Ming-Kaiser Yongle 1403-1424

Dieses Thema im Forum "Indien | Ferner Osten" wurde erstellt von Louis le Grand, 23. August 2004.

  1. Louis le Grand

    Louis le Grand Neues Mitglied

    Weiterführende Ergänzung zu: http://www.geschichtsforum.de/showthread.php?t=1612


    „Nichts was dieser Mann tat, tat er im kleinen. Selbst auf den unwichtigsten Reisen nahm er stets 10.000 Mann Kavallerie, 40.000 Mann Infanterie und 1000 Diener mit sich.“
    Chinesischer Historiker

    Yongle war von mittlerer Größe; sein Bart weder sehr lang noch sonderlich kurz; seine Erscheinung beeindruckend.“Ein arabischer Gesandter beschreibt Yongle im Jahr 1420.


    Geboren: 1360 als Zhu Di

    Titel vor Thronbesteigung: Prinz von Yan

    Thronbesteigung: 1403, Regierungsdevise Yongle, „Immerwährende Freude“

    Vater: Kaiser Hongwu , vierter Sohn

    Mutter: Offiziell Kaiserin Ma; wahrscheinlich aber eine niedere Konkubine

    Gemahlin: Kaiserin Xu (gestorben 1407)

    Kinder: etwa 10 Söhne, einige unbekannte Töchter

    Gestorben: 1424; 16 Konkubinen mit ihm begraben

    Grab: Changling-Mausoleum, Ming-Gräber bei Beijing

    Tempelname: Chengzu; „Vollendeter Ahne“


    Ein Prinz wird Kaiser:

    Dem Tod des ersten Ming-Kaiser Hongwu folgten vier bittere Jahre des Bürgerkriegs, in welchem sein Enkel und Nachfolger, der 16-jährige Kaiser Jianwen, abgesetzt wurde. Jianwen hatte versucht die Macht und den Reichtum der anderen Ming-Prinzen zu seinen Gunsten einzuschränken. Dies hatte zur Folge, dass sich sein Onkel der Prinz von Yan, Zhu Di, Kommandant der so wichtigen Nördlichen Region, gegen ihn erhob, da er seinen Neffen für schwach und unfähig hielt. Zhu Di machte sich seine militärischen Talente zu nutzen und überwältigte die Truppen des Kaisers, marschierte nach Süden, eroberte die Hauptstadt Nanjing, wurde zum Kaiser ausgerufen und verkündete die Devise Yongle (Immerwährende Freude). Der Körper seines besiegten Neffen wurde nie gefunden.

    Yongle war ein geborener Herrscher. Dynamisch und hoch Intelligent, hatte er eine ausgezeichnete militärische, literarische und politische Ausbildung erhalten und schon zur Zeit seines Vaters höchst erfolgreiche Feldzüge gegen die Mongolen unternommen. Nach der Machtübernahme als ‚Sohn des Himmels’ löschte er alle seine Feinde aus, deren Familien und Unterstützer, samt der Nachbarn, Lehrer, Schüler, Diener und Freunde. Wenn er sich an der Macht halten wollte, dann durfte es niemanden mehr geben, der seinen Anspruch hätte in Frage stellen können.

    In seiner Zeit zählten die Ming etwa 100 Millionen Untertanen und Nanjing wurde von 1.200.000 Einwohnern bevölkert. Doch dies empfand Yongle als zu gering. Darum verlegte er die Hauptstadt 1421 von Nanjing (Südliche Hauptstadt) nach Beijing (Nördliche Hauptstadt), seiner alten Machtbasis. Sofort nach seiner Thronbesteigung ordnete er die Planung der neuen Stadt an. Etwa 450.000 Arbeiter wurden beschäftigt, das neue Zentrum der Welt und des Kosmos zu errichten. Die Ausmaße der Stadtmauern betrugen 8km von Osten nach Westen, 10km von Norden nach Süden, in der Form eines Quadrat. Im Zentrum befindet sich die Kaiserstadt, 2,5km mal 2,8km. Dort befanden sich die kaiserlichen Magazine, der große Ahnentempel, Parks und Paläste der höchsten Beamten. In deren Zentrum wiederum die „Verbotene Stadt“, ein Quadrat von 1000m mal 1300m. Damit doppelt so groß wie der Palast von Nanjing. Das bis heute größte und schönste zusammenhängende Areal chinesischer Architektur. Schnell hatte Beijing eine Einwohnerzahl von 1.300.000 Menschen. Da die Mongolen noch immer Chinas größte Feinde waren, ist diese Verlegung Ausdruck strategischen Denkens. An sich blieb das Beijing Yongle’s optisch unverändert bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts.


    Politik:

    Um die geostrategische Lage des China der Ming-Dynastie bewerten zu können, habe ich eine politische Karte Asiens im 15. Jahrhundert gewählt. Dazu sei aber noch einiges angemerkt. Zunächst zeigt das gelbe Gebiet nur die Gebiete, die in chinesische Provinzen (sheng) eingeteilt sind, also zivilen Statthaltern unterstehen und lässt die militärischen Bezirke und Protektorate ungekennzeichnet. Daher: ganz Tibet gehört ebenso zum Ming-Reich, die Ming hatten darauf verzichtet Tibet in eine Provinz umzuwandeln und teilten es statt dessen unter verschiedenen Adelshäusern und Klöstern auf, die dem Kaiser unterstanden und von diesem ihre Legitimität ableiteten; Korea war ein chinesischer Vasall und gehörte ebenso zum Reich, Hongwu hatte Korea einst unterworfen, da dieses weiterhin die Yüan als ihren Oberherrn ansahen, er stellte sie vor die Wahl: entweder völlige Akzeptanz der Ming als Oberherrn oder Auslöschung der regierenden Dynastie; im Nordosten ging der Machtbereich der Ming bis weit hinein in die Mandschurei, bis zur Küste des Baikalsee und der südlichen Ostküste Sibiriens. Also Geduld: http://map.huhai.net/54-55.jpg

    Keine andere Dynastie betrieb einen derartigen Luxus und Pomp wie es die Ming taten. Ihre Dynastie gilt als Zeitalter des chinesischen Absolutismus, denn niemals zuvor oder danach wurde soviel Macht in der Person des Kaisers konzentriert. Yongle erntete die Früchte der Politik seines Vaters, seine Herrschaft gilt als eine der strahlendsten der Geschichte Chinas. Der Wohlstand wuchs und die Bevölkerung nahm zu. Auf der Grundlage der guten Ernten konnte er große Offensiven gegen die Mongolen starten, diese befehligte er meist selbst und dies mit großen Erfolg. Er brachte den Mongolen einige der schwersten Niederlagen ihrer Geschichte bei, trieb sie weit nach Norden zurück und bedrohte sogar ihre Hauptstadt Karakorum. Im Schnitt umfasste jede seiner Kampagnen etwa 600.000 bis 700.000 Soldaten, ausgerüstet mit Kanonen, Bombarden und Raketenwerfern. Im Süden eroberte er Annam (Vietnam). Diplomatische Gesandtschaften reisten nach Osten, Westen und Süden. Von Korea und Japan (wo ein profitables Handelsabkommen geschlossen wurde) über Java, dann von Indochina nach Zentralasien und in den Nahen Osten bis nach Transoxanien. Daheim unterstützte Yongle die Gelehrten und förderte die Sammlung von Klassikern und die Literatur. Besonders die Publikation des vollständigen buddhistischen Tripitaka mit 6.771 Sektionen ist berühmt. In einer weitreichenden Entscheidung brach er mit Hongwus Politik die Eunuchen von der Politik auszuschließen und gebrauchte sie als Botschafter, militärische Beamte und Spione um ein Gegengewicht zu den Beamten zu haben. So erzeugte er bewusst einen Gegensatz zwischen Inneren und Äußeren Hof.


    Die großen Expeditionen zur See: nach Gernet und Paludan.

    Die Yongle-Epoche ist berühmt für ihre großen Expeditionen zur See. Sie beweisen die technische Überlegenheit Chinas zu Beginn des 15. Jahrhunderts. Chinas Vorsprung erklärt sich aus der Kontinuität seiner Schifffahrtstradition, die auf das 11. Jahrhundert zurückging und sicherlich nie unterbrochen wurde: die Flotte, deren Bau die Mongolen Ende des 13. Jahrhundert zur Einnahme Javas in Auftrag gaben, wurde im unteren Yangzi-Gebiet fertiggestellt, wohl am selben Ort, an dem die Kriegs- und Handelsschiffe der Song-Zeit gebaut worden waren. Die Epoche der großen Hochseedschunken umfasst den ganzen Zeitraum vom 11. Jahrhundert bis zu den großen Expeditionen vom Beginn des 15. Jahrhunderts. Diese Expeditionen stellen also keine vorübergehende Ausnahmeerscheinung dar, sondern müssen in allgemeinerem Zusammenhang gesehen werden: in der Gesamtheit der chinesischen Seefahrtsunternehmungen. Die Expeditionen der Yongle-Ära sind nur deshalb in den Dynastiegeschichten besonders hervorgehoben worden, weil es sich um offizielle Unternehmungen handelte. Ihr Zustandekommen bliebe unverständlich, wenn man vergäße, dass China nicht nur die Großmacht der Steppenzone und der Hochebene Zentralasiens, sondern auch ein Land der Seeleute und Forschungsreisenden gewesen ist.

    Über die Gründe für die Expeditionen zur See zu Beginn des 15. Jhr. sind die Meinungen in der Forschung geteilt: waren es militärische und diplomatische Expeditionen oder Prestigeangelegenheiten oder Unternehmungen, die das Ziel hatten, den Kaiserhof mit Luxusprodukten und exotischen Kuriositäten zu beliefern? Wahrscheinlich waren alle diese Aspekte daran beteiligt. Sie entsprachen jedenfalls einem Plan, der schon unter der Herrschaft von Hongwu Gestalt angenommen hatte, und von diesem Zeitpunkt an war ihnen eine aktive diplomatische Tätigkeit in den Überseeländern vorangegangen. In der Gegend von Nanjing wurden im Jahr 1391 über 50 Millionen Bäume angepflanzt, mit dem Ziel, eine schlagkräftige Hochseeflotte zu bauen und Expeditionen zur See in ferne Länder zu unternehmen. Gleich nach der Gründung der Ming-Dynastie begann China ausländische Gesandtschaften anzuziehen, die aus allen Ländern Ostasiens in Nanjing eintrafen: im Jahr 1369 aus Korea und Japan, Vietnam und Champa; 1371 aus Kambodscha und Siam; 1370 und 1390 aus den Reichen der malaiischen Halbinseln und sogar von der Koromandelküste. Heute noch kann man in einem Vorort von Nanjing das Grab eines Königs von Borneo besichtigen, der mit seiner Familie und seinem zahlreichen Gefolge nach China gekommen war und dort im Jahr 1408 starb. Kürzlich wurden Fragmente einer Grabstele entdeckt, mit deren Hilfe er identifiziert wurde.

    Von Eunuchen angeführte chinesische Gesandtschaften reisten im Jahr 1403 nach Java und Sumatra, nach Malakka und Kotschin an die Westküste Südindiens. Es ist anzunehmen, dass die großen Häfen Kanton, Quanzjou und Fuzhou seit dem 13. Jahrhundert mit diesen fernen Ländern in ständigen Handelsverkehr standen, denn andernfalls ließe sich die Wiederanknüpfung der diplomatischen Beziehungen kaum erklären. Andererseits ist es klar, dass die Ming-Dynastie mit ihren stark expansionistischen Absichten die Politik der Mongolen wieder aufnahm, wenn sich auch der Stil geändert hatte: es ging nicht mehr darum, einfach Eroberungen mit dem Zweck wirtschaftlicher Ausbeutung zu machen; vielmehr sollten die Macht und das Prestige des Ming-Reichs in Südostasien und im Indischen Ozean Anerkennung gewinnen. Die großen maritimen Expeditionen der Yongle-Ära fanden gleichzeitig mit den militärischen Operationen nach Vietnam und der Besetzung dieses Landes ab 1406 statt.

    Sie wurden vom Eunuchen Zheng He (1371-1434) organisiert, einem chinesischen Moslem aus Yunnan, dessen Vater Hadschi war, da er eine Wallfahrt nach Mekka unternommen hatte. Der Sohn war nach der Eroberung Yunnans durch Hongwu im Jahr 1382 in Beijing als Eunuch in die Frauengemächer des Prinzen von Yan, des späteren Kaisers Yongle, eingetreten. Sein Familienname war Ma (die erste Silbe von Mohammed), im Jahr 1404 nahm er jedoch den Namen Zheng an. Nachdem er wichtige militärische Ämter bekleidet hatte, leitete er sieben Expeditionen zur See , die unter der Herrschaft von Yongle und Xuande stattfanden.


    Hier die Daten und die Reiserouten:

    1. 1405-1407: 317 Schiffe, Champa, Java, Sumatra, Malakka, Ceylon, Kalikut (Westküste Indiens). In Majapahit, einem javanischen Königreich, griff Zheng He in eine Thronfolgeaffäre und in Palembang (Sumatra) in einem Konflikt zwischen der Lokalregierung und der chinesischen Kolonie ein.

    2. 1407-1409: 249 Schiffe, Kalikut, Kotschin (Malabar) und Ceylon. An diesen drei Orten ließ Zheng He Stelen errichten, die die Reiche von Kalikut, Kotschin und Ceylon zu Vasallen des Ming-Reiches erklärten.

    3. 1409-1411: 48 Schiffe, Siam, Malakka, Küste von Malabar, Ceylon. Zheng He widersetzte sich den Ansprüchen Majapahits auf Malakka und ließ dort eine Stele errichten. Er besiegte die königliche Streitkräfte auf Ceylon.

    4. 1413-1415: 63 Schiffe, Kalikut und Ormus (am Eingang des Persischen Golfes). Ein Teil der von Sumatra aufgebrochenen Flotte erreichte nach einer rund 6.000 km langen Reise ohne Zwischenlandung die Ostküste Afrikas in der Gegend von Mogadischu in Somalia und Aden. Während dieser Expedition griffen die chinesischen Truppen in die inneren Angelegenheiten des Sultans von Samudra-Pasai im Nordwesten von Sumatra ein.

    5. 1417-1419: Anzahl ?, wieder Ormus. Ein Teil der Flotte begab sich von Sumatra zur Küste Somalias und nach Arabien. Nach der längsten Seereise, die zu dieser Epoche je unternommen wurde, kehrte sie im Jahr 1420 über Aden und Ormus wieder zrück.

    6. 1421-1422: 41 Schiffe, Die Flotte Zheng Hes gelangte nach Sumatra, während eine andere Flotte nach Ostafrika und in den Persischen Golf segelte.

    7. 1431-1433: 120 Schiffe, Champa, Java, Palembang (Südost-Sumatra), Malakka … Küste von Malabar, Ormus. Ein Teil der Schiffe fuhr von Kalikut nach Djida, dem Hafen von Mekka und traf nach einer Reise über Aden und die Südküste Arabiens wieder mit der Hauptflotte zusammen.



    Diese aus mehreren Dutzend riesiger Dschunken bestehenden Expeditionen, auf denen bei jeder Reise über 30.000 Personen befördert wurden, scheinen sämtliche Erwartungen erfüllt zu haben: Chinas Prestige stieg in allen Meeren Ostasiens, auf den Inseln und Halbinseln im Südosten und im Indischen Ozean gewaltig an und mit allen Staaten dieser Region dehnte sich der Handel in Form von Tributlieferungen rasch aus. Die größten Schatzschiffe waren Neunmaster, die angeblich 134m lang waren. Die Kontakte, die seit der vierten Expedition Zheng Hes mit dem Nahen Osten aufgenommen wurde, hatte zweifelsohne zwei Gesandtschaften des ägyptischen Mameluckenreiches nach Nanjing zur Folge, eine im ersten Viertel des 15. Jhr., eine weitere im Jahr 1441. Die Überlegenheit der chinesischen Flotte erklärt auch, warum die japanischen Piraten, die sich zu Beginn der Dynastie an den chinesischen Küsten bemerkbar gemacht hatten, in der ersten Hälfte des 15. Jhr., fast vollständig verschwanden. Es scheint, dass die Auswahl eines Mohammedaners, der offenbar eine bemerkenswerte und gebildete Persönlichkeit war, zum ersten Kommandanten und Hauptgesandten für die Länder, in denen sich der Islam schon lange durchgesetzt hatte oder damals einzudringen begann, ein besonders kluger Schachzug war. Der Erfolg Zheng Hes in Südostasien hinterließ dort so tiefe Spuren, dass er als Gott verehrt wurde und sein Kult bis heute noch nicht ganz verschwunden ist. Die Tempel, in denen er verehrt wurde, tragen den Sanbao miao, der sich auf den offiziellen Zheng Hes, Sanbao taijian, bezieht.

    Wie bereits nach anderen Gesandtschaften in ferne Länder erschienen nach den Seereisen der Jahre 1405-1433 geographische Werke, die die Kenntnisse der Chinesen über die Meere und die Überseeländer erweiterten und präzisierten. Die Berühmtesten davon sind die „Aufzeichnungen über die Barbarenreiche der westlichen Meere“, die im Jahr 1434 gedruckt wurden, die „Wunderdinge, die vom Sternenschilf entdeckt wurden“ von 1436 und die „Wunder der Meere“, die ein Begleiter Zheng Hes, der Eunuch Ma Huan, im Jahr 1451 herausgab, er hatte an der ersten, vierten und siebten Expedition teilgenommen. Die Expeditionen Zheng Hes hatten auch zur Folge, dass der alte Handelsstrom und die chinesische Emigration in die südostasiatischen Länder und die Häfen Südindiens zunahmen.


    Yongles Grab:

    Yongle starb 1424 während eines Feldzugs gegen die Mongolen und wurde mit seiner Frau auf dem Gelände der kaiserlichen Ming-Gräber bestattet, das er selbst nordwestlich von Beijing hatte anlegen lassen. Sein Mausoleum ist der Changling-Bezirk , eines der größten Kaisergräber das je erbaut wurde. Zu dieser Zeit war es üblich, dass beim Tod des amtierenden Kaisers, dessen Konkubinen Selbstmord begingen, um an der Seite ihres Herrn bestattet zu werden und ihm so auch im Jenseits dienen und erfreuen zu können. Yongle nahm seine 16 Nebenfrauen mit in den Tod. Was uns zwar sehr grausam erscheint, damals aber als enorm große Ehre galt. In jüngster Zeit wird immer wieder darüber nachgedacht, Yongles Grab zu öffnen und den unterirdischen Palast gründlich zu erforschen, sowie die kostbaren und zahlreichen Schätzen zu heben. In der Tat stellt dies ein Unikum in China dar, denn obwohl uns alle Kaisergräber der letzten 2200 Jahre bekannt sind, ist bisher nur ein einziges, das des Ming-Kaiser Wanli, jemals geöffnet worden. Die Ming-Gräber, die einen gewaltigen Maßstab haben und ungemein prächtig sind, sind mit Sicherheit alle unberührt. Die enorme Wichtigkeit dieses Himmelssohnes, könnte tatsächlich zur Erforschung der Gruft führen. Das einzige Problem wird wohl die große Anzahl an Artefakten sein, die dort zu erwarten sind.

    Wanlis Grab lässt Rückschlusse auf Yongle zu. Obwohl Wanli nur mit zwei weiteren Personen bestattet wurde, war die Hauptkammer mit zahlreichen Schatzkisten gefüllt. Die Ausgrabungen von Wanlis unterirdischen Palast Dingling, fanden von 1956 bis 1958 unter der Leitung von Dr. Xia Nai statt. Man fand dort juwelenbesetzten Kopfschmuck aus Golddraht gefertigt, mit Gold und Perlen besetzte Helme, exquisite Jadeobjekte, goldene Essstäbchen und Pokale, Geld, zahllose fein gewebte Seidenroben, jedes beschriftet mit Datum und den Ort der Herkunft, sowie den dafür zuständigen Beamten. Der „Palast“ ist in sechs längliche Kammern unterteilt. Zunächst eine Vorkammer die durch eine schwere Marmortür versiegelt war, dann die äußere Halle, diese wiederum durch Marmortüren verschlossen. Dann kam die zentrale Halle in der sich drei Marmorthrone befinden, davor brannten „Ewige Feuer“, große Porzellanvasen die mit Öl gefüllt waren. Von dort gehen kreuzförmig die Sargkammern aus, rechts und links leer. In der hinteren Kammer befanden sich die Särge und Truhen, auf einem erhöhten Podest an der Wand. Yongle dürfte wohl eher nicht, derart „bescheiden“ gewesen sein.

    Die beiden Links informieren exelend über die Ming-Gräber:
    http://www.chinatoday.com.cn/chinaheute/chinaheute-6/ming.htm
    http://www.chinavista.com/travel/13tomb/main.html


    Die Nachfolger:

    Yongles Nachfolger setzten seine Politik fort.

    Sein ältester Sohn, Kaiser Hongxi, war dick und kränklich. Litt an Gicht und galt als eher unmilitärisch und sagte sogar Manöver ab, wenn es ihm zu kalt war. Er war ein ausgezeichneter Verwalter und Organisator, der bereits gelegentlich als Regent fungierte, wenn sein Vater auf Feldzügen im Norden verweilte, seine natürliche Menschlichkeit machte in sehr beliebt. Hongxi starb aber bereits nach einem knappen Jahr, hinterließ 10 Söhne und 7 Töchter. Seine Gemahlin, Kaiserin Zhang, überlebte ihn bis 1442 und wurde zu einer machtvollen und respektierten Regentin, die einen stabilisierenden Einfluss auf die beiden folgenden Herrschaften ausübte. Zehn Konkubinen wurden mit Hongxi im Xianling bestattet.

    Yongles Enkel, Kaiser Xuande, war von seinem Großvater stark geprägt. Er hatte etwas von dem „perfekten Menschen“ der Renaissance und ist fast so berühmt wie Yongle. In seinen militärischen Ambitionen machte er sich bei seinem Großvater beliebt, hatte großes verwaltungstechnisches Talent, legte enormen Willen an den Tag die Verantwortung für den Staat zu tragen, er war ein Patron der Künste. Nach einem frühen Versuch eines Onkels, den Thron zu usurpieren, der schnell unterdrückt wurde, galt seine Herrschaft als sehr stabil, blühend und kulturell einzigartig. Er folgte einer stabilisierenden Außenpolitik, zog sich aus Vietnam zurück, nicht ohne den Versuch einen Vasallen einzusetzen. Im Norden schuf er Ruhe, indem er die Mongolen in zwei feindliche Lager teilte. Die Gegensätze zwischen Hof und Verwaltung schwächte er ab, indem er gute Beziehungen zu den fähigen Minister unterhielt. Diese hatte er von Yongle übernommen und wandelte das „Kaiserliche Großsekretariat“ von einer beratenden Institution in ein kontrollierendes Organ um. Xuande tat sich als Reformer hervor, der Ungerechtigkeiten bekämpfte, sich mit Todesstrafen zurückhielt und die Inhaftierung mitteloser Schuldner ablehnte. Sein größter Fehler war vielleicht, die Macht der Eunuchen zu erweitern, indem er eine Palastschule für Eunuchen gründete und diese als militärische Aufseher einsetzte, „Große Verteidiger“ genannt. Dies erweckte den Neid der konfuzianischen Beamten. Xuande war der erste Ming-Herrscher, der von staatlicher Seite die Künste konsequent und gezielt förderte. Der ‚Sohn des Himmels’ galt selber als talentierter Poet und einer der besten Künstler der Ming-Zeit, der seine Werke mit „neckisch gemalt durch den kaiserlichen Pinsel“ signierte. Er holte sich Maler an den Hof, schmückte die Ming-Gräber mit wunderschönen Kolumnen und errichtete den größten Marmorbogen Chinas. Großzügig unterstützte er die Porzellanmanufakturen, die sofort weltberühmt wurden. Als anspruchsvoller Sammler entsandte er Eunuchen in die ganze Welt, um wertvolle Raritäten zu kaufen: Luxusgüter, ungewöhnliche Steine, seltene Tiere, davon sogar kämpfende Grillen. Die Eunuchen nutzte er auch als Gesandte, etwa um Korea aufzufordern ihm Jungfrauen für den kaiserlichen Harem zu senden. Xuande folgte sein ältester Sohn von seiner zweiten Frau Kaiserin Sun nach, Kaiser Zhengtong. Zehn Konkubinen wurden mit ihm im Jingling begraben.


    Chronologische Übersicht der Yongle- bis Xuande-Ära:

    1401 Rebellion des Prinzen von Yan, Zhu Di, in Beijing

    1402 Zhu Di nimmt Nanjing ein und lässt sich zum Kaiser ausrufen. Beginn der Yongle-Ära

    1403 Gründung von Malakka durch einen indonesischen Fürsten. Wiedereröffnung der Ämter für Handelsschiffe. Einsetzung von tusi – von den Ming abhängiger Führer – in Nord-Laos

    1403-1435 Bau von Großen Mauern in Nordchina

    1405 Tod Timurs (Tamerlan)

    1405-1433 Große maritime Expeditionen der Ming nach Südostasien und in den Indischen Ozean, den Persischen Golf, ans Rote Meer und an die Ostküste Afrikas.

    1406 Besetzung Vietnams durch die Heere der Ming. Die neue Hauptstadt Beijing wird gebaut

    1407 Schaffung des Siyiguan, eines Dolmetscherbüros für Beziehungen zum Ausland

    1407-1418 Missionen des Eunuchen Li Da nach Zentralasien und ins Timuriden-Reich

    1408 Tod eines an den Ming-Hof gereisten Fürsten von Borneo in Nanjing

    1409 Einziehung von 47.000 Mann für Kriegszüge nach Vietnam. Auf hoher See besiegt die chinesische Flotte die japanischen Piraten.

    1410 Angriff der Singhalesen auf das Expeditionskorps Zheng Hes in Ceylon. Chinesischer Sieg. Sieg der Ming am Onon in der östlichen Mongolei

    1411-1415 Wiederherstellung des Großen Kanal

    1412 Umfangreiche Instandsetzungsarbeiten an den Dämmen des Gelben Flusses.

    1412-1413 Chinesische Siege in Vietnam

    1414 Großer Kriegszug von 500.000 Mann gegen die Oiraten in der Mongolei

    1415 Der Eunuch Chen Cheng wird als Gesandter nach Zentralasien und ins Timuriden-Reich geschickt. Der Große Kanal wird eröffnet

    1417 Japanische Piraten an der Küste Zhejiangs

    1418 Der vietnamesische Widerstand gegen die Streitkräfte der Ming verstärkt sich

    1419 Sieg über die japanischen Piraten in Liaodong

    1420 Bauernaufstand unter der Führung von Tang Saier in Shandong

    1421 Beschluß, die Hauptstadt von Nanjing nach Beijing zu verlegen. Diese Verlegung findet schrittweise zwischen 1421 und der Mitte des 15. Jh. Statt

    1422 Feldzug gegen die Tataren

    1423-1424 Weitere Offensiven der Ming in der Mongolei

    1424 Die Oiraten werden bis zum Kerulen zurückgedrängt. Gründung des Sultanats von Atjeh in Sumatra

    1425 Lê Loi siegt in Vietnam über die chinesischen Truppen

    1426 Der Geheimrat (Neige) wird vorherrschend. Verstärkung des Absolutismus

    1427 Befreiung Vietnams und Gründung der Lê-Dynastie durch Lê Loi

    1428 (ab), Machtgewinn der Oiraten

    1430 Bau von Deichen an den Küsten Zhejings. Aushebung von Truppen und von Bauern für den Bau von Befestigungen im norden. Die Khmer verlassen unter dem Druck der Thai Angkor, das im darauffolgenden Jahr besetzt wird

    1433 Vertrag, in dem die offiziellen Beziehungen zwischen den Ming und Japan geregelt werden. Rückkehr der letzten maritimen Expeditionen unter Zheng He aus dem Indischen Ozean und dem Roten Meer. Gesandtschaften aus Mekka und Medina in Nanjing.



    Quellen:

    Eigentlich die selben wie bei dem Ming-Beitrag, mit einer Ausnahme:
    Shih-Shan Henry Tsai, Perpetual Happines: The Ming Emperor Yongle


    Denen die es tapfer bis hier ausgehalten haben, wünsche ich, ihm möge das selbe wiederfahren, wie China im 15. Jh.: yongle, „Immerwährende Freude“.
     
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