mobilisierende und integrierende Wirkungen des Nationalismus

Dieses Thema im Forum "Zeitalter der Nationalstaaten" wurde erstellt von Jacky93, 26. Oktober 2009.

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  1. Jacky93

    Jacky93 Neues Mitglied

    Ich verzweifle etwas an der Aufgabe, die mir mein netter Geschichtslehrer aufgegeben hat:
    Erörtern Sie, inwiefern man dem Nationalismus mobilisierende und integrierende Wirkungen zuschreiben kann.
    Zur Orientierung: Wir behandeln gerade den deutschen Nationalstaat im 19. Jhd. bzw. genauer gesagt:Europa und Deutschland zwischen Restauration und Revolution 1815-1847
     
  2. Klaus

    Klaus Neues Mitglied

    *Würg* Nicht schon wieder! Wir hatten doch gerade eine ermüdende Diskussion über Begriffsdefinitionen (http://www.geschichtsforum.de/f82/kriege-im-zeichen-des-nationalismus-29805/), und das nur, weil es den Geschichtslehrern offenbar großes Vergnügen bereitet, Begriffe wie Nationalismus, Nationalgefühl und Nationalmannschaft munter durcheinander zu werfen. Lernt man denn an der Uni nicht irgendwann einmal den sauberen Umgang mit Wörtern ?! :cry:

    Die Antwort auf die Frage (so wie sie gestellt worden ist) : Nationalismus mobilisiert die Armee für einen Angriff auf das Nachbarland und integriert dieses dann in das eigene Reich. =)
     
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  3. Jacky93

    Jacky93 Neues Mitglied

    ...hahaha... scherzkeks

    irgendwie genauer und irgendwie noch aus ner anderen perspektive betrachtet gehts nicht oder??
    Ich mein.. ich brauch das zwar nicht für eine Uni.. dafür aber für ein Gymnasium 11. Klasse.... also: noch weitere Ideen??... bei ner Erörterung braucht man ja schließlich mehrere Ansätze!
     
  4. Papa_Leo

    Papa_Leo Aktives Mitglied

    Klaus, jetzt musst Du mir aber mal erklären wieso der Geschichtslehrer hier Nationalismus falsch verwendet ... denn mit Verlaub ... DEINE Definition von Nationalismus ist für die Zeit des Vormärz nicht unbedingt die Richtige.

    Wie Du im anderen Thread schon schriebst: In der Umgangssprache und im neueren Sprachgebrauch ist "Nationalismus" ein negativer Begriff.

    - Umgangssprache interessiert mich aber in einer Diskussion unter Historikern/historisch interessierten nicht

    - ich würde sogar soweit gehen, dass man über diesen "neuen Sprachgebrauch" auch diskutieren könnte ... verbindlich ist "neuer Sprachgebrauch" aber nicht.

    Von daher ist Nationalismus sowol die "Überhöhung der eigenen Nation" (das ist der negative Begriff) ... als auch in der Zeit des Vormärzes (und wenn diese Zeit dazu genannt wird, wird kein Historiker auf die negative Interpretation des Begriffs kommen) der Wunsch nach einer einigen Nation in einem geschlossenen Staatsgebilde.
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. Oktober 2009
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  5. floxx78

    floxx78 Aktives Mitglied

    Oder eben auch nicht:

    Nationalismus mobilisiert die Reformer/Revolutionäre für einen Angriff auf die Kleinstaaterei, um eine Integration aller Deutschen in ein Reich zu erreichen.
     
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  6. Klaus

    Klaus Neues Mitglied

    Ein Ismus (-ismus ? Wikipedia) bezeichnet eine Ideologie, also einen nicht hinterfragbaren Glaubenssatz. Islamismus ist nicht gleich Islam ! Die Hartnäckigkeit, mit der dies durcheinandergebracht wird, erweckt den Eindruck, dass dahinter Methode steckt. Welche ? Na ja, wenn jemand systematisch friedliche Moslems als Islamisten tituliert, käme mir da schon eine Vermutung.

    @ Papa Leo (-> * ?) : So manche Wörter haben nach dem Nationalsozialismus einen negativen Klang bekommen. Dem sollte man doch im "neueren Sprachgebrauch" Rechnung tragen. Warum also sollte man den negativen begriff "Nationalismus" zweideutig gebrauchen, wenn es auch neutrale Begriffe wie z. B. "Nationalbewusstsein" als Alternative gibt ?
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. Oktober 2009
  7. Papa_Leo

    Papa_Leo Aktives Mitglied

    Weil im Zusammenhang mit der Zeit des Vormärz ausgeschlossen ist, dass ein Nationalismus im Sinne der Nationalsozialisten gemeint sein kann ...

    Weil man im Geschichtsunterricht durchaus den Schülern nahebringen möchte, dass "Nationalismus" eigentlich nicht immer dieses schlimme Wort ist, sondern mal ganz anders gemeint war ... weil man nur dann die Begriffe auch problematisieren kann.

    Weil ich durchaus einen Unterschied sehe, ob ich einen Sachverhalt unter Historikern/im Oberstufenunterricht bespreche - oder am Stammtisch (da sollte man zunächst mal mit dem Begriff in der Tat vorsichtig sein).

    Ich sehe überhaupt nicht ein, warum ich als Geschichtslehrer den Begriff "Nationalismus" für die Zeit des Vormärz im Unterricht der Oberstufe vermeiden soll, wenn den Schülern eben auch vermittelt wird, dass es verschiedene Formen des Nationalismus gibt. Wieso sollte ich die Entwicklung dieses Begriffs nicht besprechen, sondern für die Zeit vor dem Nationalsozialismus den Begriff "Nationalgefühl" nehmen?
    Von daher hat der Geschichtslehrer wohl auch diese Aufgabe gestellt (nein, es handelt sich nicht um mich).
    DU hast dann andererseits so getan, als würde hier jemand falsche Begrifflichkeiten verwenden und im Prinzip versucht, diesen Geschichtslehrer (vor seinem Schüler) und die Geschichtslehrer generell lächerlich zu machen, nach dem Motto "der verwendet falsche Begriffe, der hat an der Uni nichts gelernt".

    Dabei IST der Begriff nicht falsch, nur weil er Dir nicht gefällt bzw. man heute vorsichtig mit ihm umgehen sollte. Aber genau dieser Umgang mit dem Begriff erfordert auch, dass man lernt, wie er ursprünglich gemeint war ... ebenso wie die erste Strophe der Nationalhymne ... und wie er sich dann veränderte oder evtl. besser: verändert wurde.

    Dem Schüler zu signalisieren: Das ist gar kein Nationalismus, sondern Nationalgefühl ist einfach nicht richtig. Sicher, man kann auch Nationalgefühl sagen, aber es ist eben AUCH Nationalismus, wenn auch die Form zur Zeit des Vormärz.

    Genau weil man als Geschichtslehrer sehr genau mit solchen Begrifflichkeiten umgeht und den Schülern dies ebenfalls vermitteln möchte, ist es durchaus notwendig, für das frühe 19. Jhd. auch von "Nationalismus" zu sprechen.

    Was Du jetzt wiederum mit dem Islam/Islamismus Beispiel sagen möchtes, verschließt sich mir. Dass Nationalismus nicht gleich Nation ist, ist völlig klar ... der Nationalismus ist die Ideologie, die auf das Errichten einer einigen Nation mit einem einigen Staatsgebiet abzielt ... wo ist das Problem?

    Und genau dieser -ismus macht auch den Begriff "Nationalgefühl" nicht gleichwertig - denn Nationalgefühl ist wiederum keine Ideologie.
     
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  8. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    @Jacky

    Wie Du siehst, ist die Kategorie "Nationalismus" nicht so beliebt ;)

    Damit Du nichts vergisst, ein paar keywords zu Deiner Untersuchungszeit:

    Testfragen

    Was könntest Du erörtern:

    Nationalismus vs. Legitimismus

    Nationalismus ? Wikipedia

    Legitimität ? Wikipedia

    (Hier kannst Bezug auf den Wiener Kongreß und das "System Meternich" nehmen).

    Metternich?sches System ? Wikipedia

    Als Kernthese würde ich wählen:

    Nationale Bewegung (vom Bürgertum getragen [Turner, Burschenschaften etc.) vs. restaurative Repression, was nichts heissen muss.

    M.
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. Oktober 2009
  9. Jacky93

    Jacky93 Neues Mitglied

    also irgendwie hat mir das hier alles nicht weitergeholfen, dafür aber andere menschen auf dieser welt... trotzdem danke
     
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  10. pitbull

    pitbull Gesperrt

    jacky, kombinieren musst du schon selbst !
     
  11. Nomen Nescio

    Nomen Nescio Neues Mitglied

    Was ist gegen Begriffen als: Patriotismus, Vaterlandsliebe oder sogar Chauvinismus.
    Dann vermeidet man das Wort Nationalismus.
     

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