Motive der Kreuzzugsteilnehmer

Dieses Thema im Forum "Rittertum und Kreuzzüge" wurde erstellt von TabulaRasa, 31. August 2020.

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  1. TabulaRasa

    TabulaRasa Neues Mitglied

    Hallo zusammen!

    Ich schreibe derzeit eine Hausarbeit im Seminar über die Rezeption der Kreuzzüge.
    Im Rahmen dieser Seminararbeit steht die Frage nach den Motivationen der Kreuzzugsteilnehmer im Fokus.
    Welche Beweggründe fallen euch persönlich ein, die mittelalterliche Zeitgenossen dazu bewogen haben könnten, an einem Kreuzzug teilzunehmen?

    Ich freue mich auf eure Antworten.
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ist dir die Arbeitsaufgaben so gestellt worden oder hast du sie selber entwickelt? Erdmann, Entwicklung des Kreuzzugsgedankens solltest du lesen. Lass dich dabei vom Erscheinungsjahr der Erstausgabe (1935) nicht abschrecken, es ist bis heute als Standardwerk anerkannt und bemerkenswert frei von nationalsozialistischen Anklängen. Eine 2. Ausgabe erschien 1955, Erdmann überlebte aber den Krieg nicht, es ist also ein Nachdruck, keine überarbeitete Fassung.


    Mögliche Motive
    - Beute
    - lange Zeit gab es mal die Auffassung, dass vor allem jüngere Söhne in den Kreuzzug gezogen sind, also solche, die wenig Aussicht auf eine Übernahme des elterlichen Erbes hatten. Diese These ist aber heute meines Wissens überholt. Aber prüf das mal. Vielleicht ist diese Debatte auch noch nicht abgeschlossen.
    - das eigene oder familiäre Seelenheil, dass man Jerusalem von den „Ungläubigen“ (bitte immer in Anführungszeichen!) befreie.
    - Ruhm
    Diese Motive, die uns heute widersprüchlich erscheinen mögen, sind damals nicht unbedingt als widersprüchlich wahrgenommen worden. Also man kann durchaus Seelenheil, Ruhm und wirtschaftlichen Vorteil gleichermaßen als Motiv gehabt haben.

    Welche Quellen willst du heranziehen? Denn die spekulativen Motive helfen dir ja gar nichts, wenn du keine Quellen hast, anhand derer du sie belegen kannst.
     
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  3. TabulaRasa

    TabulaRasa Neues Mitglied

    Danke für Deine schnelle und ausführliche Antwort. Die Idee habe ich selbst entwickelt, diese wurde dann aber noch weiterentwickelt. Ich werde die genannten Motive in einem weiteren Schritt prüfen. Aber an dieser Stelle interessieren mich zunächst einmal eure individuellen Vorstellungen davon, welche Motive für die Kreuzzugsteilnehmer ausschlaggebend gewesen sein könnten, um sich in den Vorderen Orient zu begeben.
    Dabei sind natürlich inhaltliche Überschneidungen in den Beiträgen möglich und sogar erwünscht.
     
    Zuletzt bearbeitet: 31. August 2020
  4. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    Beim Kinderkreuzzug könnte auch Verblendung eine Rolle gespielt haben. Selbst ernannte Propheten wie Étienne de Cloyes oder Nikolaus von Köln (oder in der Legende der Rattenfänger von Hameln) versprachen Kindern (oder Knechten?) von Gott oder Engeln gesandt worden zu sein, um sie nach Jerusalem zu führen. Das überschneidet sich eventuell etwas mit dem "Seelenheil" Motiv, das ElQ nannte.
    Als Teil des "Beute-Motivs" kann man auch den Versuch ansehen, Land zu gewinnen, regionale Herrschaften zu etablieren. Die Kreuzfahrerstaaten in der Levante sind ein Beleg, der Wendenkreuzzug gegen die Elbslawen oder regelmäßige Kreuzzüge des Deutschen Ordens im Baltikum ("Preußenfahrt") weitere Beispiele.
     
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  5. PeterWestfale

    PeterWestfale Mitglied

    Ich persönlich könnte mir vorstellen:
    - religiöse Motive - ganz eindeutig (Wo der Unterschied liegt zwischen Verblendung und Glaube an Seelenheil, weiß ich nicht.)
    - Ruhm und Ehre
    - wirtschaftliche Not, z.B. als Raubritter oder sonstwie verarmter Adel (Ich weiß nicht ob das zeitlich passt: Raubritter und Kreuzzüge)
    - da habt ihr mich erst drauf gebracht: Hoffnung auf Beute (dazu muß man nicht unbedingt arm gewesen sein)
    - Glaube dass Gott dann segnet (Ich meine mich an einen Artikel zu erinnern, der besagt, dass die Leute als Ursache für die Pest mangelnde Frömmigkeit gesehen haben und dann Alles wieder gutmachen wollten durch einen KReuzzug)
     
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  6. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Ich möchte noch ergänzen:
    - Druck (durch wen auch immer). Die Teilnahme war keineswegs immer ganz freiwillig. Zu nennen wären etwa der französische Adlige Stephan von Blois (der Vater des gleichnamigen späteren englischen Königs), der von seiner Frau Adela genervt wurde, sich (wieder) auf Kreuzzug zu begeben, oder Kaiser Friedrich II., der von Päpsten unter Druck gesetzt wurde.
     
  7. Pausanias

    Pausanias Mitglied

    Mussten Vasallen eigentlich ihrem Lehnsherrn Heerfolge leisten, wenn sich dieser auf einem Kreuzzug begab?
     
  8. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    Vermutlich nicht. Johann Ohneland bspw hätte als Vasall seines Bruders Richard Löwenherz und als Vasall von König Philipp II. von Frankreich ja gleich zwei Mal zur Heerfolge im dritten Kreuzzug verpflichtet gewesen sein müssen. Er blieb aber in Europa.
    Wer hätte sich auch um die europäischen Besitzungen kümmern sollen, wenn alle Vasallen mit auf Kreuzzug gegangen wären?
     

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