Oliver Cromwell

Dieses Thema im Forum "Zeitalter der Glaubensspaltung (1517 - 1648)" wurde erstellt von Jasminovic, 29. Oktober 2015.

  1. Jasminovic

    Jasminovic Neues Mitglied

    Hallo, ich bin mir nicht ganz sicher, ob das der richtige Ort für das Thema ist.
    Ich würde gerne wissen, welche Einflüsse Oliver Cromwell auf die britische Gesellschaft hatte und somit auch auf die Reformation.
    Gerne nehme ich auch Literatur Vorschläge an.

    Freundliche Grüße :)
     
  2. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Prinzipiell war die Reformation schon zuvor abgeschlossen. Allerdings setzte mit Cromwell eine rigorose Anwendung der puritanischen Ansichten im öffentlichen Leben ein. Er selber wurde ja auch als stets sehr schlicht bekleidet beschrieben (einige Originalkleidungsstücke sollen sich erhalten haben). Die Versuche Charles I. auf die Ausgestaltung der Angelikanischen Kirche einzuwirken, waren ja einer der Streitpunkte, die zum Bürgerkrieg beitrugen und scheiterten auch mit ihm (also König Charles). Siehe: https://en.wikipedia.org/wiki/Charles_I_of_England#Religious_conflicts

    Es wird immernoch heftig diskutiert wie es einer nummerisch eher kleineren Gruppe wie den Puritanern gelingen konnte dermaßen das Bild Englands umzukrempeln.
    Sehr schön porträtiert auch Dr. Lucy Wosley in einer Dokumentation der BBC den Unterschied zwischen den Vorstellungen der Puritaner und den Verhältnissen dann wieder in der Restauration: http://www.geschichtsforum.de/754816-post60.html
     
  3. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Cromwell war "nur" ein Akteur im Rahmen eines ohnehin stattfindenden Wandels im Bereich der politischen und religiösen Ideen. Angereichert durch machtpolitische Überlegungen der unterschiedlichen Fraktionen in GB.

    Diese Krise, wie Trevor-Roper sie beschreibt, ist eine Neuorientierung von Weltbildern, die auch mit der "Aufklärung" zusammen hingen und einerseits säkulare Tendenzen aufwiesen und andererseits die Prunk- und Verschwendungssucht der Monarchen und katholischen Kirche kritisierten, die zu einer neuen innengeleiteten Religiösität geführt hatte (vgl. auch Reformation).

    Somit zwei neue Sichten bzw. Weltbilder auf die Gesellschaft in dieser Periode entstanden sind, denen ein Cromwell in seiner Sichtweise auch unterlag und er in diesem Kontext seine Handlungsoptionen interpretieren konnte.

    Die "Spätfolge" des politischen Wirkens von Cromwell kann man dann in der "Glorious Revolution" erkennen, die den Trend zur Veränderung des politischen Systems noch deutlich vorantrieb.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Englischer_B%C3%BCrgerkrieg

    https://de.wikipedia.org/wiki/Glorious_Revolution

    In diesen Kontext bettet Parker seine deutlich umfassendere Sicht auf die Krise des 17. Jahrhunderts ein. Und vermutet, dass auch die sehr deutlichen Einflüsse der "kleinen Eiszeit" einen Einfluss auf das politisch ausgesprochen unruhige 17. Jahrhundert hatte.

    Ergo: Cromwell hat als Person wichtige Entscheidungen im Rahmen der englischen Politik beeinflusst, dennoch darf man seinen Handlungsspielraum nicht überschätzen. Er handelte in sehr engen Grenzen, die ihm der komplexe Rahmen aus Politik, Religion und Gesellschaft vorgegeben hatte.

    Parker, Geoffrey (2013): Global crisis. War, climate change and catastrophe in the seventeenth century. New Haven: Yale University Press.
    Trevor-Roper, H. R. (2001], c1967): The crisis of the seventeenth century. Religion, the Reformation, and social change. Indianapolis: Liberty Fund.
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. Oktober 2015

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