Norwegisches Patronym

Dieses Thema im Forum "Sonstiges in der Neuzeit" wurde erstellt von Daityas, 15. Januar 2015.

  1. Daityas

    Daityas Neues Mitglied

    Hallo zusammen,

    so, nachdem ich eine Weile nicht hier war dachte ich, ich mache mal weiter mit meinen Fragen. :D

    Und zwar hätte ich als nächstes eine Frage zu den Namen der beiden Hauptcharaktere/Personen. ;)

    In dem englischen Informationsheftchen wird Christen Skredder Christen the Tailor genannt, sprich Christen der Schneider und auch ein norwegisches Wörterbuch sagt mir, dass Skredder Schneider heißt. Nun würde mich aber interessieren, warum er kein Patronym hat. Zu dieser Zeit (also Anfang 1600) war es anscheinend noch üblich, Patronyme zu verwenden. Oder kamen da langsam schon die anderen Namen? Im Mittelalter (glaube ich?) gab es in anderen Ländern ja schon die Berufsbezeichnung als Nachname. Müsste theoretisch heißen, dass der gute Mann Schneider war, denn man vergibt einen Nachnamen ja nicht einfach so. (Oder irre ich mich da?) Und den Beruf lernt man ja erst später. Heißt das also, dass er seinen Namen hat ändern lassen?
    Und wenn er Schneider war, hat er damit tatsächlich so viel Geld verdient, dass man ihn als reich bezeichnen konnte?
    Und noch ganz kurz wegen seines Vornamen. :) Sowohl in dem Heft, als auch in dem Denkmal wird er mit Ch geschrieben. Auf dieser Seite (nordnorske hekseprosesser 1593-1695) jedoch mit K. Was stimmt nun? (Das K macht für mich mehr Sinn, da man ja auch beispielsweise bei Eric/Erik das K genommen hat, aber ich bin nicht sicher.)

    So, und der gute Morten Olsen hieß im Denkmal und im Heftchen auch einfach Morten Olsen, aber nach oben genannter Seite hieß er Morten Olsen Finn. Wikipedia sagt mir da einmal, dass es vom altnordischen "Finnr" kommen kann und eben "Person aus Finnland" bedeutet, oder dass es auch "Wanderer" oder "Vagabund" bedeutet. Außerdem lebt er ja auch in der Finnmark. Trifft da möglicherweise irgendwas von zu? Und warum hat er überhaupt einen "Zusatznamen"?

    Ich freue mich auf Antworten. :winke:

    Gruß, Daityas :)
     
  2. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied

    Leider kann ich keine eindeutige Antwort geben. Du hast Recht, normalerweise war es ueblich, den Nachnamen nach dem Vater zu geben.
    Berufsbezeichnungen als Nachnamen waren und sind auch heute noch eher unueblich, aber auch nicht auszuschliessen.

    "CH" oder "K", da ist sicher beides møglich (s. auch der fruehere Name fuer Oslo: "Christiania", spæter "Kristiania"), und ich habe manchmal den Verdacht, dass Norweger heute noch nicht genau wissen, wie sie was schreiben sollen. Das gilt insbesondere fuer Ortsnamen.


    Morten Olsen Finn oder Morten Finn Olsen? Es gibt in Norwegen auch noch den sogenannten "Zwischennamen" (Mellomnavn), zwischen dem oder den Vornamen und dem oder den Nachnamen.
    Der war hæufig eine Ortsbezeichnung quasi eine Art Adressenangabe, konnte sogar wechseln wenn man umzog. Oder man erhielt einen Zwischennamen nach einer anderen nahestehenden Person benannt, oder...

    Alles nicht so einfach, da sowohl Vor- als auch Nachnamen meist nicht mit Bindestrich geschrieben wurden/werden. Da ist nicht immer klar, was denn da welcher Name fuer ein Namensteil ist.
    Und um die Verwirrung komplett zu machen: "Finn" ist (auch) ein Vorname.

    Gruss, muheijo
     
  3. Daityas

    Daityas Neues Mitglied

    Danke für deine Antwort. :)

    Alles klar. :) Da es sowieso ein Roman wird, werde ich da wohl irgendwas erfinden. Aber die Berufsbezeichnung wäre wahrscheinlich immer noch am naheliegendsten.

    Ha-ha, okay. :D Christiania habe ich heute erst in unserem Geschichtsbuch in der Schule gesehen und dachte: "Was ist das denn für eine Stadt, die an derselben Stelle wie Oslo liegt?" :p

    Also, auf der Internetseite steht das Finn hinter dem Olsen. So wie es aussieht, wurde das auch direkt von der damaligen "Akte" übernommen. Na ja, wer weiß, wer weiß. Ich könnte mir aber auch keinen logischen Schluss daraus ziehen, warum das jetzt ausgerechnet hinten dran hängt. :D
     
  4. steffen04

    steffen04 Gesperrt

    Zusatznamen sind auch heute in dörflichen Gemeinschaften noch wichtig. Oft sind nur wenige Nachnamen vertreten. Ich würde mal schätzen, dass die Hälfte der Einwohner unseres Dorfes sich die häufigsten fünf Nachnamen teilt.

    Morten Olsen könnte so gebräuchlich gewesen sein, dass der "Finnr" sein wichtiger Name wurde.

    In Teile Österreichs (ich kenne das aus Kärnten) ist der eigentlich inoffizielle Zusatzname als "vulgo" ("gebräuchlich") auf dem Briefkasten vermerkt. Wohl weil der Briefträger sonst die ganzen Hubers nicht unterscheiden kann.

    In einem Roman könnten sich die ehrenvollen Zusatznamen und die weniger ehrenvollen Unnamen ganz gut machen. Da könnte sich Recherche lohnen.
     
  5. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied

    Vielleicht mal diese Dame fragen, die hat mit der Namensliste auch gearbeitet und scheint irgendwie Ahnung zum Thema zu haben: ;)

    Liv Helene Willumsen

    Ich kam auf Ihre Seite zufællig, weil ich im norweg. Telefonbuch nach "Skredder" gesucht hatte.

    Gruss, muheijo
     
  6. Daityas

    Daityas Neues Mitglied

    Das klingt sehr plausibel, finde ich, vielen Dank. :)

    Aber wie entwickelt sich dann so ein Name? Möglicherweise hängt man einfach einen Vornamen hintendran? Wobei, mir fällt gerade ein: Morten Olsen war Sami und Sami waren ja Nomaden, und da "Finnr" Wanderer heißen könnte, wäre das vielleicht auch eine Möglichkeit. Obwohl da ja auch wieder dagegen spricht, dass Sami allgemein Nomaden waren und dann könnte ja jeder so heißen. Und anscheinend hat Morten Olsen auch mit Christen Skredder zusammen Hexerei praktiziert, und das klingt für mich so, als hätten sie das regelmäßig gemacht. Und das geht ja schwer, wenn einer von beiden nicht da ist. (Wann sind die Sami denn überhaupt sesshaft geworden? Waren sie es da schon? Denn dann macht die Nomaden/Wanderer-Erklärung natürlich keinen Sinn.)

    Ah, cool, dankeschön! :) Die schreibe ich mal an.
    Auf der Seite war ich auch schon mal, bin aber nicht auf die Idee gekommen, ihr zu schreiben. :D
     
  7. Daityas

    Daityas Neues Mitglied

    Wow, das ist der Hammer! :D Ich habe der Dame heute Mittag geschrieben und jetzt habe ich schon eine E-Mail in meinem Postfach.

    Sie schickt mir noch alle norwegischen Texte, die in dem Memorial hingen, heißt also, dass ich jetzt vielleicht auch herausfinde, was "silver units" heißt. :p (Das hatten wir ja schon im anderen Thread.)

    Zu Christen Skredder schrieb sie, dass er wohl tatsächlich Schneider von Beruf war und dass er zwar schon ein Patronym gehabt hätte, aber dass er einfach unter diesem Namen bekannt war und man ihn deswegen auch in die Dokumente so eingetragen hat.

    Über Morten Olsen schreibt sie, dass bei Sami im 17. Jahrhundert immer "Finn" oder "Lap" zum Namen hinzugefügt wurde.

    Danke, muheijo, für den absolut tollen Tipp. :D
     
  8. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied

    :yes:

    Das freut mich, zumal du jetzt Informationen aus erster Hand bekommst, anstatt von einem "Zugereisten".

    Daran hatte ich heute auch gedacht, war aber von meiner Seite zu viel Spekulation.
    Schøn, dass wir das nun auch wissen.

    Halte uns doch bitte auf dem Laufenden, wenn's Neuigkeiten gibt, oder neue Fragen.

    Gruss, muheijo
     
  9. Daityas

    Daityas Neues Mitglied

    Klar, mache ich. :) (Wenn ich die norwegischen Texte habe, dann werde ich das von Morten Olsen auch im anderen Thread nochmal posten.)
     

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