Neue archäologische Entdeckungen

Dieses Thema im Forum "Archäologie" wurde erstellt von Carolus, 4. August 2017.

  1. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

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  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Es ist immer naiv Quellen über Zerstörungen von Städten und Burgen wortwörtlich zu lesen. I.d.R. handelt es sich um Überdramatisierungen. Z.B. wird im Mittelalter häufiger davon berichtet, dass ein König eine Burg schleifen ließ, um einen unbotmäßigen Adeligen zu bestrafen. Im Jahr darauf ist der König auf derselben Burg zu Gast. Wie kann das sein?
    Offensichtlich wurden solche Befehle nur teilweise ausgeführt, als symbolische Akte, anstatt die ganze Burg zu schleifen, riss man eine Mauer oder einen Turm ein, was sich einigermaßen schnell wieder herstellen ließ.

    Hier liegt natürlich der Fall etwas anders: Die Chaldäer erobern Jerusalem und zerstören viel und rauben das Tempelgut.
    Der fragliche Satz in 2. Kön 25, 10 lautet:

    וְאֶת־חֹומֹ֥ת יְרוּשָׁלִַ֖ם סָבִ֑יב נָֽתְצוּ֙ כָּל־חֵ֣יל כַּשְׂדִּ֔ים אֲשֶׁ֖ר רַב־טַבָּחִֽים׃
    wə ’eṯ-ḥōwmōṯ yərūšālaim sāḇîḇ nāṯəṣū kāl-ḥêl kaśdîm ’ăšer raḇ-ṭabbāḥîm.

    und die Mauern Jerusalems rundherum brach die ganze Armee der Kasdim/Chaldäer ... ab
    Was heißt das nun? Dass die Armee die Mauer rundherum abbrach? Oder das die Armee die Mauer abbrach, die rundherum führte? Und selbst wenn ersteres der Fall war: Wieso sollen wir die Stelle wortwörtlich verstehen? Auch wenn wir sagen "Da ist kein Stein auf dem anderen geblieben", meinen wir das in der Regel ja nicht tatsächlich zu 100 % so, sondern wollen das Ausmaß einer dramatischen Zerstörung irgendwie in Worte fassen. Und das ist auch hier der Fall: Die Katastrophe, nämlich der Fall der Hauptstadt, die Entweihung des salomonischen Tempels und die Gefangenschaft der Elite wird in Wort gefasst.

    Der Satz ist nebenbei komisch. I.d.R. ist die semitische Satzreihenfolge [und]VSO ([und] Verb Subjekt Objekt).
    Hier finden wir aber undOAVS (A steht hier jetzt mal für Adjektiv). Die Satzreihenfolge ist also völlig durcheinander. Subjekt ist die Genitivverbindung (Status constructus) kāl-ḥêl kaśdîm (die ganze Armee der Kasdim), Objekt die Genitivverbindung ḥōwmōṯ yərūšālaim + sāḇîḇ (die Mauern Jerusalems ringsum), das Verb ist nāṯəṣū.
    Meines laienhaften Wissens nach müsste der Satz lauten:
    *nāṯəṣū kāl-ḥêl kaśdîm ’ăšer raḇ-ṭabbāḥîm ’eṯ-ḥōwmōṯ yərūšālaim sāḇîḇ
    Aber so lautet er halt nicht.
     
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  3. Xander

    Xander Aktives Mitglied

    Da war Napoleon im Linksrhenischen schon gründlicher! :(
     
  4. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied


    Zum Thema noch ein kurzer Artikel auf Deutsch:

    Abschnitt der Stadtmauer in Jerusalem entdeckt - ANTIKE WELT
     
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  5. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

  6. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Da tust Du ihm Unrecht,das waren die Truppen vom Sonnenkönig Louis XIV im Pfälzischen Erbfolgekrieg unter den Generalen Joseph de Montclar und Ezéchiel du Mas, comte de Mélac..deshalb gibt man in der Pfalz bis heute besonders bösen Hunden den Namen Melac.
     
  7. Xander

    Xander Aktives Mitglied

    Ne, ne, auch unter Napoleon I wurden fleißig Wehranlagen geschliffen (z. B. die Stadtmauer von Aachen).
     
  8. Eumolp

    Eumolp Aktives Mitglied

    Das ist zwar richtig, aber die Verheerungen unter Ludwig XIV waren weitaus dramatischer. Die Festung Mannheim etwa wurde vollständig dem Boden gleichgemacht, da waren selbst die WKII-Schäden nichts dagegen. Aus einem Bericht namens Sehepunkte:
    (Hat jetzt zwar nichts mit den archäologischen Entdeckungen zu tun, trotzdem.) Man sieht damit auch, was "geschleift" etc. bedeuten kann: einmal ein halbzerstörtes Schloss, das andere Mal verbrannte Erde.
     
  9. Korbi

    Korbi Aktives Mitglied

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  10. Korbi

    Korbi Aktives Mitglied

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  11. Lukullus

    Lukullus Aktives Mitglied

    Nach Dänemark in die vorrömische Eisenzeit: Ein Getreidebrei aus Gerste gemischt mit Flachs und Ampferknöterich sowie "Dreschmüll" (threshing waste) und evtl. fetter Fisch (möglicherweise Aal) stellten die letzte Mahlzeit des Tollund-Mannes dar, was evtl. auf ein rituelles Mahl schließen lassen könnte.

    Für die schnelle Übersicht aus der Presse z.B.:
    Ernährung: Die letzte Mahlzeit des Tollund-Mannes
    Und dann die Publikation:
    The last meal of Tollund Man: new analyses of his gut content | Antiquity | Cambridge Core
    Abstract: "The last meal of Tollund Man, a bog body from Early Iron Age Denmark, has been re-examined using new analyses of plant macrofossils, pollen, non-pollen palynomorphs, steroid markers and proteins found in his gut. Some 12–24 hours before he was killed, he ate a porridge containing barley, pale persicaria and flax, and probably some fish. Proteins and eggs from intestinal worms indicate that he was infected with parasites. Although the meal may reflect ordinary Iron Age fare, the inclusion of threshing waste could possibly relate to ritual practices. This re-analysis illustrates that new techniques can throw fresh light on old questions and contribute to understanding life and death in the Danish Early Iron Age."
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. Juli 2021
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  12. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

  13. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

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  14. Lukullus

    Lukullus Aktives Mitglied

    Vermutlich darin, dass das Wort "Überraschung" im Titel eines Artikels über ein die Allgemeinheit vermutlich nicht über die Maßen vom Hocker reissenden Themas dann doch überraschend viele Klicks generiert/garantiert. ;o)
     
  15. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Stimmt eigentlich - sensationelle Erkenntnisse, die zu einer Neubewertung der römischen Geschichte von Augsburg oder des süddeutschen Raumes führen, sind wohl nicht gemacht worden. Nur weitere Puzzlesteine. Aber immerhin...

    Na ja, ob der BR als Teil des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auf diesen Click-Bait setzt, bezweifele ich.
     
  16. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Hier ist noch ein weiterer Artikel zu dem Thema:

    ZEIT ONLINE | Lesen Sie zeit.de mit Werbung oder im PUR-Abo. Sie haben die Wahl.

    In dem Stadtteil Oberhausen haben Archäologen mehr als 400 Kilogramm Funde aus der Römerzeit geborgen. Allein etwa 800 Münzen, zudem Waffen, Werkzeuge, Knochen und der eiserne Reifen eines Wagenrades kamen zum Vorschein.
    Solch eine bedeutende Entdeckung habe es in der schwäbischen Großstadt seit mehr als 100 Jahren nicht mehr gegeben, sagte Augsburgs Stadtarchäologe Sebastian Gairhos am Dienstag. Er hofft nun auf viele weitere Erkenntnisse. «Die Masse an Funden bietet ein enormes Potenzial.» Die geborgenen Objekte hätten eine «Super-Qualität».​

    Desweiteren geht es auch um die Frage, ob nun Augsburg oder Kempten die älteste Stadt Bayerns ist. (Aber das dürfte eher für die dortigen Lokalpatrioten wichtig seien.)

    Ich habe vor einigen Wochen schon irgendwo einen Beitrag dazu gelesen (evtl. auf Facebook) und war ganz überrascht, als ich etwas von einem Römerlagen in Oberhausen sah. Ich habe zuerst an Oberhausen (Rheinland) gedacht und wunderte mich, weil ich von römischen Aktivitäten in der Gegend noch nie etwas gehört habe. Die Lippe als Nachschublinie ist bekannt, aber sollte auch die Ruhr von der Römern benutzt worden sein? Erst auf den zweiten Blick sah ich, dass hier ein mittlerweile zu Augsburg eingemeindetes Oberhausen gemeint ist.
     
  17. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

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  18. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    In Jerusalem haben Archäologen Hinweise auf Zerstörungen gefunden, die sie als Spuren eines in der Bibel erwähnten Erdbebens deuten: Jerusalem: Spuren von biblischem Erdbeben entdeckt
    Die im Artikel zitierte Stelle aus dem Buch Amos befindet sich ganz zu Beginn des Buches und lautet: "Die Worte, die Amos, ein Schafzüchter aus Tekoa, in Visionen über Israel gehört hat, in der Zeit, als Usija König von Juda und Jerobeam, der Sohn des Joasch, König von Israel waren, zwei Jahre vor dem Erdbeben."
    Ich persönlich finde diese Schlüsse allerdings schon eher gewagt.

    Und mutmaßliche geometrische Zeichnungen der alten Babylonier: Schon die Babylonier konnten Geometrie
     
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  19. Naresuan

    Naresuan Aktives Mitglied

    Wie flexibel war man im finnischen Frühmittelalter in Gender-Fragen?
    Die jüngste aDNA Analyse eines bereits 1968 entdeckten Skeletts in einem Grab aus dem 11. oder 12. Jahrhundert bei Suontaka Vesitorninmäki, Finnland, lässt vermuten, dass es sich um eine Person mit zwei X und einem Y Chromosom handelte und darum vielleicht mit weiblichen und männlichen Attributen begraben wurde.

    Medienmitteilung: Nichtbinäre Bestattung: Schwerter, Fibeln und drei Geschlechtschromosomen
    Publikation: A Woman with a Sword? – Weapon Grave at Suontaka Vesitorninmäki, Finland | European Journal of Archaeology | Cambridge Core
     
  20. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

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