Nordgau?

Dieses Thema im Forum "Die Franken" wurde erstellt von Gast, 29. Januar 2010.

  1. Gast

    Gast Gast

    Hallo zusammen,

    ich wollte mal fragen, ob jemand Infos zum Nordgau hat.

    Soweit ich weiß liegt (oder lag) es ungefähr auf dem Gebiet der heutigen Oberpfalz.

    Mich würde zum Bsp interessieren, ab wann man vom Nordgau gesprochen hat?
    Bezeichnete es nur ein Gebiet oder ein Herzogtum?
    usw. ;)
    Also einfach alles was ihr wisst. Auch wenn ihr Links zum Thema habt würden mich diese interessieren.

    Danke schon mal im Voraus

    MfG
    Forty
     
  2. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Zuletzt bearbeitet: 29. Januar 2010
  3. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    In Kurzform hatte ich dies in einer Anmerkung in einem anderen Thread bereits einmal zu umreißen versucht.

    Vielleicht könntest Du hier präzisieren, was daran für Dich unverständlich ist...
     
  4. Lukrezia Borgia

    Lukrezia Borgia Moderatorin

    Wie soll das hier nach Vorstellung des Themenstarters aussehen? Jeder prustet raus, was ihm zum Nordgau einfällt und wir setzen das dann wie ein Puzzle zusammen? :D


    Es gibt einen relativ neuen Aufsatz von Alois Schmid zur Frühzeit des Nordgaus:

    Schmid, Alois, Der Nordgau im 9. und 10. Jahrhundert, in: Sulzbach und das Land zwischen Naab und Vils im frühen Mittelalter, 2003.

    Ich habe gesehen, dass es das Buch nur in ausgewählten Bibliotheken gibt, aber wenn jemand so gezielt nach dem Nordgau fragt wie der Themensteller, dann wird Regensburg wahrscheinlich die nächstgrößere Stadt sein, wo man sich den Aufsatz besorgen kann. Die dortige staatliche Bibliothek hat den Aufsatz.

    ...und zuverlässig wie Alois Schmid nun mal ist, hat er dort bestimmt sämtliche relevante Literatur, die es dazu gibt, in den Fußnoten plaziert; daher die Empfehlung.
     
    1 Person gefällt das.
  5. Gast

    Gast Gast

    Danke erst mal für die weiteren Antworten.
    Dadurch habe ich auf jeden Fall schon mal mehr Quellen entdeckt.

    Ist vllt wirklich ein bisschen viel verlangt, und vorallem unübersichtlich wenn das Thema so weiter behandelt wird wie bisher. Leider ist es aber so, dass ich mich noch nicht allzu lange mit diesem Thema beschäftige, deswegen ist es etwas schwierig, genaue Fragen zu stellen. Ehrlich gesagt, ist dieses Forum hier so ziemlich meine erste Anlaufstation (bis auf Wiki u google)
    Deswegen ist es schon sehr nützlich, wenn ich weitere Quellen erfahre.

    Ich versuche trotzdem mal ein paar spezifische Fragen zu stellen, die dann leichter beantwortet werden können.

    Also...
    In einer von euch genannten Quelle habe ich z. B. gelesen, dass der Nordgau in früherer Zeit (ca. 7. Jahrhundert) schon teilweise besiedelt war und bestimmte Gebiete eine Art bayrische Grenzmark zur Verteidigung gegen die Franken war.
    Anderswo heißt es aber, dass das Gebiet der heutigen Oberpfalz eher slawisch besiedelt war.
    Was ist jetzt der Fall? Aber wahrsch ist das auch nicht so leicht zu beantworten:) also eher: Lebten diese eher miteinander oder hat das eine Volk das andere verdrängt?

    weiter:
    So weit ich weiß verlor Bayern 788 unter Tassilo III die Unabhängigkeit. Welche Rolle nahm dann der Nordgau ein (Also jetzt unter fränkischer Regierung). Stimmt das, was ich in einem vorherigen Beitrag geschrieben habe, dass die heutige Oberpfalz eine militärische Sperrzone darstellte? Oder gehörte der Nordgau zu einer der Marken von Karl dem Großen?

    Wenn ja ist bekannt, wer ab diesem Zeitpunkt über den Nordgau herrschte?

    Vllt könnt ihr mir ja zu diesen Themen weiterhelfen.

    Aber auch über weitere Quellen würde ich mich freuen:)

    Gruß
    Forty
     
  6. Lukrezia Borgia

    Lukrezia Borgia Moderatorin

    Bevor das hier weiter unbeantwortet bleibt...

    Darüber sind in der Tat nur schwer Aussagen zu treffen. Es gab wohl anfangs Siedlungen mit überwiegend slawischer Bevölkerung, was sich sehr gut an den Ortsnamen nachvollziehen lässt. Dabei ist auffallend, dass es gerade in den östlichen Gebieten (etwa entlang der Naab) gehäuft slawische Ortsnamen gibt - auch, wenn das heut nicht mehr sonderlich auffällt. Du kannst Dir mal die Publikationsliste von Dr. Wolfang Janka ansehen:

    bohemicum.de*Wolfgang Janka*

    Ein wirklich sehr spannendes Gebiet, was ich zuvor nie gedacht hätte. Man kann scheinbar heute noch anhand der Aussprache Einheimischer nachvollziehen, dass Ortschaften, die heute gleich oder ähnlich geschrieben werden, vor bestimmten Lautverschiebungen ganz anders anmuteten. Aber ich bin keine Sprachwissenschaftlerin und halte mich deshalb diesbezüglich ein wenig zurück. Wenn Du gezielt auf der Suche nach einzelnen Ortschaften und deren slawisch-bayerischer Vergangenheit bist, empfiehlt sich das Historische Ortsnamenbuch von Bayern, herausgegeben von der Kommission für Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Der Verantwortliche für dieses Projekt ist übrigens auch besagter Dr. Janka.


    Hm, ich hätte zu dem Thema jetzt gerne einen bestimmten Aufsatz aufgeschlagen, den mein Chef zum Thema Karolinger in Bayern verfasst hat, aber ich hab das Buch wohl momentan verliehen. Vielleicht denke ich die Tage dran, oder Du kannst selbst mal nachblättern. Er befindet sich in dem Sammelband "Die Herrscher Bayerns", herausgegeben von Alois Schmid und Katharina Weigand. Garantieren kann ich allerdings nicht, ob Du was zu Deinem speziellem Thema findest, aber Lesen schadet ja im allgemeinen nicht. Im Spindler dürftest Du dazu mit Sicherheit was finden, den habe ich allerdings nicht in meiner Heimbibliothek.

    Was mir allerdings meine Kenntnisse der Zeit nahelegen ist, dass das Gebiet für die von Karl angestrebte Politik eine untergeordnete Rolle gespielt hat. Sein Focus lag wohl eher Donauabwärts Richtung Karantanien und Italien. Freilich gab es in der Oberpfalz Königsgut, etwa Lauterhofen im Landkreis Neumarkt. Hier habe ich einen fundierten Link gefunden: Schauhuette » Blog Archive » Der karolingische Königshof Lauterhofen

    Dass Bayern mit der Absetzung Tassilos seine Unabhängigkeit verlor, wird übrigens nicht mehr rein negativ gesehen. Karl der Große lies es zu, dass das Herzogtum mit relativ eigenständiger Verwaltung erhalten geblieben ist und so später zur Keimzelle des Ostfränkischen Reichs werden konnte.
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. Februar 2010

Diese Seite empfehlen