Otto von Freising

Dieses Thema im Forum "Persönlichkeiten im Mittelalter" wurde erstellt von ShadowHunter, 19. Juli 2011.

  1. ShadowHunter

    ShadowHunter Neues Mitglied

    Hallo allerseits,
    ich hätte eine Frage zu Otto von Freising bzw. dessen Ansicht zur Unterstützung des Papstes gegen den lombardischen Städtebund im 12. Jh.
    Otto von Freising war ja gegen die kommunale Bewegung in Italien zu dieser Zeit und er sympathisierte doch auch mit dem Papst, oder? (Er war ja selbst Bischof und bezeichnete den Papst u.a. auch als "edel", "vornehm gesinnt" und von "großer Weisheit")
    Welche Haltung hatte er jedoch dazu dass der Papst die kommunale Bewegung in der Liga Lombarda unterstützte? Oder sehe ich das falsch, dass Otto für den Papst war?
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Zunächst einmal: Ich habe keine Ahnung vom Thema, daher will ich dir ein paar Fragen stellen:

    Päpste wechseln ja schon mal: Bist du sicher, dass der von Otto gelobte Papst derselbe ist, wie der, der die Lombarden unterstütze?
    Dass Otto Bischof war, ist zunächst für sein Verhältnis zum Papst durchaus irrelevant. Otto war auch Reichsfürst, da sah er gewisse Dinge in Ultramontanien einfach anders. In welchem Schriftsstück lobt er den Papst also, welchen Zweck hat es?
    Äußert sich Otto in seinen Schriften über die Lombarden eher als Reichsfürst oder als Theologe?
    Wie ist die Haltung des Papstes zu sehen, ist dessen Einstellung eher von seiner Funktion als Oberhaupt der lateinischen Christenheit zu sehen oder eher als Monarch des Kirchenstaates?
    Wann lobte Otto den Papst und wann wurde das Lombardenproblem relevant?
     
  3. Lukrezia Borgia

    Lukrezia Borgia Moderatorin

    Als der Lombardenbund gegründet wurde, war Otto von Freising bereits tot.
     
    1 Person gefällt das.
  4. ShadowHunter

    ShadowHunter Neues Mitglied

    stimmt, er war tot, wie doof, dann anders formuliert... es gab ja den kaiser-papst-konflikt schon längere zeit über (investiturstreit etc, war ja mit dem wormser konkoradt auch nur auf dem papier beigelegt oder?) hatte otto von freising da ne position?
    ja ich weiß, er war reichsbischof und reichsfürst.. wie ists denn normal in dieser zeit? haben solche weitl+geistl. herrscher eine eindeutige position pro/contra kaiser/papst? theoretisch müssten sie ja so eine art mittelweg finden. haben sie vermittelt o.ä. zw weltl. und geistl. macht?
    und naja immer noch die frage: weiß jmd wie otto von freising sich in dem punkt verhielt?
     
  5. Lukrezia Borgia

    Lukrezia Borgia Moderatorin

    Otto von Freising war der Onkel von Friedrich Barbarossa und stand auf seiner Seite. Er verfasste auch die Gesta Friderici Imperatoris. Vielleicht lohnt es sich für Deine Fragestellung, Dich eingehender mit diesem Werk zu beschäftigen.

    Ist es für die Schule oder für die Uni?
     
  6. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

    Das war sozusagen der Kern des Investiturstreits. Wer den Bischof einsetzte, konnte auch Loyalität erwarten. Die Bischöfe waren aber nicht immer so "folgsam" oder haben sich das Prinzip zunutze gemacht, "wenn zwei sich streiten, freut sich der "Dritte".
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. Juli 2011
  7. Imperator

    Imperator Premiummitglied

    Da zahlt es sich doch glatt aus, dass ich meine Magisterarbeit darüber schreibe... Also Otto hielt weder eindeutig zum Papst noch eindeutig zum Kaiser. Wie man aus seinem ersten Geschichtswerk, der Chronica, herauslesen kann, beurteilte er den Investiturstreit als Ende der civitas permixta, als Ende der Verschmelzung von civitas Dei (Gottesstaat) und civitas terrena (irdischer staat), also: als Beginn des Weltuntergangs. Insofern besaß Otto großes Interesse daran, dass eine Eintracht zwischen Kaiser und Papst herrschte. Im Konflikt zwischen Papst und Kaiser bezog er daher auch keine eindeutige Position; Rahewin (der die Bücher III und IV der Gesta verfasst hat) sagt im Zusammenhang mit dem Eklat von Besancon, dass dieser Otto sehr geschmerzt hatte. Wie der Historiker Sverre Bagge bereits herausgearbeitet hatte, war das Verhältnis zwischen Reich und Kirche (neben der Gerechtigkeit des Herrschers) eines der Hauptdiskurse seiner Gesta. Insofern lässt sich als Darstellungsabsicht der Gesta herausarbeiten, dass Otto gewillt war, Barbarossa (dem das Werk ja gewidmet war) dazu zu ermahnen, ein einträchtiges Verhältnis zum Papst aufzubauen (entgegen weitläufiger Meinung sind die Gesta nicht jene panegyrische Hofgeschichtsgeschreibung, für die sie lange gehalten worden sind; warum auch? Wie Jürgen Dendorfer anhand von Zeugenschaften in Urkunden feststellen konnte, war das Verhältnis zwischen Otto und Barbarossa sogar vergleichsweise trüb). Lange Rede, kurzer Sinn: Im Streit zwischen Papst und Kaiser war Otto neutral, sein "Traum" wäre ein einträchtiges, unproblematisches Verhältnis zwischen beiden gewesen, wie es (aus seiner Sicht) vor dem Investiturstreit bestanden hat. Wenn du noch weitere Fragen dazu haben solltest: Nur zu!
     
    4 Person(en) gefällt das.

Diese Seite empfehlen