Neuerungen in der Landwirtschaft

Dieses Thema im Forum "Alltag im Mittelalter" wurde erstellt von Tempus, 23. Februar 2005.

  1. Tempus

    Tempus Neues Mitglied

    Ein sehr interessantes Thema,wenn auch etwas speziell.

    Erstmal grob zur Situation :
    Über 95% der Bevölkerung West- und Mitteleuropas in Landwirtschaft tätig.
    In der Karolingerzeit (ab etwa 800) verbreitete sich der Gebrauch von Eisen in der Landwirtschaft Europas --> sogenannte Agrarrevolution tritt ein.

    Die wohl entscheidensten Neuerungen :

    Pflugtechnik
    Zuvor Hakenpflug ; ein von Ochsen gezogener Stock ; ging schnell kaputt und Boden musste mit Schaufeln nachbearbeitet werden
    Neuerung : Räderpflug
    bestand aus einem Messer aus Eisen (Sech), das die Grasnarbe aufriss
    einem waagerecht liegendem Messer (Schar), das die Erde waagerecht abschnitt
    und einem Streichbrett, das die Erde umlegte und gleichzeitig zerkrümelte
    --> Arbeitsersparnis

    Zugtechnik
    Zuvor wurden Landarbeit und Transport von Ochsen verrichtet (schnellere Pferde nur als Transportmittel für Adlige und für den Kriegsdienst) ; Räderpflug erforderte eine stärkere Zugkraft als die des Ochsen (er wurde am Anfang mit Hilfe eines Jochs von 6 - 8 Ochsen gezogen)
    --> neue Anschirrmethoden :
    Stirnjoch : ein gepolstertes Brett, das den Ochsen auf der Stirn angelegt wurde ; vervielfachte Zugkraft um das 4-5fache
    Kummet : ein steifer Ring, der den Druck auf Brustkorb und Schultern des Pferdes verteilte ; vervielfachte ebenfalls Zugkraft ; -> vermehrte Nutzung von Pferde

    Erntetechnik
    Zuvor Sichel ; anstrengend und langsam, schneidet zudem Ähren oben am Halm ; wird ersetzt durch
    Sense ; schnellere und einfachere Arbeit, schneidet zudem unten am Boden --> Stroh als Einstreu für ihre Ställe

    Anbautechnik
    Zuvor Zweifelderwirtschaft : ein zu bearbeitendes Gebiet wird im Jahr in zwei Teile geteilt. Während die eine Hälfte bebaut wurde, hatte die andere Zeit, sich als Brachland zu erholen.
    Neuerung : Dreifelderwirtschaft :
    2/3 des Feldes werden bebaut, während 1/3 brach liegt.
    Beiden bebauten Feldstücke werden verschieden bebaut : eins mit Herbstsaat (Weizen/Roggen), das andere mit Frühjahrssaat (Hafer/Gerste) ; Fruchtwechsel steigerte Erträge

    Der landwirtschaftliche Fortschritt ermöglichte :
    - Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion --> Überschuss
    - Verminderung von Hungersnöten
    - Allgemeine Verbesserung der Gesundheit
    - Bevölkerungsanstieg
    - Entstehung von Städten mit handwerklich spezialisierten Bürgern, die als Verbraucher des nun produzierten Überschuss der Landwirtschaft lebten
    - Weitere Verbesserungen der Geräte und Werkzeuge
     
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  2. Tempus

    Tempus Neues Mitglied

    Nach Anfrage :
    Direkte Quellenangabe habe ich nicht. Es ist vielmehr das Ergebnis einer Gruppenarbeit aus meinem Geschichtskurs. Welches ich in Form eines Referates vortragen musste.
     
  3. Livia

    Livia Mitglied

    "ewiger" Roggenanbau

    Die Dreifelderwirtschaft mit jährlich wechselndem Fruchtwechsel und Brache wurde in Norddeutschland vom "ewigen" Roggenanbau abgelöst, dort wurde Roggen zum Hauptgetreide. Um die Böden nicht zu schnell auszulaugen, wurde eine neue Form der Düngung entwickelt: Anderweitig gestochene Rasensoden wurden in regelmäßiger Folge auf die Äcker gebracht, was schließlich zu einer beachtlichen Erhöhung der Humusschichten führte. Durch die Anlage derartiger "Plaggenesche" wurde das Geländerelief in Norddeutschland vielerorts bis heute sichtbar umgestaltet, ermöglichte in ottonischer Zeit aber diesen ertragreichen, "ewigen" Roggenanbau, der seit dem späten 10. Jahrhundert auf immer denselben Feldern eingeführt wurde. Diese neue Wirtschaftsform blieb immerhin bis ins 19. Jahrhundert erhalten und führte durch das Abplaggen vielerorts zur Bildung großflächiger Heiden.

    (Heiko Steuer, Das Leben in Sachsen zur Zeit der Ottonen. In: Otto der Große. Magdeburg und Europa. Katalog Bd.1, Mainz 2001, S.103f.)
     

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