Napoleon Bonaparte und seine Familie

Dieses Thema im Forum "Französische Revolution & Napoleonische Epoche" wurde erstellt von MMMMM, 25. März 2011.

  1. MMMMM

    MMMMM Neues Mitglied

    Heey... :)

    Es geht mal wieder,wie so oft in letzter Zeit bei mir,um Napoleon Bonaparte.
    Diesmal geht es darum,dass ich euch fragen möchte,warum Napoleon Mitglieder seiner Familie als Regenten einsetzte ?

    Vielen Dank schonmal im Vorraus :)
     
  2. floxx78

    floxx78 Aktives Mitglied

    Blut ist dicker als Wasser.

    Die Loyalitätsbeziehung ist eine engere, als zu politischen "Freunden", die ihr Fähnchen eben meist schneller in eines anderen Winde hängen.
     
  3. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Das hat aber auch eine Kehrseite. Einen Verwandten kann man nicht einfach so absägen. Ein politischer Freund lässt sich leichter aus dem Amt jagen.

    Kann es sein, dass Napoleon weniger politisch dachte? Er brachte eben seine Familie unter, weil es auf Korsika auch so üblich gewesen wäre. Die freudsche Rolle der Mutter z.B.? Welche Rolle spielte sie bei ihm?

    Napoleon war ein Militär. Ein Getriebener seiner Erfolge. Politische Rafinessen waren eher nebensächlich. Er war eben kein Richelieu.
     
  4. floxx78

    floxx78 Aktives Mitglied

    Ja, das mag die andere Seite der Medaille sein. Man will die Seinen versorgen und nimmt dabei deren Inkompetenz in Kauf. Im Gegenzug gibt es mehr Loyalität.

    Verzeih mir die extreme didaktische Reduzierung hier. Ich dachte, sie sei erstmal angebracht.

    Der Fall des Jerome Bonaparte ist da z. B. natürlich durchaus vielschichtiger zu betrachten.

    Vielleicht wagen wir uns ran?
     
  5. excideuil

    excideuil unvergessen

    Sehr interessante Gedanken.

    Die korsische Familientradition spielt wohl tatsächlich eine größere Rolle als meist angenommen. Nimmt man die Einflußnahme N. auf den Code Civil oder Code Penal, dann kommt sie wohl eher zum tragen als eine revolutionäre republikanische Überzeugung. Und das relativiert erheblich seine eigene Bedeutung für diese Gesetzwerke.

    Grüße
    excideuil
     
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  6. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied


    Es ist ja heute noch in so manchem Land der 3. Welt so, dass Staats- oder Regierungschefs ihre Verwandtschaft mit lukrativen Posten versorgen, besser gesagt: versorgen müssen. Gerade in Gesellschaften, wo an erster Stelle die Familie, der Clan, die Sippe stehen, ist das absolut üblich.

    Ich bin jetzt kein Experte über das Korsika des 18. Jh., denke aber, dass es damals dort auch so üblich war. Bei allen Reformen war Napoleon doch noch diesem althergebrachten Denken verhaftet.
     
  7. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Seinem Bruder Louis das Königreich Holland wieder abzunehmen, bereitete Napoléon offenbar keine Gewissensbisse. Auch machte es ihm nichts aus, das Königreich seines Bruders Jérôme um ein gutes Stück dann wieder zu berauben, was dann Frankreich einverleibt wurde.
    Überhaupt scheint es mir so, dass Napoléon den künstlich von ihm geschaffenen Staaten keinerlei staatliche Integrität zubilligen wollte. Es wirkt auf mich vielmehr so, als ob diese eine Art Verhandlungsmasse bildeteten, mit welcher der Kaiser der Franzosen verfahren durfte, wie er wollte. Ein Zugehörigkeitsgefühl der Bürger dieser neuen Staaten wurde damit schon von oben herab zunichte gemacht oder zumindest erschwert.
     
  8. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied

    "Verhandlungsmasse" passt nicht so ganz, ich denke es war eine Art "Zwang":
    Deine genannten Beispiele, ebenso die Illyrischen Provinzen, Katalonien usw. waren alle franzøsisch geworden, weil die Kontinentalsperre dort nicht so funktionierte, wie sie sollte. N war der Ueberzeugung, dass dies nur durch die direkte Verwaltung durch Frankreich møglich sei.
    So war alles Handeln dieser Kontinentalsperre untergeordnet.

    Recht hast du dennoch, was das Zugehørigkeitsgefuehl der Bevølkerung anbelangt:
    Es gibt noch eine ganze Reihe anderer Gebiete, die "nach Belieben" des Kaisers den Besitzer wechselten: Ein Grossteil von Suedtirol z.B. wurde, kaum das es bayrisch geworden war, italienisch; im Rheinbund gab es auch stændig Gebietsverænderungen.

    Gruss, muheijo
     
  9. Stilicho

    Stilicho Aktives Mitglied


    Gab es das denn in dieser Zeit überhaupt?
    Fühlte sich jemand als Lippe-Detmolder oder als Anhalt-Zerbster?
    Das Rumjonglieren war doch gang und gäbe.
     
  10. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Gerade zu dieser Zeit wurde das immer deutlicher.

    Hier ein Beispiel aus Vorderösterreich: http://www.geschichtsforum.de/565037-post1.html

    Z.T. mag die Anhänglichkeit an einen Landesherren nicht so stark wie in Vorderösterreich ausgeprägt gewesen sein, dafür konnte die Antipathie gegenüber dem neuen Herren um so größer sein. Die Münsterländer sollen 1804 auch nicht so berauscht gewesen sein, als sie an Preußen kamen.
    Die Sachsen, die 1815 zu Preußen mussten, haben auch Zeugnisse ihres Unwillens darob (Quelle habe ich momentan nicht zur Hand) insgeheim geäußert.
     
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  11. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied

    Das wohl bekannteste Beispiel fuer Heimatverbundenheit ist Tirol...

    Gruss, muheijo
     
  12. Stilicho

    Stilicho Aktives Mitglied

    Dien genannten Beispiele betreffen doch mehr Regionen als Staaten.
    Die Tiroler fühlten sich doch eben als Tiroler, nicht als Habsburger oder Österreicher.
     
  13. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied

    Da muss ich schon widersprechen: Die Rueckkehr zum Habsburgerreich war erklærtes Kriegsziel der Tiroler unter Andreas Hofer.

    Gruss, muheijo
     
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  14. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Das ist sicherlich richtig, doch darf man nicht vergessen, dass es auch an anderen Orten Europas national gefärbte Freiheitsbewegungen gegen Napoleon kämpften. So gab es im Mai 1808 einen Volksaufstand in Madrid, an den sich Jahre des bewaffneten spanischen Widerstands gegen die französische Herrschaft anschlossen, die man als "Guerillakampf" bezeichnen kann.
     
  15. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied


    Hierzu ein kleines Zitat:

    Ich denke, das beschreibt den Sachverhalt ganz gut.

    Übrigens: Das Zitat stammt aus der FAZ von heute; es geht nicht um Napoleon sondern um Gaddafi. Es hat sich halt nichts geändert...
     
  16. excideuil

    excideuil unvergessen

    Ich denke, neben den Spaniern darf man auch die Russen dazuzählen. 1812 zählte nur "Mütterchen Rußland". Das macht der nicht unerhebliche Partisanenkrieg deutlich. Wenn man auch von Nationen erst später spricht, ein nationales Vaterlandsgefühl darf wohl unterstellt werden.

    Grüße
    excideuil
     
  17. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Schön, dass Ihr an die Spanier denkt.
    Aber meine Stammesgenossen, die allemannischen Vorarlberger werden schlicht vergessen.:motz:
    Die haben 1809 (gleichzeitig mit den Tirolern) einen Angriffskrieg geführt, im Allgäu vorgestossen bis Wangen, Lindau belagert, Buchhorn (heute Friedrichshafen) gebrandschatzt, Konstanz per Schiff überfallen.
    Als Reaktion gab es die vermutlich einzige württembergische "Flottenaktivität" der Weltgeschichte:rofl:.
    Aber unser König Wilhelm hat sich dann als "wahrer deutscher Mann" verhalten, und den Führer des Vorarlberger Aufstands nicht den Franzosen ausgeliefert.
    Was vermutlich der Grund ist, fehlender erschossener Freiheitsheld, dass dieser Freiheitskampf heute weitgehend vergessen ist.
     
  18. Repo

    Repo Neues Mitglied

    was schreibe ich da für einen Stuss?
     
  19. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das Wort guerilla stammt, um genau zu sein, aus dieser Zeit. Es hat zwar schon vorher diese Art der Kriegführung gegeben, aber rein wortgeschichtlich ist der Kampf der Spanier gegen Napoleon die Ur-Guerilla.
     
  20. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied

    Hier muss man allerdings strikt trennen zwischen den (ex-)"polnischen" und "russischen" Gebieten Russlands; nicht alle mochten unter den Fittichen von Muetterchen Russland leben, sondern fuehlten sich eher zur polnisch-franzøsischen Sache hingezogen. (Und wurden dann enttæuscht)

    Gruss, muheijo
     

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