Parlamentarismus contra Rätedemokratie

Dieses Thema im Forum "Die Weimarer Republik" wurde erstellt von Gast, 14. November 2004.

  1. Gast

    Gast Gast

    Weimarer Republik

    Parlamentarismus contra Rätedemokratie

    Welches Demokratieverständnis besitzt die Bevölkerung zur Zeit der Weimarer Republik?
     
  2. Leopold Bloom

    Leopold Bloom Neues Mitglied

  3. Germanicus

    Germanicus Neues Mitglied

    @ Gast

    @ Gast
    Also die meisten Bürger hatten gar kein Demokratieverständnis. Sie kannten diese Regierungsform nicht. Es ging den Bürgern meiner Meinung nach auch nur Sekundär um die Demokratie, vielmehr standen die Themen Arbeitslosigkeit, Wirtschaftskrise und die "Schmach von Versaille" im Vordergrund.
     
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  4. Lukrezia Borgia

    Lukrezia Borgia Moderatorin

    Hierzu ein Zitat von meinem Liebling:

    "Denn mit der Freiheit steht es wie mit den schweren und kräftigen Speisen oder mit den starken Weinen, die geignet sind, die robusten Naturen, die an sie gewöhnt sind, zu nähren und zu stärken, während sie die Schwachen und Empfindlichen, die nicht für sie geschaffen sind, überwältigen, zugrunderichten und trunken machen. Sind die Völker einmal an Herrscher gewöhnt, so sind sie nicht mehr imstande, sie zu entbehren. Wenn sie versuchen, das Joch abzuschütteln, entfernen sie sich um so mehr von der Freiheit, als sie diese mit einer uneingeschränkten Zügellosigkeit verwechseln, die der Freiheit engegengesetzt ist, und ihre Revolutionen sie daher fast immer Verführern ausliefern, die ihre Ketten nur noch schwerer machen."

    Rousseau, Abhandlung über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleiheit unter den Menschen
     
  5. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

    Woher auch sollten sie ein Demokratieverständnis haben. Die Reichsgründung 1871 war ein
    Fürstenbündnis ,dominiert von Preußen.
    In Preußen scheitert der Versuch, ein demokratisches Wahlrecht einzuführen. Kaiser Wilhelm II. hatte in seiner Thronrede bereits 1908 eine Änderung des Dreiklassenwahlrechts in Aussicht gestellt, um sich in Preußen dem Reichstagswahlrecht (frei, gleich, direkt und geheim) anzunähern. Doch was Reichskanzler und preußischer Ministerpräsident Theobald von Bethmann-Hollweg vorlegt, reicht Befürwortern wie Gegnern nicht. Das Dreiklassenwahlrecht wird nur abgeschwächt, nicht abgeschafft. :rolleyes:
     
  6. Mercy

    Mercy unvergessen

    Jetzt bin ich einigermassen ratlos.
    Die Wähler in der Weimarer Republik waren keine Demokraten? Ebert wurde von undemokratischen Wählern gewählt? Erzberger, Vizekanzler und Finanzminister, von Antidemokraten gewählt?
     
  7. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied


    Das wollte ich freilich nicht behaupten. Du hast völlig recht, die genannten Exponenten der Weimarer Republik sind demokratisch gewählt.
    Was ich ausdrücken wollte ist im Grunde genommen eine Interpretation des häufiger zitierten
    Spruchs;" Die Weimarer Republik ist nicht aus Mangel an Demokratie zugrunde gegangen, sondern aus Mangel an Demokraten "

    Hier frage ich mich eben, wie soll die breite Masse der Wähler damals die Demokratie als Staatsform verstehen und verteidigen, wenn nicht genügend Übung und Tradition zur Verfügung stand, wie das mit auf -und ab in z.B. England und Frankreich der Fall war.
    Die vielen Parteien, die die unterschiedl. Interessen und Ideologien transportierten, waren meiner Meinung nach aus dieser noch mangelnden Tradition nicht in der Lage mit parlamentarischen Mitteln und Politik ihre so plötzlich zugewachsene Verantwortung im Sinne des Wortes "wahrzunehmen". Ein Demokrat ist ein mündiger Bürger. Diese Erfahrung konnte bei der Mehrheit der Wähler sozusagen noch nicht intus sein.
     
  8. Germanicus

    Germanicus Neues Mitglied

    @Mercy

    @ Mercy

     

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