Osterhase?

Dieses Thema im Forum "Kultur- und Philosophiegeschichte" wurde erstellt von silesia, 28. März 2013.

  1. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Die Forumsuche brachte nicht viel, außer Andeutungen im Thema "Hasengesellschaft". Leitet sich der Osterhase nun aus dem Dreihasenbild auf Ostereiern ab?

    Wikipedia führt dagegen einen Medizinprofessor aus dem 17. Jhdt. an, der - wohl in Folge des Dreißigjährigen Krieges - vor übermäßigem Eierverzehr zu Ostern im Elsaß gewarnt hat: "De ovis paschalibus – von Oster-Eyern".

    Und angeblich soll in Westfalen ein Osterfuchs bekannt sein. So ein Durcheinander.:motz:
     
    1 Person gefällt das.
  2. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Ich habe gelesen, daß es auch eine Verbindung zum Hasen gibt, über den Zinstermin zu Ostern. Immerhin gehörte der Hase wie auch Geflügel zu den Realabgaben auf dem Land.
     
    Zuletzt bearbeitet: 28. März 2013
  3. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    in dem Link bzw. Zitat findet sich die germanische Frühlings/Fruchtbarkeitsgöttin Ostara - die es aber nicht gab, d.h. sie ist eine philologische Erfindung oder Konstruktion des 19. Jh., und damit stellt sich die Frage, wo und wie einer erfundenen Göttin der Hase zugeordnet wurde.
     
  4. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Okay, ich habe mal den Link entfernt, bevor ich da was falsches darlege. Danke deku.
     
  5. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Ostara hin oder her, der Hinweis auf den Zinstermin war mir neu. Neben der Ikonographie hätten wir dann einen medizinhistorischen und einen wirtschaftshistorischen Hinweis.

    Gibt es da noch mehr? Offensichtlich haben sich mehrere Disziplinen mit dem Osterhasen beschäftigt.:devil:
     
  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das ist so nicht korrekt. Beda Venerabilis: De Temporum Ratione, Caput XV:

    Es handelt sich allerdings aller Wahrscheinlichkeit nach um eine volksetymologische Herleitung schon bei Beda.
     
    1 Person gefällt das.
  7. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    du willst jetzt aber nicht wie seinerzeit Grimm damit sagen, dass Bedas "Eostre" eine germanische Göttin namens "Ostara" sei, oder?
    allerlei Germanenmythologien des 19. Jhs. haben diese Ostara - aber seither scheint sie dem german. Pantheon abhanden gekommen zu sein.
     
  8. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich wurde gebeten, dies zu übersetzen. Ich mache mal eine Schnellübersetzung, ohne Anspruch auf Genauigkeit:

    Aber die alten englischen Völker [...] berechneten ihre Monate mit dem Umlauf des Mondes, daher übernahmen sie nach dem Brauch der Hebräer und Griechen den Namen des Mondes.
    Wenn aber bei ihnen der Mond mona [genannt wurde], so nannten sie den Monat monath.
    Und der ersten von ihren Monaten, den die Lateiner Januarius rufen, nannten sie Giuli. Dann Februarius den Sol-Monath, den März Rhed-Monath, den April Eostur-Monath, den Mai Thrimylchi, den Juni Lida, den Juli gleichermaßen Lida, den August Vueod-monath, den September Haleg-monath, den Oktober Vuinter-fylleth, den November Blod-monath, den Dezember Giuli, derselbe wie der Name des Januars gerufen wird. [...] Vom Sol-monath wird gesagt er könne der Monat der Nachgeburten sein [??? Sicher falsch übersetzt!!!] welche in ihm in ihren Tagen (der alten Völker der Angeln oder "in seinen Tagen", also den Tagen des Sol-Monaths?) angeboten wurden. Rhed-Monath ist nach ihrem Gott Rheda, dem sie ihn ihm opferten, benannt; Eostur-monath, der jetzt als Montas des Osterfestes gedeutet wird, vor langer Zeit nach der Göttin jener Eostre benannt und in welchem jenes Fest gefeiert wurde, welches den Namen trug, mit dessen Namen jetzt die Osterzeit bezeichnet wird...
     
  9. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich hatte schon darauf hingeweisen, dass es sich

    handelte.
     
  10. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    In einem anderen Thread im Subforum "Frühzeit der Menschheit" wird ja derzeit über die Geistesgeschichte des Neolithikums diskutiert.

    In Bezug auf die Osterbräuche erlaube ich mir zu ergänzen, daß bereits im Neolithikum offensichtlich eine Ostergöttin verehrt wurde, jedenfalls lassen dieses eiförmige, steinerne Artefakten als hochwahrscheinlich erscheinen, die gleichsam als Symbol für diese Gottheit galten. Einer Theorie nach, wurden dieser Gottheit Hasen geopfert, da es auf mehreren neolithischen Gräberfeldern vermehrt Hasenknochen und eben diese eiförmigen Artefakte gefunden wurden. Das Hasen keine Eier legten hatte selbst der gemeine Neolithiker erkannt.

    Die von silesia beschriebene Verwirrung setzte erst im Mittelalter ein, da das prähistorische und antike Wissen verloren gegangen war und es in der Fastenzeit der Hase die Projektionsfolie für das Ende selbiger darstellte. Was Wunder, daß es im sächsischen (Freiberg) sogar einen "Bauerhasen" gibt.

    Freiberger Bauerhase®

    M.
     
    Zuletzt bearbeitet: 28. März 2013
    1 Person gefällt das.
  11. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Weiß jemand, von wann die ersten Abbildungen von eindeutig als solche zu identifizierenden Osterhasen sind?
    Irgendwie ist mir der Osterhase als österliches Symbol in der Volkskunst z.B. noch nie begegnet, bzw. ich könnte mich nicht entsinnen. In den meisten Kunstgewerbemuseen/-sammlungen schaue ich eigentlich alle Exponate an.
     
  12. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Interessanter Ansatz. So hat doch auch schon der Dürrer einen Hasen gemalt. Warum einen Hasen, könnte man sich jetzt Fragen?

    Oder hier im Link, noch mehr Kunst zum Thema Hasen und Ostern:

    onlinekunst.de: Hasen im Gemälde von Francesco del Cossa zum Monat April
     
  13. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich meine, der Osterhase sei eine Erfindung aus dem 18. Jhdt.
     
  14. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Dürers Hasen hätte ich allgemein in das Gebiet der Tierdarstellungen eingeordnet. Man malte alle möglichen Tiere. Warum also nicht auch einen Hasen?
    Es gab ja auch ausgemachte Tiermaler wie Ridinger (primär Pferde, aber auch Rotwild und Jagdszenen) oder v.a. Oudry (heimische und exotische Tiere - hier auch mal ein Hase: File:A Hare and a Leg of Lamb (Oudry).jpg - Wikimedia Commons ).
     
  15. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    So steht das auch hier, verbunden mit Pennsylvania.

    The idea of an egg-laying bunny came to the U.S. in the 18th century. German immigrants in the Pennsylvania Dutch area told their children about the "Osterhase" (sometimes spelled "Oschter Haws"). "Hase" means "hare", not rabbit, and in Northwest European folklore the "Easter Bunny" indeed is a hare, not a rabbit. According to the legend, only good children received gifts of colored eggs in the nests that they made in their caps and bonnets before Easter."

    Easter Bunny - Wikipedia, the free encyclopedia

    EDIT: Man könnte auch fragen, wie die bunt angemalten Eier damit in Verbindung stehen. Nach dem link soll das auf Gebräuche in den orthodoxen Kirchen zurückgehen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 28. März 2013
  16. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Deswegen erstaunt es mich auch, dass Hasendarstellungen mir bspw. noch nicht auf Stichen wie dem berühmten Elementarwerk von Basedow begegnet sind. In Jugendliteratur des späten 18.Jh. kenne ich auch keine Erwähnung von Osterhasen im Zusammenhang mit Festtagsbräuchen. Aber vielleicht sollte ich mal in der Richtung schnüffeln. :fs:

    Auf den Krünitz ist Verlass:
    *

    Man findet den Text unter "Ostereyer"; einen eigenen zu Osterhasen fand ich leider nicht. Der Text ist nicht ganz aus dem 18.Jh., jedenfalls deutlich nach dem Tod von Krünitz (1796) entstanden, wobei man auf ältere Traditionen zurückgreift.

    * siehe weiter dazu: http://www.kruenitz1.uni-trier.de/
     
    Zuletzt bearbeitet: 28. März 2013
  17. Decurion

    Decurion Neues Mitglied

    Ich habe mal gehört, dass Ostern tatsächlich im Römischen Reich der Termin für bestimmte Abgaben war. Der Hase ist schon seit Ewigkeiten Zeichen für Fruchtbarkeit und symbolisiert den auferstandenen Christus, da dessen Botschaft auch "Frucht trägt".

    Dann habe ich noch was anderes gehört, was mich ein wenig verwirrt. Wenn die römischen Legionen oder irgendwelche Soldaten über so 'ne Straße gewandert sind und irgendwelche Menschen (keine römischen Staatsbürger, sondern z. B. Juden) begegneten, dann durften sie von diesen Menschen Verpflegung und Unterkunft erzwingen. Deshalb sind, wenn Soldaten im Vorbeimarsch waren, die Leute von den Straßen geflüchtet. Die Soldaten hätten dann gesagt, diese wären ängstlich wie Hasen. In Verbindung mit dem österlichen Abgabe-Termin würde das Sinn machen, dass die "Hasen" an "Ostern" geflüchtet sind...

    Klingt irgendwie unwahrscheinlich.

    "An einer Stelle der Bibel, dem Ps 104,18 <small class="noprint" title="Einheitsübersetzung bei www.bibleserver.com">EU</small>, wird in älteren Übersetzungen von „Hasen“ gesprochen.<sup id="cite_ref-6" class="reference">[6]</sup> Grund dafür war die lateinische Übersetzung von Spr 30,26 <small class="noprint" title="Einheitsübersetzung bei www.bibleserver.com">EU</small>, in der Hieronymus das hebräische „schafan“ (Klippschliefer) mit „lepusculus“ (Häschen) übersetzte.<sup id="cite_ref-7" class="reference">[7]</sup> Seit der Spätantike wurde diese Stelle als Symbol für den schwachen Menschen (Hase) interpretiert, der seine Zuflucht im Felsen (Christus) sucht. Diese Auslegung begründete die Hasensymbolik in der christlichen Ikonographie."

    http://de.wikipedia.org/wiki/Osterhase
     
    Zuletzt bearbeitet: 28. März 2013
  18. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ziemlich! Vielmehr dürfte der Grund sein, dass man den Winter über Hasen eigentlich kaum sieht, sie dann aber - gleichzeitig mit der Osterzeit - wieder überall auf den Feldern zu sehen sind. Ein Symbol für die Wiederauferstehung nach dem Tod.

    Das ist interessant, weil dies auch die Überlieferung des Namens Hispania ist. Spanien ist das Herkunftsland der Kaninchen. Die Phönizier verbanden deshalb Spanien mit dem Klippschiefer und nannten es Hišpaniim (ה]שפניים] - [ha]špnjjm), woraus das römische (Hi)Spania wurde. Auf römischen Münzen ist daher das Karnickel neben dem Ölbaumzweig eines der Attribute der Allegorie der Hispania:
     

    Anhänge:

    Zuletzt bearbeitet: 28. März 2013
  19. Maglor

    Maglor Aktives Mitglied

    Ich glaube nicht, dass es irgendeinen Sinn ergibt ins das Mittelalter, die christliche Spätantike oder die Urwälder Germaniens ausholende Erklärungen auszuspinnen, ohne überhaupt nachzuweisen, dass es damals schon Osterhasen, oder wenigstens die Vorstellung ebensolcher gab.

    Luther übersetzte hebräisch "schafan" bereits mit Klippdachs, ohne tiefere Kenntnise der Zoologie.
    Luthers Übersetzung dürfte im deutschen Sprachraum - dem Hauptverbreitungsgebiet der Osterhasen - schon sehr prägend gewesen sein.

    Aller Spekulation zum Trotz scheint die Entstehung des Brauches durch eine zeitgenössische Schriftquellenoch ganz gut zu datieren zu sein.
    Zitat Kinderprogramm ZDF Logo
    • Im Jahr 1682 erwähnte ein Arzt aus Heidelberg erstmals den Osterhasen. Ihm zufolge soll der Brauch im Elsass, in der Pfalz und am Oberrhein entstanden sein.

    Als veritables Dokument kann auch diese Chronik gelten:
    Das erklärt sicherlich, warum danach der Osterhase nicht mehr gesichtet wurde.
     
    Zuletzt bearbeitet: 28. März 2013
  20. buschhons

    buschhons Aktives Mitglied

    Genau das scheint auch mir der maßgebliche Grund zu sein, warum der Hase mit Ostern verknüpft wurde.


    Man kann ja mal die "Ostereier" analog zum "Osterhasen" betrachten:

    Das Ei hat ohne Frage für den Christen eine tolle Symbolik: Es gleicht von außen einem kalten, toten Stein, dem Felsengrab Jesu. Trotzdem geht aus ihm Leben hervor > die Auferstehung Jesu. Aber ich denke, dass diese Symbolik nur ein sekundärer Grund ist, warum das Ei im Brauchtum mit Ostern in Zusammenhang gebracht wurde. Der primäre Grund ist natürlich der, dass um die Osterzeit die ersten Gelege von Rebhühnern, Kiebitzen, Fasanen, Wachteln usw. im Gelände zu finden waren und vor allem dass die domestizierten Hühner nach langer Winterpause endlich wieder begannen zu legen (die alten Hühnerrassen produzieren im kalten Winter ja nicht wirklich nennenswert Eier). Reichlicher Eier-Segen und Ostern fallen in dieselbe Jahreszeit, sie fallen zeitlich zusammen.
    Genauso verhält es sich auch mit der Sichtung einer Vielzahl von kämpfenden, buhlenden, spielenden, tanzenden und sich das frische Frühlingsgrün schmecken-lassenden Feldhasen auf den Feldern und im Garten nach langer Winterpause und dem Osterfest. Es besteht eine ziemliche Gleichzeitigkeit. Da ist der Schritt, nicht nur vom "Osterei", sondern auch vom "Osterhasen" zu sprechen und dann auch diesem Osterhasen eine passende Frühlings-/Fruchtbarkeits-Symbolik und/oder eine christliche Symbolik beizulegen, nur ein sehr kleiner Schritt.

    Aber warum bringt der Osterhase die Ostereier??? Na, weil's andersherum noch unglaublicher wäre.=) Spaß beiseite: ... vielleicht deshalb, weil sich auf denselben Feldern, auf denen sich die Hasen ausgetobt haben, Gelege der Wildhühner einsammeln ließen? Wäre eine Möglichkeit. Vielleicht auch einfach nur, weil man einen Eier-bringenden Osterhasen für eine nette Erklärung für die Kinder hielt, die zu Ostern gefärbte Eier suchten und ja genau wie die Erwachsenen die Hasen in Feld und Garten beobachten konnten. Eine Verknüpfung lag beinah auf der Hand. So könnte ich mir das zumindest vorstellen.

    Meine These ist also die etwaige Gleichzeitigkeit von Eier-Fülle und Hasen-Beobachtungen mit Ostern. Ob's stimmt, weiß ich allerdings nicht.
     

Diese Seite empfehlen