausgerichtet sind:


    Hugenotten in Berlin – Wikipedia
     
  11. Divico

    Divico Aktives Mitglied

    Wobei der Luxus für Calvinisten immer einen Nutzen haben musste. Weil unnützer Schmuck verpönt war, blühte etwa in der Schweiz die Uhrenindustrie auf.
     
  12. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Ich würde Dir empfehlen, mal unter "Hugenotten(kriege)", "Bartholomäusnacht", "Edikt von Nantes", zu gooogeln, falls du es nicht schon getan hast.

    Als Ludwig XIV. 1685 das Edikt von Nantes widerrief, hat er langfristig objektiv gesehen sich selbst und Frankreich geschadet, indem er äußerst leistungsfähige, gut ausgebildete Steuerzahler in die Emigration trieb, die im Prinzip loyal zum König und patriotisch gesinnte Franzosen waren. Diese wurden in ihren neuen Heimatländern in Preußen oder Hessen-Kassel noch loyaler zur neuen Heimat und begeisterte Hessen oder Preußen, aber die französische Sprache und Kultur pflegten die Hugenotten auch in der Emigration weiter oft mehrere Generationen lang. Theodor Fontane preußischer Abkömmling von Hugenotten schreibt in seiner Autobiographie "Meine Kinderjahre", dass im Hause Fontane französisch gesprochen wurde, bis zum Debakel von Jena und Auerstedt, als Napoleon die preußische Armee so vernichtend schlug, dass Preußen gr0ßes Glück hatte, nicht ganz von der Landkarte zu verschwinden. Aus preußischem Patriotismus heraus sprach man bei Fontanes dann deutsch, blieb aber zweisprachig.
    In Preußen und Hessen-Kassel fanden die Hugenotten freundliche Aufnahme. Sie brachten Kapital, Innovationen, Know How mit und natürlich ihre kulturellen Traditionen.

    In Hessen bekamen Hugenotten und ihre Nachfahren viele Vergünstigungen. Sie wurden von Einquartierungen und Aushebungen befreit, was teilweise für Ärger bei der alteingesessenen Bevölkerung sorgte. Insgesamt haben sich die Hugenotten schnell in ihren neuen Heimatländern integriert, und sie wurden auch dort sehr leistungsfähige, loyale und gut ausgebildete Steuerzahler, deren Nachfahren sich auf vielen Gebieten auszeichneten. Es waren junge Damen der Kasseler Gesellschaft, viele mit hugenottischen Wurzeln, die zwei schüchternen Brüdern aus Hanau, ausgebildete Juristen die Märchen erzählten, die Wilhelm und Jakob Grimm sammelten und dabei die moderne Volkskunde und Germanistik begründeten. In der Wirtschaft, Verwaltung und beim Militär, aber auch in der Wissenschaft spielten Hugenotten und ihre Nachfahren in Preußen und Hessen eine bedeutende Rolle. Marthe de Ruculle, erzog zwei preußische Könige, Friedrich Wilhelm I. und Friedrich II. Heinrich de la Motte Fouqué war General und Freund von Friedrich dem Großen. Simon Du Rhy wurde der bedeutendste Architekt Hessens und einige der Bauten aus dem 18. Jahrhundert, die Kassel seinen Charme geben und die den Feuersturm des 2. Weltkriegs überdauerten, wurden von ihm erbaut.


    Dieser kurze Exkurs in die Kulturgeschichte macht klar, dass Preußen oder Hessen nichts besseres passieren konnte, als die Einwanderung von leistungsfähigen, gut ausgebildeten, motivierten Fachkräften und Steuerzahlern, die Know How vor allem im Textilgewerbe mitbrachten und die auch noch die "richtige" (reformierte) Konfession hatten.

    Die Hugenotten fanden freundliche Aufnahme und überaus günstige Bedingungen und Anreize, und sie dankten es ihren Gastländern mit großer Loyalität und Engagement. Also sozusagen eine "win-win-Situation für die Hugenotten.

    Für Frankreich war es ein Verlust, es verlor ganz unnötig wertvolles Humankapital und Know How, und es verlor nicht nur die Hugenotten, sondern auch ihre Nachkommen. In beiden Weltkriegen zeichneten sich deutsche Offiziere und Generale aus, die wohl auf französischer Seite gekämpft hätten, hätte Ludwig XIV. nicht das Edikt von Nantes widerrufen. Insgesamt wird man sicher feststellen müssen, dass das Edikt von Nantes ein Fehler war, der Frankreich wertvolles Humankapital und Know How kostete, das nach Preußen, in die Niederlande, nach Hessen abwanderte, ins feindliche Lager abwanderte.
     

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