Olmeken, Maya, Azteken - steinzeitliche Kulturen?

Dieses Thema im Forum "Lateinamerika | Altamerikanische Kulturen" wurde erstellt von bender, 5. September 2005.

  1. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    historische u. archäologische Olmeken

    Ich hätte da nur etwas zu deinem ersten Zitat zu bemerken:
    Es dürfte zwar - etwa bei Wikipedia - richtig wiedergegeben sein: Olmecas mag heißen ("die aus dem Land des Kautschuks") von nahuatl: "olli" - "Gummi" und "mecatl" für Abstammung. Die Bezeichnung wurde aus Fray Bernardinos de Sahagúns Historia general de las cosas de Nueva España (= Codex Florentinus) - Bernardino de Sahagún - Wikipedia - übernommen. So heißt es zumindest in den Büchern, die auf die Herkunft des Namens eingehen. Von den so bezeugten historischen Olmeken an der mexikanischen Golfküste zur Zeit der Conquista sind die archäologischen Olmeken freilich zu unterscheiden. Darauf wollte ich nur hinweisen.
     
  2. Klaus

    Klaus Neues Mitglied

    Als Chemiker möchte ich bemerken, dass beides in den Bereich der Organischen Chemie fällt, nur ist das Polymer im einen Fall biochemischen Ursprungs.

    Von den Gebrauchseigenschaften her gibt es keinen bedeutenden Unterschied zwischen Natur- und Synthesekautschuk. (Semantisch kann man natürlich an der Verwendung des Wortes "Kunst"stoff für Naturprodukte Anstoß nehmen.)

    Meine Überlegung bezog sich auf die Erweiterung der technischen Möglichkeiten einer "Stein-"zeitlichen Technologien durch die Verwendung von Metallen einerseits oder aber von gummiartigen Materialien andererseits.
     
  3. tejason

    tejason Aktives Mitglied

    Schöner und interessanter Beitrag Ingeborg. Nur was deine Erinnerungen an den Chemie-Unterricht betrifft muss ich dich korrigieren. Für den Kontext ist es aber ohne Belang:

    Vulkanisierter Kautschuk – also Gummi – gehört chemisch gesehen zu den Kunststoffen/Plastik. Gewöhnlich gliedert man Kunststoffe in die 3 Gruppen der Thermoplaste, Duroplaste und Elastomere, wobei Gummi den Letzteren zugerechnet wird. Synthetische Elastomere, ohne Naturkautschuk als Basis, gibt es erst seitdem der deutsche Chemiker Walter Bock 1927 das entsprechende Verfahren entwickelte. Große, auch rüstungstechnische Bedeutung erlangte das damals Buna genannte Produkt erst während des 2. Weltkrieges und wurde in dessen Vorfeld wegen seiner strategischen Bedeutung in Deutschland stark forciert. Synthesekautschuk ist heute längst nicht mehr auf "Buna-Abkömmlinge" reduziert. Alle diese Kunststoffe sind gewöhnlich Produkte aus der Sparte der organischen Chemie.

    PS: Sorry Klaus, du warst schneller. Man sollte sich beim Schreiben nicht vom PC weglocken lassen *g*
     
  4. Ingeborg

    Ingeborg Moderator Mitarbeiter

    Ich danke meinen chemisch besser aufgestellten Vorrednern für die Korrekturen - und habe festgestellen müssen, daß eine 3 in Chemie wohl doch nix zum Draufeinbilden ist, wenn sie schon über 30 Jahre her ist... :devil: Ich verspreche, daß ich in Zukunft weghören werde, wenn meine Erinnerung mir was aus dem Chemie-Unterricht zuflüstern will :D
     
  5. Ingeborg

    Ingeborg Moderator Mitarbeiter

    Ich habe nach Lektüre des Threads das gestern zitierte Buch mal zum Thema Metallbearbeitung weiter angesehen (Übers. von mir):

    KEOKE, Emory Dean & PORTERFIELD, Kay Marie:
    American Indian Contributions to the World. 15,000 years of Inventions and
    Innovations. 2002, S. 171

    "Der Begriff Metallurgie bezieht sich auf die Wissenschaft, Metalle aus Erzen herauszuziehen, sie zu reinigen und Gegenstände daraus herzustellen. Die Paläo-Indianer der nördlichen Großen Seen waren die ersten amerikanischen Indianer, von denen bekannt ist, daß sie Metall bearbeitet haben, vor ca 6-7.000 Jahren. Susan Hazen-Hammond zufolge (Autorin von "Timelines of Native American History") sind sie die ersten, die auf der Welt Metall bearbeitet haben. Indigene Kulturgruppe in Südamerika, Mittelamerika und in der nordamerikanischen Arktis haben ebenfalls Metall bearbeitet. Die amerikanischen Indianer haben zumeist nicht mit Eisen gearbeitet, da die Vorkommen nicht leicht zugänglich waren. Die Polarinuit, die in der Nähe der Baffin-Bay lebten, stellten jedoch Eisenklingen mit vorhandenen Vorkommen in Form von Meteroriten her. Eisenwerkzeuge aus der Zeit vor dem Kontakt [dh vorkolumbianisch, I.] sind auch an der nordamerikanischen Nordwestküste gefunden worden.

    Die paläoindianischen Metallbearbeiter der Region der südlichen Großen Seen förderten Kupfer aus regionalen Gesteinsformationen - den größten un am leichtesten zugänglichen Kupfervorkommen nördlich des heutigen Mexiko. Um das Metall vom Erz zu trennen schürten diese frühen Metallbearbeiter extrem heiße Feuer, in die sie die kupfererzhaltigen Steine legten. Wenn die Steine weißglühend waren, wurden sie in kaltes Wasser befördert. Hierdurch spaltete sich das kupferhaltige Gestein und fiel auseinander. Der größte Teil des Gestein um das Kupfer wurde so beseitigt und der verbleibende Rest wurde mit Kupferwerkzeugen entfernt.

    Die paläoindianischen Metallbearbeiter stellten Kupferschmuck und -blech her, ebenso kupferne Bohrer, Pfeilspitzen, Hacken, Ahlen, Angelhaken, Hohlmeißel, Messer, Anhänger, Äxte, Kupferperlen und Keile. Zur Formung dieser Gegenstände erhitzten die Metallbearbeiter das Kupfer nochmals, diesmal bis es rotglühend wurde und ließen es dann allmählich abkühlen. Dieser als Tempern bezeichnete Prozeß machte das Material weich und formbar. Die Kupferprodukte der Paläoindianer der Großen Seen wurden von anderen Kulturgruppen hochgeschätzt und wurden ein begehrtes Handelsobjekt. Diese Kupferwaren waren so begehrt, daß heutige Archäologen sie von der Golfküste bis zur Atlantikküste und vom Ohiotal bis in die Plains fanden.

    Außerdem wurde die Kupfertechnologie ca 1.000 B.C. im südlichen Hochland von Peru entwickelt. Die Chavin, die im nördlichen Hochland des heutigen Peru lebten, ware die ersten früheren Amerikaner, die Metallfolie herstellten. Das älteste Stück Kupferfolie wird auf 1.400 B.C. datiert. Ungefähr 2.000 Jahre vor der Eroberung durch die Spanier stellten die Moche Gold- und Silberfolie sowie auch Kupferfolie her.

    Die Moche waren ausgezeichnete Metallbearbeiter. Ihre Schmuckarbeiten erstaunen auch heute. Sie entwickelten um ca 500 AD die Technik des Galvanisierens. Hierbei wird eine dünne Metallauflage mithilfe elektrischen Stroms auf eine Oberfläche gelegt. Die Moche wendeten die Galvanisierung an, um Kupfer mit Gold oder Silber zu überziehen. Diese Arbeiten waren so exzellent ausgeführt, daß die Gegenstände wirkten, als seien sie vollständig aus Gold oder Silber hergestellt.

    Die Moche, die auch nach Erzen gruben und diese schmolzen, entwickelten einen guten Kenntnisstand bezüglich des Läuterns und stellten mit Hilfe dieses Prozesses detailreiche Gegenstände wie Schmuck, Pinzetten, Glocken und Skalpelle her. Sie entwickelten Legierung wie zb eine tumbaga genannte Mischung von Gold, Kupfer und anderen Metallen, die so verarbeitet werden konnte, daß sie wirkte wie Gold. Sie stellten (aus Zinn und Kupfer) Bronze her. Andere von ihnen in Legierungen verwendete Metalle waren Gold, Silber, Platin und Arsen. Blei und Quecksilber verwendeten sie nur selten. Sie waren in der Lage, Zinnober zu verarbeiten und verfügten nicht nur über natürliche Vorkommen von Quecksilber, sondern konnten es auch herstellen. Außerdem entwickelten sie die Techniken des Sinterns und Lötens, um Metalle zu verbinden. Die Moche waren in der Lage, Miniaturperlen aus Gold aus Goldfolie herzustellen, indem sie zwei Stücke zusammenlöteten. Die so erzeugten Perlen waren so klein, daß nur eine Nähnadel in deren Mitte paßte. Wo die zwei Stücke zusammengelötet wurden, ist kaum zu sehen - ein Zeichen für das hohe Können der Goldschmiede.

    Die Inka ... setzen die metallverarbeitenden Traditionen der Moche in Südamerika fort. Inka-Metallarbeiter arbeiteten mit Legierungen und stellten auch Gegenstände aus Gold her. Zwischen 500-1000 AD breitete sich die Kenntnis der Metallbearbeitung durch die Handelsbeziehungen und die Waren nach Norden aus, über 2.400 Meilen Ozean an die Westküste des heutigen Mexiko wo die indigene Bevölkerung lernte, Silber, Gold, Arsen un Kupfer zu bearbeiten sowie verschiedene Legierungen herzustellen, darunter Zinn und Bronze. Die Mixteken, deren Kultur vor der der Azteken blühte, und die Tolteken (ca 950-1200 AD) wurden für ihre Metallarbeiten berühmt. Diese Fähigkeiten gingen an die Azteken über, deren Reich ca 1100 AD etabliert wurde. Zunächst beschäftigten die Azteken toltekische Fachleute und lernten dann selbst den Umgang mit den Metallen. Die von ihnen hergestellten Gegenstände aus Gold oder mit Goldlegierung überwältigten die spanischen Eroberer aufgrund ihrer großen Zahl und Kompliziertheit. "
     
  6. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Prima, @Ingeborg. Da ich das von dir zitierte Buch nicht zur schnellen Verfügung habe: Über die Kenntnis von Bronze im Alten Amerika habe ich schon oft Widersprüchliches gelesen. Gehen die Autoren auf Befunde oder Primärquellen ein? Wofür wurde die verwendet und entsprach das Mischungsverhältnis dem in der Alten Welt? Von Bronzewaffen bei Inkas und Azteken habe ich jedenfalls noch nie gehört.

    Bisher dachte ich immer, das Kupfer der Großen Seen wurde in gediegener Form (Gibt es selten auch natürlich.) kalt gehämmert.

    Und wie haben die Moche den Strom zum Galvanisieren erzeugt?
    Irgendwie habe ich jetzt mehr Fragen als zuvor, alles sehr spannend.
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. Januar 2008
  7. Ingeborg

    Ingeborg Moderator Mitarbeiter

    Das Buch ist aufgebaut wie ein Lexikon, DIN-A-4-Format. Zu den einzelnen Stichworten gibt es Einträge, teils mit Verweisen; außerdem sind zu jedem Stichwort Quellen und weiterführende Lektüre angegeben. Leider gibt es kein Stichwort 'Bronze', 'Galvanisieren' ist auch kein gesonderter Eintrag, daher kann ich dir so ausm Handgelenk deine 'mehr Fragen' nicht beantworten.

    Das Galvanisieren betreffend: ich erinnere mich undeutlich, daß dies auch in anderen (nichtamerikanischen) Kulturen angewendet wurde; vielleicht kann uns da jemand weiterhelfen, der sich in einer anderen Weltgegend auskennt und weiß, wie dort der dazu nötige Strom erzeugt wurde.

    Die Autoren geben folgende Publikationen als Quelle bzw zur weiterführenden Lektüre an:
    Anawali, Patricia Rieff: Traders of the Ecuadorian Littoral, Archeology (Nov/Dec 1997); 48-52
    Benson, Elizabeth P.: The Maya World, 1967
    Driver, Harold E.: Indians of North America. Chicago 1969
    Hazen-Hammond, Susan: Timelines of North-American History: Through the Centuries with Mother Earth and Father Sky. New York 1997
    Mason, J. Alden: The Ancient Civilizations of Peru. rev. ed. New York 1988
    Maxwell, James A.: America's Fascinating Indian Heritage. Pleasantvielle N.Y. 1978
    Oswalt, Wendell: Eskimos and Explorers. Novato Calif. 1979

    Ich frage auch noch mal bei Bekannten (Historiker, Archäologin) wg Veröffentlichungen zum Gebrauch von Metall in indianischen Kulturen an und melde mich dann wieder, wenn ich Literaturhinweise erhalte (kann dauern, geht nach 'Indian Time :D ).

    Achja:
    Ich habe es über die 'deutsche Amazone' bestellt (sorry wg der Schleichwerbung :D) und es innerhalb weniger Tage bekommen. Allerdings liegt das Buch nur im englischen Original vor, eine deutsche Übersetzung gibt es nicht.
     
  8. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Vielen Dank, @Ingeborg. Man hat im Irak kleine partherzeitliche Tongefässe gefunden mit einem Kupferstift drin. Mit Essig gefüllt lieferten sie eine elektrische Spannung. Antike Batterien offenbar. Aber ob es die Moche auch so machten?
    Vielleicht finde ich noch mehr dazu.
     

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