Nachgeburtbestattung in Deutschland in der (Frühen) Neuzeit

Dieses Thema im Forum "Sonstiges in der Neuzeit" wurde erstellt von El Quijote, 20. April 2019.

  1. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich lese gerade von dem britischen Archäologen Paul Bahn dessen Kleine Einführung in die Archäologie (ÜS Reinhard Brenneke 2016, Orig. 1996), ein Buch, dass ich nur empfehlen kann, da witzig geschrieben.

    Bahn schreibt:

    Ein besonders beeindruckendes Beispiel verschwundener, aber identifizierbarer Überreste betrifft das Geheimnis, das zahlreiche unversehrte, aber völlig leere Gefäße darstellten, die man in den Kellern deutscher Häuser aus der Zeit zwischen dem 16. und dem 19. Jhdt. fand. Chemische Analysen der Ablagerungen in ihrem Inneren bewiesen das Vorhandensein von Cholesterin (was auf menschliches oder tierisches Gewebe schließen ließ) und Steroid-Hormonen wie etwa Östron, so dass als sicher gelten kann, dass die Gefäße dazu benutzt wurden, menschliche Plazenta zu begraben - dies geschah dem örtlichen Brauchtum folgend, um das gesunde Wachstum der Kinder sicherzustellen.
    Leider beschränkt sich Bahn hierauf, kein Ortsname, keine Literaturangabe, nichts weiter (das ist die Schwäche des Buches). Hat jemand schon mal von dem Brauch gehört oder kennt zufälligerweise Details zu der/den Grabung/en? Wo hat man das gefunden?​
     
  2. Bantelli

    Bantelli Mitglied

    Das hat mich auch sehr erstaunt und noch mehr die Kommentierungen im Netz:

    In vielen Kulturen gilt die Plazenta als der "Zwillingsbruder" des Babys, da er seit 9 Monaten mit ihr lebt. In der Vorstellung gibt es eine Art Verwandtschaft zwischen Baby und Plazenta, eine spirituelle Verbindung, die sie verbindet. Aus diesem Grund muss man sich darum kümmern.

    Bestattung der Plazenta
    Viele Bräuche verlangen, dass die Plazenta nach der Geburt begraben wird. Das gibt dir Sicherheit, denn nichts kann ihm passieren, wenn er einmal unter der Erde ist. Der Ort, an dem er begraben liegt, wird manchmal sogar geheim gehalten, um einen maximalen Schutz zu gewährleisten. Symbolisch wird die Plazenta mit dem Heimatland identifiziert: Durch die Bestattung der Plazenta dort wird das Kind ein Leben lang mit seinem Geburtsort verbunden. "Wo deine Plazenta begraben ist, wirst du zurückkehren", sagt ein afrikanisches Sprichwort.
    Dieser Glaube beschränkt sich nicht nur auf ferne Länder: In unseren Gesellschaften ist es seit langem üblich, die Plazenta unter einer Eiche zu begraben, wenn das Neugeborene ein Junge war, damit es die Kraft dazu hätte. Wenn es sich um ein kleines Mädchen handelte, wurde die Plazenta unter einem Rosenstock oder einem anderen Strauch begraben, um der Frau, die gerade dabei war, Schönheit und Entwicklung zu garantieren. Diese Praxis, die bis vor einem Jahrhundert üblich war, ist mit der Zeit allmählich selten geworden.

    Zerstörung durch Feuer
    In vielen südamerikanischen Völkern wird die Plazenta verbrannt, um sie schnell loszuwerden und so zu verhindern, dass böse Geister sie angreifen, um das Baby zu erreichen.

    Langsamere Trennung
    Einige ethnische Gruppen halten es für gefährlich, das Baby zu schnell von der Plazenta zu trennen. Das wäre zu brutal nach 9 Monaten des Zusammenlebens! Die Plazenta wird daher einige Tage lang aufbewahrt. In Kambodscha zum Beispiel wird es in Bananenblätter und Salzpulver eingewickelt (Salz ist ein Schutzelement), bevor es 3 Tage später entsorgt wird.


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